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Sportlich in der zweiten Liga, dazu mit den eigenen Fans auf Kriegsfuß – unser Autor macht sich Sorgen, ob die Führungsriege des 1. FC Köln die Fans spaltet und sich dabei auf Hannoveraner Techniken verlässt. Ein Kommentar. 

Während der effzeh sportlich bereits in der zweiten Liga angekommen ist, ist er stimmungstechnisch ebenfalls auf dem Weg dorthin. Denn die Konflikte zwischen den Anhängern untereinander, aber auch mit der Klubführung, nehmen in der Schärfe zu. Die Führung des effzeh schürt dabei bewusst und massiv eine Abneigung gegen die Fanszene. Damit greift sie auf eine Strategie zurück, die Martin Kind in Hannover schon lange verfolgt. Für die Zukunft bedeutet das nichts Gutes.

Mit despotischem Verhalten der Führungsriege kennen sich Fans des 1.FC Köln schon seit der Gründung des Vereins aus. Schon Franz Kremer war seinerzeit “der Boss”, der keine Mitbestimmung zuließ. Dietmar Artzinger-Bolten schickte eigenmächtig mit Christoph Daum und Thomas Häßler zwei maßgebliche Erfolgspfeiler des Vereins aus egozentrischen Motiven fort und Wolfgang Overath bezeichnete die Nichtentlastung durch 1317 Mitglieder im Jahr 2010 als einen “Akt einiger weniger Chaoten”. Despotismus von oben gab es beim effzeh also schon immer und immer wieder.

Inhaltlich fragwürdige Ideen der Klubführung des 1. FC Köln

Vor diesem Hintergrund ist es womöglich wenig überraschend, dass sich die aktuelle Vereinsführung nicht mehr um das zu Amtsantritt ausgegebene Mantra, den “Verein vereinen” zu wollen, schert, sondern sich lieber nach Gutsherrenart durch die Entscheidungsgremien des Vereins pflügt und die Nähe zu demokratisch fragwürdigen Ländern wie China nachdrücklich sucht. Und als es kürzlich darum ging, Stellung in der Frage pro oder contra 50+1 zu beziehen, eierte Finanzchef Alexander Wehrle lieber herum, anstatt sich klar zu positionieren. Auch wenn der 1. FC Köln bei der DFL sich für einen Erhalt der Regelung aussprach. Ähnlich sieht es in der Stadionfrage aus: erst versuchte man voller Überheblichkeit, die Stadt Köln (die den effzeh vor gerade mal sechs Jahren vor dem Ruin rettete) zu erpressen; nachdem nun der Abstieg feststeht, soll auf einmal doch nochmal ein Ausbau des Müngersdorfer Stadions geprüft werden. In einer vorherigen Version hieß es, die Stadt Köln habe den 1. FC Köln 2012 vor dem Ruin gerettet. Die Stadt Köln hat den 1. FC Köln jedoch nicht gerettet, sondern 2014 mit dem neuen Pachtvertrag lediglich ermöglicht, dass der Club in einer Zweitligasaison eine reduzierte Pacht zahlt (Anm. d. Red.).

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Das alles wäre jedoch emotional weniger aufgeladen, wenn die Klubführung in diesen Punkten auf der Sachebene bleiben würde. Stattdessen treibt sie (wie scheint bewusst) mehrere Keile zwischen sich, die Fanszene und die übrigen Fans. Diese Methode fand ihren vorläufigen Höhepunkt im vergangenen Februar, als sich der Verein durch eine massive Attacke auf die organisierte Fanszene dazu herab ließ, seine Anhänger in die Kategorien Gut und Böse einzuteilen. Er folgt dabei offenbar einem Vorbild, das schon viele Jahre einem ähnlichen Kurs gegenüber kritisch eingestellten Fans anwendet: Hannovers Präsident Martin Kind.

Martin Kind macht es bei Hannover 96 vor

Kind ist seit 1997, von einer kurzen Unterbrechung abgesehen, die bestimmende Person bei den Niedersachsen. Die extremen Konflikte mit den Fans kamen erst in den vergangenen Jahren dazu. Ein entscheidender Katalysator dafür war Kinds bekannte Haltung zu 50+1 und die erklärte Absicht, den Verein übernehmen zu wollen. Schon 2014 erwarb Kind 15,66 Prozent der Anteile – für 3,6 Millionen Euro. Zum Vergleich: Hertha BSC Berlin erhielt im gleichen Jahr für den Verkauf von 9,7 Prozent über 60 Millionen Euro. Die Fans argumentieren also zurecht, dass dem Verein dadurch ein beträchtlicher finanzieller Schaden entstanden ist.

Foto: Oliver Hardt/Bongarts/Getty Images

In dieser Saison eskalierte der Konflikt dann dramatisch: Die Ultras starteten einen Stimmungsboykott und forderten offen Kinds Rücktritt. Kind reagierte, indem er die Anhänger gezielt spaltete: in Gut und Böse. Nach dem Spiel gegen Bremen erklärte Kind, dass „die wirklichen Fans verstanden haben, dass die Mannschaft die Unterstützung braucht.“ Das, so Kind, mache “Hoffnung für die Zukunft.“ Der 96-Chef kündigte zudem an: „In der neuen Saison werden wir uns um die Mehrheit der Fans kümmern.“ Im Februar kursierten bereits Gerüchte, dass Stadionordner vermeintlich kritischen Fans Flyer entrissen, damit sie nicht verteilt werden könnten.

Das Vorgehen in Hannover ist ein abschreckendes Beispiel – oder?

Der Verein entzog zudem im Dezember 36 Mitgliedern ihren Mitgliedsstatus. Zwei, die dagegen klagten, bekamen kürzlich vom Amtsgericht Hannover Recht, erhielten ihren Mitgliedsstatus zurück und durften doch noch auf der Jahreshauptversammlung ihr Stimmrecht wahrnehmen. Auf dieser wurde Kind mit einer Mehrheit von 548 zu 543 die Entlastung verweigert. Seine Reaktion? “Das ist erst einmal unbedeutend. Maximal optisch interessant, aber inhaltlich letztendlich ohne Bedeutung.”

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6 Kommentare

  1. Knüllemann am

    Vielen Dank für diesen wirklich guten, differenzierten Bericht.
    Das Problem an der Sache ist jedoch, dass die Ultras in der letzt auslaufenden Saison immer wieder Munition für den Vorstand geliefert haben. Mit unnötigen Aktionen, wie in Belgrad zB, machen die Ultras ihre eigene, teils berechtigte Kritik immer wieder zunichte. Dies hilft im Augenblick nur den Leuten, die die Opposition lieber mundtot haben möchten.
    Sehr schade ist auch, dass die klassische Presse die Themen meidet, wie Feuer das Weihwasser.

  2. Unverständnis am

    Unverschämter und selbstgerechter Kommentar! Wer spaltet hier? Waren es nicht Selbstherrlich Südkurve EV die offene Briefe veröffentlichen und Ultras die den Dialog mit der Vereinsspitze beendet haben. Sorry Herr Kohl das grenzt teilweise schon an Rufmord was sie hier so von sich geben.

  3. Alles klar @K.H.Lenz Kritsche Fans sind also ähnlich zu betrachten wie Nazis oder Kommunisten. Kritik am Verhalten des Vorstands zeugt also direkt von einem eigenen Machtkomplex. Sie möchten dies nicht unterstellen, dennoch bleibt es ihre Hauptaussage. Es funktioniert Herr Spinner 😉

    • Bob, Sie verstehen mich falsch. Vieles, was die Ultras sagen und fordern, finde auch ich für richtig und unterstütze ich. Ich wehre mich nur gegen die Selbstgerechtigkeit in dem Artikel von Herrn Kohl, in dem „die da oben“ immer die Bösen und „wir da unten“ immer die Guten sind. Verstehen Sie? Das ist für mich Ideologie, nicht Wirklichkeit.

  4. Wenn ich Sie richtig verstanden habe, Herr Kohl, dann sehen Sie die ganzen Präsidenten des FC, von Franz Kremer bis Werner Spinner, als fragwürdige Typen an, die außer Machtgenuß und Egozentrik nichts weiter im Sinn hatten und die außer zu versagen, nichts für den FC getan hätten. Leute, die so wie Sie denken, bringen oft den Spruch „Der Fisch stinkt immer zu erst am Kopf“, den man aus der „Fanszene“ oft hört. Es ist aber oft so, dass diejenigen, die besonders stark auf „die da oben“ schimpfen, häufig selbst einen Machtkomplex haben und im Umgang mit Andersdenkenden äußerst autoritär auftreten können. Denken Sie doch einmal an die Nazis und die Kommunisten, die mit ihren populistischen Methoden gegen „die da oben“ an die Macht kamen und schlussendlich die schlimmsten Diktatoren waren. Oder an Teile der 1968er, die dann den Weg gegangen sind, „die da oben“ zum Abschuss freizugeben. Ich will Ihnen, Herr Kohl, nicht unterstellen, dass Sie in diese Richtung tendieren. Trotzdem rate ich Ihnen, von Ihrem populistischen Ton abzurücken. Ralf Friedrichs hat vor einigen Tagen in einem tollen Artikel im effzeh.com „konstruktive Unruhe“ gefordert. Das ist auch richtig so. Ihr Artikel aber kann so gelesen werden, dass Sie die Menschen, die im FC die Verantwortung tragen, als Dunkelmänner ansehen, die besser nicht da wären. Das ist aber keine „konstruktive Unruhe“, sondern platte Propaganda und macht eine bestimmte Gruppe von Menschen, die zum FC gehören und für den FC arbeiten, zu Gegnern und schlimmstenfalls zu Feinden. Wie ich an dieser Stelle schon einmal schrieb: Halten Sie den Ball besser flach!