Folge uns
.

Auswärtsspiel

VfB-Fan Lennart Sauerwald: „Ich sehe Stuttgart auf einem guten Weg“

Den Überraschungscoup aus Leipzig will der 1. FC Köln im Heimspiel gegen den äußerst formstarken VfB Stuttgart vergolden. Mit VfB-Fan Lennart Sauerwald sprechen wir über die Partie.

STUTTGART, GERMANY - OCTOBER 13: Dominique Heintz of 1.FC Koeln scores a goal during the Bundesliga match between VfB Stuttgart and 1. FC Koeln at Mercedes-Benz Arena on October 13, 2017 in Stuttgart, Germany. (Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)
Foto: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images

Sportboss Michael Reschke wirkte in dieser Phase nicht immer souverän, er scheint das Spiel mit der Öffentlichkeit noch nicht in Perfektion zu beherrschen. Wie siehst du sein Wirken beim VfB?

Michael Reschke begann seine Amtszeit mit der gleichen schweren Hypothek wie Tayfun Korkut: Er wurde – und wird – ständig mit seinem Vorgänger Jan Schindelmeiser verglichen, der kurz vor Saisonbeginn entlassen wurde – vermutlich weil Präsident Wolfgang Dietrich keinen zweiten starken Mann im Verein neben sich duldete. Eine schlüssige Erklärung, die eine andere Vermutung zulässt, habe ich bisher noch nicht gehört. Schindelmeiser erscheint vielen immer noch als die Antithese zu Reschke: Eloquent, smart und mit dem Auge für junge entwicklungsfähige Spieler wie beispielsweise Benjamin Pavard. Reschkes rheinischer Zungenschlag wirkt hingegen auf viele genauso hölzern wie seine inhaltlichen Aussagen. Es ging also zunächst auch viel um Sympathie.

Reschkes rheinischer Zungenschlag wirkt auf viele genauso hölzern wie seine inhaltlichen Aussagen. Wer Kritiker seiner Transferpolitik (Stichwort „Reschkerampe“) als „ahnungslose Vollidioten“ bezeichnet, stößt naturgemäß nicht auf viel Gegenliebe.

Haben seine Auftritte seinem Ansehen zusätzlich geschadet?

Einen Preis dafür wird er wohl in Stuttgart auch nicht mehr gewinnen. Das hängt zum einen damit zusammen, dass er viele unbeholfene bis dämliche Aussagen getroffen hat und zum anderen, dass seitdem jedes seiner Worte auf die Goldwaage gelegt wird. Wer Kritiker seiner Transferpolitik (Stichwort „Reschkerampe“) als „ahnungslose Vollidioten“ bezeichnet, stößt naturgemäß nicht auf viel Gegenliebe. Es hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass er bisher immer in der zweiten Reihe agierte und das Rampenlicht nicht gewöhnt ist – und anscheinend noch kein Medientraining genossen hat.

STUTTGART, GERMANY - DECEMBER 08: Michael Reschke looks on prior to the Bundesliga match between VfB Stuttgart and Bayer 04 Leverkusen at Mercedes-Benz Arena on December 8, 2017 in Stuttgart, Germany. (Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Und wie beurteilst du seine Arbeit am Kader?

Ähnlich wie bei Tayfun Korkut fällt es mir schwer, seine Arbeit abschließend zu bewerten. Er hat kurz vor Saisonbeginn noch die erfahrenen Andreas Beck und Dennis Aogo sowie Santiago Ascacíbar verpflichtet. Während Letzterer sofort eingeschlagen hat und von Beginn an Stammspieler war, haben Beck und Aogo einen schweren Stand bei den Fans. Eben weil sie von Reschke verpflichtet wurden und leistungsmäßig auch keine Bäume ausreißen. Positiv ist auf jeden Fall die Verpflichtung von Erik Thommy aus Augsburg, der Euch am Sonntag wahrscheinlich einige Probleme bereiten wird. Zwei große Kritikpunkte sind für mich die schlecht organisierte Neuausrichtung der zweiten Mannschaft – im Winter verließen drei Führungsspieler den Verein, weil sie nicht wussten, ob die zweite Mannschaft im Sommer noch existiert – sowie die Entlassung von Hannes Wolf. Wir dachten alle, die Zeit der ständig wechselnden Trainer beim VfB sei vorbei. Zur Geschichte gehört zwar auch, dass Hannes Wolf ihm und Dietrich seine Entlassung angeboten hat. Aber meiner Meinung nach hätte man dieses Angebot ausschlagen und ihm stattdessen den Rücken stärken sollen. An der Länge der Antwort siehst Du schon: Es ist nicht einfach bei uns derzeit.

>>> Der neue starke Mann beim 1. FC Köln: Ist Armin Veh der neue Volker Finke?

Ein anderer heißdiskutierter Personalwechsel fand im Sturm statt. Aufstiegsheld Simon Terodde knipst nun für uns, dafür ist bei Euch Mario Gomez zum VfB zurückgekehrt. In der Konsequenz eine Situation, die nur Gewinner hervorgebracht hat?

Mittlerweile muss man sagen: Ja. Ich gehe mittlerweile – vorsichtig optimistisch, wie gesagt – davon aus, dass Gomez die nötigen Tore für den Klassenerhalt schießen wird. Und wenn Ihr drin bleibt, dann sicherlich auch wegen Simon Terodde. Wenn nicht, habt ihr mit ihm auf jeden Fall ein Pfund im Aufstiegskampf. Im Winter habe ich mich allerdings noch über diesen Wechsel geärgert. Zum einen weil der VfB im Abstiegskampf einen Stürmer, der in den letzten beiden Spielzeiten 50 Tore geschossen hat, zu einem mehr oder minder direkten Konkurrenten ziehen lässt. Zum anderen, weil Terodde, nachdem er mit dem VfB endlich wieder in die Bundesliga zurückgekehrt ist, bereits nach einem halben Jahr wieder die Segel gestrichen hat. Da hätte ich mir von ihm ein wenig mehr Durchsetzungswillen gewünscht. Vor allem, nachdem er im Sommer noch mit einem Wechsel nach Mönchengladbach (!) kokettiert hat und dadurch einen besser dotierten Vertrag erhalten hat. Da fällt es mir ein wenig schwer zu glauben, dass er aus emotionalen Gründen zum FC zurückkehrt. Ich hätte insgesamt einfach mehr Rückgrat von ihm erwartet. Aber so ist halt der Fußball.

FRANKFURT AM MAIN, GERMANY - SEPTEMBER 30: Simon Terodde of Stuttgart celebrates after he scored his teams first goal to make it 1:1 during the Bundesliga match between Eintracht Frankfurt and VfB Stuttgart at Commerzbank-Arena on September 30, 2017 in Frankfurt.

Foto: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images

Dennoch: Offensiv brennt Stuttgart jetzt kein Feuerwerk ab, erst 20 Tore bedeuten den zweitschlechtesten Angriff der Liga. Ist das tatsächlich die große Baustelle beim VfB?

Ganz klar: In der Hinrunde bekam Simon Terodde kaum Zuspiele. Zum einen, weil unsere Flügelspieler unter ihren Möglichkeiten blieben, zum anderen weil Hannes Wolf Terodde und Ginczek nur selten beide einsetzen konnte, weil Letzterer meist angeschlagen war. Auch jetzt schießen wir nicht wirklich mehr Tore. Allerdings kommen wir durch die Veränderungen in der Offensive zu mehr Chancen…die müssten wir dann halt nur noch nutzen.

Nächste Seite: Lennart über die Diskrepanz zwischen Heim-
und Auswärtsauftritten und das kritische Stuttgarter Publikum

Seite 2 von 3

Mehr aus Auswärtsspiel

.