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Analyse

Punktgewinn des 1. FC Köln auf Schalke: Mit Bock und Glück zum 1:1

Der 1. FC Köln erreicht auf Schalke ein spätes Unentschieden, was insgesamt nicht unverdient war – im Gegensatz zu den letzten Spielen steigerte sich die Mannschaft in vielen Bereichen.

Foto: Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images

Aufatmen beim 1. FC Köln: Nach zuletzt drei teils herben Niederlagen kann der Bundesliga-Aufsteiger leistungs- und punktemäßig die Talfahrt stoppen. Gegen den FC Schalke gelingt den Kölnern in der Nachspielzeit nach einer Standardsituation der Ausgleich durch Jonas Hector – die anstehende Länderspielpause dürfte daher ein wenig ruhiger in der Domstadt werden als vorher befürchtet. Grund für den Punktgewinn war eine klare Leistungssteigerung gegenüber der 0:4-Heimniederlage gegen Berlin, als der FC weit von der Bundesligatauglichkeit entfernt war. Der Spielverlauf gegen die Schalker hätte dabei phasenweise auch in beide Richtungen ausschlagen können, weil der FC in der ersten Halbzeit Pech und nach dem Rückstand ein wenig Glück hatte.

Der Ankündigung, ein verändertes Personal auf den Rasen zu schicken, folgten auch Taten: Der 1. FC Köln startete mit einer Überraschung in der Startelf. Der 18-Jährige Noah Katterbach feierte als Linksverteidiger sein Debüt in der Bundesliga. Auf der rechten Seite spielten mit den beiden Kingsleys zwei Akteure mit hohem Tempo und Drang nach vorne, weil bei den Schalkern Bastian Oczipka als Schwachstelle ausgemacht worden war – der Linksverteidiger der Blauen bringt nicht die höchste Endgeschwindigkeit mit. Im linken Mittelfeld spielte Florian Kainz, auf der Zehn Louis Schaub und im Sturm Simon Terodde. Das Duo im defensiven Mittelfeld bestand aus Ellyes Skhiri und Kapitän Jonas Hector.

Skhiri und Hector schließen das Zentrum

Mit dieser Elf agierte der FC auch in einer leicht veränderten Grundordnung: Der Tunesier schob anders als in den vergangenen Partien nicht so weit nach vorne, um den gegnerischen Spielaufbau zu unterbinden. Er spielte auf Schalke eher wie ein klassischer Sechser neben Hector. Auch Schaub lief nicht ganz vorne an, sondern kümmerte sich um den Gelsenkirchener Aufbauspieler, meistens Suat Serdar. Weil die Schalker wie gewohnt im Dreieraufbau mit einem abkippenden Sechser spielten, ergab sich dadurch eine Überzahl für die Gastgeber – Terodde war der einzige, der hoch anlief und das Schalker Aufbauspiel auf die Halbräume lenkte. Dort versuchte der FC dann, Ballgewinne zu erzielen – erledigen sollten das die die äußeren Mittelfeldspieler und die beiden Sechser, die unheimlich viel Laufarbeit verrichteten. Skhiri kam wie gewohnt auf über 12 Kilometer an Laufdistanz, Hector stand ihm mit 11,4 Kilometern in nichts nach.

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Wirklich relevant sind aber die intensiven Läufe, von denen der deutsche 90 und der tunesische Nationalspieler 87 absolvierten. Beide bekamen durch diese intensive Arbeit das Zentrum und den Zehnerraum des Gegners deutlich besser unter Kontrolle und hatten die Schalker Offensive über weite Strecken im Griff. Durch die tiefere Positionierung von Schaub und dessen Fähigkeiten im Dribbling und Kombinationsspiel ergaben sich häufig Situationen, in denen der FC nach einem Ballgewinn sofort Möglichkeiten zum Umschalten hatte, weil sich Schaub für die Ballzirkulation anbot. Meistens trafen die Offensivakteure (insbesondere Schindler) aber die falschen Entscheidungen, sodass der letzte Pass meistens misslang und aussichtsreiche Aktionen in der Offensive nicht mit einem Torabschluss endeten.

Katterbach mit einem gelungenen Debüt

Ausbaufähig war gegen die Schalker auch das Aufbauspiel, den Innenverteidigern unterliefen einige Fehler. Grundsätzlich erschien der FC aber gewillt, flacher und mutiger aufzubauen als in den vorherigen Spielen. Ein wichtiger Bestandteil dafür war Katterbach, der in seinem ersten Auftritt in der Bundesliga sofort andeutete, was für ein großes Talent er ist. Der Gewinner der Fritz-Walter-Medaille überzeugte mit einer starken Ballbehandlung auch unter Druck, einem guten ersten Kontakt nach vorne und einigen mutigen Aktionen. Auch die Körperlichkeit der Bundesliga scheint er ohne Probleme angenommen zu haben, wie er in seiner ersten Aktion gleich unter Beweis stellte, als er Caligiuri gleich mal hart umgrätschte. Beim Führungstreffer durch Serdar übersprang Sané den Kölner Linksverteidiger aber deutlich, wenngleich zu Katterbachs Verteidigung gesagt werden muss, dass ein solches Kopfballduell nur von ganz wenigen Spielern in der Bundesliga gewonnen worden wäre.

Foto: Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images

Der FC schaffte es insgesamt, die Räume enger zu halten und früher Ballgewinne zu erzielen. Im Offensivspiel versuchte der FC es mit Tempo über die Außenbahn. Die größte Chance der ersten Halbzeit hatte der aufgerückte Ehizibue, der nach einer guten Kombination auf der linken Seite und einer starken Flanke von Kainz aus wenigen Metern per Kopf an Nübel scheiterte – das hätte durchaus die Führung für die Gäste sein können. Die beste Abschlussmöglichkeit für die Schalker hatte Hector, der das eigene Torgestänge per Kopf traf. Ansonsten verlief der erste Durchgang relativ stressig mit vielen Fouls auf beiden Seiten.

Nach der Schalker Führung hat der 1. FC Köln Glück

Nach der Pause wurden die Schalker dominanter, weil der Spielentscheider Amine Harit durch Uths Auswechslung in die Mitte rückte und dort mehr am Spiel teilnehmen konnte. Auf diese Weise vergab Burgstaller nach einem Durchbruch von Caliguiri die erste Großchance der zweiten Halbzeit. Der FC wurde wieder nach einer Standardsituation gefährlich, als erneut Nübel stark gegen Terodde parierte. In der Folge konnte sich die Mannschaft von Achim Beierlorzer der Schalker Angriffe ein wenig besser erwehren, im Anschluss an einen Einwurf, bei dem der FC den Ball nicht klären konnte, gingen die Schalker aber doch in Führung. Bei den Kölnern war zuvor bereits Cordoba für Terodde gekommen, Beierlorzer warf mit Modeste dann den nächsten Stürmer rein. Die Chancen hatten aber eher die Schalker: Harit, McKennie und Burgstaller (Pfosten) hätten das 0:2 aus Kölner Sicht erzielen müssen.

Dieses Mal waren es allerdings die „Geißböcke“, die sich für ihren Aufwand belohnten. Zuerst scheiterte Modeste nach einer Halbfeld-Flanke von Risse an Nübel. Beim abschließenden Eckball war der ehemalige U21-Nationaltorwart aber chancenlos, weil Hector die Ecke von Kainz geschickt ins Tor verlängerte. Mit dem Ausgleichstreffer brachen sich auf Kölner Seite die Emotionen Bahn, denn in der jüngeren Vergangenheit waren durchaus Zweifel laut geworden an Mannschaft und Trainerteam. Mit einigen gelungenen Anpassungen, die der Mannschaft die Zusammenarbeit auf dem Feld erleichterten und dem nötigen Engagement körperlicher Art, konnte der FC zeigen, dass er in der Bundesliga bestehen kann.

Engagement gut, Entscheidungsfindung ausbaufähig

Wenn es dem Team gelingt, die Räume kompakt zu halten und Ballgewinne zu erzielen, ist in den meisten Spielen in der Bundesliga etwas möglich – für noch mehr Erfolg (quasi Siege) braucht es aber eine bessere Entscheidungsfindung. Zu oft wählten die Kölner Spieler die komplizierte oder schwierige Lösung. Vielleicht waren sie nach langen Läufen im roten Bereich, vielleicht einfach zu hektisch – auf diese Weise gingen allerdings viele aussichtsreiche Gelegenheiten ins Nichts. In den kommenden zwei Wochen hat Achim Beierlorzer Zeit, mit seiner Mannschaft an diesen Defiziten zu arbeiten, bevor dann der SC Paderborn als Tabellenletzter seine Visitenkarte in Müngersdorf abgibt.

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