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Meinung

Kommentar zum 1:3 des 1. FC Köln: Niederlage gegen den BVB nicht zu sehr abfeiern!

Mit 1:3 unterlag der 1. FC Köln nach großem Kampf dem Favoriten aus Dortmund. Eine Niederlage, auf der man aufbauen kann, heißt es nun so schön und auch leider falsch. Denn eine Niederlage bleibt letztlich eine Niederlage. Aber die Ansätze waren dennoch nicht verkehrt, doch die Bestätigung, das dort ein „neuer Effzeh“ kickt, die fehlt noch.

Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Vorneweg: Ja, auch mich hat das Spiel des effzeh gegen den Meisterschaftsmitfavoriten Borussia Dortmund gut siebzig Minuten lang angemessen begeistert. Aber letztlich haben wir verloren und ich hasse Niederlagen wie die Pest! Daher fällt es mir schwer, nun alles rosarot zu sehen oder Hymne singend auf ruut-wießen Wölkchen zu tanzen. Niederlagen sind – sorry – einfach Scheisse!

Aber okay, es stimmt natürlich. Der effzeh hat mich gestern Abend auch „gepackt“. Das war Leidenschaft pur, Wille und Mut, also alles, was ich im Vorfeld auch sehen wollte. Besonders auffällig sind dabei natürlich die neuen Spieler gewesen. Beim kleinen Belgier „Asterix“ Verstraete muss man schon von einem Quantensprung sprechen, wie er die Position vor der Abwehr ausfüllt und das Niveau ordentlich angehoben hat. Bei seiner Spielweise wird er allerdings öfter am Rande zu Gelb-Rot stehen, denn als „Krieger“ im Zweikampfgetümmel im Mittelfeld geht es nun mal etwas gröber zu. Da aber weiß er sich zu wehren, auch ohne Zaubertrank.

Alles easy oder was beim 1. FC Köln?

Für den Augenschein unauffälliger, aber dafür umso effizienter spielte Skhiri, der den hochgelobten belgischen Weltklasse-Spieler Axel Witsel nervte und fast 13 Kilometer gelaufen ist. Dabei war er schnell auf den Beinen und am Tor war er auch durch seine Kopfballablage beteiligt. Kingsley Schindler hingegen hatte wie in Wolfsburg Probleme mit dem Erstligatempo, er fiel rechts ein wenig ab. Auf seiner Position sehe ich aktuell in Schaub die bessere Alternative.

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Erstmalig durften wir nun auch den Belgier Sebastiaan Bornauw begutachten, jene optische Mischung aus Herbert Neumann und Martin Lanig. Fußballerisch, das zeigte sich gestern recht zeitig, erinnert er aber mehr an einen Mix aus Rigobert Song und Moses Sichone. Aber was dabei herauskam, war durchaus beeindruckend. Mit seiner Physis und Präsenz kann diese Kante im Abwehrverbund durchaus zur festen Größe werden. Als er am eigenen Strafraum mal eben drei Dortmunder austrickste, stand jedoch sicher nicht nur ich kurz vor dem Atemstillstand. Das sollte er bitte nicht zu oft probieren, nicht immer geht so etwas gut aus. Aber es hat auch gezeigt, dass der Mann, … nun ja … in der Fußballersprache ausgedrückt, gewisse stahlharte Dinge mit sich herumträgt, die ein Olli Kahn immer gefordert hat.

Nun zu Kingsley Ehizibue: Wer hat diesen Mann gescoutet? War es Armin Veh selbst oder bereits der neue Chefscout Willi Kronhardt? Letzten Endes ist es egal, die Hauptsache ist, dass der Mann ein Trikot mit Geißbock auf der Brust trägt. Ich hoffe doch sehr, das sich dieser Eindruck aus Testspielen und den ersten drei Pflichtspielen weiter bestätigt, denn war man da zu sehen bekommt, hat man in Köln schon lange nicht mehr gesehen. Pfeilschnell, trickreich, zweikampfstark, der „Tolle aus Zwolle“ bringt alles mit, um nicht nur beim effzeh für Furore zu sorgen.

Cordoba-Verletzung entscheidender Schlag für das FC-Spiel

Da wird sicher bald die ganze Liga staunen, wie gesagt, wenn sich die ersten Spiele dauerhaft bestätigen lassen. Dennoch sah „Easy“ beim zweiten Dortmunder Tor nicht mehr ganz so strahlend aus, denn zumindest der Versuch, ins Kopfballduell zu gehen, ist ja nicht strafbar. Allerdings war das Tor vom BVB schon recht fein herausgespielt, Hakimi kam quasi schon aus mehreren Metern wuchtig angeflogen und so hätte der Abwehrversuch wohl auch nicht mehr viel gebracht. Dennoch: Versuchen muss man es, leeven Easy.

Von den „alten“ FC-Spielern hat mir Cordoba am besten gefallen. Sein Ausscheiden war meines Erachtens vorentscheidend für den Ausgang des Spiels. Es fehlte nun derjenige, der die Dortmunder auseinanderreißen kann. Dass Terodde ihn nicht 1-zu-1 ersetzen konnte, war klar, mit ihm stand plötzlich ein zweiter Spieler der „Bauart Modeste“ auf dem Platz. Also jemand, der von guten Vorlagen abhängig ist, aber so ein Spiel hatten wir gestern nicht.

Foto: Foto: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images

Formverbessert zeigte sich Hector, der mir dennoch in einigen Szenen wieder als doch ein wenig zu langsam aufgefallen war. Drexlers Spiel war ordentlich und wurde von seinem Tor gekrönt, während Modeste eine deutlich bessere Körpersprache zeigte und einmal in der ersten Halbzeit Pech hatte, als seine scharfe Direktabnahme nach abgefälschter Cordoba-Flanke einem BVB-Verteidiger an den Körper prallte. Wäre der Schuss durchgegangen, hätte er wohl die Struktur des Tornetzes erheblich belastet. Czichos, der überraschend anstatt Meré in der Viererkette stand, spielte ordentlich. Die Sorge, dass er zum Schwachpunkt werden könnte, bewahrheitete sich in diesem Spiel nicht.

Das klassische Spiel eines Außenseiters

Schließlich Horn, der solide bis gut hielt und an den Toren in meinen Augen nichts machen konnte, auch nicht beim zweiten Tor, was manche Fans ihm ankreiden. Das war einfach gut herausgespielt und kaum zu verhindern. Wie gesagt: Es war alles schön und gut, fast 70 Minuten konnte man den natürlich individuell weit überlegenen Dortmundern Paroli bieten, ging sogar verdient 1:0 in Führung. Aber Spiele dieser Art funktionieren im Prinzip immer nach dem gleichen Schnittmuster. Solange die Kräfte reichen, spielt der Außenseiter aggressiv und läuft beständig den Favoriten an, nervt ihn und irgendwann geht dem „Kleinen“ (ja, das sind wir, auch wenn es weh tut) die Luft aus.

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Fast logisch fängt man sich dann noch wie gestern ein bis drei Tore. Gut 90 Prozent aller Spiele gehen dann so aus, wie es auch gestern eine Fortsetzung fand. Der Favorit setzt sich am Ende durch, u.a. weil er auch in der Lage ist, deutlich besser einzuwechseln. Beispiel: Der BVB brachte Julian Brandt, der effzeh Florian Kainz. Finde den Unterschied. Für mich war das gestern ein ähnliches Spiel wie der FC gegen Sandhausen in der 2. Bundesliga, nur mit umgekehrten Rollen, auch damals setzte sich die individuelle Klasse durch. Da waren wir das noch…

Also ich freue mich zwar über die Leistung, aber dennoch war dies auch ein „Ausnahmespiel“. Wer ist denn bitte gegen den BVB nicht motiviert bis in die Geißbockhörner? Daher finde ich es aktuell auch (noch) übertrieben, von einem „neuen FC“ zu sprechen. Für mich ist noch der alte FC, denn wir haben eben … richtig – wir haben verloren!

Den „Nuller“ nicht zu sehr heroisieren

Es war schön und richtig, das die Fans die weitestgehend gute Gesamtleistung honoriert haben, das hatten sie sich auch verdient. Zu sehr sollte man die Niederlage aber nicht heroisieren, … null Punkte, den Dreier hat sich BVB mitgenommen und das war noch nicht mal richtig verdient. Also bitte nicht zu viel den „Nuller“ feiern!

Foto: UWE KRAFT/AFP/Getty Images

Knackspiel wird für mich das Spiel in Freiburg, genau das muss man diese Leistung bestätigen und am Ende aber was dabei holen. Daher lasse ich es jetzt auch mit den Lobhudeleien gut sein und setze sie dann gerne fort, wenn wir im Breisgau nach Lichtjahren ohne Sieg etwas zählbares holen. Der letzte Sieg war irgendwann nach der letzten Eiszeit, da ist also mal wieder ein Dreier fällig.

Danach tanze ich auch gerne Hymne singend auf der ruut-wießen Wolke…

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