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Nachspiel

1:2 des 1. FC Köln gegen Hoffenheim: Willkommen im Club der gebrochenen Herzen

Was hat dieser 1. FC Köln den Fußballgöttern eigentlich angetan? Gegen die TSG Hoffenheim kassieren die „Geißböcke“ auf dramatische Weise eine 1:2-Heimniederlage.

COLOGNE, GERMANY - NOVEMBER 08: Dominick Drexler of 1. FC Koeln reacts during the Bundesliga match between 1. FC Koeln and TSG 1899 Hoffenheim at RheinEnergieStadion on November 08, 2019 in Cologne, Germany. (Photo by Jörg Schüler/Bongarts/Getty Images)
Foto: Jörg Schüler/Bongarts/Getty Images

Michael Trippel sprach aus, was fast 50.000 Menschen im Müngersdorfer Stadion dachten. „Es ist zum Kotzen“, haute der Stadionsprecher des 1. FC Köln via Mikrofon heraus, bevor er den Siegtreffer der TSG Hoffenheim durch Jürgen Locadia in der achten Minute der Nachspielzeit ansagte. Vorangegangen war das wohl größtmögliche Drama für die „Geißböcke“, die gegen die favorisierten Kraichgauer alles in die Waagschale warfen, um am Ende doch mit 1:2 (1:0) zu verlieren. Jhon Cordobas Führungstreffer (34.) glichen die Gäste kurz nach der Pause durch Sargis Adamyan (48.) aus, ehe ein Strafstoß nach VAR-Hinweis wenige Momente vor dem Abpfiff dem effzeh den Garaus machte.

„Es ist ein extrem bitteres Ende für uns heute. Die Mannschaft hätte heute mehr als ein 1:2 verdient. Sie hat gekämpft, sie hat alles gegeben und ein sehr ordentliches Spiel gegen eine starke Hoffenheimer Mannschaft gemacht. Deshalb ist es so bitter“, betonte Coach Achim Beierlorzer nach der Partie, die wahrlich einen selbst für Kölner Verhältnisse ungewöhnlich schmerzlichen Verlauf genommen hatte. Gekämpft, geführt, gewackelt – und letztlich in den letzten Sekunden noch gefallen. „Der Videobeweis trifft uns wieder hart. Ob das wirklich eine klare Fehlentscheidung war, sodass der Videoassistent eingreifen muss, wage ich zu bezweifeln“, erklärte Beierlorzer zur entscheidenden Szene an diesem Freitagabend, die den „Geißböcken“ das Herz brach.

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Jakobs feiert Bundesliga-Debüt, Tor-Premiere für Cordoba

Das „Schicksalsspiel“, wie es viele Beobachter für Kölns Coach prophezeiten, ging der Aufsteiger mit einer im Vergleich zum desaströsen Düsseldorf-Derby nur dezent veränderten Formation an: Jorge Meré und Jhon Cordoba rückten ebenso in die Startelf wie Ismail Jakobs, der am Freitagabend sein Bundesliga-Debüt unter Flutlicht im Müngersdorfer Stadion feiern durfte. Für Dominick Drexler und Kingsley Schindler blieb nur ein Platz auf der Bank, Noah Katterbach (Muskelfaserriss) fehlte verletzt. Die drei Änderungen bedeuteten allerdings taktisch eine große Umstellung: Beierlorzer setzte auf eine Fünferkette mit Meré als Mittelmann und Jakobs sowie Kingsley Ehizibue auf den Außenbahnen, Cordoba bildete mit Simon Terodde einen Doppelsturm.

COLOGNE, GERMANY - NOVEMBER 08: Jhon Cordoba of 1. FC Koeln celebrates with teammates after scoring his team's first goal during the Bundesliga match between 1. FC Koeln and TSG 1899 Hoffenheim at RheinEnergieStadion on November 08, 2019 in Cologne, Germany. (Photo by Jörg Schüler/Bongarts/Getty Images)

Foto: Jörg Schüler/Bongarts/Getty Images

Die Umstellungen sollten fruchten, wenngleich sich der effzeh zuvorderst auf die Zerstörung des gegnerischen Spiels konzentrierte. Mit großem Willen und noch größerer Leidenschaft erstickte der Aufsteiger das gefürchtete Umschaltspiel der Hoffenheimer über deren schnellen Angreifer, allerdings blieb dabei wieder einmal die Genauigkeit der eigenen Angriffsversuche auf der Strecke. Den Abnutzungskampf mit vielen Aktionen zwischen den Strafräumen und wenigen Torchancen zog allerdings das Publikum im Müngersdorfer Stadion zurück auf die eigene Seite. Selbst eine kleine Drangphase der Gäste überstanden die „Geißböcke“ schadlos und belohnten sich für ihre aufwändige Spielweise. Louis Schaub bediente Cordoba, dessen Schuss aus 18 Metern noch leicht abgefälscht wurde. 1:0 FC – das erste Bundesliga-Tor des Kolumbianers für die Kölner!

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Adamyan zum Ausgleich, der Video-Assistent zum Elfmeter

Begleitet von Applaus ging der Aufsteiger mit einer durchaus nicht unverdienten Führung in die Kabine und durfte vom dritten Sieg in dieser Saison träumen. Aufgeweckt wurde die Beierlorzer-Elf allerdings schon wenige Augenblicke nach Wiederbeginn: Nach einem haarsträubenden Ballverlust von Ellyes Skhiri bediente Hoffenheims Nationalspieler Sebastian Rudy den gerade erst eingewechselten Sargis Adamyan, der aus kurzer Distanz FC-Keeper Timo Horn keine Abwehrchance ließ. Ein Bock, der die „Geißböcke“ zunächst komplett aus dem Rhythmus brachte. Viele Fehler luden die nun überlegenen Gäste zu weiteren Chancen ein, einen Rückstand konnten die Kölner aber mit vereinten Kräften gegen eine beileibe nicht überzeugende TSG verhindern.

Foto: Jörg Schüler/Bongarts/Getty Images

Es entwickelte sich zunehmend ein Schlagabtausch auf schwachem Niveau: Die Gastgeber kämpften mit den Kräften, Hoffenheim versuchte klug Nadelstiche zu setzen – doch wirkliche Torgefahr sprang dabei nicht heraus. Alles schien auf ein Remis hinauszulaufen, ehe in der Nachspielzeit der eingewechselte Drexler den Ball klären wollte und dabei Adamyan traf. Nachdem der nicht immer sattelfest wirkende Schiedsrichter Kampka zunächst auf Freistoß für den effzeh entschied, korrigierte sich der Unparteiische nach Intervention des Video-Assistenten und einem Gang in die Review-Area. Eine harte, wenngleich nicht falsche Entscheidung – allerdings mit Blick auf den bisherigen Verlauf der Kölner Saison extrem bitter. Denn: Einen solchen Eingriff ins Spiel hätte sich der effzeh in Wolfsburg, in Mainz und in Düsseldorf mit gutem Recht auch erhoffen dürfen.

Was hat dieser 1. FC Köln den Fußballgöttern eigentlich angetan?

Die Proteste auf dem Platz und auf den Rängen halfen allerdings wenig: Locadia behielt vom Punkt die Nerven und traf gegen Horn, der die Ecke zwar geahnt hatte, aber letztlich machtlos war, zum entscheidenden 2:1 für die Gäste an einem Freitagabend, den viele Kölner vermutlich schnellstmöglich wieder vergessen wollen. Selbst wenn die Erwartungen vor einer Partie berechtigterweise äußerst gering sind, findet sich bei Spielen des großen 1. FC Köln offenbar immer noch ein Weg, einem mit Anlauf ohne Anflug von Gnade in die Nüsse zu treten. Gekämpft, geführt, gewackelt – und letztlich in den letzten Sekunden noch gefallen. 1. FC Köln, was genau hast du eigentlich den Fußballgöttern angetan, um das alles durchleben zu müssen?

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Alex

    10. November 2019 an 11:31

    Guter Artikel!
    Der letzte Absatz fasst das Unfassbare schmerzhaft und doch nüchtern zusammen. In Müngersdorf taumelt man zur Zeit optimistisch dem nächsten Tiefschlag entgegen, ahnt, dass er kommt, nur nicht wann. Man wischt – in Führung liegend – schon fast mechanisch alle lächerliche Hoffnung auf einen überraschenden Dreier weg, weil man nicht schon wieder aus dem Freudentaumel in den Frust gerissen werden will. Und dann, ganz am Schluss, gerade als man doch ehrlich zu hoffen wagte, kommt sie, die VAR-Katakomben-Nuss-Faust. „Auf und ab und wir sind trotzdem hier…!“ In so einer Saison kann etwas Grosses entstehen (ja, das Taumeln beginnt).

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    Wolfgang Walter

    9. November 2019 an 13:10

    Kein Fussballgott hat dem FC etwas angetan. Für alles was man macht oder auch nicht macht ist man selbst verantwortlich! Diese Manschaft hat einfach keine Klasse und darum fehlt auch
    das Spielvermögen.Veh und noch so einige
    „Experten “ haben weder den Kader ausgemistet noch an den neurologischen
    Punkten verstärkt. Beierlorzer mit seiner
    Naivität „der Kader ist auch ohne Verstärkung gut genug „konnte nur scheitern!

    • Avatar

      Björn

      10. November 2019 an 09:36

      Hallo allerseits
      Meine Meinung nach hat der Trainer die Archkarte gezogen. Er kann nur vorschlagen einen Spieler für die Position zu verpflichten, aber am Ende war es Veh, der im den letzten beiden Jahren die Spieler geholt hat. Der Trainer muß dann damit Arbeiten. Ich kann nicht sagen der Trainer hat schlecht gearbeitet, er hat viel versucht anders als sein Vorgänger, der lange an sein System festhielt und erst nach der ersten Krise dieses änderte. Aber anstatt mal wieder bei einigen Spielen, wo das neue System nicht funktioniert hat, wieder zum alten zurückzugreifen, hielt er nur am neuen fest. Beierlorzer versuchte je nach Gegner, sein System nur um Nuancen um umzustellen.Dadurch erhoffte er sich mehr Sicherheit im Spiel und die Spieler nich zu verunsichern, wenn er einfach ein neues System einüben lässt wofür er gar nicht die Zeit hat.Er brauchte sofort Ergebnisse. Nach meiner Meinung war Beierlorzer der klar bessere Trainer als Anfang. Die Schuld liegt ganz klar bei den Spielern, die hohe Geldsummen eikassieren, aber keine Leistung bringen. ( siehe Modeste). Die Transferpolitik der Kölner nach dem Erreichen des Europapokals war einfach nicht genügend.Da holen die Kölner auf der rechten Verteidigerposition einen Spieler nach dem anderen sodaß sie nun 3 Leute haben und kommen dort einfach nicht zu Potte. Easy spielt seithe seiner roten Karte etwas gehemmt als hätte er Angst wieder eine zu bekommen.Alle sprechen immer nur von den merkwürdigen Elferentscheidungen der Videoassisten, aber schon die rote Karte für Easy fand ich sehr merkwürdig. Ich dachte, der Videoschiedsrichter so den Feldschiedsrichter unterstützen und nicht überwachen.Wie solleno die Spieler noch Respekt vor dem Feldschiedsrichter bekommen, wenn selbst dieser bald nichts mehr zu sagen hat.Bei der roten Karte hatte der Schiedsrichter die Situation gePfeffer und mit einer gelben Karte geahndet.Eine klare Sache.Ich dachte, der VR sollte in solchen Situationen nur eingreifen, wenn der Schiedsrichter etwas übersehen habe
      Abersie haben den Schiedsrichter einfach deskriminiert.Seine Entscheidung zählte nicht. Meiner Meinung handelte es in dieser Situation nicht um eine krasse Fehlentscheidung. Aber für Easy war es die erste rote Karte seiner Karriere, das hat ihn wohl ziemlich verunsichert. Der VR hat bisher nicht richtig funktioniert, er verunsichert nur die Spieler, die sich nicht mehr trauen bei erzielten Toren zu jubeln. Entweder sollten Sie den VR korrigieren oder wieder abschaffen.So geht es einfach nicht weiter.

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