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Von weitem betrachtet liefert der 1. FC Köln derzeit ein außergewöhnliches Bild: Der Traditionsverein steigt ab, und irgendwie scheinen trotzdem alle ganz glücklich zu sein. Wenn man genauer hinschaut, sind die Konflikte um und im Club aber deutlich sichtbar. Ein Kommentar. 

Am Freitag, es war der 4. Mai, kurz vor dem vorletzten Spieltag der Saison 2017/18 und somit einen Tag vor dem (vorerst) letzten Heimspiel der „Geißböcke“ in der Bundesliga, machte der 1. FC Köln einen kleinen Witz. Es war ja auch ein durchaus schöner, frühsommerlicher Tag. Und auch wenn am Samstag der Gegner Bayern München heißen sollte, hätte man mit einer positiven Grundstimmung in das Wochenende und die Partie gegen den Rekordmeister gehen können. Das einzige, aber nicht unerhebliche Problem: Der Traditionsverein vom Rhein steht seit der Vorwoche als erster Absteiger fest.

Fünf Jahre des Aufschwungs enden in der Domstadt mit dem rasanten Fall vom Europapokal in die zweite Liga. Und so war auch am Freitag nicht allen Anhängern des Clubs nach Scherzen auf Twitter zu Mute. „May the force be with FC Köln“, erklärt da Luke Skywalker alias Mark Hamill in einem kleinen Videoclip, der vom Club mit freudigen Hashtags und Emojis dekoriert wurde. May the 4th, und so. Witzig. Doch ist es verboten auch im Misserfolg noch Humor zu haben?

Nein, ganz bestimmt nicht. Und der „lustige“ Tweet an sich ist natürlich keine große Sache. Abgesehen davon, dass man sich fragt, was die Macht dem 1. FC Köln vor der Partie gegen den FC Bayern schon noch nutzen sollte, ist es einfach schnödes Social-Media-Marketing. Wenn ein Hashtag bei Twitter steil geht, macht man eben etwas dazu. Und am 4. Mai ist es eben dieser langweilige Star-Wars-Witz. Kein Drama.

Besondere Stimmung beim Kölner Abstieg

Aber auch an diesen Kleinigkeiten zeigt sich, dass der Verein aber auch viele Fans, mit dem sechsten Abstieg der Vereinsgeschichte anders umgehen, als man das in der Vergangenheit gewohnt war. Wenn die Stimmung im Müngersdorfer Stadion dieser Tage in überregionalen Blättern als „besonders“ bezeichnet und sogar von den Bayern-Stars überschwänglich gelobt wird, geschieht das nicht nur aus Höflichkeit. Es belegt durchaus auch eindrucksvoll, was diesen Verein ausmacht – seine Fans und ihre Emotionen. Es belegt aber auch die ungewöhnliche Bindung zwischen der Kölner Südkurve und dem effzeh-Kader, die sich in den letzten Jahren entwickelt hat.

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„Besonders“ muss allerdings nicht ausschließlich immer nur gut sein. Dass es weder eine „schwarze Wand“ noch sonstige sinnlose Aktionen der Kölner Ultras gegeben hat, sondern trotz Abstieg eine Art Schulterschluss zwischen Spielern und Anhängern zustande gekommen ist, bleibt absolut außergewöhnlich. Und darauf kann man als Verein, aber auch als Profi stolz sein. Und dass sich mit Timo Horn, Marcel Risse, Marco Höger und Jonas Hector gleich drei gestandene Profis und ein Nationalspieler zum Verein bekannt haben, dürfte auch an der Beziehung – nicht nur aber vor allem – zur Südkurve und den treuen Auswärtsfans gelegen haben.

COLOGNE, GERMANY - MAY 05: Players of 1.FC Koeln react after the Bundesliga match between 1. FC Koeln and FC Bayern Muenchen at RheinEnergieStadion on May 5, 2018 in Cologne, Germany. (Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Es hat aber eben auch eine Wirkung gehabt: Statt Abstiegsfrust herrschte plötzlich Legendenlust rund um den 1. FC Köln. Der Abstieg schien abgehakt, der Wiederaufstieg schon fast geschafft. Diese leicht zu entfachende Euphorie zeichnet den Verein ebenso aus wie das Wir-Gefühl, das in Köln immer dann entsteht, wenn es entweder etwas zu betrauern oder zu feiern gibt. Und so steigen die „Geißböcke“ gerade halb rührselig, halb in Partystimmung ab. So macht es zumindest den Anschein.

Umgang mit Kölner Mannschaft ist herausragend

„Wir steigen als Einheit ab“, attestiert auch Timo Horn seinem Club und den Fans. Doch obwohl sich vermutlich so gut wie alle Kölner Fans darüber einig werden, dass der respektvolle Umgang mit dem Misserfolg dieser „kölschen“ Mannschaft in den letzten Wochen herausragend ist, stimmt die Einschätzung des Kölner Torhüters wohl nicht so ganz. Trotz des in diesen Tagen friedlichen Gesamteindrucks kracht es beim 1. FC Köln derzeit an einigen Fronten.

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Deutlich wahrnehmbar war das am Samstag: „Angst vor Platzsturm oder schwarzer Wand? Jahre im Dialog und die eigene Fanszene nie verstanden! Pro Mannschaft! Funktionäre und Vorstand raus!“ – die Kölner Ultras präsentierten ein eindeutiges Spruchband und skandierten während der Partie entsprechende Parolen. Andere Kölner Fans, ob aus dem Oberrang der Südkurve oder sonst wo im Stadion, reagierten darauf wiederum mit Pfiffen. Wenig später, als Jhon Cordoba eingewechselt wurde, und von den Sitzplätzen aus zur Begrüßung ausgepfiffen wurde, waren es wiederum die Ultras, die sich lautstark gegen diese Demütigung des eigenen Spielers stellten.

An diesen beiden Szenen wird ein großer Konflikt deutlich. Während die Ultra-Gruppen und große Teile der Südkurve klare Kritik an der Vereinsführung üben und angesichts der sportlichen Talfahrt personelle Konsequenzen fordern, gleichzeitig aber die Kölner Spieler eher vor Kritik schützen, rechnet eine Mehrheit dem Vorstand um Werner Spinner, Markus Ritterbach und Toni Schumacher die Erfolge der Vergangenheit hoch an und sieht die Verantwortung für die Misere eher beim Ex-Trainer, dem ehemaligen Manager oder einzelnen „schlechten“ Spielern wie Cordoba oder in der Hinrunde Konstantin Rausch.

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2 Kommentare

  1. „Andere Kölner Fans, ob aus dem Oberrang der Südkurve oder sonst wo im Stadion, reagierten darauf [die Spruchbänder] wiederum mit Pfiffen. Wenig später, als Jhon Cordoba eingewechselt wurde, und von den Sitzplätzen aus zur Begrüßung ausgepfiffen wurde, waren es wiederum die Ultras, die sich lautstark gegen diese Demütigung des eigenen Spielers stellten.“

    Als Córdoba ausgepfiffen wurde, sah ich von S11 aus jede Menge Steher, welche die Finger im Mund hatten und fleißig pfiffen. Eine Sinnestäuschung? Wohl eher nicht.

    Ansonsten müssen die in sich selber verkapselten „Vorstand raus!“-Schreihälse damit leben, dass weiten Teilen der Fangemeinde simple pubertäre Rachegelüste wenig konstruktiv erscheinen, zumal wenn die Krakeeler nicht mal Alternativen beim Namen nennen können.

  2. Also sorry, aber dieser Kommentar ist entweder sehr naiv, oder stellt bewusst die Szene falsch dar, um die Ultras in Schutz zu nehmen(und man weiß nicht was von beidem eigentlich schlimmer wäre):
    “ die Ultras, die sich lautstark gegen diese Demütigung des eigenen Spielers stellten.“
    Lieber Autor, schonmal was von Sarkasmus gehört?
    Das „Cordoba-Lied“ war sicher vieles, aber kein „In Schutz nehmen“ des Spielers – wenn das ernst gemeint ist, sollte man vielleicht vor dem nächsten Artikel ein kleines Seminar im Erkennen und Deuten von Sarkasmus besuchen.

    Und wo ihr grade bei Nachhilfebedarf sind:
    „Schon im Zuge der Debatte um die Mitgliederinitiative „100 % FC“ wurde sichtbar, dass gut ein Drittel der Mitglieder nicht der Ansicht des Vorstands gefolgt sind.“
    Eine Mathe-Nachhilfestunde gibts gleich dazu: 1577 Stimmen für die Satzungsänderung sind(auch wenn ihr das hier noch in hundert Artikeln schreibt) nicht 1/3 der Mitglieder, sondern gerade mal ein Drittel der Mitglieder die bei der MV waren und mit abgestimmt haben.
    Tatsächlich sind 1.577 von (am Tag der MV genannten) 100.419 Mitgliedern gerade mal 1,5% und damit genau das, was man so ungerne sein möchte: Eine Minderheit.

    Und dass es genauso auch heute noch ist, zeigte sich auch bei den „Vorstand raus“-Rufen, die angestimmt wurden: 3 mal versucht, 3 mal mit demselben Ergebnis: Einige pfiffen, wenige stimmten mit ein und die ganz überwiegnde Mehrheit beteiligte sich nicht an diesen Rufen. Es jetzt so darzustellen, als haben „die Fans“ ein Problem mit dem Vorstand ist einfach nicht haltbar- das Stimmungsbild war sehr eindeutig! Natürlich gibt es Fans, die mit dem Vorstand ihre Probleme haben(was wohl auch auf Gegenseitigkeit beruht), aber sie sind eine geringe Minderheit, wenn sie es nicht mal schaffen die gesamten Steher für ihre Vorstand-Raus-Rufe zu begeistern.

    Denn auch wenn man das im Nebensatz abtut: Die Tatsache dass Leute wie Hector, Horn und Co bleiben ist selbstverständlich auch Ergebnis der Arbeit des Vorstandes, der hier aus den Trümmern vergangener Tage ein solides Umfeld geschaffen hat, in dem sich solche Spieler offenbar vorstellen können, ihre sportliche Zukunft zu gestalten. Klar, sind die Fans daran nicht unbeteiligt und klar hat der Vorstand Fehler gemacht. Aber der Vorstand hat seit dem Herbst auch wieder einiges richtig gemacht, um die Fehler im Umgang mit Schmöger zu korrigieren. Ja, zum Klassenerhalt hat es, v.a. durch eine Fehlentscheidung in der Trainerfrage, trotzdem nicht mehr gereicht, aber der Verein steht trotz Abstiegs gut da. Und das hat mit Feenstaub nix zu tun, sondern mit einem unverstellten Blick auf die Fakten:
    – gute Transfers von Veh im Winter
    – interessanter neuer Trainer zur neuen Saison
    – einige gute Spieler zur neuen Saison im Gespräch
    – finanzielle Situation ist herausragend gut
    – gestandene Spieler bekennen sich zum Verein trotz diverser Angebote aus ersten Ligen quer durch Europa
    Im Ergebnis sind wir schon jetzt der Topfavorit auf den Wiederaufstieg, auch wenn der natürlich kein Selbstläufer ist.

    Dass trotzdem nicht alles eitel Sonnenschein ist – gut und schön. Aber immer wieder Unruhe in den Verein reinschreiben zu wollen macht das nicht besser.
    Die Zukunft ist, worauf es ankommt, nicht das hundertste Nachtreten in Richtung Vergangenheit.