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Müngersdorf

1. FC Köln unterliegt VfL Bochum: Frohes Schützenfest!

Kurz vor Weihnachten verteilt der 1. FC Köln etliche Geschenke und verhilft dem VfL Bochum zu einem erfolgreichen Rückrundenauftakt.

Foto: Juergen Schwarz/Bongarts/Getty Images

Das westliche Weihnachtsfest ist reich an Traditionen. Weihnachtsbäume, Gottesdienste, Festtagsessen und, natürlich, die omnipräsenten Geschenke. In jeder Familie lagern die Traditionen ein wenig anders, doch das gegenseitige Beschenken ist wohl überall Usus. Im Müngersdorfer Stadion wurden drei Tage vor Heiligabend 50.000 Menschen Zeuge davon, wie dieser Brauch auch von zwei Fußballteams gepflegt wurde.

Der Rückrunden-Auftakt in die 2. Bundesliga zwischen dem 1. FC Köln und dem VfL Bochum war körperbetont, er war umkämpft, er war mal zäh, mal kurzweilig – vor allem aber war er reich an teils unerklärlichen Fehlern, die insgesamt nahelegen, dass die Spieler beider Teams reif für die Winterpause sind. Das erste Päckchen präsentierte die kölsche Innenverteidigung nach gerade einmal 28 Sekunden Spielzeit. Die Traditionalisten auf den Sitzplätzen, die sich erst mit Anpfiff in ihre Sitzschale werfen, hatten ihr abergläubisches Ritual noch nicht ganz vollzogen, da hatte es im Kasten von Timo Horn schon geklingelt.

Beidseitige Geschenke und heiße Kartoffeln

Der VfL hatte sich gefällig über einige Stationen durch die eigenen Reihen kombiniert, ehe ein halbhoher Ball in die Spitze die zuletzt stark stabilisierte effzeh-Deckung merkwürdigerweise in ihren Grundfesten erschütterte. Bochums Danilo spielte den Ball eigentlich in die Füße von Rafael Czichos. Der sonst so souveräne Abwehrchef klärte allerdings nicht gewohnt mühelos, sondern behandelte die Kugel, als sei sie eine heiße Kartoffel und übergab in den Lauf des Schlagerikonen-Neffen, der völlig freistehend zum 1:0 einschob.

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Der Gast aus dem Ruhrpott wollte allerdings nicht unhöflich erscheinen. Nach einer couragierten Anfangsphase, in welcher der VfL sehr gefällig kombinierte und dem zunächst sehr wackeligen effzeh mit intensivem Pressing das Leben schwer machte, ließen die Dutt-Truppe ein wenig nach und legte zunehmend mehr Wert auf rustikale Zweikampfführung denn auf spielerische Gestaltung. Die Spieler beider Mannschaften verstrickte sich in Bodenkämpfen auf dem durchgeweichten Untergrund.

Terodde bedankt sich und trifft wieder

Der Europapokal-Teilnehmer von 2017/18 tat sich weiterhin schwer, wurde dann aber nach 24 Minuten selbst mit einem ganz herrlichen Geschenk beglückt. Weil Marcel Risse (später mehr) das Gegenpressing verschwitzte, hatte Linksverteidiger Danilo nach einer durchgerutschten Cordoba-Flanke alle Zeit der Welt, um den Ball zu einem seiner vier um ihn stehenden Mitspielern zu spielen oder wild nach vorne zu dreschen. Wahlweise hätte er auch Keeper Riemann spielen können, der eigens dafür als Anspielstation aus seinem Kasten gekommen war.

Stattdessen allerdings entschied er sich aber dafür, Simon Terodde beim Ausbau seiner rekordträchtigen Torserie zu unterstützen und dem Mittelstürmer den Ball in die Füße zu spielen. Der musste sich nur noch höflich bedanken und aus gut 10 Metern ins leere Tor einschieben. In den folgenden 30 Minuten Spielzeit lieferten sich die Teams einen Abnutzungskampf ähnlich des Gerangels um eine gute Position im Fondue-Topf.

Foto: Juergen Schwarz/Bongarts/Getty Images

Immer wieder wurde um zweite und dritte Bälle gestochert, immer wieder lagen blaue oder rut-wiesse Figuren auf dem Boden. Das Trikot von Salih Özcan sah relativ schnell so aus, als hätte er an der Schlammfußball-WM teilgenommen, wobei mit jedem weiteren Matschabdruck auch ein Stück vom fußballerischen Können des deutschen U-20-Nationalspielers abhanden kam.

Marcel – Allein zu Haus

Nach knapp einer Stunde hielt der effzeh es aber wieder für angebracht, die Gäste zu beschenken. Nach einem kurz ausgeführten Freistoß schien sich niemand, aber auch absolut niemand der Herren mit Kringelsocken dafür zuständig Sidney Sam am Flanken zu hindern. Der Bochumer guckte sich noch ein, zweimal um und schnibbelte das Leder dann freistehend ins Zentrum, wo Hansis Neffe wiederum ohne jeglichen Gegenspieler frei vor Horn auftauchte und locker einschob. Trotz Hinterseers Abseitsposition ein absolut vermeidbares Tor mit kläglichem Abwehrverhalten.

Kurz nach dem Treffer kam Louis Schaub ins Spiel und wirbelte gleich wieder los, als hätte er noch alle Weisheitszähne an Ort und Stelle. Doch auch er fiel auf die Bochumer Weihnachtstaktik herein, die sich ganz an einem alten Weihnachtsklassiker orientierte und in den Taktikbesprechungen vor dem Spiel wohl als „Marcel – Allein zu Haus“ betitelt werden konnte. Gewieft ließ der VfL Marcel Risse dauerhaft reichlich Platz auf dessen rechter Seite. Auch Schaub fand den Flügelspieler immer wieder.

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Die Folge: Gefühlte 100 Flanken, von denen 33 in den Himmel segelten, 33 am ersten Bochumer hängenblieben und 33 in die Arme von Keeper Riemann flogen. Pure Verzweiflung im Stadion. Lediglich eine Hereingabe fand den Kopf von Simon Terodde, der allerdings aus gut fünf Metern nicht genug Druck hinter den Ball bringen konnte und Keeper Riemann beinahe in die Arme köpfte.

Özcan als König der Geschenke

Während der effzeh trotz vielerlei Bemühungen in der Offensive letztlich zu ungefährlich blieb, bereitete er auf der Gegenseite das Geschenk des Abends vor. Salih Özcans fataler Fehlpass in der 69. Minute in die Füße des komplett freien Sidney Sam stand sicherlich auf dem Wunschzettel des Bochumers. Ein drittes Mal an diesem Abend tauchte ein Bochumer komplett frei vor Horn auf, ein drittes Mal landete der Ball im Tor. 1:3.

Foto: Juergen Schwarz/Bongarts/Getty Images

Der dritte riesige Fehler schien die Niederlage des effzeh besiegelt zu haben, als es kurze Zeit später doch noch einmal Grund zur Freude gab. Sieben Minuten nach dem Sam-Treffer spielt Schaub einen genialen Hackenpass, bei dem er sogar mit einberechnet hatte, den Ball leicht aufspringen zu lassen – eine Grundvoraussetzungen von erfolgreichen Risse-Aktionen. Die Kugel holperte so zum Flügelspieler, der diese dann doch mal richtig gut traf. Wenn Derartiges passiert, springen zumeist sehr schöne Tore heraus – so auch hier. Risses Hammer sorgte für den Anschluss.

Anfang selbstkritisch: „Wir haben uns selbst geschlagen“

In der letzten Viertelstunde wurde es also noch einmal spannend. Die Elf von Markus Anfang probierte es in der Folge vor allem mit langen Bällen über den eingewechselten Sehrou Guirassy und baute so noch einmal Druck auf. Es sprangen gleich mehrere Halbchancen heraus, doch so richtig schien kein Treffer mehr in der Luft zu liegen und der VfL hielt kein Geschenk mehr bereits, weswegen am Ende eine 2:3-Niederlage stand, welche sich die Geißböcke komplett selbst zuzuschreiben hatten und welche somit trotz der besseren Statistiken (Eckenverhältnisses 8:1, Torschüsse: 18:9, Ballbesitz: 57:43) auch nicht unverdient daherkam.

Dieser Tatsache waren sich auch die Verantwortlichen in der Domstadt bewusst. Trainer Markus Anfang wollte die Niederlage gar nicht auf die teils sehr unsouveräne Schiedsrichterleistung von Benjamin Cortus und seinem Gespann mitsamt der klar falschen Entscheidung beim 1:2 schieben, sondern betonte gleich, dass sich seine Mannschaft selbst geschlagen habe. Der effzeh überwintert weiter auf einem Aufstiegsplatz, stellte aber einmal mehr schmerzlich fest, dass auch in der 2. Bundesliga eklatante individuelle Fehler gnadenlos bestraft werden. Diese Erkenntnis nimmt die Mannschaft nun mit in die Winterpause.

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