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Müngersdorf

Noah Katterbach: Ein Debüt, das Hoffnung macht!

Etwas überraschend stand Noah Katterbach gegen Schalke das erste Mal in der FC-Startelf – das Talent überzeugte aber auf ganzer Linie. Wir haben uns Leistung und Werdegang einmal genauer angeschaut.

Foto: Dean Mouhtaropoulos/Collection Bongarts

Die Partie des 1. FC Köln bei Schalke 04 war gerade elf Sekunden alt, als dem Debütanten mit der Nummer 34 auf seinem roten Trikot nach einem Ballverlust das erste Foul unterlief. Noah Katterbach traf dabei zwar auch das runde Leder, in erster Linie jedoch und vor allem zuerst die Beine seines Gegenspielers Daniel Caligiuri und konnte froh darüber sein, den gelben Verwarnungskarton nicht gezeigt zu bekommen. So war es denn auch eine Art ausgleichende Gerechtigkeit, als Schiedsrichter Welz dies 20 Minuten später in einer Szene nachholte, in der der Kölner Linksverteidiger eindeutig zuerst den Ball und danach erst die Beine des Schalkers traf.

Vor 61 883 Zuschauern in der ausverkauften Arena in Gelsenkirchen benötigte der U19-Nationalspieler eine viertelstündige Anlaufzeit, um sich auf die Zweikampfstärke und Schnelligkeit seines Gegenspielers einzustellen, lieferte danach jedoch eine erstaunlich abgeklärte Partie hinten links ab. So klärte er technisch fein in der 18. Minute, als er den Ball über Caligiuri hob, um dann mit einem genauen Pass einen Kölner Angriff einzuleiten. Gegen die im 3-5-2 agierenden und mit zwei hochstehenden defensiven Außenspielern antretenden Königsblauen funktionierte zudem das Zusammenspiel mit Florian Kainz gegen Kenny und Caligiuri recht gut.

„Ein Riesentalent, auf das man sich verlassen kann“

Auch in der 2. Halbzeit wusste Katterbach mit Passgenauigkeit, Schnelligkeit und Robustheit zu gefallen. So gewann er etwa einen wichtigen Zweikampf gegen Caligiuri im eigenen Strafraum (54.) und war mit einem gelungenen Zidane-Trick gegen Kenny der Ausgangspunkt für einen Kölner Angriff (73.). Nach 93 Minuten schlugen bei ihm 65 Ballkontakte und eine Passquote von 73 Prozent zu Buche, mit 10,6 Kilometern trug er zudem zu der Steigerung der Kölner Laufleistung (115,9 km insgesamt) bei.

Noah Katterbach als Gewinner der Fritz-Walter-Medaille | Foto: Andreas Schlichter/Bongarts/Getty Images

Trainer Achim Beierlorzer zeigte sich sehr zufrieden mit dem Debüt des 18-jährigen Linksverteidigers. Dem vereinseigenen TV-Kanal sagte er: „Wir haben gesehen, dass Noah Katterbach ein Riesentalent ist und dass man sich auf ihn verlassen kann. Ich freue mich außerordentlich, wie er das heute gemacht hat und wie die Mannschaft ihn dabei unterstützt hat. Chapeau!“ Auch Mannschaftskapitän Jonas Hector lobte den Debüttanten im Express: „Er hat sich gut eingefügt. Er hat noch Luft nach oben, aber das ist ganz normal. Wir werden noch viel Spaß an ihm haben.“

Verletzungspech verhinderte frühere Einsätze

Bereits in der vergangenen Saison spielte sich Katterbach, obwohl erst sein erstes A-Jugendjahr absolvierend, in den Fokus der FC-Verantwortlichen. So war er fest eingeplant für das Wintertrainingslager auf Mallorca, erlitt jedoch Anfang Januar im Testspiel gegen den FC Groningen eine schwere Sprunggelenksverletzung und musste zu Hause bleiben. In der Vorbereitung auf die aktuelle Saison beeindruckte Katterbach im Sommer mit hervorragenden Trainingsleistungen, bevor er sich im Freundschaftsspiel beim SSV Reutlingen einen Muskelfaserriss in der Wade zuzog und deshalb das Trainingslager in Kitzbühel verpasste.

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Es spricht aber für die Zielgerichtet- und Strukturiertheit des jungen Linksverteidigers, dass er sich von den längeren Rekonvaleszenzphasen nicht beirren ließ und durch gute Leistungen in der U19 und in der aktuellen Saison in der U21 nachhaltig auf sich aufmerksam machte.

Vorbild für andere FC-Talente?

Geboren wurde Noah Katterbach wurde 2001 im Eifeldorf Dreiborn, er lernte die ersten Lektionen des Fußball-ABCs beim örtlichen DJK. Seit 2008 trägt er das FC-Trikot, durchlief alle Nachwuchsmannschaften des 1.FC Köln – und wäre doch beinahe nicht beim Geißbockclub gelandet. Nach einem durchaus erfolgreichen Probetraining wiesen die Jugendtrainer des FC Katterbachs Eltern auf die große Belastung hin, die der junge Noah mit den langen Anreisen zum Training und zu den Spielen auf sich nehmen müsste. Seine Eltern sagten dem FC daraufhin ab, der kleine Noah quengelte aber so lange, bis er zum FC wechseln durfte.

Seine Eltern kauften einen VW-Bully, bauten ihn so um, dass Noah auf den 140 Kilometern von Dreiborn nach Köln und zurück seine Hausaufgaben erledigen konnte, und trugen durch ihren nimmermüden Einsatz ganz wesentlich dazu bei, dass ihr Sohn sich aufs Fußballspielen konzentrieren konnte. Berufungen in die Jugendnationalmannschaften des FC folgten, 2018 wurde er mit der höchsten Einzelauszeichnung im deutschen Nachwuchsfußball, der Fritz-Walter-Medaille in Gold für seine Leistungen in der U17 geehrt.

Die Medaille als Auszeichnung für die Vergangenheit

Dem Geissblog.Köln sagte er zu dieser Auszeichnung damals: „Ich besitze die Medaille zwar, aber es ist eine Auszeichnung für die Vergangenheit und nicht für die Zukunft. Deswegen muss ich sehen, dass ich dieses Niveau halten kann und weiter an mir arbeite.“ Diese Einschätzung scheint typisch zu sein für den klaren Blick, den der gebürtige Dreiborner auf sein Leistungsvermögen und seine weitere Karriereplanung richtet. Seit einiger Zeit wohnt er unweit des Müngersdorfer Stadions im Jugendinternat Köln, sein Abitur bestand er am Apostelgymnasium in Köln-Lindenthal mit der Durchschnittsnote 2,1.

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Die Profikarriere ist sein erklärtes Ziel, bis 2020 läuft sein Vertrag beim 1. FC Köln, bei dem er fester Bestandteil der ersten Mannschaft werden möchte. Er setzt aber nicht alles auf die Karte Fußball. Auf der vereinseigenen Homepage des FC sagt er dazu: „Man braucht immer einen Plan B. Fußball ist kein Sport, bei dem man sich sicher sein kann, immer gesund und fit zu sein. Wenn man sich verletzt und komplett rausgeworfen wird, braucht man etwas, um einen zweiten Weg einzuschlagen. Daher hatte es für mich Priorität, die Schule fertig zu machen.“ Daraus spricht Weitsicht, zudem hat er im Bewusstsein seiner eigenen fußballerischen Qualitäten geduldig auf seine Chance gewartet und wurde mit einem Bundesligadebüt über die vollen 90 Minuten belohnt.

Katterbachs Debüt als Win-win-Situation für den 1.FC Köln?

Für den Bundesliga-Aufsteiger könnte sich Katterbachs Einsatz in Schalke im Nachhinein als Win-win-Situation entpuppen. Denn zum einen konnten sich die Verantwortlichen über eine gute Leistung des jungen Linksverteidigers freuen, zum anderen könnte dies ein wichtiges Signal für die zahlreichen anderen FC-Talente bedeuten, die sehen, dass fußballerische Qualität, Einsatzbereitschaft, eine realistische Einschätzung des eigenen Leistungsvermögens und nicht zuletzt Geduld den Weg in die erste Mannschaft des 1. FC Köln ebnen können.

Foto: Dean Mouhtaropoulos/Collection Bongarts

Zunächst aber steht für Noah Katterbach in der Länderspielpause das U19-Qualifikationsturnier für die Europameisterschaft in Schottland mit Spielen gegen Andorra, Weißrussland und Schottland auf dem Plan. Am 20. Oktober findet das nächste Bundesligaspiel des 1.FC Köln im heimischen Müngersdorfer Stadion gegen den SC Paderborn statt. Ob das große Talent in der Startelf stehen wird oder gegebenenfalls von der Bank zum Einsatz kommt, wird sicherlich davon abhängen, ob Verstraete und Hector rechtzeitig für diese Begegnung fit werden, eines aber scheint recht sicher: Katterbachs Platz auf der Tribüne wird künftig wohl frei bleiben.

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