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Auswärtsspiel

Freiburg-Fan David: „Streich ist das Opfer seiner früheren Auftritte“

Für den 1. FC Köln geht es nicht mehr um viel, für den SC Freiburg hingegen schon: Mit SCF-Fan und drei90-Mann David besprechen wir die Lage bei den Breisgauern und skizzieren ein wildes Szenario für das Spiel.

FREIBURG IM BREISGAU, GERMANY - FEBRUARY 12: Yuya Osaka of Koeln is challenged by Nicolas Hoefler of Freiburg during the Bundesliga match between SC Freiburg and 1. FC Koeln at Schwarzwald-Stadion on February 12, 2017 in Freiburg im Breisgau, Germany. (Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)
Foto: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images

Bei all diesen Vorkommnissen muss man sich Sorgen um die Gesundheit von Christian Streich machen, der badische Vulkan hat sich allerdings zuletzt merklich zurückgehalten. Steht er unter medikamentösem Einfluss oder hat er sich gebessert?

Ich glaube, Streich ist ein wenig das Schubladen-Opfer seiner früheren Auftritte. Er hält sich im Vergleich zu einigen Jahren zuvor schon seit einiger Zeit meist sehr zurück, lobt auch mal ausdrücklich Schiedsrichter, und wenn er sagt: „Dazu sage ich jetzt nichts“, dann hält er sich auch tatsächlich daran. Ich kann mich an Zeiten erinnern, da war das noch ganz anders, da war dieser Satz die Einleitung dazu ganz, ganz viel zu sagen. Was aber von ihm hängenbleibt, sind immer noch die gelegentlichen Ausbrüche wie eben bei der Petersen-Sache. Ganz generell habe ich den Eindruck, dass Streich von den Medien und von vielen Fußballfans wahlweise viel zu sehr überhöht oder zu sehr verteufelt wird. Ich finde zum Beispiel seine eher politischen Äußerungen sinnvoll und richtig, aber streng genommen ist das alles meist recht banaler gesunder Menschenverstand, und es sagt eher etwas über viele andere Trainer aus, dass sie sich offenbar zu nichts anderem als Fußball äußern wollen – oder können.

Ich sehe Streich als Menschen. Mit Stärken und Schwächen.

Umgekehrt ist es auch sehr leicht, aus manchmal minutenlangen, mäandernden Streichschen fußballphilosophischen Überlegungen, in denen er sich teilweise mitten in der Antwort selbst nochmal in Frage stellt, den 30-Sekunden-Clip rauszuziehen, der das Ganze komplett sinnentstellt und ihn eher unsympathisch erscheinen lässt. Ich sehe Streich als Menschen. Mit Stärken und Schwächen. Mehr nicht. Viel mehr Sorgen macht mir ja, dass er sich zuletzt auch taktisch arg zurückgehalten hat. Gegen Mainz in einer defensiven Fünferkette aufzulaufen, war mutlos, trostlos und, ja, stimmt, wirkte ein wenig wie Valium-Fußball. Insofern hast du vielleicht doch recht.

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Das Hinspiel als Startschuss für den SC Freiburg

Über das Hinspiel müssen wir natürlich auch reden: nach 0:3-Rückstand zur Pause gewann Freiburg noch mit 4:3 in Köln und sorgte damit in der Domstadt für einen vorläufigen Tiefpunkt der Saison. Welche Wirkung hatte der Sieg für die Mannschaft und den Verein in Freiburg?

Tatsächlich war es, vielleicht nicht ganz überraschend, für uns das exakte Gegenteil. Der SC hatte bis dahin gar nicht wirklich viele überzeugende Auftritte gehabt, wir hatten auch in der Vorrunde schon gegen Wolfsburg und Stuttgart verloren, und der Sieg gegen Köln war ein kleiner Kickstart in eine ziemlich gute Phase, mit einem Sieg gegen Gladbach kurz darauf, und den guten Spielen gegen Leipzig und Dortmund im Januar. Ist doch auch klar: Wenn du so zurückkommst, dann glaubst du daran, dass alles möglich ist, dass du Berge versetzen kannst. Genau das, was dem SC derzeit komplett fehlt. Ich habe allerdings heute überrascht festgestellt, dass wir in der Vorrunde zu diesem Zeitpunkt zwölf Punkte auf dem Konto hatten, und wenn man nur die Rückrunde betrachtet, derzeit elf Punkte. Ziemlich ähnliche Situation. Nun… also so gesehen – ich würde ja so ein 4:3 nochmal nehmen.

Welche Dinge müssen sich verbessern, damit es gegen den effzeh zu einem Sieg reicht?

Ich nehme an, idealerweise müsste das Team über Nacht wieder vor Selbstbewusstsein strotzen, und bei Ravet und Niederlechner sollte eine spontane Wunderheilung einsetzen, damit sie die Offensive wieder beleben. Das alles wird nicht passieren, also muss ich irgendwo anders Hoffnung suchen. Fällt mir nur nicht leicht. Die erste Halbzeit gegen den HSV hatte eigentlich Mut gemacht. Der SC ist seit gefühlten Monaten zum ersten Mal wieder ohne Angsthasenfußball aufgetreten, stand mit zwei Stürmern auf dem Platz, hat die Hamburger aggressiv schon in der eigenen Hälfte angelaufen. Die Jungs haben sich sogar hochkarätige Torchancen erspielt. Allein so einen Auftritt und so eine mutige Aufstellung wünsche ich mir eigentlich wieder gegen Köln, dann wäre ich ja fast schon zufrie… nein, eigentlich wäre ich damit allein nicht zufrieden.

COLOGNE, GERMANY - DECEMBER 10: Nils Petersen of SC Freiburg shoots and scores his side's first goal during the Bundesliga match between 1. FC Koeln and Sport-Club Freiburg at RheinEnergieStadion on December 10, 2017 in Cologne, Germany. (Photo by Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images)

Foto: Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images

Der 1. FC Köln als Gegner zur richtigen Zeit?

Die Zeit, in der ich als Fan dem Spiel zuschaue und mir denke „Hauptsache, sie spielen gut, hängen sich rein und erspielen sich Chancen“ ist natürlich vorbei. Ich wäre auch zufrieden, wenn der SC mit viel Glück irgendwie ein 1:0 reinstolpert. Immerhin: Mike Frantz ist wieder fit. Der kann sehr hilfreich sein in dieser Situation, nicht nur weil er ein Arbeitstier und ein Kämpfer ist, sondern auch, weil er weite Wege mit nach vorne geht, trotzdem die Übersicht behält, und so hoffentlich das Spiel belebt, auch wenn er selbst jetzt kein kreativer Künstler ist. Ich höre immer wieder von Fans, dass sie fordern, Streich solle mal mehr von den jüngeren, kreativen Leuten aufs Feld schicken, anstatt wieder denselben Leuten zu vertrauen. Bin da aber nicht so unbedingt ganz überzeugt von der Idee, einer bereits jetzt verunsicherten Mannschaft noch Leute mit unbekannten Laufwegen hinzuzufügen. Außer man sieht es als Fall von: Schlimmer kann’s ja nicht werden.

Sportlich geht es für den Kontrahenten aus der Domstadt um nichts mehr: Kann das ein Vorteil für Freiburg sein?

Ehrlich gesagt, mir sind ganz generell und jederzeit zitternde Gegner, die unter Druck stehen, deutlich lieber. Ich glaube nicht, dass Köln in den Breisgau fährt, um den Sieg zu verschenken. Gerade die Meldungen rund um Hector und Horn können ja vielleicht auch im Team eine neue Euphorie entfachen. Bei den Fans ja sowieso. Insofern: Die Kölner dürfen sich bitte gerne noch weiter Hoffnung auf die allerallerallerletzte rechnerische Chance machen und dann im entscheidenden Moment verkrampfen. Das wäre sehr nett. Mir gegenüber.

Der Absturz des effzeh? „Nicht logisch zu erklären“

Wie beurteilst du aus der Ferne die Lage beim effzeh? Soll der SCF aus Sympathie den Gang in die zweite Liga mitgehen?

So wie bei den beiden letzten Abstiegen des SC 2003 und 2006, als Köln auch entweder direkt mit runter ging oder kurz darauf gefolgt ist? Offen gestanden verstehe ich immer noch nicht so ganz, warum ihr dieses Jahr absteigt. Euer Kader liest sich nach wie vor gut, und wenn ich vom effzeh die Spiele schaue, sehe ich immer wieder auch tolle Momente. Als jemand, der auch regelmäßig Ligue 1 schaut, kenne ich ja auch Koziello schon eine Weile und freue mich sehr, wie er in Köln nochmal aufblüht. Und durch meinen drei90-Podcast-Kollegen Axel habe ich ja die ganze Bandbreite der Höhen, Tiefen und Emotionen rund um Köln bei jeder Aufnahme mitbekommen, kann mir also schon irgendwie grob zusammenreimen, welche Faktoren bei euch mit reingespielt haben. Wenn ich drei Schritte zurücktrete, und versuche, es mir logisch zu erklären, kapiere ich es trotzdem nicht. Und schade ist es obendrein. Wobei… aktuell spielen ja in der 2. Liga fast mehr sympathische Vereine, als in der Bundesliga.

Wie auch immer: Ich würde als SC höchst ungern in eine Zweite Liga absteigen, in der der HSV und Köln um den Wiederaufstieg spielen. Sympathie hin oder her. Da ich ja in Darmstadt wohne, hätte ich so oder so die Möglichkeit, Köln hier im Stadion zu sehen… wenn die Lilien den Klassenerhalt schaffen. Was ja derzeit auch alles andere als sicher ist. Also insofern wäre eigentlich eher folgende Variante meine bevorzugte Option. Der SC bleibt erstklassig, die Lilien bleiben zweitklassig, Wolfsburg steigt mit ab, und Köln verhindert durch seinen Direktaufstieg, dass Wolfsburg wieder hoch kommt. Muss allerdings gestehen, dass da derzeit einige Wahrscheinlichkeiten gegen diese Variante sprechen.

Ein episches Szenario für das Spiel zwischen Freiburg und dem 1. FC Köln

Gegen Ende würde uns noch dein Tipp und dein prognostizierter Spielverlauf interessieren.

Der SC startet mutig und mit wehenden Fahnen, dann schießt Köln in der 5. Minute das 0:1. Zehn Minuten später stellt der VAR fest, dass ein Handelfmeter in der 1. Minute nicht gegeben wurde, und die Fußballrepublik Deutschland lernt, dass es offenbar eine Sonderregel gibt, die besagt, dass Vergehen bis zur 1. Minute noch bis zur 15. Minute geahndet werden dürfen. Diese Regel existiert offenbar seit dem September 1961, aber niemand hat sie bislang angewendet. Es gibt einen hitzigen Streit darüber, ob wir schon die 15. Minute haben, beziehungsweise, ab wann der Schiedsrichter vom Video-Assistenten auf den Vorfall hingewiesen wurde. Später wird es heißen, das sei angeblich in Spielminute 14:59 gewesen, und somit rechtlich völlig korrekt. Christian Streich läuft mit Schnappatmung die Coaching Zone entlang und zeigt immer wieder mit entsetztem Gesicht auf die Uhr, was der Schiedsrichter als rüde Geste missinterpretiert, und ihn auf die Tribüne schickt.

Hector lässt sich von der Freude mitreißen, und brüllt freudetrunken wahllose kölsche Begriffe in alle Richtungen, was der Schiedsrichter, der aus Bayern stammt, als Beleidigung wahrnimmt und ihm Gelb-Rot zeigt

Den anschließenden Elfmeter verwandelt Terodde sicher. 2:0 für Köln. Kurz vor der Pause köpft Hector das 0:3, zieht sein Shirt auf, um ein Unterhemd mit der Aufschrift „Ich steh noch mit 60 für euch auf dem Platz!“ zu enthüllen. Der Schiedsrichter zeigt Hector daraufhin Gelb, was dieser aber in dem Trubel nicht wahrnimmt, weil der Gästeblock völlig ausrastet. Hector lässt sich von der Freude mitreißen, und brüllt freudetrunken wahllose kölsche Begriffe in alle Richtungen, was der Schiedsrichter, der aus Bayern stammt, als Beleidigung wahrnimmt und ihm Gelb-Rot zeigt. Daraufhin schreit Timo Horn den Schiedsrichter an: „Soll ich dir mal echte Schimpfwörter sagen, du [zensiert]?!?“ und fliegt mit Rot vom Platz.

Mit Elf gegen Neun gehen die Freiburger in die zweite Halbzeit. Plötzlich setzt heftiges Schneetreiben ein. Julian Schuster macht per direktem Freistoß das 1:3, kurz darauf trifft Florian Kath per Fallrückzieher zum 2:3, woraufhin Ronaldo bei ihm anruft und ein Autogramm von ihm haben möchte, und dann der eingewechselte Karim Guédé zum 3:3. Den Schlusspunkt besorgt Nils Petersen in der 94. Minute. Im Fernsehstudio wird Gary Linecker zugeschaltet und deklariert: „Fußball ist ein einfaches Spiel. Es spielen 11 Freiburger gegen 11 Kölner und am Ende steht es 4:3.“ Vierzehn Tage später stellt das Sportgericht fest, dass Gelb-Rot gegen Hector ungültig war, das Spiel muss wiederholt werden, im Rückspiel gewinnt Köln mit 4:3 (die Einzelheiten erspare ich euch), was dazu führt, dass der eigentlich bereits abgestiegene HSV doch noch in der Bundesliga bleiben darf. So und nicht anders wird es kommen.

>>>Auswärts in Freiburg: Sich für das Gute opfern

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