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FC-Stammtisch Talk mit Broich, Müller-Römer und Bosbach: „Im Mittelpunkt muss der 1. FC Köln stehen“

Thomas Broich, Stefan Müller-Römer, Wolfgang Bosbach: Im zum Saisonende äußerst prominent besetzten FC-Stammtisch Talk sprach Ralf Friedrichs mit seinen Gästen unter anderem über den Aufstieg des 1. FC Köln und die Vorstandssuche.

Nach dem Aufstieg ist vor der Diskussion: Gleich drei prominente Gäste durfte Ralf Friedrichs am Dienstagabend im „Brauhaus Stüsser“ zur letzten regulären Ausgabe des FC-Stammtisch Talks in dieser Saison begrüßen. So stand CDU-Politiker Wolfgang Bosbach, der zuletzt Ambitionen auf das Präsidentenamt beim 1. FC Köln gezeigt hatte, ebenso Rede und Antwort wie der ehemalige effzeh-Spieler Thomas Broich und das derzeitige Präsidiumsmitglied Stefan Müller-Römer, der nach dem Rücktritt von Werner Spinner in den Clubvorstand aufrückte. Kaum verwunderlich, dass sich die Diskussionsrunde daher neben den sportlichen Entwicklungen bei den „Geißböcken“ auch um Vereinspolitik drehte.

Gerade Bosbachs Auftritt war mit Spannung erwartet worden: Vor etwas mehr als zwei Wochen hatte der Mitgliederrat seinen Plänen, zusammen mit Toni Schumacher und Markus Ritterbach künftig das Triumvirat an der Clubspitze zu bilden, eine Absage erteilt. Eine Absage, die der 66-jährige FC-Beirat allerdings sportlich nimmt. „Ich habe die Gespräche mit der Findungskommission als offen und fair empfunden. Ich hatte allerdings nie das Gefühl, eine realistische Chance zu haben, weil der Mitgliederrat auf einer anderen Suche war“, erklärte Bosbach.

Bosbach: „Das Thema ist für mich erledigt“

Der gebürtige Bergisch Gladbacher weiter: „Damit habe ich auch kein Problem. Die Herren haben mir reinen Wein eingeschenkt – das ist mir viel lieber als das Haus mit einem guten Gefühl zu verlassen und nachher enttäuscht zu sein. Ich habe keinen Grund, mich zu beklagen. Ich habe ein Angebot gemacht, das nicht angenommen wurde. Und jetzt sage ich im Sinne des Vereins: Hoffentlich haben die drei Erfolg!“

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Eine Kampfkandidatur mit seiner Beteiligung schloss Bosbach auf Nachfrage abermals aus: „Ich habe vom ersten Tag an gesagt, ich bewerbe mich um das Vertrauen und die Unterstützung des Mitgliederrats. Bekomme ich es nicht, dann hat sich das Thema für mich erledigt“, so Bosbach: „Ich möchte keinen Beitrag dazu leisten, dass wir uns als Verein in der Führungsfrage auseinanderdividieren. Es geht darum, was dem Club und was der Mannschaft hilft. Ich würde mich freuen, wenn wir uns in Zukunft darauf konzentrieren können, wie wir wieder in der Bundesliga konkurrenzfähig werden.“

Foto: Dieter Voß

Im Hinblick auf die Pläne seiner Mitstreiter bezüglich einer Gegenkandidatur betonte er: „Das hängt ganz davon ab, wen sie als dritten Mann noch finden. Das sollten wir abwarten. Es muss schon eine honorige, respektable Persönlichkeit sein, sonst stehen die Chancen nicht besonders gut. Das wissen die beiden aber auch selber“, so Bosbach.  Grundsätzlich empfindet er ein weiteres mögliches Vorstandstrio allerdings als wenig problematisch: „Der Vorteil wäre, die Mitglieder hätten am 8. September in der Kölnarena nicht nur die Wahl, sondern sie hätten sogar die Auswahl. Das nennt man Demokratie. Das ist aber nicht nur ein Vorteil für die Mitglieder, sondern es spaltet auch, da sich sofort zwei Lager bilden. Das ist ein schwieriger Abwägungsprozess“, betont der CDU-Politiker.

Kampfkandidatur nur als „Notfalloption“ in der Satzung vorgesehen

Stefan Müller-Römer widersprach dabei besonders mit Blick auf die demokratische Ausformung der FC-Satzung: „Auch wenn es in einigen Beiträgen in den sozialen Medien anklingt, dass dieses Prozedere undemokratisch sei: Nein, das ist klassische repräsentative Demokratie“, betonte der einstige Mitgliederratschef und schob mit einem Augenzwinkern Richtung Wolfgang Bosbach hinterher: „Es ist sogar mehr als im Bundestag, wo die Kanzlerin von den Abgeordneten gewählt wird. Der Mitgliederrat bestimmt nicht das Präsidium, er macht der Mitgliederversammlung nur einen Vorschlag. Das ist alles andere als undemokratisch.“

Der Mitgliederrat bestimmt nicht das Präsidium, er macht der Mitgliederversammlung nur einen Vorschlag. Das ist alles andere als undemokratisch.

Die Möglichkeit einer Kampfkandidatur sei bewusst von allen Beteiligten als „Notfalloption“ in die Satzung gebracht worden. Bei den damaligen Überlegungen herrschte Einigkeit, dass ein harter Wahlkampf im emotionalen Fußballumfeld schädlich für den Club sei. Ein Club, in dessen Vorstand Müller-Römer nun angekommen ist. Zusammen mit Toni Schumacher und Markus Ritterbach bildet der Medienanwalt derzeit interimistisch die Vereinsspitze – nach all den Dissonanzen in der jüngsten Vergangenheit kein leichtes Unterfangen.

FC-Stammtisch Talk Ralf Friedrichs Stefan Müller-Römer

Foto: Dieter Voß

„Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Atmosphäre zwischen dem Vorstand und dem Mitgliederrat nicht so wahnsinnig entspannt war. Es ist doch klar, dass, wenn ich das Flussufer wechsle, diese Sachen nicht einfach weggewischt sind. Wir sind alle nur Menschen“, so Müller-Römer. „Wir müssen aber auch nicht überall einer Meinung sein, sondern wir müssen schauen, dass nicht persönliche Eitelkeiten den Entscheidungen im Verein im Wege stehen. Es muss im Mittelpunkt stehen, was gut und was schlecht für den Verein ist. Solange das passiert, können wir uns hinter den Kulissen durchaus fetzen – das ist vollkommen in Ordnung.“

Dankeschön an Ex-Trainer Markus Anfang

Gefetzt wurde sich in jüngster Vergangenheit rund um den effzeh viel, auch um die Trennung von Markus Anfang, der als Spitzenreiter gehen musste. „Von außen betrachtet ist es natürlich ein komisches Bild, wenn der Trainer des Tabellenführers entlassen wird. Aber man muss ganz nah an der Mannschaft und am Trainerteam sein, um das beurteilen zu können“, gab Wolfgang Bosbach zu bedenken.

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Stefan Müller-Römer schickte derweil ein Dankeschön an den ehemaligen Coach: „Er hat für den Verein alles gegeben, sich total Mühe gegeben und ist auch nicht immer ganz gerecht beurteilt worden. Markus ist ein umgänglicher, netter Typ, dem es Spaß gemacht hat, für diesen Verein zu arbeiten. Mir tut es persönlich leid, dass es kurz vor Saisonende dann so gekommen ist. Für einen Trainer ist es nicht einfach, wenn jeder erwartet, dass du alles in Grund und Boden spielst.“

FC-Stammtisch Talk Ralf Friedrichs Thomas Broich

Foto: Dieter Voß

Kritik gab es dagegen von Thomas Broich, der den Aktionismus vieler Vereine anprangerte. „Diese permanenten Trainerwechsel geben einem Verein überhaupt keine Chance, eine bestimmte Richtung einzuschlagen. Der FC hatte sich für Markus Anfang und seine Idee, Fußball spielen zu lassen, entschieden. Dass es nicht immer reibungslos laufen wird, ist doch eigentlich klar. In solchen Momenten sollte der Verein einen jungen Trainer viel stärken stützen und durch solche Schwächeperioden hindurchgehen, damit man über Jahre etwas aufbauen kann“, so der ehemalige FC-Mittelfeldspieler, der von 2006 bis 2009 die Fußballschuhe für die „Geißböcke“ schnürte.

Kritik am Aktionismus vieler Vereine

„Jetzt kommt wieder ein neuer Trainer mit einer neuen Spielidee, der ganze Verein beginnt praktisch wieder bei Null und muss sich wieder neu ausrichten. Das ist ein sportlich und wirtschaftlich problematischer Ansatz, nicht nur für den 1. FC Köln“, betonte Broich, der besonders die Erwartungshaltung des effzeh-Anhangs in seiner Zeit in der Domstadt am eigenen Leib zu spüren bekam. „In Köln ist ein sehr kritisches Publikum. Es ist verrückt, es ist geil, es ist hochemotional – wenn es läuft, ist es überragend, wenn du hier spielen darfst. Auf anderen Seite kann sich das ganz schnell drehen. Nicht jeder kommt mit diesem Druck klar.“

In Köln ist ein sehr kritisches Publikum. Wenn es läuft, ist es überragend, wenn du hier spielen darfst. Auf anderen Seite kann sich das ganz schnell drehen.

Etwas, das auch Stefan Müller-Römer unterstrich, allerdings andere Schlüsse daraus zog: „Die Erwartungshaltung ist hoch bei unserem Verein, das finde ich aber auch völlig in Ordnung. Jeder, der hierhin kommt, muss wissen, dass der FC ein ziemlich geiler Club ist, aber dass du auch brutal viel Druck hast. Man kann das sehr leicht unterschätzen, wenn man von außen dazukommt. In Köln wirst du schnell hochgejubelt, aber auch schnell verbal mit Steinen beworfen. Das muss man aber aushalten können, gerade angesichts des ‚Schmerzensgeldes‘, das mittlerweile dafür gezahlt wird“, sagte das derzeitige Vorstandsmitglied.

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Den Aufstieg, betonte er, habe er nur recht verhalten gefeiert. „Die Tatsache, dass wir uns überhaupt wieder aus der 2. Bundesliga hocharbeiten mussten, hat mich sehr geärgert. Und dieser Ärger verraucht nur Stück für Stück“, wurde Müller-Römer deutlich. Auch für Wolfgang Bosbach ist nun erst der erste Schritt gemacht worden: „Ich hatte das Gefühl, der Aufstieg ist wie Bergsteigen. Das Ziel ist erreicht, aber es ist nur eine Etappe. Das eigentlich schwere Stück Arbeit liegt nun erst vor uns. Wir müssen aufpassen, uns nicht in eine Euphorie zu reden, denn für mich ist es entscheidend, dass wir ein stabiler Faktor in der Bundesliga werden – und zwar dauerhaft.“

Broich: „Der FC hat viele Erstligaspieler in seinen Reihen“

Die Unzufriedenheit mit der zurückliegenden Saison teilte Thomas Broich dagegen nicht: „Wir sind damals als Dritter aufgestiegen, nun haben es die Jungs als Meister geschafft. Die 2. Bundesliga ist eklig zu spielen, da musst du erst einmal durch“, erklärte der einstige Aufstiegsheld von 2008 und sieht die Perspektive nicht so negativ wie viele andere in Köln. Gerade im Ausblick auf die Bundesliga könne sich das Team mit einigen Verstärkung gut präsentieren: „Die Ligen kannst du nicht vergleichen, das ist ein ganz anderes Terrain. Der FC hat viele Erstligaspieler in seinen Reihen, die vielleicht sogar in der Bundesliga besser funktionieren als eine Klasse tiefer.“

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