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Analyse

Niederlage gegen Dortmund: Veränderte Dynamiken nicht nur beim 1. FC Köln

Der 1. FC Köln ärgert die Borussia aus Dortmund etwas mehr als eine Stunde lang – danach sorgen verschiedene Elemente dafür, dass der BVB das Spiel noch mit 3:1 gewinnt.

Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Zweites Spiel, zweite Niederlage – aber wieder ein Schritt nach vorne. Zum Auftakt des zweiten Spieltags unterlag der 1. FC Köln gegen den Meisterschaftsaspiranten aus Dortmund mit 1:3. In den ersten drei Vierteln der Partie gelang der Mannschaft von Trainer Achim Beierlorzer trotz der Niederlage aber eine sehr starke Leistung, den Sieg konnten die Gäste erst in der Schlussphase und durch gelungene Wechsel herausschießen.

So gab es am Ende zwar viel Lob für die „Geißböcke“, aber keine Punkte. „Ich habe ein sehr gutes Spiel meiner Mannschaft gesehen, leider Gottes ohne Lohn. Unser Plan ist aufgegangen. Wir haben mit viel Druck agiert, gut gepresst und beide Seiten bespielt“, konstatierte Beierlorzer nach der Partie. Personell hatte er seiner Mannschaft ein paar Veränderungen verordnet – Sebastian Bornauw gab ebenso sein Startelf-Debüt wie Ellyes Skhiri.

In der typischen Grundordnung des 4-4-2 versuchten die Kölner, die verschiedenen Handlungsmuster des BVB im Ballbesitzspiel zu unterbinden. Dass das Repertoire der Schwarz-Gelben durchaus reichhaltig bestückt ist, konnte man noch am vergangenen Wochenende bewundern: Gegen den FC Augsburg überzeugte Dortmund mit Steil-Klatsch-Kombinationen, Spielverlagerungen und anschließenden Durchbrüchen über die Außenbahnen. Kurzum: Der BVB hat egal auf welcher Position und Zone des Spiels unheimlich viele Lösungen parat.

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Gegen den Ball im 4-1-3-2

Und um das zu unterbinden, braucht es einen Gegner, der mit hoher Intensität und Aktivität versucht, das Spielgerät zu gewinnen – bestes Beispiel war dafür der 1. FC Köln, zumindest bis ungefähr zur 65. Minute. Der Aufsteiger kam sehr gut in die Partie und agierte im Spiel gegen den Ball mit hohem Aufwand, was die Dortmunder zu einigen Ballverlusten brachte.

Risikolos war das Ganze allerdings auch nicht: Während die Viererkette der Kölner weit nach vorne schob, hatte Verstraete den Sechserraum alleine zu kontrollieren. Ellyes Skhiri rückte weiter nach vorne, kümmerte sich im Spielaufbau abwechselnd um Julian Weigl und Axel Witsel. Beide hatten unter Beweis gestellt, dass sie mit zu viel Zeit und Raum bereits aus tiefen Positionen das Spiel eröffnen und den Ball in gefährliche Zonen bringen können.

Cologne's German coach Achim Beierlorzer reacts during the German first division Bundesliga football match 1 FC Cologne v BVB Borussia Dortmund in Cologne, western Germany on August 23, 2019. (Photo by UWE KRAFT / AFP) / RESTRICTIONS: DFL REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS AS IMAGE SEQUENCES AND/OR QUASI-VIDEO (Photo credit should read UWE KRAFT/AFP/Getty Images)

Foto: UWE KRAFT/AFP/Getty Images

Der BVB schaffte es in dieser Phase zu selten, den Raum neben Verstraete zu besetzen, denn der Belgier konnte die horizontale Breite des Spielfelds verständlicherweise kaum alleine abdecken. Ab und an ließ sich Reus tiefer fallen, auch Alcacer tauchte dort auf. Die Entscheidungsfindung war bei den Dortmundern allerdings nicht so sauber, dass sie dem FC in dieser Phase hätten wehtun können – besonders bei Alcacer nach 41 Minuten, der sich für einen Pass anstatt fürs Aufdrehen entschied.

Dynamik des Spiels als zentrales Element

Die hohe Intensität verdeutlichte sich beispielsweise am hohen Aktionsradius von Dominick Drexler, der am Ende auf 26 Sprints und eine Laufleistung von 11,5 Kilometern kam. Er pendelte zu Beginn zwischen dem Zentrum, wo er die Passwege in den Achterraum versperrte, und der Außenbahn, wo er Lukasz Piszczek anlief. Einmal nahm er sogar einen tiefen Laufweg des Polen auf, nachdem Julian Weigl versucht hatte, den Ball über die Abwehr zu chippen.

Und auch offensiv hatte der FC durchaus etwas zu bieten: Der Flankenfokus blieb erkennbar, auch wenn die Qualität in den meisten Fällen überschaubar war. Der Plan, den Ball aus Positionen nahe der Grundlinie oder sogar im Halbfeld in den Strafraum zu bringen, brachte in diesem Spiel erstmals nach 17 Minuten ein wenig Gefahr, als Cordoba eine Modeste-Hereingabe verpasste. Wenig später schob Hector in den Zwischenraum der Dortmunder Linien, empfing dort einen Pass, konnte aber aus seinem Ballbesitz nichts Produktives machen. Der BVB kam im ersten Durchgang lediglich im Anschluss an ruhende Bälle zu Torabschlüssen.

Foto: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images

Generell war das Thema der Dynamik sehr wichtig in dieser Partie. Der FC schaffte es, durch sein intensives Spiel die Zuschauer zu emotionalisieren, die ihrerseits viel Energie zurückgaben. Beispielhaft dafür stehen zwei Szenen aus der ersten Halbzeit: Erst erzwang Modeste nach der Führung durch Drexler einen Eckball gegen Bürki, schnappte sich den Ball und beschleunigte damit das Spiel. Danach presste Cordoba gegen den Schweizer Keeper und gewann fast den Ball im gegnerischen Sechzehner.

Ideenreichtum bei den Kölner Standards

Positiver Nebenaspekt waren auch die Standardsituationen: Der FC zeigte durchaus Variantenreichtum bei Ecken, probierte es ähnlich wie in Wolfsburg mit flachen Kombinationen in den Strafraum. Auch ein Hector-Freistoß in der zweiten Halbzeit blieb in Erinnerung, weil Verstraete erst so tat, als würde er überlegen, was er mit dem Ball anfangen will, bevor er ihn für Hectors Flanke auf dem Boden platzierte.

Dies könnte in kommenden Partien durchaus zu Überraschungsmomenten führen, die einem Kölner Angreifer das geringe Maß an Zeit und Raum bringen, sodass er zum Abschluss kommen kann. Im Spiel gegen Dortmund führte eine eher klassische Variante zum Tor, weil Skhiri am ersten Pfosten verlängerte und Drexler dahinter per Kopf traf – das hatte bereits in der 2. Bundesliga gut funktioniert.

Bleiben wir beim Thema der Dynamik. Der BVB konnte mit der Leistung in der ersten Halbzeit nicht zufrieden sein, reagierte aber erst später darauf. Zuerst war der FC zum Wechseln gezwungen, weil Cordobas Muskulatur streikte und er gegen Terodde ausgetauscht werden musste. Durch Alcacer hatten die Gäste nach 56 Minute die erste größere Chance, als er sich gegen Czichos drehte und zum Abschluss kam.

Mit Julian Brandt kommt beim BVB die Wende

Eine Schlüsselszene ereignete sich dann nach etwa 61 Minuten: Zuerst wurde Modestes Tor zurecht aberkannt, weil Czichos zuvor im Abseits gestanden hatte. Danach kam mit Brandt für Weigl ein offensiverer Spieler, Hakimi ersetzte auf der linken Seite Nico Schulz. Und damit veränderte sich die Dynamik des Spiels erneut. Bis zu dieser Zeit hatten die Kölner zwei Drittel der Zweikämpfe gewonnen.

Brandt schob im Aufbau etwas höher, agierte auf einer Höhe neben Reus und zwang den FC dazu, die Räume vor der eigenen Abwehr zu besetzen. Das klappte zu Beginn noch nicht gut, als der ehemalige Leverkusener zwischen den Linien aufdrehen konnte und Reus bediente – dieser scheiterte allerdings an Horn. Kurz darauf musste Bornauw in höchster Not gegen den Fußballer des Jahres klären. Der BVB erhöhte die Schlagzahl, kam vermehrt zu Abschlüssen und erzielte den Ausgleich nach einer kurz ausgeführten Ecke, als der FC noch nicht sortiert war.

Unkonzentriertheiten verhindern ein besseres Ergebnis

Das Spiel verlagerte sich komplett in die Hälfte der Kölner, weil der BVB aufzog und beim FC erste Ermüdungserscheinungen erkennbar waren. Das 1:2 fiel dann nach einer Kombination über die rechte Seite der Dortmunder, als die Kölner „zu gierig“ (Beierlorzer) auf den Ballgewinn waren und ihre Räume verließen – der Laufweg von Piszczek im Rücken der Defensivspieler war wahrnehmbar, dass er den Ball bekam und Flanken konnte wäre durchaus zu verhindern gewesen. Dem Tor durch Hakimi folgte in der Nachspielzeit noch das 1:3.

COLOGNE, GERMANY - AUGUST 23: Jadon Sancho of Borussia Dortmund scores his side's first goal during the Bundesliga match between 1. FC Koeln and Borussia Dortmund at RheinEnergieStadion on August 23, 2019 in Cologne, Germany. (Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Zusammengefasst erledigte die Mannschaft des FC ihre Handlungsziele über weite Strecken sehr gut, die Niederlage am Ende war eine Kombination aus fehlender Konzentration und der großen Qualität des Gegners. Denn wenn ein Trainer wie Lucien Favre die Dynamik insofern verändern kann, dass er einen Julian Brandt einwechselt, muss man als Aufsteiger die Überlegenheit einfach anerkennen.

Der Schweizer veränderte damit die inhaltlich basierte Dynamik des Spiels durch einen geplanten Wechsel, sein Kollege Beierlorzer musste aufgrund der Cordoba-Verletzung einen Schlüsselspieler ersetzen. Mit der Unterstützung der Zuschauer im Rücken und der eigenen Leistungsfähigkeit zeigte die Mannschaft jedoch, dass sie konkurrenzfähig ist – wenn auch nicht über die gesamte Spielzeit gesehen. Gegen Dortmund kann das aber womöglich kaum jemand von sich behaupten.

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