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Vorspiel

Geisterderby zwischen Gladbach und Köln: Fußball in Zeiten des Coronavirus

Der 1. FC Köln muss zum Nachholderby bei Borussia Mönchengladbach antreten. Sportlich kommen die „Geißböcke“ mit breiter Brust – müssen aber auf die Unterstützung der Fans verzichten.

Ohne Fans noch hässlicher: Der Borussia-Park in Gladbach | Foto: INA FASSBENDER/AFP via Getty Images

Als Horst Heldt am Montag bei der routinemäßigen Pressekonferenz vor dem Derby gegen Borussia Mönchengladbach nach den Folgen des neuartigen Coronavirus für die Partie gegen Gladbach und den Bundesliga-Betrieb gefragt wurde, war im Grunde eigentlich schon klar, was „Geißböcken“ und „Fohlen“ wenig später bereits drohen würde. „Wir sind im Umgang mit dieser Krise vor allem eins: Konsequent inkonsequent“, attestierte der Kölner Geschäftsführer also noch ohne Klarheit über das, was am Dienstag schließlich offiziell wurde: Das traditionsreiche Derby zwischen Köln und Gladbach wird ohne Zuschauer ausgetragen – die Stadt Mönchengladbach folgt damit der Empfehlung aus der Politik, auf Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern zu verzichten.

Der Schritt ist so richtig wie nachvollziehbar. Die Ausbreitung des Virus soll so möglichst eingedämmt, das Gesundheitssystem vor Überlastung bewahrt werden. Die Absage von entbehrlichen Großveranstaltungen ist dabei ein wirksames Mittel. Die gleiche Maßnahme wurde dementsprechend auch für das Heimspiel gegen Mainz 05 am Wochenende verhängt. Klingt erst einmal konsequent.

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Doch während dieser Text entstand, wurde in Leipzig mit Zuschauern im Stadion Fußball gespielt und Union Berlin hat trotz der Entscheidungen in NRW verkündet, dass man keineswegs vor habe, am Wochenende ohne Fans im Stadion gegen die Bayern zu spielen. Klare Vorgaben, die für alle gelten, gibt es im deutschen Fußball derzeit nicht. Und so hatte Horst Heldt mit seinem Kommentar vor der Entscheidung noch genauso recht wie danach.

Geisterderby in Gladbach: Couch statt Kurve

Horst Heldt | Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Während die Anhänger beider rheinischer Rivalen diesmal also ganz sicher auf die Couch statt in die Kurve müssen, sollen die Profi-Mannschaften dennoch ihren Dienst verrichten. Zumindest bis ein Bundesliga-Spieler oder Mitarbeiter eines Clubs vom Coronavirus betroffen sein sollte, läuft das Spektakel vorerst weiter.

Beim 1. FC Köln rollte das Spielgerät in den letzten Wochen sogar überaus erfolgreich: Die „Geißböcke“ haben mit Trainer Markus Gisdol an der Seitenlinie gar die beste Rückrunde seit 31 Jahren aufs Parkett gezaubert. Zuletzt gab es einen Arbeitssieg beim SC Paderborn. Mittlerweile kann man am Rhein tabellarisch schon wieder eher nach oben statt nach unten gucken. Die Brust ist also durchaus breit bei den Kölnern.

Gisdol: „Wir wissen, wo wir herkommen“

Jhon Cordoba | Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

„Wir sind aktuell gut drauf“, befindet auch Markus Gisdol. „Wir sind flexibel geworden und haben verschiedene Lösungen gegen Gegner, die ihre Systematik während des Spiels verändern“, erklärt der neue Kölner Erfolgstrainer. Favorit sei aber „natürlich“ dennoch die Borussia, findet Gisdol. „Uns wegen der letzten Ergebnisse auf einer Höhe mit Gladbach einzustufen, würde ich fast als respektlos empfinden. Wir wissen, wo wir herkommen.“

Personell kann Gisdol sich derweil nach abgelaufener Gelb-Sperre über die Rückkehr von Torjäger Jhon Cordoba freuen. Auf Abwehrhüne Sebastiaan Bornauw müssen die Kölner allerdings auch in Gladbach verzichten – der Innenverteidiger klagt weiterhin über muskuläre Probleme und wird erneut fehlen.

Erst Proteste, jetzt Stille

Ebenfalls spürbar fehlen werden die Zuschauer. „Ich hatte das noch nicht – nur in Testspielen“, erklärte Gisdol zum Geisterspiel. „Welchem Team es einen Vorteil bringt, kann keiner sagen.“ Nach turbulenten Wochen in den Stadien mit Protesten gegen Dietmar Hopp, die von Verbänden und Club-Offiziellen für eine absurde Anwendung des Drei-Stufen-Plans genutzt und Spiele so an den Rand des Spielabbruchs gebracht wurden, wird nun also bereits am Mittwochabend ganz Fußballdeutschland erleben dürfen, wie viel Spaß Fußball ohne Fans, ohne Stimmung und Emotionen auf den Rängen noch macht.

Aber auch da hatte Horst Heldt so eine Vorahnung für uns alle: „Ich habe mal in der Champions-League-Qualifikation ein Spiel ohne Zuschauer erlebt“, ließ der Kölner Geschäftsführer die Medienvertreter am Montag wissen. „Wir haben es gewonnen, aber es war total beschissen.“

 

 

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