ANZEIGE

Seit Dezember heißt der neue starke Mann beim 1. FC Köln Armin Veh. In einigen Bereichen erinnert  der Trainerroutinier stark an den ehemaligen Kölner Sportdirektor Volker Finke –  aber längst nicht in allen. Ein Blick auf die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen beiden Quereinsteigern.

Wie schnell in Köln ein flapsiger Spruch zum Bumerang werden kann, erlebte Armin Veh am vergangenen Wochenende. Mit einem Lächeln auf den Lippen proklamierte der Sportgeschäftsführer des 1. FC Köln auf der Pressekonferenz, dass Trainer Stefan Ruthenbeck nie die Mannschaft aufstelle, die er ins Rennen schicken würde. Prompt witterten die Medien einen vermeintlichen Affront des routinierten Meistertrainer von 2007 gegenüber dem derzeitigen Chefcoach der „Geißböcke“. Ein Sturm im Wasserglas, den im Nachgang sowohl Veh als auch Ruthenbeck locker wegmoderierten.

„Ich sehe nicht alle Einheiten, darum ist es für mich einfacher. Ich darf es beurteilen wie ein Fan oder Zuschauer. Der Trainer erläutert mir Gedankengänge, die ich dann immer nachvollziehen kann. Da kann ich in meinem hohen Alter noch was lernen“, ergänzte Veh auf der Pressekonferenz. So manchen befremdete es, dass der medienerfahrene effzeh-Sportchef einen derartigen Ton anschlug. „Man sollte nicht alles immer so ernst nehmen“, betonte Veh im „Sportbuzzer“-Interview: „Vielleicht muss man mich hier erst ein wenig kennenlernen. Mir sind diese Pressekonferenzen immer viel zu trocken. Da muss der eine oder andere Spaß doch erlaubt sein.“

Vom Trainer Veh zum Geschäftsführer Veh

Doch auch Veh scheint in Köln und seinem hyper-aufgeregten Umfeld noch ankommen zu müssen: Nach 27 Jahren als hauptverantwortlicher Trainer füllt der gebürtige Augsburger am Geißbockheim eine Rolle aus, die er bislang nur beim VfL Wolfsburg für kurze Zeit innehatte. Erstmals arbeite er in einer Konstellation mit einem Fußballlehrer, der die alleinige Entscheidungsgewalt über Auf- und Einstellung der Mannschaft besitzt, während sich Veh mehr um das große Ganze im sportlichen Bereich kümmert.

Ich glaube, dass es für einen Trainer leichter ist, wenn der Sportdirektor selbst Trainer war. Denn ein Trainer weiß Dinge, die ein Sportdirektor, der kein Trainer war, nicht weiß. Ich weiß, was ein Trainer erwartet, beziehungsweise, was man ihm nicht aufbürden sollte.

Schon bei seiner Amtsübernahme Anfang Dezember war spekuliert worden, dass eine Zusammenarbeit zwischen dem erfahrenen Umsteiger und dem Bundesliga-Neuling Ruthenbeck schwierig werden könnte, zumal der 1. FC Köln Gerüchten zufolge Veh zunächst für den Posten an der Seitenlinie angefragt hatte. Eine Sichtweise, der der Ex-Trainer wenig abgewinnen kann: „Letztlich geht es darum, wie wir beide – der Trainer und ich – miteinander umgehen. Ich glaube sogar, dass es für einen Trainer leichter ist, wenn der Sportdirektor selbst Trainer war. Denn ein Trainer weiß Dinge, die ein Sportdirektor, der kein Trainer war, nicht weiß. Ich weiß, was ein Trainer erwartet, beziehungsweise, was man ihm nicht aufbürden sollte“, betont der 57-Jährige.

Der 1. FC Köln ist ein gebranntes Kind

Die Bürde des Abstiegskampfes ist schließlich schon groß genug für Ruthenbeck und Co., die Ausgangslage mit lediglich drei Zählern aus 14 Spielen ist mit desaströs noch freundlich umschrieben. Die Situation hat sich zwar nicht deutlich geändert, doch vom Klassenerhalt träumen die effzeh-Fans immer noch. Ebenso davon, dass Ruthenbeck auch in der kommenden Saison noch die Verantwortung trägt. Um die Zukunft des derzeitigen effzeh-Trainers rankten sich bereits seit dem starken Start in die Rückrunde Spekulationen, ob es sogar bei einem realistischen Abstieg in die 2. Bundesliga mit ihm weitergehen würde.

MUNICH, GERMANY - DECEMBER 13: Stefan Ruthenbeck Head Coach of 1. FC Koeln (L) and Sport Director Armin Veh talk prior the Bundesliga match between FC Bayern Muenchen and 1. FC Koeln at Allianz Arena on December 13, 2017 in Munich, Germany. (Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Foto: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images

Da wirkten Vehs flapsig formulierte Sätze schließlich wie Brandbeschleuniger, wenngleich sie sicherlich nicht so gemeint waren. Beide Seiten bemühten sich selbst im direkten Vorlauf des Leipzig-Spiels noch um Schadensbegrenzung. Doch das Umfeld bei den „Geißböcken“ ist ein gebranntes Kind, war es in Köln schon einmal der Fall, dass ein Geschäftsführer einem Trainer in dessen Arbeit hineinredete. Die Ära von Volker Finke, die letztlich im völlig vermeidbaren Abstieg 2012 mündete, ist rund um das Geißbockheim noch einigen Beobachtern präsent.

Nächste Seite: Auch Volker Finke begann im Winter beim FC

1 2 3

Teilen:

3 Kommentare

  1. Ich finde es reichlich verfrüht, bereits nach wenigen Monaten zu bemängeln, dass eine klare Linie bei Armin Veh nicht zu erkennen ist, dafür aber den Vergleich mit Finke und 2012 zu bemühen. Darüber hinaus erklärt der Artikel im Grunde genommen selber, warum Veh in der Außendarstellung des FC so präsent ist: Einem Toni Schumacher gehört eigentlich der Mund zugepflastert, damit er sich und den FC mit verbalen Peinlichkeiten zukünftig verschont. Hinzu kommen, wie wir nun alle wissen, Werner Spinners Herzerkrankung sowie der Tod von Ritterbachs Sohn nach längerer Krankheit. Alexander Wehrle wiederum ist nicht der Mann fürs Sportliche, und Stefan Ruthenbeck konnte und kann neben seinem Trainerjob beim besten Willen nicht auch noch die Medienarbeit komplett übernehmen.

    Hätte Veh ansonsten die Ironie in seinen Aussagen zu Ruthenbecks Aufstellung noch stärker betonen wollen, hätte er ein Schild mit „Achtung, nicht ernst gemeint!“ hochhalten müssen, und selbst dann hätten sich gewisse Medienvertreter ein Skandälchen daraus gebastelt. Ginge es nur noch darum, derlei Klippen zu umschiffen, dürfte nur noch ödes, auswendig gelerntes PR-Geschwätz zum Besten gegeben werden. Was dann garantiert auch wieder nicht recht wäre.

    Und dann wird zum x-ten Male das „Nachtreten“ gegen Peter Stöger aufgewärmt – wie oft denn noch? Sicher, einmal hätte Vehs Verweis auf den schlechten Zustand des Kaders gereicht, um den neuen Trainer in Schutz zu nehmen; ein zweites Mal wäre nicht nötig gewesen. Mich beschleicht aber das Gefühl, dass aus der erneuten Erwähnung dieses Fauxpas‘ der sattsam bekannte Schutzreflex gegenüber dem (offenbar nach wie vor in einigen Köpfen) Sakrosankten aus Wien spricht. Damit könnte man so langsam mal aufhören.

  2. Was ich nicht verstehe ist die Aussage, dass Schmadtke irgendwann die Arbeit am Kader eingestellt hat. Ich fand schon damals (ja, tatsächlich), dass noch 1-2 zusätzliche Transfers gut gesessen wären.

    Jannes Horn ist n guter, Meré auch. Die haben nur unter Stöger wenig bis keine Chance bekommen. Handwerker ist n guter für die Aussenbahn, zu jung um konstant zu sein aber auch das kein schlechter Transfer.

    An Uth und Terrode war Schmadkte doch auch dran. Wenn ich mich nicht irre war sogar Koziello auf Schmadtkes Zettel.

    Das da kein Plan B war ist natürlich dämlich aber ich glaube auch, dass Stöger da „zugemacht“ hat. Er wolllte Gregoritsch (und sonst niemand?!).

    Übrigens, oben kritisiert ihr den Stapel an zentralen Mittelfeldspielern. Ernsthaft?! Hätte Veh den Koziello besser nicht geholt? Davon abgesehen, dass er nominell zwar die gleiche Position spielt aber komplett andere Stärken hat als der Rest unserer zentralen Mittelfeldleute würde ich nach den bisherigen Auftritten sagen, dass man den einfach holen musste!

    Ein Flügelspieler wär schon klasse gewesen aber wer kommt im Winter zum Tabellenletzten?

  3. Ich habe von Seiten der Redaktion des effzeh.com einen Rüffel erhalten, als ich vor kurzem bemängelte, dass mir gelegentlich die Artikel über unsere Mannschaft und den FC zu pessimistisch sind – man kann vielleicht auch sagen, zu kritisch. Mir geht es bei diesem aktuellen Artikel über Armin Veh, den angeblich „neuen Volker Finke“ ähnlich. Natürlich darf der effzeh.com dem neuen Geschäftsführer Sport kritisch auf die Finger schauen, logo. Aber muss denn in der Überschrift und im Schluss Armin Veh unbegingt mit einem Vorgänger verglichen werden, unter dem der FC damals untergegangen ist. Warum so kritisch? Veh hat doch gerade erst angefangen und alle Welt merkt, dass unter Veh und Ruthenbeck ein Pflänzchen neu anfängt zu wachsen. Warum dann so kritisch und pessimistisch? Nervig auch, dass bei dieser kritischen Haltung der Heilige des effzeh.com ohne konkreten Bezug zur Aktualität vor dem angeblichen Nachtreten durch Armin Veh in Schutz genommen wird. Jetzt mal im Zorn: Wenn euch die Männer, die jetzt beim FC sportlich verantwortlich sind, so wenig behagen, dann schaltet doch um und macht aus eurer (ansonsten oft interessenten Internet-Zeitung) ein Medium für den Verein, in dem euer Heiliger jetzt tätig ist.
    Wenn ich sehe, wie der effzeh.com die Nicht-Unterstützung der um die Existenz kämpfenden Mannschaft aus Teilen der FC-Szene in den Spielen gegen Frankfurt, Leipzig und demnächst gegen Bremen gutheißt, dann schwillt mir sowieso der Kamm. Wie ich auf eurer Homepage lese, sind viele aus eurer Redaktion Akademiker. Mein Vorschlag: Was den FC angeht, schaltet den Kopf mal vorübergehend aus und das Herz wieder ein!

ANZEIGE