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Meinung

Mitgliederrat präsentiert Vorstandskandidaten: Ein sauberer Schnitt für die Zukunft des 1. FC Köln

Der Mitgliederrat des 1. FC Köln hat sich für Werner Wolf, Eckhard Sauren und Jürgen Sieger als Kandidaten-Trio für die Vorstandswahl entschieden. Es ist eine professionelle Wahl – die bisherigen Vizepräsidenten Schumacher und Ritterbach sollten nun kampflos abdanken. Ein Kommentar.

Eckhard Sauren, Werner Wolf, Jürgen Sieger | Foto: 1. FC Köln

Der 1. FC Köln ist aufgestiegen und wie sich das offenbar gehört, wurde der Erfolg der „Geißböcke“ erneut halbwegs ausgiebig gefeiert. Einerseits erscheint das logisch. Ja, die 2. Bundesliga konnte in dieser Spielzeit keine allzu große Herausforderung für den mit üppigem Budget ausgestatteten Absteiger bieten. Und ja, die Kölner Mannschaft erlaubte sich einige Schwächen und Schwächephasen. Dennoch stiegen die Domstädter schlussendlich schon vor Ende der Spielzeit souverän als Meister auf. Das ist gut.

Andererseits hat der Club damit nach dem katastrophalen Abstieg in der Vorsaison lediglich das Minimum erfüllt, was seine Anhänger von ihm erwarten konnten – und erwartet haben. Und das ist schlecht. Denn ein wenn schon nicht lang- dann wenigstens mittelfristiger Plan, wie der 1. FC Köln seine Bundesliga-Rückkehr nachhaltig erfolgreich gestalten will, scheint am Geißbockheim derzeit nicht vorhanden zu sein.

Machtkämpfe prägen das Bild beim 1. FC Köln

Ganz im Gegenteil waren die entscheidenden Personen in diesem Zweitligajahr vor allem mit politischen Machtkämpfen beschäftigt. Das zeigte sich bereits im Herbst letzten Jahres bei und vor der Mitgliederversammlung des Traditionsclubs vom Rhein. Der amtierende Vorstand, noch mit Ex-Präsident Werner Spinner an Bord, befand sich damals schon im Kampfmodus.

Statt konkreten Ideen für die Zukunft präsentierten die Vereinsoberhäupter der Mitgliedschaft eine quasi inhaltslose Kampagne gegen die aktive Fanszene und den Mitgliederrat, abgerundet durch plumpe Satzungsänderungsanträge. Die unwürdige Strategie ging nicht auf. Spinner, Schumacher und Ritterbach handelten sich eine krachende Ohrfeige der Mitgliedschaft ein und bekamen schlussendlich nichts von dem, was sie sich erhofft hatten. Bereits bei dieser Veranstaltung bot der 1. FC Köln ein erschreckendes Bild. Gegeneinander statt miteinander – der Verein, erneut bitterlich gespalten.

Der ebenso unwürdige Abgang des Präsidenten wenige Monate später – seine Vizepräsidenten hatten ihn mit einer Indiskretion öffentlich in Misskredit gebracht, bevor Geschäftsführer Armin Veh Spinner mit einer Kompetenzüberschreitung im Pressegespräch angezählt hatte – war da eigentlich nur noch ein weiterer Beweis für das mittlerweile spürbar zerrüttete Innenleben dieses Clubs. Der ehemalige Bayer-Manager schmiss schließlich hin, Ritterbach und Schumacher blieben – und ließen Veh nach kleiner Rüge weitermachen.

Schumacher und Ritterbach kamen nicht in Frage

Dass der für die Nominierung zuständige Mitgliederrat die beiden Vizepräsidenten nicht noch einmal nominieren würde, dürfte für das Gremium spätestens nach dieser öffentlich dargebotenen Illoyalität von Schumacher und Ritterbach klar gewesen sein. Eine Gesprächseinladung der Findungskommission wurde von den beiden verbliebenen Vorstandsmitgliedern aber ohnehin lange Zeit nicht wahrgenommen.

Der Mitgliederrat | Foto: 1. FC Köln

Vielleicht war das nur konsequent: Stichhaltige Argumente für einen Verbleib der beiden Vizepräsidenten sind schließlich nur schwerlich zu finden. Vielleicht erwartete das Vize-Duo aber tatsächlich auch, dass man es nicht wagen würde, einen Vereinsvorstand ohne sie zu planen. Die Egos beim 1. FC Köln sind traditionell ja nicht gerade klein.

Sicher aber ist: An eine konstruktive Zusammenarbeit im Sinne des 1. FC Köln war mit Ritterbach und Schumacher zumindest in Bezug auf den Mitgliederrat schon lange nicht mehr zu denken. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass es genau die Änderung dieser Haltung war, die den Zeitpunkt markiert, an dem aus einer gelungenen Amtszeit des Trios aus Spinner, Schumacher und Ritterbach langsam, aber sicher ein gescheiterter Vorstand wurde – der nun zurecht nicht mehr nominiert wurde.

Sieger 2016 aus Aufsichtsrat abberufen

Zu Beginn der Amtszeit klappte das Miteinander mit dem Gremium übrigens noch gut. Doch mit dem Erfolg kamen auch die Fehler. Der Vorstand missachtete die Kontrollbefugnisse des Mitgliederrats immer umfassender. Sogar vor personellen Entscheidungen im Aufsichtsrat schreckte man bei Widerspruch damals nicht mehr zurück. Eine dieser Personalien war die Abberufung von Jürgen Sieger im Frühjahr 2016.

Der damalige Aufsichtsratsvorsitzende hatte dem Vernehmen nach intern deutlich bemängelt, dass sein Gremium bei Vertragsverlängerungen mit wichtigen Personen des Clubs nicht ordnungsgemäß eingebunden wurde. Von der Verlängerung des Arbeitspapiers des damaligen Trainers Peter Stöger erfuhr der Aufsichtsrat seinerzeit erst kurz bevor die Pressemitteilung versendet wurde. Die Kritik des Kontrolleurs wurde vom Vorstand nicht geduldet, Sieger musste weichen.

Obwohl sportlich auf dieses Frühjahr die beste Saison der jüngeren Vereinsgeschichte folgen sollte, begann der innere Zerfall der Strukturen, die dem Club zuvor zu neuer Stärke verholfen hatten, bereits mit dieser ersten Rückkehr der Sonnenkönig-Mentalität – die folgenden Monate sollten nur noch mehr davon offenbaren.

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13 Kommentare

13 Comments

  1. Avatar

    beme

    13. Mai 2019 an 22:29

    Volle Zustimmung. Ich verstehe nicht, warum die „sportliche Kompetenz“ im Vorstand so wichtig sein soll, dafür gibt es Angestellte (plus geplantes Beratungsgremium), die geballte sportliche Kompetenz in Person von Ex-Spielern im Vorstand ist mit Overath & Co. (Ausnahme K. H. Thielen) in Köln und auch in anderen Städten schon schief gegangen, das Beispiel Bayern zählt nicht, die haben schon so viel Geld verbraten, da wären andere Vereine vermutlich kollabiert.
    Führungsqualitäten, Teamfähigkeit und wirtschaftliche Kompetenz sind entscheidend. Und dass noch jemand hofft, dass die beiden Vize in den Kampf eintreten, ist für mich nicht nachvollziehbar. Ritterbachs Interview zu Spinner war z. B. unterste Schublade und disqualifiziert ihn für jeglichen Posten, Schumacher hat durch seine vorlauten und wenig klugen Äußerungen auch belegt, dass ein Zurückziehen aus dem Vorstand wohl die beste Wahl ist. Die Hoffnung bleibt, dass die Einsicht bei den beiden Vizepräsis einkehrt und keine Schlammschlacht ansteht.

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    CF

    13. Mai 2019 an 22:02

    Kann effzeh.com, offenbar recht nah dran, den Inhalt der „Vision“ des vorgeschlagenen Teams mitteilen oder eine Quelle, wo diese zu finden ist?
    Danke.
    Würde mich mehr interessieren als weitere Infos zu den Personen.

    Die Inhalte, die den MR überzeugt haben, wären eine nette, nicht unwichtige und Transparenz glaubhaft machende Info.
    Danke.

  3. Avatar

    Willi Lambertz

    13. Mai 2019 an 18:32

    Allein ein satzungsgemässes Vorschlagsrecht des Mitgliederrats degradiert eine Mitgliederversammung zur Farce.
    Es gibt ausreichend Beispiele, dass derartige, wenn auch Satzung korrekte Entscheidung ein Holzweg ist.
    Die Ansicht des Verfassers, dass die Herren Ritterbach und Schumcher auf eine erneute Kandidatur verzichten sollen, widerspricht jedem Demokratieverständnis.

    Daher sollten Beide sich einen exponierten Kandidaten aussuchen, um sich einer Mitgliederabstimmung zu stellen.
    Die 3.000 + Stimmen sollten locker zu erreichen sein.

    • Avatar

      Severin Richartz

      13. Mai 2019 an 22:37

      Hallo Herr Lambertz,

      es steht Ihnen als Mitglied des Vereins ja jederzeit frei, einen Satzungsänderungsantrag zu stellen. Dass meine Ansicht angeblich „jedem Demokratieverständnis widerspricht“, ist allerdings vollkommen falsch. Aber keine Sorge: Warum das so ist, habe ich bereits vor Wochen aufgeschrieben. Können Sie hier lesen: Demokratie-Diskussion beim 1. FC Köln

      Besten Gruß

  4. Avatar

    Oli

    13. Mai 2019 an 18:23

    Sportliche Kompetenz suche ich da vergeblich als langjähriger FC Anhänger unglaublich echt trauriges Bild demnächst wird ein Gehirnchirurg als Zahnarzt arbeiten

    • Avatar

      LB

      14. Mai 2019 an 14:00

      Sie sollten vielleicht einmal auch die 2. Seite lesen, dort steht eindeutig, dass der (hoffentlich) neue Vorstand ein Gremium stellen möchte welches Sie in sportlichen Fragen unterstützt.

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    Oli

    13. Mai 2019 an 18:22

    Nun mit dem sitzen muss ich feststellen dass die sportliche Kompetenz gänzlich fehlt ich kann mir nicht vorstellen wie so ein Verein geführt werden kann das finde ich als Köln Anhänger und mir blutet da das Herz eigentlich nur noch unglaublich

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    Till-1317

    13. Mai 2019 an 16:57

    Herzlichen Dank für diesen sehr gelungenn Artikel von Serverin Richartz, welcher generell alle Aspekte der Entscheidung der Findungskommission des Mitgliederrates und der folgerichtigen einstimmigen Zustimmung der zuständigen Gremien dem unvoreingenommenen Effzeh-Mitglied fast überdeutlich erläutert und daher eigentlich keiner weiteren Ergänzung mehr bedarf.

    Und nur für die unkritischen Effzeh-Mitglieder sei noch einmal folgende Zitate besonders hervorgehoben:

    „Bis heute nimmt der Konflikt zwischen den Kontrollinstanzen, vor allem dem Mitgliederrat, und dem mittlerweile dezimierten Vorstand den Club in den Schwitzkasten. Persönliche Befindlichkeiten, unkooperatives Verhalten, Leaks von Interna, um anderen zu schaden – das Innenleben des Clubs macht schon länger eher den Eindruck einer schäbigen Version von ‚House of Cards‘ als den eines professionelles Fußballclubs, in dem alle am gleichen Strang ziehen.“

    Eine möglicherweise immer noch angedachte Gegenkandidatur sollte sich daher aus den im Zitat genannten Gründen ohne jeden Zweifel von selbst verbieten.

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    Deckert, Jürgen

    13. Mai 2019 an 13:44

    Eigentlich müßte man den Versuch starten, die Satzung des 1. FC Köln zu ändern, denn der Schwachsinn der durch einen bestimmten Teil der Mitgliederschaft verursacht wird, wird den Club in kurzer Zeit zu einen nicht führungsfähigen Verein machen. Es gibt entsprechende Beispiele wie HSV und andere. Dabei kann man auf der anderen Seite Vereine sehen, die mit anderer Auffasung erfolgreich sind wie Dortmund oder auch -ob geliebt oder nicht- München und Leipzig.

    Ich kann nur Schumacher und Ritterbach wünschen sich mit einem geeigneten Dritten zu einer Kandidatur zu entscheiden, und gleichzeitig aufzuzeigen mit welchem wirtschaftlichen und sportlichen Plan die Zukunft gestaltet werden kann. Professlonißmus ist angesagt und nicht undurchsichtige Postenschieberei, ein schlüssiges Konzept habe ich bis heute von allen Beteiligten, Mitgliederrat oder den neuen potentiellen Vorständen bis heute nicht gelesen. Dabei ist EFFZEH.COM keine Ausnahme. Wenn 3/4 eines Artikels darauf zu verwenden Vergangenheit aufzuzeigen und nichts dazu zu sagen, was Zukunft sein könnte, ist man völlig neben der Spur.

    • Avatar

      effzeh.com

      13. Mai 2019 an 16:59

      Danke für dein Feedback. Die Mitteilung des Mitgliederrats enthält einiges an Inhalt und Ideen des Vorstandstrios. Böse Zungen würden sagen: Da ist mehr drin als beim aktuellen Vorstand in den letzten Jahren. Zudem kommentiert unser Text die Entscheidung des Gremiums und nicht das Programm des Kandidatentrios, steht aber auch oben dran. Portrait und Informationen zu den Plänen des Trios folgen aber zeitnah, keine Sorge.

      Besten Gruß

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        Heyen

        13. Mai 2019 an 19:59

        Nimmt der neue Vorstand dann die Beraterstäbe von Uschi Von der Leyen?

    • Avatar

      Guido K.

      13. Mai 2019 an 18:48

      Hallo Jürgen Deckert. Ein Verein kann funktionieren, wenn sich alle Beteiligten an Regeln halten und persönliche Interessen dem Gemeinwohl (in unserem Fall der Erfolg des FC) unterordnen. Autokrat Wolfgang Overath war bei uns jedenfalls maximal erfolglos. Die Arbeit des FC-Mitgliederrats sowie des kommissarischen Vorstandmitglieds Stefan Müller-Römer wird vom Restvorstand des FC (Schumacher, Ritterbach) seit Monaten torpediert. Sehr zum Schaden des FC. Und Sie wollen unsere Satzung in Richtung weniger Mitbestimmung ändern? Vielleicht sind Sie beim FC Bayern oder in Leipzig wirklich besser aufgehoben. Beste Grüsse…

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    Frank GR

    13. Mai 2019 an 12:18

    Danke – zum einen für die sehr gute, unaufgeregte und objektive Zusammenfassung der Entwicklungen und ‚Wendepunkte‘ der letzten Vorstandsjahre. Zum anderen auch für deine sachliche Einschätzung/Interpretation der Vorstands-Empfehlung durch den Mitgliederrat. Die offizielle Begründung liest sich auch ausgesprochen schlüssig – insofern kann ich mich dieser Empfehlung zu 100% anschließen.
    Es ist seit geraumer Zeit doch recht offensichtlich, dass es den Herren Ritterbach und Schumacher primär um ihre eigenen, persönlichen Vorteile geht und weniger um die positive Entwicklung des FC – sowowhl in sportlicher, medialer als auch ‚innerbetrieblicher‘ Hinsicht. Bleibt zu hoffen, dass die beiden vielleicht doch einsehen/erkennen, dass eine ‚Kampfkandidatur‘ gegen den Willer ALLER (!) Gremien diesen Verein noch weiter spalten wird. Eine Schlammschlacht, denn darauf würde es hinauslaufen, ist kontraproduktiv. Nicht nur aber auch vor dem Hintegrund, den aktuellen Kader kurzfristig bundesligatauglich aufzustellen (da sehe ich den FC nicht wirklich wettbewerbsfähig, um die Klasse zu halten…).
    BG – Frank

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