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Meinung

Zur Trennung von Achim Beierlorzer: Ein Sympath im Zahnrad namens 1. FC Köln

Mit Achim Beierlorzer verlässt der 20. Trainer in diesem Jahrtausend den 1. FC Köln – auch seine sympathische Art konnte den Franken nicht im Amt halten. Das liegt jedoch nicht nur an ihm.

Foto: Jörg Schüler/Bongarts/Getty Images

Es ist schon wieder passiert: Nach der 1:2-Heimniederlage gegen die TSG Hoffenheim trennt sich der 1. FC Köln von seinem Cheftrainer Achim Beierlorzer. Der Franke hatte erst im Sommer die anspruchsvolle Aufgabe übernommen, die „Geißböcke“ in der Bundesliga zu halten – nach elf Spieltagen und dem DFB-Pokalaus ist nun Schluss, für ihn übernehmen André Pawlak und Manfred Schmid. Die beiden Co-Trainer hatten sich bereits nach der Trennung von Markus Anfang im April die Betreuung der Mannschaft geteilt – der einstige Kieler Coach war auf Tabellenplatz eins in der 2. Bundesliga entlassen worden.

Nur wenige Monate später ist sein Nachfolger, den Geschäftsführer Armin Veh für eine sechsstellige Ablösesumme von Jahn Regensburg losgeeist und als Kölner Cheftrainer installiert hatte, am Geißbockheim auch schon wieder Geschichte. Beierlorzer übernahm, weil Veh ihn ausgesucht hatte – und entgegen der Gepflogenheiten im professionellen Fußball wenig Interesse daran hatte, Alternativkandidaten auszuwählen, zu präsentieren und zur Diskussion zu stellen.

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Beierlorzer darf sich den schöneren Seiten des Lebens widmen

Dies sei sein Trainer, bekundete Veh, der Kader „gehöre“ auch ihm, weil er die Verantwortung trage – in dieser Konstellation schaffte es der Bundesliga-Aufsteiger gerade einmal bis zum elften Spieltag. Zumindest menschlich war man sich in Köln schnell sicher, dass der effzeh einen angenehmen Zeitgenossen verpflichtet hatte: Der Fußballlehrer versprühte von Anfang an Optimismus, wirkte kommunikativ und offen.

COLOGNE, GERMANY - JULY 04: Head coach Achim Beierlorzer issues instructions during the 1. FC Koeln training session at Geissbockheim on July 04, 2019 in Cologne, Germany. (Photo by Christof Koepsel/Getty Images)

Foto: Christof Koepsel/Getty Images

Sein Hintergrund als Pädagoge gilt im schwierigen Job als Trainer gemeinhin als Vorteil, weshalb sich in Köln einiges von der neuen Saison erwartet wurde. Auch Beierlorzers Spielidee war von Beginn an klar: 4-4-2-Grundordnung, intensives Anlaufen und Fokus auf das Umschalten. Damit wollte er zwar das Rad nicht erfinden, in einer mittelmäßigen Bundesliga schien eine solche Herangehensweise mit diesem Kader allerdings durchaus ausreichend, um die Klasse zu halten.

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Und die Stimmen, Beierlorzer sei ein schlechter Trainer, kann man schlichtweg mit dem Verweis auf seine Abschlussnote im Fußballlehrer-Lehrgang abbügeln – den hatte der 51-Jährige mit 1,0 bestanden. Zwar kann die Qualität eines Trainers nicht nur an dieser Note gemessen werden, die Definition „Fußballlehrer“ basiert aber auf einem DFB-System, dass Fußballtrainer eben durchlaufen müssen, um überhaupt in der Bundesliga arbeiten zu dürfen.

Ein Trainer kann auch nicht alles beeinflussen

Auch über die Konzeption dieses Systems darf man diskutieren, aber der Posten muss ja irgendwie besetzt werden – die Wahl Beierlorzers schien im Sommer daher einigermaßen passend und nachvollziehbar. Den Gegenbeweis, dass ein anderer Trainer es gleich viel besser gemacht hätte, müssten Kritiker sowieso erst einmal erbringen. Analog zu seinem Vorgesetzten Veh hat Beierlorzer nun jedoch wieder Zeit, sich den schönen Dingen im Leben zu widmen und Distanz zum 1. FC Köln zu gewinnen.

Cologne's German coach Achim Beierlorzer reacts during the German first division Bundesliga football match 1 FC Cologne v BVB Borussia Dortmund in Cologne, western Germany on August 23, 2019. (Photo by UWE KRAFT / AFP) / RESTRICTIONS: DFL REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS AS IMAGE SEQUENCES AND/OR QUASI-VIDEO (Photo credit should read UWE KRAFT/AFP/Getty Images)

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Denn bei allem Respekt vor der Geschichte des Vereins und der Leidenschaft der Fans: Beim FC schlagen die schlechten Personalentscheidungen der letzten Jahre mittlerweile voll durch, der Verein wird arg darum kämpfen müssen, in dieser Saison den Klassenerhalt zu schaffen. Kurz gesagt: Der dreimalige Deutsche Meister ist seinem Ruf als Chaosverein in den letzten Tagen und Wochen wieder mehr als gerecht geworden. Die sportliche Negativspirale der letzten Wochen sorgt vor der Länderspielpause nun dafür, dass der 1. FC Köln ohne Geschäftsführer und Cheftrainer in die kommende Zeit startet.

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Das liegt natürlich auch an der sportlichen Performance, für die Achim Beierlorzer nun einmal auch die Verantwortung trägt – aber auf die Art und Weise, wie erfolgreich eine Mannschaft Fußball spielt, haben eben auch noch andere Dinge Einfluss, und sei es nur indirekt. Und beim 1. FC Köln war in den letzten Wochen erkennbar, dass ein Trainer eben nicht alles beeinflussen kann. Der Erfolg oder Misserfolg des FC beginnt mindestens drei funktionale Ebenen oberhalb der Mannschaft – durch die Wahl des neuen Präsidiums im September lebt zumindest die Hoffnung, dass es in nächster Zeit besser werden könnte und in den nächsten Monaten bessere Entscheidungen getroffen werden.

Ironie des Schicksals: Adamyan sorgt für Beierlorzers Aus

Die Machtfülle, die sich die beiden Geschäftsführer Wehrle und der mittlerweile geschasste Veh aufgebaut haben, äußert sich in einem unausgewogen zusammengestellten Kader, dessen sportliche Qualität an sich für den Kampf um den Klassenerhalt ausreichen sollte. Für Achim Beierlorzer bedeutete das in der letzten Woche, dass er sich in seinem Beruf als Fußballlehrer einer bizarren Situation ausgesetzt sah: Während der Großteil der Öffentlichkeit bereits mit einer Entlassung nach der Niederlage in Düsseldorf rechnete, gewährte ihm der Gemeinsame Ausschuss eine Gnadenfrist von einer Woche – das Heimspiel gegen Hoffenheim sollte noch abgewartet werden.

Foto: Jörg Schüler/Bongarts/Getty Images

Falls es wirklich so war, dass Beierlorzers Zukunft vom nackten Ergebnis des Spiels abhing, war es am Ende das Foul von Dominick Drexler an Hoffenheims Joker Adamyan, das die Trennung bewirkte. Jürgen Locadia verwandelte den Strafstoß in der Nachspielzeit, der FC verlor, Beierlorzer wurde am Folgetag entlassen. Der Gipfel: Sargis Adamyan arbeitete zwei Jahre lang mit dem ehemaligen FC-Trainer zusammen, als dieser noch bei Regensburg tätig war.

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Beierlorzer unterstützte den Stürmer also in seiner Entwicklung, damit Adamyan in die Bundesliga wechseln konnte – um einige Monate später das Aus seines ehemaligen Chefs zu besiegeln. Der Fußball ist manchmal wirklich abstrus. Und manchmal kann man gegen eine Negativdynamik nichts tun – so sehr man es auch versucht.

Es ist fast egal, wer den 1. FC Köln trainiert

Diese Machtlosigkeit dürfte Beierlorzer in der vergangenen Zeit häufiger gespürt haben, als sich einerseits schwache Leistungen (Düsseldorf), Spielpech (Mainz) oder vercoachte Spiele (Saarbrücken) abwechselten. Dass ein Trainer Fehler macht, ist dem 51-Jährigen nicht vorzuwerfen – das passiert und wird auch weiterhin passieren. Beim 1. FC Köln mit diesen Organisations- und Prozessstrukturen Trainer zu sein, scheint aber mittlerweile schlichtweg eine fast unmögliche Aufgabe. Das musste auch Markus Anfang erkennen, der als erfolgreicher Zweitliga-Trainer den Weg in die große Fußballstadt Köln wählte und dort am Verein und auch ein wenig an sich selbst scheiterte.

Mit Beierlorzer hat das Kölner Konstrukt nun binnen kürzester Zeit den zweiten Trainer verschlissen, auch seine angenehm sympathische Art konnte ihn nicht im Amt halten. Das Gefühl lässt einen nicht los, dass in den letzten Jahren fast egal ist, wer auf der Trainerbank des 1. FC Köln sitzt – irgendwann verliert jeder gegen die Zahnräder dieses Vereins. Beierlorzer war der 20. Cheftrainer des FC in diesem Jahrtausend.

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