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Analyse

Fachkräftemangel beim 1. FC Köln: Kompetenz statt Reputation

Bei voller Fahrt muss der 1. FC Köln zwei Schlüsselpositionen neu besetzen – wir analysieren, wie es nun beim FC weitergehen könnte.

Foto: Jörg Schüler/Bongarts/Getty Images

In seiner an Tiefpunkten nicht armen Vereinsgeschichte hat der 1. FC Köln eine neue Form von Nullpunkt erreicht: Nach elf Spieltagen steht der FC nach acht Niederlagen mit sieben Punkten auf dem vorletzten Rang der Tabelle und gleichzeitig müssen sowohl der Posten des Geschäftsführers Sport als auch des Trainers besetzt werden. Die Entwicklungen der letzten Tage, in denen zuerst Armin Vehs Vertrag aufgekündigt und dann die Trennung von Achim Beierlorzer bekanntgegeben wurde, bedeuten einen harten Schnitt in der sportlichen Entwicklung des Vereins. Beide Personalentscheidungen kamen jedoch nicht überraschend, schwelten sie doch bereits länger.

In Sachen Geschäftsführer gab der 1. FC Köln vor einigen Tagen bekannt, dass Armin Vehs Vertrag bis 2020 nicht verlängert werden würde – die Frage war in der Folge, ob er seinen Vertrag bis dahin überhaupt erfüllt. Offen war zudem, inwieweit er seinen Nachfolger einarbeiten oder gar an dessen Auswahl beteiligt sein würde. In jedem Fall hatte der Vorstand der „Geißböcke“ durch diese Bekanntgabe die Gelegenheit, bereits frühzeitig zu definieren, wie das Anforderungsprofil für einen neuen Geschäftsführer Sport aussehen soll. Nach der Niederlage in Düsseldorf vermied der Gemeinsame Ausschuss des 1. FC Köln den großen Knall und sprach Achim Beierlorzer das Vertrauen aus, um die „sportliche Wende“ zu schaffen.

Erst Veh, dann Beierlorzer: Großes Stühlerücken beim 1. FC Köln

Hätte der FC zu diesem Zeitpunkt Vehs Arbeitsverhältnis aufgekündigt, wäre wohl auch Beierlorzer nicht mehr zu halten gewesen – schließlich war das Wirken des Geschäftsführers mit der Leistung des Trainers verbunden. In die Woche vor dem Hoffenheim-Spiel gingen alle Beteiligten dann nicht ohne allesamt gehörigen Schaden davongetragen zu haben. Der Vorstand musste sich kritisieren lassen, weil er den klaren Schnitt zu diesem Zeitpunkt vermied. Für Beierlorzer war die Aufgabe eigentlich unlösbar: Bei vielen Entscheidungsträgern im Verein hatte er schon an Rückhalt verloren, dennoch wurde seine sportliche Zukunft – zumindest offiziell – an das Ergebnis des Heimspiels gegen Hoffenheim geknüpft.

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In einem an sich ausgeglichenen Spiel, in dem die „Geißböcke“ sich formverbessert gegenüber den letzten Spielen zeigten, war es am Ende eine Strafstoß-Entscheidung in der Nachspielzeit, die die Gäste aus dem Kraichgau letztlich auf die Siegerstraße brachte. Direkt nach Abpfiff der Partie gab der Verein dann bekannt, dass Vehs Vertrag vorzeitig aufgelöst werde – und fortan Frank Aehlig, als Leiter der Lizenzspielerabteilung die rechte Hand des mächtigen Kölner Sportchefs, die sportliche Verantwortung beim FC trägt. Dessen Entscheidung am Folgetag (und der Rücksprache mit dem Kader) sah dergestalt aus, dass er Achim Beierlorzer von seinen Aufgaben als Cheftrainer freigestellt hatte.

„Schwierig, aber nicht prekär“, findet Aehlig die Lage

Mit einem Vakuum im operativen sportlichen Bereich geht der 1. FC Köln nun in die Länderspielpause, bevor in zwei Wochen in Leipzig ein schweres Auswärtsspiel stattfindet. Als „schwierig, aber nicht prekär“ beschrieb Aehlig die sportliche Situation des Aufsteigers, der mittlerweile drei Punkte Rückstand auf den 15. Tabellenplatz aufweist. „Es ist schwierig, aber wir können das noch korrigieren“, betonte er – schließlich sei auch erst ein Drittel der Saison gespielt. Mitten in der Saison bei voller Fahrt Geschäftsführer- und Trainerposten neu zu besetzen – das ist aber selbst für den 1. FC Köln eine große Herausforderung.

DUESSELDORF, GERMANY - NOVEMBER 03: Head coach Achim Beierlorzer of Koeln looks dejected after loosing the Bundesliga match between Fortuna Duesseldorf and 1. FC Koeln at Merkur Spiel-Arena on November 03, 2019 in Duesseldorf, Germany. (Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Ein Vorteil könnte dabei tatsächlich sein, dass die Gespräche mit einem möglichen neuen Sportchefs bereits begonnen haben könnten, bevor die Notsituation eintrat. Denn eines steht fest: Bevor der FC einen neuen Trainer installiert, muss die Position des sportlich Verantwortlichen geklärt sein. Ansonsten gerät man (wieder) in eine Situation, in der Geschäftsführer und Trainer nicht in dieselbe Richtung arbeiten – und Stress vorprogrammiert ist. Wichtig wäre es daher, einen Kandidaten zu finden, der sich idealerweise nicht über seine Erfahrung und Reputation, sondern durch seine Kompetenz und Vision auszeichnet. Daher scheint es zum jetzigen Zeitpunkt auch eher auszusehen, wenn man den Medienberichten Glauben schenkt.

Zwei Schlüsselpositionen müssen besetzt werden

Für den Posten des Trainers gilt dasselbe Credo: Die Art und Weise, wie kompatibel ein Trainer mit den Vorstellungen der sportlichen Leitung ist, muss entscheidend sein. Ob jemand es bereits geschafft hat, eine Mannschaft vor dem Abstieg zu retten oder sogar eine Kölner Vergangenheit hat – diese Aspekte dürfen keine Rolle spielen. Dass der 1. FC Köln in den Jahren nach Peter Stöger bereits zwei Trainer (Markus Anfang und Achim Beierlorzer) verschlissen und immer wieder auf Trainer aus dem eigenen Nachwuchs (erst Stefan Ruthenbeck, danach Andre Pawlak) zurückgreifen musste, dürfte bei vielen Kandidaten schon Abschreckung genug sein.

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Möglicherweise könnte aber genau dies die Chance sein, einen jüngeren und auch unerfahreneren Trainer zu benennen, der den FC als Chance und nicht als Belastung oder gar Möglichkeit zur Bereicherung sieht.Eine wichtige Rolle kommt in diesem ganzen Komplex natürlich auch der Mannschaft zu. Der Misswirtschaft der vergangenen Jahre ist es zu verdanken, dass viele Spieler langfristige Verträge haben, ohne aber Leistungsträger zu sein.

COLOGNE, GERMANY - NOVEMBER 08: Dominick Drexler of 1. FC Koeln reacts during the Bundesliga match between 1. FC Koeln and TSG 1899 Hoffenheim at RheinEnergieStadion on November 08, 2019 in Cologne, Germany. (Photo by Jörg Schüler/Bongarts/Getty Images)

Foto: Jörg Schüler/Bongarts/Getty Images

Das ist aber nur ein Aspekt – die inkohärente Zusammenstellung aus „ehemaligen Helden“ (Horn, Hector, Risse, Höger, Modeste etc.), neuen Leistungsträgern (Schaub, Drexler, Czichos etc.) und ambitionierten Neuzugängen (Skhiri, Verstraete, Ehizibue, Bornauw) sorgt für eine schwierige Ausgangslage, mit der vor der Saison nicht unbedingt zu rechnen war. Gerade arrivierte Kräfte wie Höger und Modeste sind bislang nicht wie gewünscht zum Zug gekommen, ihre Unzufriedenheit dürften sie im Zusammenleben mit der Mannschaft direkt oder indirekt geäußert haben.

Keine einfache Ausgangslage, aber Geduld ist wichtig

Von daher wird es für die neue Konstellation auch wichtig werden, diese Situation zu moderieren und, auch wenn es nach einer Phrase klingt, die mannschaftliche Geschlossenheit zu betonen. Hinzu kommen die tatsächlich existierenden fußballerischen Schwierigkeiten, die der FC aktuell aufweist. Das Offensivspiel leidet, weil nicht genügend Handlungsmuster vorliegen, um zum Erfolg zu kommen. In der Defensive gibt es natürlich auch Verbesserungsbedarf, genauso wie in den Umschaltmomenten nach hinten und vorne.

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Bis auf Weiteres sind beim 1. FC Köln allerdings die Männer aus der zweiten Reihe in Action: Aehlig wirkte vorher genauso im Hintergrund wie André Pawlak und Manfred Schmid, die vorerst die Trainingsarbeit mit der Mannschaft übernehmen. Durch die Länderspielpause wird die Arbeit allerdings nicht zwingend einfacher, Spieler wie Hector, Schaub, Skhiri, Bornauw fehlen genauso wie die Nachwuchskräfte Churlinov und Krahl. Mit Katterbach und Kainz sind zudem zwei Spieler verletzt. Die Ausgangslage, auch mit Bezug auf den kommenden Gegner aus Leipzig, könnte daher durchaus besser sein.

COLOGNE, GERMANY – NOVEMBER 08: Jurgen Locadia of TSG 1899 Hoffenheim competes for a header with Jorge Mere of 1. FC Koeln during the Bundesliga match between 1. FC Koeln and TSG 1899 Hoffenheim at RheinEnergieStadion on November 08, 2019 in Cologne, Germany. (Photo by Jörg Schüler/Bongarts/Getty Images)

Ungeachtet der aktuellen sportlichen Lage stehen beim 1. FC Köln also richtungsweisende Entscheidungen an, die im Idealfall der Ausgangspunkt für eine bessere Zukunft sind. Von daher ist der Vorstand gut beraten, sich Zeit zu nehmen, eine gute und wohlüberlegte Entscheidung zu treffen. Und wenn es länger dauert, dauert es länger – es ist auch keine Zeit für  panische Schnellschüsse. Dafür stehen noch zu viele Spiele aus, die Mannschaft scheint trotz allem wesentlich konkurrenzfähiger als noch in der Abstiegssaison 2017/2018. Gebannt ist die Gefahr allerdings nicht – das Vakuum auf der sportlichen Ebene macht die Sache auch nicht besser.

5 Kommentare

5 Comments

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    Christel Gontrum

    13. November 2019 an 13:43

    Nico Kovac würde zur Verfügung stehen vieleicht sollte man Ihn FRAGEN!!!!!

  2. Avatar

    Thomas Dietz

    11. November 2019 an 15:03

    Was beide hier vor mir ansprechen kann ich nur bestätigen. Unter Stöger in der 1. Bundesliga Saison wurde auch die gute Abwehr und wenig Gegentoren der Klassenerhalt gechafft. Ausserdem ist die benötigte Fitniss der gesamten Mannchaft noch nicht Bundesligatauglich. Die Sporthochschule ist doch um die Ecke. Dort kann man doch die fundierten Möglichkeiten einer besseren körperlichen Fitness erfahren.
    Wenn man sich keine Spitzenfußballer leisten kann, muß ein andere Ansatz her um in der Bundesliga zu überleben. Siehe z.B. Freiburg

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    Uwe Fischer

    11. November 2019 an 08:26

    ML,absolut richtiger Ansatz.
    Langfristig ist moderner Konzeptfussball ein Ziel, für den kummererprobten FC Fan vielleicht soweit weg wie der Mond.

    Also kurz und mittelfristig mit der vorhandenen Situation, Spielern und sicherlich schwierigen Rahmenbedienungen ein Kampfschwein suchen um dann mit hoffentlich gehaltener 1.ligatauglichkeit,neuer Idee,Geschäftsführung und neuem (Konzept) Trainer einen Neustart hinlegen.

    ALEEEEEZ FC

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    Michael Ludwig

    10. November 2019 an 08:40

    Mich machen die „Konzepttrainer“ unruhig… Warum muss man sich heutzutage Trainer suchen, die einen Fussball spielen wollen, der nicht zum Kader passt. Die haben dann keinen Plan B und scheitern an ihrer eigen Unflexibilität. Es gab mal erfahrene Trainer, die haben sich die Spieler angeschaut und überlegt, wie man sich hinten wenige bis gar keine Tore fängt, um dann langsam aus dergewonnenen Sicherheit heraus die Offensive zu suchen und eigene Tore zu erzielen…
    Ich weiss – altmodisch…

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      M.

      10. November 2019 an 17:34

      So sieht es aus. Wer hinten sicher steht und sehr wenig zulässt, dann braucht man diese nicht nachzulaufen bzw. aufzuholen um zu Punkten. Und Punkte brauch der FC ja wirklich dringend. Die Offensiveleute/-spieler müssen aber auch Ihre Chancen zum Torerfolg verbessern und treffsicher werden.

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