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Auswärtsspiel

HSV-Blogger Ulrich Hetsch: „In Hamburg geht die Angst um“

Vorletzter gegen Letzter – oder: Hamburger SV gegen 1. FC Köln. Ein Sechspunktespiel, das Abstiegskampf pur verheißt. Wir sprechen vor der Partie mit HSV-Blogger Ulrich Hetsch.

COLOGNE, GERMANY - AUGUST 25: Kyriakos Papadopoulos of Hamburg lies on the pitch in pain during the Bundesliga match between 1. FC Koeln and Hamburger SV at RheinEnergieStadion on August 25, 2017 in Cologne, Germany. (Photo by Lukas Schulze/Bongarts/Getty Images)
Foto: Lukas Schulze/Bongarts/Getty Images

Vorletzter gegen Letzter – oder: Hamburger SV gegen 1. FC Köln. Ein Sechspunktespiel, das Abstiegskampf pur verheißt. Wir sprechen vor der Partie mit HSV-Blogger Ulrich Hetsch.

Wenn der 17. der Bundesliga auf das Schlusslicht der Tabelle trifft, dann heißt das Abstiegskampf pur. Für den Hamburger SV und den 1. FC Köln wird es am Samstagabend im Topspiel des Spieltags (hahaha, guter Einfall!) richtig, richtig ernst. Die Situation in Köln ist trotz des Derbysieg sehr bescheiden, doch auch der HSV muss heftig kämpfen in dieser Saison. Nach Topstart ging es steil bergab für die „Rothosen“. Mit Blogger Ulrich Hetsch, der auf hsv-arena.hamburg äußerst pointiert und kritisch über seinen Verein berichtet, sprechen wir über die Gründe des Hamburger Tiefflugs, über Mäzen Klaus-Michael Kühne und über altbekannte Probleme in der Hansestadt.

Vorletzter gegen Letzter; Am Samstagabend kommt es in Hamburg wohl zu der Verkörperung des Abstiegskampfes. Während allerdings bei uns nach dem Derbysieg die Hoffnung regiert, scheint die Stimmung in der Hansestadt aktuell ziemlich reserviert zu sein. Trügt unser Eindruck?

Nein, der Eindruck trügt keinesfalls, die Stimmung in Hamburg ist am Tiefpunkt. Dies hat allerdings nicht ausschließlich mit der sportlichen Performance, sondern mit dem Erscheinungsbild des HSV als Gesamtheit zu tun. Ein Skandal jagt den nächsten, der Verein ist im Grunde insolvent. Man hat in den letzten vier Jahren mehr als 120 Millionen Euro in die Mannschaft investiert und die Leistungen werden immer schlechter. Die Fans, selbst die Hardcore-Fans sind müde und erschöpft von den letzten Jahren und viele wünschen sich mittlerweile eine Abstieg herbei, damit das Elend endlich ein Ende hat.

>>> Endspiel in Hamburg für den 1. FC Köln: Hoffnung am Leben halten

Der Start in die Rückrunde ist dem HSV gewaltig misslungen – der schwache Auftritt beim 0:1 in Augsburg brachte alle Beteiligten zurück auf den Boden der Tatsachen. Könnte das ein Augenöffner zum rechten Zeitpunkt gewesen sein?

Die Aussagen der Verantwortlichen sprechen eine andere Sprache, zumindest nach außen. Man tut im Grunde so, als wäre immer noch alles in bester Ordnung, man müsse sich lediglich auf seine Heimstärke besinnen, dann wird das schon. Tatsache ist aber, dass der HSV von den letzten 8 Heimspielen nur 3 gewonnen hat. Trainer Markus Gisdol versucht verzweifelt, die Dauerkrise wegzugrinsen, aber das nimmt ihm keiner mehr ab. Der Sportchef (Jens Todt) ist eine Witzfigur und Vorstandsvorsitzender Bruchhagen gilt als arroganter Schnösel, der seine Hauptaufgabe darin sieht, sich in Sport-TV-Shows zu präsentieren.

Foto: Lukas Schulze/Bongarts/Getty Images

Lediglich 15 Punkte haben deine „Rothosen“ auf dem Konto, auch in dieser Saison geht es wieder einmal nur ums nackte Überleben im Abstiegskampf. War das für dich erwartbar oder sollte doch 2017/18 mehr herausspringen?

Für mich war es erwartbar und ich habe bereits vor der Saison darauf hingewiesen, wie übrigens vor den letzten drei Spielzeiten auch. Aber von vielen wird man nicht für voll genommen, wenn man warnende Argumente bringt. Die Transfers vor dieser Saison (Hahn, Pollersbeck, van Drongelen, Thoelke, Papadopoulos fest verpflichtet nach Leihe) haben erneut mehr als 19 Millionen Euro gekostet, haben die Mannschaft, die in der letzten Saison erst in der 88. Minute des letzten Spieltages die Relegation vermieden hat, nicht verstärkt. Dazu hat sich der Verein auf der Position des Torhüters (Mathenia für Adler, der nach Mainz ging) signifikant verschlechtert. Wie also sollte so ein besseres Ergebnis rausspringen? Das aber wollten nicht viel hören, heute sehen sie es.

Die Transfers vor dieser Saison haben erneut mehr als 19 Millionen Euro gekostet, haben die Mannschaft, die in der letzten Saison erst in der 88. Minute des letzten Spieltages die Relegation vermieden hat, nicht verstärkt. Wie also sollte so ein besseres Ergebnis rausspringen?

Dabei begann die Spielzeit doch hervorragend, mit dem Auswärtssieg im Hinspiel sprangen die Hamburger sogar an die Spitze. War das lediglich ein Strohfeuer, das nur kurz lichterloh brannte?

Man muss sehen, wie diese beiden Anfangserfolge zustande kamen. Der 1:0-Heimsieg gegen Augsburg war komplett unverdient, im Spiel in Köln traf man auf einen hektischen Gegner, der neben sich stand und trotzdem streute das scheinbar deutliche 3:1 Sand in die Augen. Was dieser Sieg wert war, konnte man an der anschließenden Saison der Kölner erkennen, aber nach dem 2. Spieltag wuchsen bei einigen in Hamburg die Bäume schon wieder in den Himmel. Im Heimspiel danach (0:2 gegen Leipzig) war man absolut chancenlos, aber das wurde nicht erkannt, sondern als Betriebsunfall deklariert. Und so nahm die Saison ihren Lauf….

Auf der nächsten Seite: Die Probleme des HSV, das ramponierte
Image und die Probleme bei einem möglichen Abstieg

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