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Meinung

1. FC Köln startet Saison-Dokumentation „24/7 FC“: Tiefe Einblicke, trügerische Nähe

Mit der Saison-Dokumentation „24/7 FC“ macht der 1. FC Köln einen mutigen Schritt. Die authentische Nähe, die die ersten Episoden suggerieren, und der Blick hinter die Kulissen sind allerdings trügerisch.

Foto: 1. FC Köln

Tief gestapelt hat der 1. FC Köln weiß Gott nicht, als er seine Saisondokumentation „24/7 FC“ vorstellte. So nah dran wie nie zuvor seien die FC-Fans dank des aufwändigsten Bewegtbildprojekt der Vereinsgeschichte. Gänsehautnah. Näher dran an der Mannschaft, an den Spielern, am Trainerteam – alle seit Saisonbeginn von Kameras bei ihrem Wirken begleitet. Nachdem die erste Pilotepisode über die Vorbereitung und den Saisonstart im DFB-Pokal beim Anhang der „Geißböcke“ gut angekommen war, entschied sich der Club dazu, als erster Bundesligist während einer laufenden Spielzeit Einblicke hinter die Kulissen zu geben. Acht kostenpflichtige Episoden a 30 Minuten wird es geben – allesamt zeitnah zu den Geschehnissen in der Saison.

Ein mutiger Schritt der Verantwortlichen, denn der Ausgang ist für alle im Vorhinein völlig ungewiss. Kein Drehbuch – so preist es der FC wiederholt an. Das kann natürlich auch in die Hose gehen: Einen Absturz a la „Sunderland til I die“ auf Film zu bannen, dürfte keine allzu verlockende Aussicht gewesen zu sein. Ein mutiger Schritt der Spieler und des Trainerteams um Achim Beierlorzer, diese Nähe auch in angespannten Situationen zuzulassen. Die ersten beiden Folgen, die seit Freitag auf der vereinseigenen Plattform und einen Tag später bei DAZN verfügbar sind, machen das bereits deutlich. Der problematische Saisonstart, der in der 0:4-Heimniederlage gegen Hertha BSC gipfelte, lässt sich wahrlich nicht ausblenden, wenn filmisch die Geschichte dieser Spielzeit dokumentiert werden soll.

Harmloses Hochglanzprodukt eines Hochglanzproduktes

Und doch setzt sich besonders in der ersten Episode fort, was bereits in der Pilotfolge zu spüren war: Die tiefen Einblicke hinter die Kulissen bei einem Bundesligisten, die „24/7 FC“ gewähren will, sind nicht einmal halb so spektakulär, wie es sich manch ein Beobachter erhoffen dürfte. Ganz im Gegenteil: Der Vorhang wird zwar teilweise gelüftet, doch wirklich näher kommen einem die Beteiligten nicht durch die kurzen, größtenteils völlig harmlosen Sequenzen, die sich zuvorderst auf die Mannschaft denn aufs Individuum konzentrieren. Spannungen? Konflikte? Probleme? Zumeist außen vor – das Hochglanzprodukt Bundesliga produziert ein weiteres Hochglanzprodukt. Mehrwert? Mitunter nur in Spurenelementen vorhanden.

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Auch die größtenteils chronologische Erzählstruktur, die besonders in der ersten Episode durch den Spielrhythmus recht redundant wirkt, und die Schwerpunktsetzung lässt zunächst wenig Nähe aufkommen. Die Inszenierung mit vielen stilisierten Aufnahmen in Slow Motion steht ein wenig im Widerspruch zu der Normalität, die viele der Akteure in „24/7 FC“ ausstrahlen. Letztlich kommen die angehimmelten Stars, die vielleicht ein wenig besser kicken können als jeder andere von uns, auch nur als normale Mittzwanziger herüber, die halt gerne Fußball spielen. Ebenso unterscheiden sich Beierlorzers Kabinenansprachen, so weit zu sehen, beispielsweise nicht sonderlich von denen aus dem Amateurbereich. Taktische Anweisungen, die Vorbereitung auf ein Spiel, die Arbeit im Vorfeld – das alles bleibt leider bisher weitgehend im Dunkeln.

Nähe als Zauberformel – Abzüge in der B-Note

Stark ist „24/7 FC“ dann aber tatsächlich dort, wo die Kamera den Akteuren näher kommt als gewöhnlich. Wo die Distanz, die in diesem Business zumeist aufgebaut wird, überwunden werden kann. Wenn Armin Veh in der Kabine Jorge Meré nach dessen Platzverweis gegen Hertha BSC aufzumuntern versucht. Wenn eben jener Meré mit seiner Freundin auf der Parkbank sitzt, über diese Momente redet und dabei mit seinen Gefühlen ringt. Wenn Jonas Hector mit seiner Frau am Sportplatz in Auersmacher das Heimspiel seines Bruders verfolgt und dabei auf saarländisch mitfiebert wie ein Fan. Wenn Dominick Drexler und Co. ein Motivationsvideo für den derzeit verletzten Christian Clemens erstellen. Das sind die Momente, die die knapp 30-minütigen Folgen sehenswert machen. Weil sie ausbrechen aus der üblichen Berichterstattung. Weil sie über den Tellerrand des Fußballs hinausblicken und den Mensch in den Mittelpunkt rücken.

Foto: 1. FC Köln

Im Hinterkopf muss hierbei allerdings stets bleiben, dass wir das zu sehen bekommen, was die Verantwortlichen uns sehen lassen wollen. Die sportlichen Entscheider, das bestätigte der Verein unter der Woche, haben das letzte Wort, welche Szenen aus dem internen Bereich veröffentlicht werden – und welche nicht. Auch die Spieler werden befragt, ob dieses oder jenes nach außen dringen soll. Das kommt zum einen nicht wirklich überraschend und ist zum anderen per se erst einmal nichts Schlimmes, gibt aber durchaus Abzüge in der B-Note. Denn: Für den Fan vielleicht durchaus interessante Themen, die der 1. FC Köln allerdings nicht in der Öffentlichkeit sehen will, werden daher in den Episoden einfach nicht zu sehen sein. In letzter Konsequenz ist „24/7 FC“ also keine unabhängig erstellte Dokumentation mit journalistischem Anspruch, sondern ein Imagefilm des Vereins, der positiven Anklang beim Anhang finden soll.

Kein „Muss“, aber nette Unterhaltung für zwischendurch

Doch nicht nur bei der weichen Währung des eigenen Images ist „24/7 FC“ gefragt, auch harte Euros könnte das Projekt dem Verein in die Kassen spülen: 13,99 Euro kosten alle bereits veröffentlichten und zukünftig anstehenden Episoden im sogenannten „Bockset“, einzelne Folgen sind auf der vereinseigenen Plattform für 2,99 Euro zu haben. Wer etwas mehr Geduld beweist und einen DAZN-Account sein Eigen nennt, kann 24 Stunden nach der FC-Veröffentlichung auch beim Streamingdienst reinschauen.

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Dass der Club die Dokumentation seinen Mitgliedern nicht gratis zur Verfügung stellen kann, hat nach Vereinsangaben einen simplen Auslöser: Wie bei den Re-Lives der Bundesliga-Partien dürfen aus lizenzrechtlichen Gründen Spielbilder nicht kostenlos gezeigt werden. Im Gegenzug profitiert „24/7 FC“ von exklusiven Bildern aus den TV-Produktionen rund um die Spieltage, die durch die enge Zusammenarbeit mit der DFL und deren Tochterfirma Sportcast zugänglich gemacht werden.

Ein lohnenswertes Investment ist die Dokumentation derweil wohl nur für FC-Fans, die über keinen Account bei DAZN verfügen oder zu deren Stärken Geduld nicht gerade zählt. Ein Muss ist es aber keinesfalls – ganz besonders nicht für Anhänger, die es eher mit anderen Teams und nicht so mit dem 1. FC Köln halten. Dafür entwickeln die ersten drei Episoden zu wenig Mehrwert, auch wenn so manch ein Blick hinter die Kulissen recht nett daherkommt. Gerade der Saisonverlauf der „Geißböcke“ lässt noch Luft nach oben, um die jeweiligen Akteure dem Zuschauer auch näher zu bringen. Ob da allerdings das Format von halbstündigen Folgen, die auch den sportlichen Werdegang der Mannschaft im Blick haben müssen, ausreicht, ist eine schwierige Frage, die es zu beantworten gilt. Um das aufwändige Projekt aus Sicht des Vereins abzurunden, wäre es nicht zwingend notwendig – aus Sicht des Fans aber durchaus wünschenswert.

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