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Auswärtsspiel

Freiburg-Fan David: „Streich ist das Opfer seiner früheren Auftritte“

Für den 1. FC Köln geht es nicht mehr um viel, für den SC Freiburg hingegen schon: Mit SCF-Fan und drei90-Mann David besprechen wir die Lage bei den Breisgauern und skizzieren ein wildes Szenario für das Spiel.

FREIBURG IM BREISGAU, GERMANY - FEBRUARY 12: Yuya Osaka of Koeln is challenged by Nicolas Hoefler of Freiburg during the Bundesliga match between SC Freiburg and 1. FC Koeln at Schwarzwald-Stadion on February 12, 2017 in Freiburg im Breisgau, Germany. (Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)
Foto: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images

Für den 1. FC Köln geht es nicht mehr um viel, für den SC Freiburg hingegen schon: Mit SCF-Fan und drei90-Mann David besprechen wir die Lage bei den Breisgauern und skizzieren ein wildes Szenario für das Spiel.

Seit dem Bundesliga-Aufstieg des SC Freiburg im Jahr 1993 ist David Frogier de Ponlevoy Fan der Breisgauer. Nach einigen Jahren Studium in Freiburg wohnt er mittlerweile in Darmstadt, bloggt auf „Greif und Lilie“ und spricht über den Fußball und die Welt im Ausnahme-Podcast drei90. Bei Twitter ist er hier zu finden. Bei uns spricht er über den bisherigen Saisonverlauf der Freiburger, den Umgang mit den Fehlentscheidungen und das Verhalten von Christian Streich, bevor er am Ende ein episches Szenario für das Spiel gegen den 1. FC Köln darlegt.

effzeh.com: Fünf Niederlagen in Folge, mittlerweile auf dem Relegationsplatz angekommen: Wie ist es um den geistigen Zustand der Freiburg-Fans bestellt?

David Frogier de Ponlevoy: Es könnte besser sein, wobei mich ja viel mehr die Frage umtreibt, wie es um den geistigen Zustand der Mannschaft bestellt ist. Die scheint leider komplett von der Rolle. Und total verunsichert. Als Fan machen mir eigentlich vor allem die letzten drei Spiele an dieser Niederlagen-Serie zu schaffen: Wir haben mit Wolfsburg, Mainz und dem HSV gegen alle drei Teams hinter uns gespielt, also zumindest waren sie zu dem Zeitpunkt noch hinter uns – und alle Spiele verloren. Die berühmten Sechs-Punkte-Spiele also, auch wenn Streich immer wieder sagt, er habe noch nie irgendwo sechs Punkte für ein Spiel bekommen. Sprich: Der SC hatte es selbst in der Hand – und hat es vermasselt. Und da sind wir ja dann genau beim kommenden Spieltag: Der effzeh ist jetzt die vierte Verein, der noch unter uns steht. Wenn das jetzt auch noch in die Hose geht, ist es wirklich zappenduster. Aktuell bin ich noch recht gelassen, aber am Samstag vermutlich ein nervliches Wrack.

Achterbahnfahrt in Freiburg: „Das Finale der Vorsaison ist Lichtjahre entfernt“

Nagt es eigentlich noch am Verein und an den Fans, dass man aufgrund der peinlichen Siegesfeiern der Bayern am letzten Spieltag der Vorsaison aus der Konzentration um das Rennen um Europa gebracht wurde? Es soll ja auch Vereine aus dem Westen Deutschlands gegeben haben, die davon profitiert haben sollen, dass Freiburg verlor…

Ganz ehrlich, das Finale der Vorsaison ist für mich Lichtjahre entfernt. Ich habe gerade viel stärkere Déjà-vus mit dem Finale der letzten Abstiegssaison 2014/15. Das war auch so ein Jahr, in dem man sich ständig sagte „Unser Kader ist viel zu gut besetzt, um abzusteigen.“ Da hatten wir Darida, Bürki, Mehmedi und Schmid im Team. Zumindest von dieser, nennen wir es Arroganz, bin ich dieses Jahr komplett geheilt, aber es sah halt so lange Zeit so wunderbar gut aus. Und seien wir ehrlich: Ich will gar nicht wissen, wo der SC stünde, wenn wir tatsächlich in Europa gespielt hätten. Dafür hatten wir schlicht nicht den Kader. Natürlich beneide ich Köln für die überragenden Europapokal-Abende, die euch keiner mehr wegnehmen kann, Abstieg hin oder her. Aber wir hatten es gegen den NK Domzale ja selbst in der Hand, und das Ergebnis war… naja, nicht schön. Natürlich ist es sehr lieb vom DFB, dass er Freiburg sechs Monate später zwecks Erholung von diesen Europa-Quali-Strapazen ein dringend benötigtes Montagsspiel gegen Mainz zum Verschnaufen organisiert hat.

>>>Bildband „Eines Tages“ zur Europapokal-Saison des 1. FC Köln: Mittendrin statt nur dabei!

Auch in dieser Saison muss sich der SCF mit vielen Widrigkeiten auseinandersetzen. Im Oktober wurde Söyüncü aufgrund des Eingreifens des Videobeweises vom Feld gestellt, nachdem er den Ball wohl unabsichtlich mit der Hand gespielt hatte. Danach gab es noch die Affäre Petersen, der unwissentlich Gelb gesehen hatte. Vor wenigen Tagen kam dann das bislang größte VAR-Debakel hinzu, als die Spieler bereits aus der Kabine zurück aufs Feld geholt werden mussten… Machen wir es kurz: Ist es eine Verschwörung gegen den SCF oder einfach nur Pech?

In der 12. Minute wurde Söyüncü vom Platz gestellt, das gehört ja zu der Geschichte noch dazu. Der Fan in mir will natürlich gerne einfach „Verschwörung!“ über all das schreien, aber ich bin eigentlich generell kein Verschwörungstheorienliebhaber. Freiburg musste diese Saison einige Experimente rund um den Video-Assistenten hinnehmen, aber hey, ich spreche hier mit einer effzeh-Seite, oder? Was erzähle ich euch? Mich ärgert an der Thematik was ganz anderes, und das ist die Unsouveräntität von Seiten der Schiedsrichter und des DFB, Fehler einzugestehen, gerade gegenüber kleineren Clubs.

FREIBURG GERMANY - SEPTEMBER 9: Headcoach Christian Streich (L) of SC Freiburg during the Bundesliga match between Sport Club Freiburg and Borussia Dortmund at Schwarzwald-Stadion on September 9, 2017 in Freiburg, Germany. (Photo by Michael Kienzler/Bongarts/Getty Images)

Foto: Michael Kienzler/Bongarts/Getty Images

Eine Verschwörung ist es nicht, aber eine Sauerei

Stieler gab nach dem Schalke-Spiel an, er habe die Gelbe Karte klar gegenüber Petersen kommuniziert, die Gerichtsakten, die ich mir in aller Ausführlichkeit zu Gemüte geführt habe, lesen sich plötzlich ganz anders. In Mainz pumpen sich die entsprechenden Verantwortlichen auf und behaupten, sie können klar beweisen, dass Winkmann noch auf dem Spielfeld von dem Handelfmeter musste, bis dann Medienrecherchen zeigen, dass das gar nicht sein kann. Eingeräumt wird das aber verdruckst erst nachdem die Einspruchsfrist des SC verstrichen ist. Ist das eine „Verschwörung“? Verschwörung wäre für mich ein sinisterer Plan einer umfassend arbeitenden Organisation, um Freiburg in die 2. Liga zu schicken. Eher nicht. Aber es eine Sauerei ist es. Eine große.

Kabinentüren zertreten, dem Gegner aus Hamburg den Abstieg wünschen: Wie findest du den Umgang mit der jüngsten Niederlage in Hamburg?

Erstmal bin ich froh, dass der SC in einer Stadt beheimatet ist, in der die Klatschpresse nicht die Wortführerschaft hat. Ernsthaft: Was Beschimpfungen und Flüche angeht, soll man die Spieler doch nach dem Abpfiff in Ruhe lassen, die haben doch alle ihr Adrenalin auf Überdosis. Das hab ja sogar ich als Fan kurz nach dem Spiel. Was kreative Beschimpfungen und Beleidigungen angeht, war jetzt die angebliche Aussage von Petersen auch nichts, womit sich man am Bahnhofsviertel von Berlin, Frankfurt oder Köln bei den großen Jungs Respekt verschafft, oder? Nein, natürlich ist es nicht schön, wenn die Spieler ausrasten, und das mit der Tür wird sicherlich auch intern sanktioniert und geregelt. Davon abgesehen kann ich aber als Fan auch was Positives rausziehen: Es ist offenbar noch Feuer drin. Sie ärgern sich. Gut so. Haben sie auch allen Grund dazu. Und jetzt bitte die Frustration über ein ja zumindest in der ersten Halbzeit sogar gelungenes Spiel gegen den HSV umwandeln in positive Jetzt-Erst-Recht-Energie gegen Köln.

Über die Identifikationsfigur des SC Freiburg Christian Streich

Ist es für Streich mittlerweile eigentlich die größere Herausforderung, zu verhindern, dass man sich in eine Opferrolle begibt, überall Verschwörungstheorien aufbaut, anstelle die Mannschaft im Trainingsbetrieb gut auf die nächsten Spiele vorzubereiten?

Es war zumindest aus meiner Wahrnehmung damals in der erwähnten Abstiegssaison 2014/15 ein Problem, dass Streich sich viel zu sehr mit Schiedsrichterschelte aufgehalten, und damit an die Mannschaft auch das falsche Zeichen gesetzt hat. Ich fand einige seiner Auftritte zu jener Zeit eher zum Fremdschämen, und ich empfinde bis heute dieses „Mir dürfe nix sage, weil mir die Kleinen sind…“ weder zielführend noch hilfreich. Obwohl ich es gerade in der vorletzten Antworten sogar selbst suggeriert habe. Allerdings: Aktuell sehe ich diesen Problemkomplex bei Freiburg nicht. Es wird seit Wochen im gesamten Umfeld des Sportclubs betont, dass man an den schlechten Auftritten schon vor allem selbst schuld ist. Das Problem ist eben einfach: Wenn du schlecht spielst, verunsichert bist, die Bälle einfach nichts ins Tor gehen, dann brauchst du den einen Glücksmoment. Wenn du den nicht bekommst, aber stattdessen sogar noch die fragwürdige Entscheidung abkriegst, ist das frustrierend. Da braucht es gar keine Verschwörungstheorie, damit das aufs Gemüt schlägt.

Auf der nächsten Seite: Die Gesundheit von Christian Streich und die Lage beim 1. FC Köln.

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