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Ausbau des Geißbockheim-Geländes: Pläne des 1. FC Köln biegen auf die Zielgerade ein

Die Pläne des 1. FC Köln zur Erweiterung des Geißbockheim-Geländes biegen auf die Zielgerade ein, doch beschlossen ist das umstrittene Projekt noch lange nicht. Die Kritiker der FC-Pläne warten mit einem Gegenvorschlag auf.

Erweiterung Geißbockheim Grüngürtel
Foto/Illustration: 1. FC Köln

Positive Neuigkeiten aus dem Nachwuchsbereich des 1. FC Köln gab es in der jüngsten Vergangenheit zuhauf: Die „Geißböcke“ schafften es nicht nur, das umworbene Eigengewächs Noah Katterbach langfristig an den Verein zu binden, auch die Juniorennationalspieler Robert Voloder und Tim Lemperle erhielten erstmals Profiverträge und sind in der kommenden Saison in der Bundesliga-Mannschaft von Trainer Markus Gisdol fest eingeplant. Fest eingeplant ist beim 1. FC Köln allerdings auch seit Jahren die Erweiterung des Geißbockheim-Geländes – und das von einigem öffentlichen Rummel und diverser Kritik begleitete Projekt biegt nun auf die Zielgerade ein.

Anfang der Woche verkündete die Stadt, dass Oberbürgermeisterin Henriette Reker den Kölner Ratsgremien eine Beschlussvorlage zu den Ausbauplanungen des Fußballclubs im Landschaftsschutzgebiet Äußerer Grüngürtel hat zukommen lassen. Der FC will auf der Gleueler Wiese in direkter Nachbarschaft zum Geißbockheim drei Kunstrasenplätze für die Jugendmannschaften bauen, darüber hinaus soll neben dem Franz-Kremer-Stadion auf einer bereits versiegelten Fläche ein modernes Leistungszentrum entstehen. Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens hatte es dazu neben Unterstützung aus Politik, Sport und Stadtgesellschaft auch harsche Kritik seitens Umweltverbänden und Bürgerinitiativen gegeben.

Keine ungetrübte Freude über die Beschlussvorlage

„Wir begrüßen es sehr, dass das Verfahren nun auf die Zielgerade einbiegt. Für den FC als nahbarer Club dieser Stadt ist es strategisch von enormer Bedeutung, Profis und Nachwuchs am traditionellen Standort zusammenhalten und sich zugleich für die Zukunft modern weiterentwickeln zu können. Für dieses übergeordnete Ziel sind wir im Verfahren auch die nötigen Kompromisse eingegangen“, erklärte FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle in einer Stellungnahme des Vereins. „Ich weiß, wie viel Arbeit auf allen Seiten in so einem Projekt steckt, das bislang stets kritisch öffentlich begleitet wurde. Mein Dank gilt heute daher ausdrücklich den vielen daran beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung. Sie waren für uns mit Sicherheit nicht immer bequem, aber immer hoch professionell, verlässlich und engagiert.“

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Die Freude über diesen wichtigen Schritt für das Erweiterungsverfahren bleibt allerdings nicht ungetrübt: Neben der Beschlussvariante, den vom FC gewünschten Ausbau zu realisieren, hat Oberbürgermeisterin Reker den Ratsgremien noch eine zweite Alternative vorgeschlagen. Diese „sieht vor, den Bebauungsplan nicht zu beschließen, sondern die Verwaltung zu beauftragen, in Gespräche mit dem FC Köln einzutreten und gemeinsam einen alternativen Standort, insbesondere auch für eine Teilverlagerung zu entwickeln. Bei einer Teilverlagerung ließen sich zum Beispiel das geplante Leistungszentrum neben dem Geißbockheim realisieren und gleichzeitig die ‚Gleueler Wiese‘ für die Öffentlichkeit erhalten“, heißt es in der Pressemitteilung der Stadt.

Reker wirbt erneut für eine Alternativ-Variante

Die parteilose Oberbürgermeisterin, über deren Wiederwahl die Kölner Bürger:innen im kommenden Herbst entscheiden, wirbt entgegen ihrer einst getätigten Äußerungen nun massiv für dieses Vorgehen: „Die über 7.000 Anregungen und Bedenken sind die höchste Bürgerbeteiligung in der Geschichte der Stadt Köln und spiegeln das breite Interesse für dieses große Vorhaben wider. Nur die Alternative sichert eine Weiterentwicklung am Standort des Geißbockheims für den FC Köln und gleichzeitig auch den Schutz der Gleueler Wiese als öffentliches Erholungsgebiet. Außerdem ermöglicht diese Alternative voraussichtlich eine schnellere Verwirklichung und gleichzeitig eine langfristige Entwicklungsperspektive für den 1. FC Köln“, betont das 63 Jahre alte Stadtoberhaupt, das sich bereits im vergangenen Oktober überraschend von den Plänen des Bundesligisten distanziert hatte.

Gegenwind für den FC, Auftrieb für die Kritiker des umstrittenen Vorhabens: Neben Überlegungen, die Erweiterungsplanungen durch einen Gang vor Gericht noch zu stoppen, haben die Projektgegner nun auch ein eigenes Konzept vorgelegt. Als Alternative für den Ausbau am Geißbockheim bringt der „Freundes- und Förderkreis zur Vollendung des Äußeren Grüngürtels Landschaftpark Belvedere“ erneut den Landschaftspark „Beller Bogen“ mit dem Sport- und Gewerbepark Köln-Marsdorf ins Spiel. Dies würde allerdings eine Trennung zwischen, die vom Verein ausdrücklich nicht gewünscht ist. Eine Standortanalyse zu Beginn des Verfahrens hatte darüber hinaus zu Beginn des Verfahrens bereits ergeben, dass Marsdorf als neue „Heimat“ der Jugendabteilung des 1. FC Köln nicht infrage komme, zumal das Areal dort 2015 für den neuen Großmarkt reserviert wurde. Entsprechende Vorstöße im vergangenen Herbst stießen bereits auf öffentliche Ablehnung sowohl der betroffenen Interessensgemeinschaften als auch der Kölner Nachbargemeinden.

Dank CDU, SPD und FDP: Mehrheit für die FC-Pläne im Stadtrat steht

Aller Kritik zum Trotz: Dass die Verwaltung das Verfahren nun endlich abgeschlossen hat, scheint für den 1. FC Köln eine gute Nachricht zu sein. Durchaus substanzielle Befürchtungen, eine Entscheidung würde über die Kommunalwahl im September hinaus verzögert, können nun erst einmal ad acta gelegt werden. Geplant sind nun Beratungen in der Bezirksvertretung Lindenthal und dem Stadtentwicklungsausschuss, danach soll eine endgültige Beschlussfassung über die beiden Alternativen in der Sitzung des Kölner Stadtrats am 18. Juni fallen. Eine Mehrheit für die FC-Pläne gilt dort als sicher, haben sich doch die Fraktionen von CDU, SPD und FDP deutlich für das Vorhaben des 1. FC Köln ausgesprochen.

Dennoch gingen die „Geißböcke“ noch einmal in die verbale Offensive und warben in einem knapp siebenminütigen Imagefilm, der auch Einblicke in die Zustände am Geißbockheim gab, für die Erweiterung ihres Trainingsgeländes, das seit über 70 Jahren Heimat des Clubs ist. Während FC-Sportgeschäftsführer Horst Heldt dabei abermals die Notwendigkeit des Unterfangens unterstrich, forderte Vereinspräsident Werner Wolf die Kölner Politik zum Handeln auf: „Alle Argumente sind ausgetauscht, Kompromisse wurden gefunden, die Pläne sind durch alle Stufen eines transparenten Verfahrens gegangen. Jetzt muss die Kölner Politik entscheiden. Und jetzt heißt: Jetzt. Zeitspiel und taktische Verschiebungen ändern nichts mehr an den Fakten. Deshalb setzen wir darauf, dass die von den Bürgern gewählten Politiker verlässlich bleiben und vor der Sommerpause über die Beschlussvorlage entscheiden.“

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