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Die Situation beim 1. FC Köln: Die Zweifel werden lauter

Nach der Niederlage in Paderborn stellt Armin Veh Trainer Markus Anfang ins Achtung. Die Zweifel am derzeitigen Kurs mehren sich beim 1. FC Köln – auch öffentlich.

BERLIN, GERMANY - JANUARY 31: Markus Anfang, head coach of Cologne looks on during the Second Bundesliga match between 1. FC Union Berlin and 1. FC Koeln at Stadion An der Alten Foersterei on January 31, 2019 in Berlin, Germany. (Photo by Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)
Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images

Zur Tagesordnung übergehen, das wollte Armin Veh am Wochenende nicht. Nach einer 2:0-Führung war der 1. FC Köln innerhalb von zwölf Minuten komplett zusammengebrochen und hatte beim Aufsteiger SC Paderborn noch mit 2:3 verloren. Der Schwung nach dem überzeugenden 4:1 gegen St. Pauli? Komplett verpufft. Der Start ins neue Jahr? Endgültig versaut.

Die Laune am Geißbockheim? Dementsprechend mies. „Von den letzten vier Spielen haben wir drei verloren. Das ist eindeutig zu viel. Das können wir uns als FC nicht leisten“, erklärte der Sportgeschäftsführer der „Geißböcke“ und befand: „Mit der Klasse, die wir haben, ist das zu wenig für uns. Nach der Niederlage ist das Ziel gefährdet.“

„Die beste Mannschaft der Liga“ wankt durch die Spiele

Das Ziel, das ist schon seit dem feststehenden Abstieg die direkte Rückkehr in die Bundesliga. Der Mann, der das bewerkstelligen sollte, heißt Markus Anfang. Ihm zur Verfügung steht der wohl hochkarätigste Kader der Zweitliga-Geschichte. Nationalspieler Jonas Hector führt die Mannschaft aufs Feld, umworbene Profis wie Timo Horn, Jorge Mere oder Vincent Koziello sind ebenso Teil des Teams wie die teuren Neuzugänge Dominick Drexler und Louis Schaub.

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Im Winter legten die „Geißböcke“ sogar nochmals nach: Johannes Geis sollte die Mittelfeldzentrale stabilisieren, Florian Kainz die Außenbahn beleben – und dann ist da noch Anthony Modeste, der den eh schon prominent besetzten Sturm um Simon Terodde und Jhon Cordoba ergänzt. Ein besserer Kader als in der vergangenen Saison, schwärmte Veh schon im Sommer. Die beste Mannschaft der Liga, betonte Veh nach dem Sieg über St. Pauli.

PADERBORN, GERMANY - FEBRUARY 15: Christian Strohdiek (L) of Paderborn tackles Jhon Cordoba of Koeln during the Second Bundesliga match between SC Paderborn 07 and 1. FC Koeln at Benteler Arena on February 15, 2019 in Paderborn, Germany. (Photo by Thomas F. Starke/Bongarts/Getty Images)

Foto: Thomas F. Starke/Bongarts/Getty Images

Wer den effzeh in Paderborn sah, dem kamen Zweifel an diesen Einschätzungen. Wie schon im Hinspiel tat sich der Aufstiegsfavorit schwer gegen die aufmüpfigen Ostwestfalen, hatte bereits im Spielaufbau große Probleme und schien wenig akzeptable Lösungen dagegen zu finden. Dennoch: Vor allem dank individueller Klasse und dem nötigen Glück führte die Anfang-Elf noch zehn Minuten vor dem Abpfiff mit 2:0 und schien einem sicheren Auswärtssieg entgegenzusteuern.

Veh: „Wir müssen bis zum Ende souverän sein“

Mit dem überflüssigen Anschlusstreffer nach einem vermeidbaren Freistoß brachen alle Dämme bei den Jungs mit dem Geißbock auf der Brust. „ Wir haben das Spiel in Paderborn 75 Minuten total im Griff gehabt. Wir haben dann aber absolut die Souveränität vermissen lassen, die notwendig ist, um ganz oben dabei zu sein. Da müssen wir uns verbessern. Wir müssen bis zum Ende souverän sein“, bemängelt Veh vor allem den fehlenden Killerinstinkt bei seiner Mannschaft.

Wir haben absolut die Souveränität vermissen lassen, die notwendig ist, um ganz oben dabei zu sein.

Doch das war bei weitem nicht das einzige Manko, das sich in Paderborn offenbarte: Die Schwächen, die der effzeh bei der Niederlage zeigte, waren nahezu allesamt keine Überraschung. Das Geschwindigkeitsdefizit in der Abwehrreihe ist seit dem Saisonstart offenkundig, sowohl Benno Schmitz als auch Rafael Czichos waren gegen die schnellen SCP-Angreifer völlig überfordert.

Ebenso wurde den „Geißböcken“ einmal mehr die fehlende Dynamik im zentralen Mittelfeld aufgezeigt: Johannes Geis, gegen St. Pauli als Spielmacher mit starker Leistung, wirkte gegen den aggressiv pressenden Gegner fehl am Platz. Auch dadurch zeigte sich wieder einmal das größte Problem im Kölner Spiel: Gegen ein früh anlaufenden und entschlossen auftretenden Team fehlt es der Defensive an Qualität und Lösungsansätzen. Einzig der lange Ball auf die individuell herausragenden Angreifer ist mit diesem Kader deutlich zu wenig.

Die Bilanz ist zu dieser Zeitpunkt inakzeptabel

Zwar sah Veh die Leistungen in den letzten beiden Auswärtspartien, die der effzeh verlor, bei weitem nicht so negativ, nimmt aber sowohl Trainer Markus Anfang als auch die hochkarätig besetzte Mannschaft in die Pflicht. „Am Ende zählt das Ergebnis. Fußball ist Ergebnissport. Dementsprechend ist es wichtig, dass wir unsere PS 90 plus X Minuten auf den Platz bringen. Das ist unser Anspruch. Wir haben eine Mannschaft, die das kann, die es aber noch nicht zur Gänze abgerufen hat“, erklärte der ehemalige Bundesliga-Trainer.

Die Bilanz gibt ihm dabei recht: Außer dem FC St. Pauli haben die Kölner noch kein Spitzenteam geschlagen, 28 Gegentore und sechs Niederlagen sind zu diesem Saisonzeitpunkt bei den Ambitionen der Anfang-Elf inakzeptabel. Veh sieht den Übungsleiter am Zuge: „Das Trainerteam ist jetzt gefragt, Lösungen zu finden. Wenn wir Phasen haben, in denen wir keine Souveränität besitzen, brauchen wir dafür Lösungen.“

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