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Kurz & Knapp

Kölner 1:1-Remis auf Schalke: Last-Minute-Ausgleich fürs Gemüt

Bis in die Nachspielzeit sah es in Gelsenkirchen so aus, als würde der 1. FC Köln mit nur drei Zählern aus sieben Spielen in die Länderspielpause gehen. Doch der Last-Minute Treffer von Jonas Hector rettet einen Punkt und wirkt wie Balsam auf der geschundenen Kölschen Seele.

Foto: Ina Fassbender/AFP

Lange sah es am Samstagabend so aus, als würde der 1. FC Köln mit einem gehörigen Kater in die Länderspielpause gehen müssen. Die „Geißböcke“ zeigten auf Schalke eine engagierte Leistung, liefen deutlich mehr, hatten Chancen, verteidigten deutlich verbessert – aber lagen schließlich doch mit 0:1 hinten. Und natürlich war an der Entscheidung mit Salif Sane genau der Schalker Spieler beteiligt, der zum Zeitpunkt des Tores niemals mehr hätte auf dem Platz stehen dürfen. Zumindest wenn das Regelwerk des Fußballs nicht als Witz gemeint ist. Zweimal foulte der Schalker Hüne gelbwürdig – und gerade die zweite Szene kann man in jedem Lehrbuch als Musterbeispiel für eine Gelbe Karte anführen. Das war Schiedsrichter Tobias Welz allerdings herzlich egal und so lieferte Sane wenig später per Kopf die Vorlage zum Schalker Führungstreffer.

Der Spielverlauf hätte auch fraglos gut zur Kölner Bundesliga-Tristesse in den letzten Wochen gepasst. Nicht immer war die Mannschaft so schlecht wie in der Vorwoche gegen Hertha, dennoch setzte es in sechs Spielen deftige fünf Niederlagen, drei Punkte hatten die Domstädter nur auf dem Konto und Schiedsrichterfehlentscheidungen gegen den FC standen ebenfalls schon wieder in die Büchern – es roch alles ein wenig nach Abstieg reloaded. Dann kam Jonas Hector.

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Horn: „Wir kämpfen alle für den Verein, wir identifizieren uns mit dem Klub“

Gerade war Anthony Modeste mit einem guten Schuss am starken Schalker-Keeper Alexander Nübel gescheitert, da sorgte der folgende Eckball doch noch für ein versöhnliches Spielende. Florian Kainz brachte den Ball hoch zum kurzen Pfosten, dort hielt Jonas Hector den Schädel rein und das Spielgerät senkte sich unaufhaltsam ins Schalker Tor. Es folgte Jubel an allen Enden des Platzes – während die Offensivreihe den Torschützen vor dem Auswärtsblock herzte, setzte Timo Horn zum Sprint über den halben Platz an und feierte den Last-Minute-Treffer zusammen mit Trainer Achim Beierlorzer. „Ich war danach auch platt, auf jeden Fall. Das sind pure Emotionen, die kommen dann raus“, erklärte der Torhüter den Gefühlsausbruch nach der Partie. „Wir kämpfen alle für den Verein, wir identifizieren uns mit dem Klub. Wenn man dann in der letzten Minute zum Ausgleich kommt und einen Punkt mitnimmt, der in unserer Lage extrem wichtig ist, dann brechen alle Dämme.“

Torschütze Hector betrachtet das Spektakel – ganz so wie man ihn kennt – mit mehr Nüchternheit. „Wir trainieren immer Standards, natürlich ist das im Training und in der Theorie immer ein bisschen anders. Jetzt fällt er mir auf den Kopf, das war gut so“, sagte der Nationalspieler zu seinem Ausgleichstor. Was die Tabellenposition angeht, hat der 1. FC Köln mit dem Punkt auf Schalke zwar noch nicht viel gewonnen – man verbleibt mit vier Punkten auf dem 17. Platz – dennoch war das Remis wichtig fürs kölsche Gemüt. Aber auch sportlich „hochverdient“ wie Beierlorzer nach der Partie erklärte. „Man belohnt sich für harte Arbeit – und wir haben heute hart gearbeitet, kompakt verteidigt. Das war unser Credo für heute“, führte der Trainer aus und kündigte für die nächsten Spieltage an: „Wir haben uns vorgenommen, eine Serie zu starten.“

Umstellung des Spielsystems führt zu mehr Stabilität

Das ist wahrlich keine schlechte Idee, nach dem heftigen Auftaktprogramm in der Bundesliga müssen für die Kölner vor der Winterpause noch ein paar Punkte her, damit man nicht mit einem allzu schweren Rücksack in der Rückrunde antreten muss. Dass dieser Plan klappen kann, war gestern durchaus ersichtlich. Die Umstellung von 4-4-2 auf 4-2-3-1 verlieh dem Kölner Spiel mehr Stabilität, auch dass Hector statt Marko Höger im zentralen Mittelfeld agierte und zusammen mit Ellyes Skhiri ein durchaus wirksames Duo bildete, sollte sich als geschickter Zug Beierlorzers erweisen. Und auch das personelle Risiko des Trainers wurde auf Schalke belohnt: FC-Youngster Noah Katterbach übernahm die Linksverteidigerposition von Hector – und lieferte eine starke Leistung ab. Dass das Talent in der Bundesliga auf Anhieb seine Leistung abrufen kann, war für die Domstädter am Samstag Gold wert. Zuvor konnte man den Ausfall von Birger Verstraete kaum kompensieren – mit Katterbach als Option ergeben sich in Zukunft nun mehr Optionen für den Trainer.

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Der hatte bereits vor Anpfiff erklärte, dass die vielen Wechsel für die Startformation auf Schalke zunächst keine weitere Bedeutung haben sollen: „Ich rücke von keinem Spieler ab. Es haben einfach andere Elf die Chance verdient, hier gegen Schalke zu spielen“, sagte Beierlorzer, der die beiden prominenten Stürmer Anthony Modeste und Jhon Cordoba zunächst auf der Bank ließ – Simon Terodde durfte ran. Auch er traf am Samstag nicht das Tor – wer in zwei Wochen in der Offensive sein Glück probieren darf, bleibt zunächst offen. Am 20. Oktober heißt der Gegner dann SC Paderborn – die einzige Mannschaft mit weniger Punkten auf dem Konto als die Kölner selbst. Selten wurde das Wort „Pflichtsieg“ in Köln wohl so fett gedruckt.

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