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Meinung

Die Trainerfrage beim 1. FC Köln: Es braucht Anpassungen, keinen Trainerwechsel

Nach den jüngsten Pleiten des 1. FC Köln wird die Kritik an Trainer Markus Anfang immer lauter – muss er gar entlassen werden? Wir wägen Pro und Contra ab und erklären hier, warum er bleiben sollte.

COLOGNE, GERMANY - FEBRUARY 08: Markus Anfang head coach of FC Koln looks on prior to the Second Bundesliga match between 1. FC Koeln and FC St. Pauli at RheinEnergieStadion on February 08, 2019 in Cologne, Germany. (Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)
Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Nach der dritten Niederlage im vierten Spiel der Zweitliga-Rückrunde wird der Wind rauer am Geißbockheim. Es ist das zweite Mal in dieser Saison, dass beim Aufstiegsfavoriten keine Zufriedenheit wegen der sportlichen Leistungen der Profis herrscht – bereits im November war man nach der 0:1-Niederlage gegen den Mitbewerber aus Hamburg zusammengekommen, um über die Konsequenzen der Schwächephase zu diskutieren. Der für das Sportliche verantwortliche Geschäftsführer Armin Veh erklärte nun nach dem 2:3 in Paderborn: „Natürlich kann man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, wenn man so ein Spiel verliert. Von den letzten vier Spielen haben wir drei verloren. Das ist eindeutig zu viel. Das können wir uns als FC nicht leisten.“

Danach richtete er einen Appell an das Trainerteam um Markus Anfang, das jetzt gefragt sei, „Lösungen zu finden“. Veh ergänzte: „Wenn wir Phasen haben, in denen wir keine Souveränität besitzen, brauchen wir dafür Lösungen. Wir müssen unsere Spiele gewinnen. Nach der letzten Niederlage ist das Ziel gefährdet.“ Nachdem sich der 1. FC Köln früh auf Anfang als Cheftrainer für die Zweitliga-Saison festgelegt hatte, strahlte der Aufstiegsfavorit in dieser Spielzeit nur phasenweise die Dominanz aus, die sich Vorstand, Geschäftsführung, Fans und Mannschaft gewünscht hatten. Durch die klare Ansage an das Trainerteam wird der Druck nun größer für Anfang und seine Kollegen – ist der effzeh gar gezwungen, die Trainerposition neu zu besetzen? Wir setzen uns mit dieser Frage in einem „Pro und Contra“ auseinander.

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Warum Markus Anfang beim 1. FC Köln bleiben sollte

Es verbleiben für den Moment 13 Spiele für den 1. FC Köln, um die Rückkehr in die Bundesliga sicherzustellen. Damit das gelingt, sollte der Absteiger aus der Vorsaison über den Daumen gepeilt etwa 64 oder 65 Punkte erreichen – es fehlen derzeit also 25 oder 26 Punkte. Legt man den geforderten Zwei-Punkte-Schnitt zugrunde, landen die „Geißböcke“ am Ende der Saison also höchstwahrscheinlich auf einem der beiden Aufstiegsplätze. Zwar ist alle Statistik Makulatur, wenn auf dem Feld Dinge passieren, die nicht vorhergesehen werden können. Das Portal „FiveThirtyEight“ liefert mathematische Berechnungen und Vorhersagen auf Grundlage von erhobenen Daten – auch in Bezug auf die 2. Bundesliga.

Foto: Thomas F. Starke/Bongarts/Getty Images

Einen möglichen Wiederaufstieg des 1. FC Köln weist die Seite momentan mit einer Wahrscheinlichkeit von 76 Prozent aus – damit liegen die Kölner sogar noch vor dem HSV. Eine Grundlage der Berechnungen ist auch der xG-Wert (expected goals, also erwartbare Tore), der die abgegebenen Schüsse der Mannschaften in Relation zur Position auf dem Spielfeld quantifiziert und in Vergleich zu den jeweiligen Gegnern setzt. Der effzeh weist hier die besten Werte auf und liegt deswegen in der Saisonendprognose auf dem ersten Rang. Welchen Aussagewert diese Prognose dann letztendlich hat, darf jeder für sich selbst entscheiden – fest steht jedoch, dass Panik aufgrund der sportlichen Leistungen des 1. FC Köln derzeit eher unangebracht ist.

Die Entwicklung einer eigenen Identität als Vorteil

Dass Markus Anfang ein offensiv denkender Trainer ist, konnte bereits in den vergangenen beiden Spielzeiten beobachtet werden, als er mit Holstein Kiel von der 3. Liga in die 2. Bundesliga aufgestiegen war, dort für Furore sorgte und letztlich nur knapp in der Relegation am VfL Wolfsburg scheiterte. Die spielerische Identität der „Störche“ setzte dabei auf viel Dominanz im eigenen Ballbesitz und den Mut, den Ball haben zu wollen und etwas zu kreieren. Der Trainer arbeitete mit Spielertypen zusammen, die dieses Credo umsetzten und auf Deutsch gesagt „Bock“ dazu hatten, mit dem Ball etwas Vernünftiges anzufangen.

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Dass die langfristige Etablierung einer Spielidee auch ligenübergreifend funktionieren kann, stellte nicht nur Holstein Kiel unter Markus Anfang unter Beweis, sondern auch der jüngste Gegner des 1. FC Köln: Der SC Paderborn zählte in der vergangenen Spielzeit in der 3. Liga bereits zu den offensivstärksten Mannschaften und veränderte seine Herangehensweise eine Etage weiter oben nur marginal.

Auf der nächsten Seite: Was man Anfang ankreiden kann – und was nicht.

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