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Schlammschlacht oder geregelter Neustart: Wie geht es weiter beim 1. FC Köln?

Die Reaktionen auf die Vorstandskandidaten beim 1. FC Köln sind überwiegend wohlwollend, für die Vizepräsidenten gibt es derweil Kritik. Ob der Club auf eine Schlammschlacht zusteuert oder den geregelten Neustart hin bekommt, liegt nun an Schumacher und Ritterbach.

Ritterbach Schumacher
Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Wenn ein Verein drei Spieltage vor Saisonende den Aufstieg eintütet, würde man annehmen, die Laune sei allerseits bestens. Der 1. FC Köln wird nächstes Jahr wieder in der Bundesliga spielen, so richtig gefährdet wirkte die direkte Rückkehr ins Oberhaus – auch dank schwacher Zweitliga-Konkurrenz – während der Saison nicht. Dennoch herrschen am Geißbockheim turbulente Zeiten, noch bevor die Saison am Sonntag mit der Partie gegen den 1. FC Magdeburg endet.

Das Sportliche rückte spätestens mit dem entscheidenden Sieg in Fürth in den Hintergrund, hatte aber in den Wochen davor – der FC lag stets auf Aufstiegskurs – bereits an Bedeutung verloren. Der Rücktritt von Präsident Werner Spinner war der inoffizielle Wahlkampfbeginn beim Traditionsclub, der im September einen neuen Vorstand wählen wird. Mittlerweile sind die Würfel in der Frage gefallen, wen der Club satzungsgemäß durch die Auswahl des Mitgliederrats ins Rennen schicken wird. Die amtierenden Vize-Präsidenten, Toni Schumacher und Markus Ritterbach, gehörten nicht zur Auswahl des Gremiums. Stattdessen soll das Trio bestehend aus Werner Wolf, Jürgen Sieger und Eckhard Sauren in Zukunft die Geschicke des Clubs leiten.

Die Entscheidung kam nicht ohne Vorwarnung, dennoch reagierten Schumacher und Ritterbach dem Vernehmen nach überrascht bis beleidigt auf ihre Nicht-Nominierung, erklärten öffentlich jedoch nur, dass sie sich nun ihre Gedanken machen würden. Seitdem hat man von den beiden Vize-Präsidenten nichts mehr gehört. Dass sich mit Lionel Souque und Karl-Ludwig Kley sowohl der Aufsichtsrats- als auch der Beiratsvorsitzende für den Vorschlag des Mitgliederrats stark machten, scheint das Vize-Duo so nicht erwartet zu haben. Vor dieser Entscheidung des Clubs waren Schumacher und Ritterbach dem Vernehmen nach entschlossen, im Zweifel eine „Kampfkandidatur“ anzustreben. Ob dieser Plan bestand hat, ist ungewiss. Nach der Absage von Wolfgang Bosbach scheint der Torhüter-Legende und dem ehemaligen Karnevalschef derzeit ohnehin ein dritter Mann im Bunde zu fehlen.

Anerkennung für Kandidaten-Trio, Kritik an Vize-Duo

Zudem bieten die Reaktionen auf die Nominierung des Mitgliederrats auch nicht allzu viel Anlass zur Hoffnung. „Ritterbach und Schumacher sind für ihr bevorstehendes Aus selbst verantwortlich“, bilanziert mit dem „Express“ eines der einflussreichen Medien im Umfeld des Clubs. Auch der weniger boulevardeske, aber ebenfalls viel gelesene „Kölner Stadt-Anzeiger“ aus gleichem Hause kommentierte die Auswahl durchaus wohlwollend. Das Kandidatentrio habe „den Wunsch dokumentiert, den Verein tatsächlich wieder zu vereinen.“ Das Programm von Wolf, Sieger und Sauren könne dem Club ermöglichen, „sich auch in Zukunft treu zu bleiben“, heißt es da. „effzeh.com“ kommentierte noch deutlicher: „Stichhaltige Argumente für einen Verbleib der beiden Vizepräsidenten sind ohnehin nur schwerlich zu finden.“ Eine Einschätzung, die zumindest von unseren Lesern geteilt wird. Rund 63 Prozent der Teilnehmer einer Umfrage auf unserer Webseite halten die Kandidaten für die richtige Wahl. Lediglich knapp zwölf Prozent der über 750 Teilnehmer hätten sich Schumacher und Ritterbach als Nominierte gewünscht. Es sei jedoch nicht unterschlagen, dass in den letzten Tagen auch Facebook-Umfragen mit deutlich anderen Ergebnissen kursierten.

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Dementsprechend stehen die Vize-Präsidenten auch nicht gänzlich ohne Unterstützung da. Die „BILD“-Zeitung hatte sich in den letzten Wochen bereits für ein Team bestehend aus CDU-Politiker Wolfgang Bosbach, Schumacher und Ritterbach positioniert. Das Boulevardblatt hat seine Ausrichtung nicht geändert und zeigte sich erst empört über die Entscheidung, monierte dann – wie so viele derzeit – eine vermeintlich mangelnde Sportkompetenz im Vorschlag des Mitgliederrats und telefonierte schließlich ungefähr jeden ehemaligen FC-Spieler oder Trainer ab, um Stimmen zu sammeln. „Der FC ohne Tünn ist nicht die Hälfte, nicht ein Viertel wert – das ist dann ein komplett anderer Klub. Vom alten FC bleibt so nichts mehr übrig“, entrüstete sich Peter Neururer da. „Ich halte das für absolut nicht richtig. Toni ist der einzige im Vorstand, der etwas von Fußball versteht“, erklärte Double-Manager Karlheinz Thielen. Auch Bernd Cullmann, Wolfgang Weber, Stephan Engels, Dieter Müller und Pierre Littbarski fanden unterstützende Worte für ihren Wegbegleiter und beklagten teilweise die vermeintlich mangelnde sportliche Kompentenz der Kandidaten. Lediglich Dieter Prestin schlug kritische Töne an. „Grausam schlecht“ sei die sportliche Entwicklung des Clubs. „Das richtet sich auch an Toni Schumacher.“

Müller-Römer: „Es war nicht Veh, der die Nachricht weitergegeben hat“

Ebenfalls an den Vizepräsidenten und seinen Kollegen Markus Ritterbach dürften die jüngsten Worte vom Interimsvorstand Stefan Müller-Römer im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ gerichtet gewesen sein. „Wenn eine vorstandsinterne Nachricht, in der es konkret um die Geschäftsführung geht, an diese durchgesteckt wird, ist das ein Vertrauensbruch“, erklärt der ehemalige Mitgliederrat, der nachdem diese Nachricht bei Armin Veh gelandet war, was schließlich zum Rücktritt des Präsidenten führen sollte, satzungsgemäß in den Vorstand entsandt wurde. „Festgehalten werden muss, dass es nicht Armin Veh war, der die Nachricht weitergegeben hat“, stellt Müller-Römer zudem klar und lenkt den Fokus damit auf die Empfänger der Sprachnachricht des Ex-Präsidenten: Schumacher und Ritterbach.

Stefan Müller-Römer | Foto: Sebastian Bahr

Stefan Müller-Römer | Foto: Sebastian Bahr

Die Kandidaten des Mitgliederrats und ihr Programm finden derweil weniger überraschend den Gefallen des ehemaligen Vorsitzenden des Gremiums, der vor seinem Wechsel in den Vorstand an der Auswahl mitbeteiligt war. „Das Team ist gut und überzeugt mich. Die drei Personen sind in der Lage, notwendige Reformen vorzunehmen.“ Auch den eigentlich einzigen Kritikpunkt der letzten Tage kontert Müller-Römer. Schließlich solle für die nötige sportliche Fachkenntnis ein „Kompetenzteam Sport“ gebildet werden. „Es macht Sinn, dass sich der Vorstand Rat einholt, um mit der Geschäftsführung auf Augenhöhe diskutieren zu können.“ Dennoch sei das Trio an der Spitze des Clubs „nicht dazu da, um die sportlichen Entscheidungen zu treffen“, sondern müsse vielmehr „klassische Unternehmensführung“ betreiben.

Der Ball liegt bei Schumacher und Ritterbach

Wie es nun genau in Sachen Wahlkampf weitergeht, kann auch Müller-Römer derweil nicht vorhersagen. Was seine beiden Vizepräsidenten nun vor haben, wisse er nicht, erklärt der 51-Jährige. Dass das neue Vorstandsmitglied grundsätzlich kein Freund einer „Kampfkandidatur“ seiner derzeitigen Kollegen ist, hatte Müller-Römer bereits vor Wochen im Gespräch mit „effzeh.com“ klar gestellt.

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Angesichts der Worte, die der ehemalige Mitinitiator der Satzungsreform beim 1. FC Köln nun im „KStA“-Interview findet, dürfte sich diese Meinung eher verfestigt haben. Auf die Frage, wie die Zusammenarbeit im Vorstand und mit der Geschäftsführung sei, antwortet Müller-Römer zunächst ein vielsagendes: „Interessant.“ Dann wird er doch ein wenig konkreter: „Wenn wir in Zukunft dauerhaft Erfolg haben wollen, ist es essenziell, eine ausgeprägte Identität zu entwickeln und mehr Stabilität in den Klub zu bringen. Dazu gehört auch, dass Regeln und Abläufe im Klub von allen Beteiligten eingehalten werden müssen.“ Man muss kein Sprachwissenschaftler sein, um hier zwischen den Zeilen einen der Gründe für die Nicht-Nominierung der beiden Vize-Präsidenten herauszulesen.

Der Ball, so scheint es, liegt nun bei Toni Schumacher und Markus Ritterbach, die seit Monaten mehrheitlich schweigen und derzeit noch ohne bekanntes Team und jegliches inhaltliches Programm dastehen. Auch wenn Vorstandskollege Müller-Römer kritische Worte findet, hat das potentielle Nachfolger-Trio sich durchaus offen dafür gezeigt, den noch amtierenden Vize-Präsidenten eine Brücke für einen rühmlichen Abschied aus dem Amt zu bauen. Vor allem der „Tünn“, die Vereinslegende Toni Schumacher, aber auch der für den Club weniger bedeutsame Ritterbach müssen sich nun entscheiden, ob sie über diese Brücke gehen und doch noch für beste Laune im Aufstiegssommer sorgen oder den Club mit einer trotzigen Kampfkandidatur wider jeglicher Vernunft und ohne erkennbares Konzept einer Schlammschlacht aussetzen wollen.

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