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Nachspiel

1:3-Niederlage des 1. FC Köln gegen Borussia Dortmund: Viel Lob, wenig Lohn

Der 1. FC Köln zeigt gegen Borussia Dortmund eine couragierte Vorstellung, kann sich für eine kämpferische Glanzleistung aber nicht belohnen. Vom großen Lob können sich die „Geißböcke“ leider wenig kaufen.

COLOGNE, GERMANY - AUGUST 23: Paco Alcacer of Borussia Dortmund (2R) celebrates with his team mates after scoring his side's third goal during the Bundesliga match between 1. FC Koeln and Borussia Dortmund at RheinEnergieStadion on August 23, 2019 in Cologne, Germany. (Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)
Foto: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images

Das Spiel gegen Borussia Dortmund war noch nicht abgepfiffen, aber doch entschieden, da erhoben sich die Anhänger des 1. FC Köln im Müngersdorfer Stadion noch einmal. „Allez allez 1. Fußball-Club Köln, ja du bist mein Verein und wirst es immer sein“, sangen die effzeh-Fans aus voller Überzeugung. Gerade erst hatte Paco Alcacer mit seinem Treffer zum 3:1 den BVB zu einem Auswärtssieg in Köln geschossen, doch das Publikum honorierte eine kämpferische Glanzleistung der „Geißböcke“, die gegen den favorisierten Gast zur Pause durch einen Treffer von Dominick Drexler (29.) in Führung lagen und gegen das schwarzgelbe Star-Ensemble lange Zeit auf Augenhöhe agierten.

„Mit unserer Leistung bin ich sehr zufrieden, mit dem Ergebnis natürlich nicht. Es ist sehr, sehr ärgerlich. Wir haben uns am Ende um den Lohn gebracht. Diese Leistung ist eine Benchmark für die Saison. Wir haben ein absolutes Top-Spiel über 60 Minuten gemacht, Dortmund hatte kaum eine Chance“, formulierte FC-Coach Achim Beierlorzer nach seinem Heimdebüt trotz der zweiten Niederlage im zweiten Bundesliga-Spiel zuversichtlich.

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Mitreißen und mitreißen lassen: Fans und Team eine Einheit

„Wir müssen diesen Glauben jetzt immer haben. Dann sieht man, was passieren kann. Wir machen genauso weiter, dann bin ich mir sicher, dass irgendwann auch die Punkte kommen“, so der gebürtige Franke, der seinem Team vor der Partie mitgegeben hatte, die Volksfest-Atmosphäre beim Duell mit dem Vizemeister mitzunehmen. Mitreißen lassen, aber auch mitreißen: Der Funke sollte an diesem Abend im Müngersdorfer Stadion von den Fans auf die Mannschaft überspringen, aber auch von der Mannschaft auf die Fans.

Mutig auftreten, nicht verstecken – das war die sportliche Maxime für die Beierlorzer-Schützlinge gegen den BVB, der am ersten Spieltag Augsburg mit 5:1 abgeschossen hatte. Mutig ging es der effzeh auch von der Besetzung an: Jhon Cordoba rückte nach abgelaufener Rotsperre zurück in die Startelf und bildete zusammen mit Anthony Modeste eine echte Doppelspitze. Vor der Abwehr setzte Beierlorzer auf die Neuzugänge Ellyes Skhiri und Birger Verstraete, im Defensivzentrum aus Debütant Sebastiaan Bornauw im Zusammenwirken mit Rafael Czichos. Jorge Meré, Marco Höger und Florian Kainz blieb zunächst nur der Platz auf der Bank.

Drexler lässt den 1. FC Köln von der Sensation träumen

Was sich die „Geißböcke“ vorgenommen hatten, brachten sie in der ersten Halbzeit dann auch auf den Rasen. Mit großer Leidenschaft und enormer Laufleistung kaufte der effzeh dem BVB den Schneid ab und zeigte gerade in den Zweikämpfen, wer im Müngersdorfer Stadion Herr im Hause ist. Immer wieder gab es rauschenden Applaus von den Rängen für den kompromisslosen Einsatz gegen den Ball. Nach einer Viertelstunde wurden dann auch die ersten offensiven Nadelstiche gesetzt, doch zunächst kam Cordoba (17.) einen Schritt zu spät und kurz danach verzog Hector von der Strafraumgrenze (19.).

„Ich würde lügen, wenn ich mich nicht über mein erstes Bundesliga-Tor freuen würde. Ein atemberaubendes Gefühl!“

Der Kölner Mut wurde belohnt: Eine Ecke von rechts verlängerte Skhiri am ersten Pfosten, Drexler stand goldrichtig und nickte zur FC-Führung ein. Im ersten Bundesliga-Heimspiel seiner Karriere trifft der gebürtige Bonner zu seinem allerersten Tor in der Beletage des deutschen Fußballs. „Ich würde lügen, wenn ich mich nicht über mein erstes Bundesliga-Tor freuen würde. Ein atemberaubendes Gefühl. Andererseits guckt man am Ende des Abends als Fußballer auf das Ergebnis und kann nicht zufrieden sein“, betonte Drexler nach dem Abpfiff sichtlich geknickt.

Foto: Foto: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images

Denn der FC zeigte insbesondere vor dem Seitenwechsel einen atemberaubenden Auftritt: Körperlich enorm stark in der Defensive, unangenehm präsent im Pressing und mit viel Mut nach vorne. Der hochgelobte Dortmunder Angriff hatte große Probleme, sich gegen den aufmüpfigen Außenseiter in Szene zu setzen. Ganz im Gegenteil: Die offensiven Akzente setzte vor dem Pausenpfiff eher der 1. FC Köln. Glück hatte der BVB, als Cordoba Dortmunds Schlussmann Bürki den Ball im Spielaufbau stibitzte, die Kugel aber zu einem Dortmunder prallte.

BVB dreht nach einer Stunde auf

Auch im zweiten Durchgang ein ähnliches Bild: Die „Geißböcke“ stemmten sich mit riesiger Intensität gegen die Angriffswellen der Gäste um die Topstars Marco Reus und Jadon Sancho. Ein extrem hoher Aufwand, der sich auf Dauer rächen sollte. Zum einen, weil das Laufpensum deutlich auf die Konzentration im Umschaltspiel nach vorne schlug. Viele Situationen, die sich der effzeh durch Kampfgeist erarbeitet hatte, verpufften so ungenutzt.

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Zum anderen aber auch, weil die Überlegenheit des BVB sichtlich zunahm, da die Kräfte bei den Kölnern etwas nachließen. Mit der Hereinnahme von Julian Brandt und Achraf Hakimi nach etwas mehr als einer Stunde stellten die Gäste taktisch um und brachten noch einmal mehr Offensivpower in die Partie. Schachzüge, die sich bezahlt machen sollten.

COLOGNE, GERMANY - AUGUST 23: Jadon Sancho of Borussia Dortmund scores his side's first goal during the Bundesliga match between 1. FC Koeln and Borussia Dortmund at RheinEnergieStadion on August 23, 2019 in Cologne, Germany. (Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Nachdem erst Modeste aus Abseitsposition zum vermeintlichen 2:0 abstaubte und der bis dato nahezu beschäftigungslose Horn gegen Reus parierte, nahm der Druck deutlich zu. Der Ausgleich war nur noch eine Frage der Zeit, fiel aber aus effzeh-Sicht ziemlich ärgerlich. Eine kurz ausgeführte Ecke auf der rechten Seite brachte Sancho viel Platz im Kölner Strafraum – der englische Jungstar schlenzte den Ball mit links unhaltbar ins lange Eck (70.).

„Am Ende stehen keine Punkte“

Es entwickelte sich in der Schlussviertelstunde eine packende Partie, die hin und her wogte. Die entscheidenden Stiche setzte jedoch der Gast: Über rechts kombinierte sich der BVB clever durch die Kölner Reihen, Piszczeks Flanke war perfekt getimet für den eingewechselten Hakimi, der zum 2:1 einköpfte (86.). Die „Geißböcke“ warfen noch einmal alles nach vorne, wurden dafür aber in der Nachspielzeit bestraft: Nach einem FC-Standard konterten die Dortmunder über Sancho, der auf Alcacer querlegte. Der Rest war Formsache – und aufmunternder Applaus der Kölner Fans.

„Wir haben heute mit 12 Spielern gespielt. Wir haben großes Glück, diese Fans zu haben!“

„Die Fans hatten ein sehr gutes Gespür für das Spiel. Das war Gänsehaut am Ende“, betonte Torschütze Drexler. Anthony Modeste stimmte nach dem stimmungsvollen Auftakt im Müngersdorfer Stadion seinem Kollegen zu: „Wir haben heute mit 12 Spielern gespielt. Wir haben großes Glück, diese Fans zu haben“, betonte der Franzose. Dennoch: „Am Ende stehen keine Punkte. Wir haben ein gutes Spiel gemacht, super gekämpft, aber ein Spiel dauert 90 Minuten, heute 95 Minuten. Wir brauchen noch ein bisschen, um das eine ganze Partie zu spielen, aber ich vertraue meinem Team“, so Modeste.

Der neue FC kämpft sich in die Fan-Herzen

Vertrauen – das hat sich der 1. FC Köln an diesem Freitagabend gegen den Favoriten erspielt, erkämpft, erlaufen. Selbst der Gegner zeigte sich beeindruckt von der Körperlichkeit der Kölner, von der Wucht, die diese Mannschaft entfachen kann. Es wird aber darauf ankommen, eine solche Leistung auch im grauen Liga-Alltag zu zeigen, wenn es mit dem Klassenerhalt klappen soll.

„Es hat nicht viel gefehlt. Ich glaube, wir können die Gegentore besser verteidigen. Natürlich war es auch eine Frage der Kraft, was aber zwangsläufig gegen den BVB der Fall ist. Man muss weite Wege gehen und außen Sancho oder Hazard eigentlich immer doppeln. Irgendwann ist es dann gegen die Qualität, die sie haben, schwierig. Es hat aber nicht viel gefehlt, um mindestens einen Punkt zu holen“, machte Drexler die Leistung seiner Mannschaft Mut für die anstehenden Aufgaben.

„Der Lerneffekt von Wolfsburg auf Dortmund war schon sehr gut. Wir müssen jetzt das ganze Positive mitnehmen, wir haben Dortmund viele schwere Aufgaben gestellt – so müssen wir nächste Woche gegen Freiburg drei Punkte holen“, gibt der Tor-Debütant die Marschroute für die Partie am kommenden Samstag vor. Dann will sich der 1. FC Köln endlich belohnen für den hohen Aufwand, den er in seinem Spiel betreibt. Dann sollen endlich die ersten Zähler bei der Bundesliga-Rückkehr aufs eigene Konto gehen. Die effzeh-Fans würden es sicherlich mit lautstarken Gesängen honorieren.

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