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Analyse

Herausforderungen für den 1. FC Köln: Wie gelingt die Weichenstellung für die Zukunft?

Der 1. FC Köln kann nach dem Aufstieg für die Bundesliga planen – die Aufgaben für die Verantwortlichen sind zahlreich und nicht immer einfach. Ein Überblick.

Das ganz große Zittern bleibt dem 1. FC Köln auf der Zielgerade der Zweitliga-Saison erspart: Während sich der andere ambitionierte Bundesliga-Absteiger aus Hamburg mit mehr Schwierigkeiten als erwartet durch die Saison quälte und letztlich den Aufstieg verpasste, konnten die Kölner nach einigen Auf und Abs bereits zwei Spieltage vor Saisonende die Rückkehr in die Bundesliga sicherstellen. Der 4:0-Erfolg in Fürth war eines Meisters würdig, das abschließende Heimspiel gegen den SSV Jahn Regensburg nicht unbedingt. Aber spektakulär war die Partie immerhin.

Pikant war die Begegnung auch deswegen, weil mit Achim Beierlorzer  der neue Trainer für die kommende Saison seine Visitenkarte in Müngersdorf abgab. Im Vorfeld der Partie galt die Aufmerksamkeit dann auch eher der Frage nach der Besetzung der Trainerbank beim designierten Bundesliga-Aufsteiger. Durch die vorzeitige Rückkehr ins Oberhaus besteht beim 1. FC Köln nun endgültig Planungssicherheit, was die Arbeit am Geißbockheim allerdings nicht unbedingt einfacher macht. Denn während Armin Veh erstmals als für den operativen sportlichen Bereich Verantwortlicher eine Mannschaft samt Trainerteam für eine Bundesliga-Saison zusammenstellen muss – Herausforderung eins –, liefen in den vergangenen Wochen im Hintergrund zahlreiche Gespräche in Hinblick auf den neu zu wählenden Vorstand. Und Köln wäre nicht Köln, wenn dieser Prozess geräuschlos abgelaufen wäre.

Die zwischenzeitlichen Versuche, die Arbeit des Mitgliederrats zu diskreditieren, zeigten auf, dass bei einigen Akteuren wohl durchaus Nachholbedarf im Demokratieverständnis besteht. Die beiden aktuellen Vizepräsidenten Ritterbach und Schumacher äußerten sich kaum in der Öffentlichkeit und ließen ihre Sicht der Dinge auf die zukünftige Aufstellung des 1. FC Köln höchstens indirekt oder durch prominente Unterstützer kundtun. Das vorrangige Credo lautete auch hier, wieder „Ruhe“ in den Verein zu bekommen – konkrete Projekte für die Weiterentwicklung des Vereins, ein Konzept für die Zukunft, das gab es aber von den scheidenden Vizepräsidenten nicht.

Die sportliche Idee ist beim 1. FC Köln nur schwer zu erkennen

Durch den frühzeitig feststehenden Aufstieg und die damit einhergehende Planungssicherheit wurde Anfang der Woche bekannt, dass das Trio bestehend aus Wolf, Sieger und Sauren durch den Mitgliederrat für die Vorstandswahl am 8. September nominieren wird. Für das dann nominierte Dreigestirn bleibt nun etwas mehr als drei Monate Zeit, um die inhaltlichen Schwerpunkte der Arbeit darzulegen und die Mitgliedschaft von den eigenen Positionen zu überzeugen – Herausforderung zwei.

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Vorstellung der Vorstandskandidaten: „Das richtige Team zur richtigen Zeit“

Die nächste Herausforderung besteht darin, das zu wählende Vorstandsteam mit der Geschäftsführung auf Linie zu bringen, um den 1. FC Köln wieder konkurrenzfähig zu machen. Zur Erinnerung: Armin Vehs Vertrag läuft noch bis 2020 und es wird viel davon abhängen, wie der Schwabe in Zusammenarbeit mit Finanz-Geschäftsführer Wehrle das für einen Aufsteiger vergleichsweise hohe Budget einsetzen wird, um eine Mannschaft zusammenzustellen, die in der Bundesliga 40 Punkte holen kann. Der ehemalige Trainer erweckt auch nach anderthalb Jahren in Köln nicht den Eindruck, ein akribischer Arbeiter zu sein, der seinen Job in der Domstadt mit hundertprozentiger Leidenschaft ausfüllt. Dies ist insbesondere deswegen wichtig, weil die von Achim Beierlorzer vertretene Philosophie des intensiven Gegenpressings auch zum vorhandenen Kader passen muss – die Schnelligkeitsdefizite einiger Spieler waren bereits in der zweiten Liga offenkundig. Die Notwendigkeiten der Beierlorzer-Idee müssen also mit dem Kader des effzeh zusammengebracht werden.

BERLIN, GERMANY - JANUARY 31: Sports director Armin Veh of Koeln looks on prior to the Second Bundesliga match between 1. FC Union Berlin and 1. FC Koeln at Stadion An der Alten Foersterei on January 31, 2019 in Berlin, Germany. (Photo by Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images

Darüber hinaus fehlt derzeit in der KGaA, die den Spielbetrieb verantwortet, eine wirklich tragfähige Idee, wie sich der 1. FC Köln in der Bundesliga positionieren will. Die vertragliche Struktur des Kaders offenbart neben einigen Dysbalancen auch kostenintensive Verpflichtungen mittelalten Spielern gegenüber, die in der Bundesliga bislang zu wenig oder gar keinen Einsatzzeiten gekommen sind. Junge, entwicklungsfähige Spieler wie beim Aufstieg 2014 (Horn, Gerhardt, auch Hector) haben im aktuellen Kader keine bedeutsame Rolle inne, vielmehr rührt die Position einiger Akteure eher aus vergangenen Meriten (Risse, Modeste, Höger, Clemens).

Was reizt einen jungen Spieler am 1. FC Köln?

Für einen Verein wie den effzeh, der sich in erster Linie als Entwicklungsverein sehen sollte (und das als Aufsteiger auch erst einmal muss), der durch Spielerverkäufe Transfereinnahmen erzielt, finden sich momentan eher wenig Profis, die das Prädikat „Tafelsilber“ verdienen – ein Beispiel wäre Salih Öczan, über dessen Ausleihe spekuliert wird. Akteure wie Jorge Meré und Jhon Cordoba sind sportlich mittlerweile nicht zu ersetzen und dürfen daher eigentlich nicht abgegeben werden, um die Saisonziele nicht zu gefährden.

Auf der nächsten Seite: Die weiteren Herausforderungen – und jede Menge Zweifel

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