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Noch ist der 1. FC Köln nicht abgestiegen, der Klassenerhalt wird aber unwahrscheinlicher. Fragen nach der Zukunft kommen auf. Klar ist, dass Spieler gehen werden. Doch wer bleibt eigentlich auch in Köln und bügelt das Missgeschick wieder mit aus, wenn der Club wirklich absteigt? 

Der 1. FC Köln nähert sich dem Abstieg in die zweite Bundesliga – und wie das nun einmal so ist, entstehen die ersten offenen Fragen schon, bevor das sportliche Schicksal in Stein gemeißelt ist. Die interessanteste Frage, wenn eine gute Mannschaft durch einen Betriebsunfall absteigt, ist dabei eigentlich immer die gleiche: Wer verlässt das sinkende Schiff?

Während es in den Anfangsjahren des professionellen Fußballs noch recht unüblich war, die Vereine zu wechseln wie die Unterhose, ist es mittlerweile Normalität, dass Spieler nach kurzer Verweildauer weiterziehen; ihre Vereine als Zwischenstationen eines größeren „Karriereplans“ sehen.

Erstaunliche Kontinuität im Kölner Kader

Immerhin: Beim 1. FC Köln hat man es in den letzten Jahren hinbekommen, eine erstaunliche Kontinuität im Kader zu erhalten. Ein Großteil der Kölner Stammspieler trägt bereits seit mehreren Spielzeiten das Trikot mit dem Geißbock auf der Brust. Das ist, auch wenn es in dieser Zeit sportlich für den Traditionsverein vom Rhein stetig aufwärts ging, keine Selbstverständlichkeit. Manchen Spielern reicht schließlich schon eine für sie persönlich erfolgreiche Halbserie, um sich nach neuen Optionen zu erkundigen.

Mittlerweile finden die Fußball-Konsumenten, die Fans und Anhänger, dieses Verhalten mindestens okay. Oder anders gesagt: Sie haben gelernt, es okay zu finden. Viele haben über die Jahre auch ein weitergehendes Verständnis für die jungen Profis und deren „Karriereplänen“ entwickelt: Kann man erwarten, dass ein hoch-talentierter Spieler ein Jahr seiner Karriere „vergeudet“, indem er seine Arbeit eine Klasse tiefer verrichtet? Ist es nicht legitim, aus den 15 Jahren Profi-Karriere so viel für sich selbst heraus zu holen, wie es nur irgendwie geht? Und überhaupt, was würdest Du denn an seiner Stelle machen?

MUNICH, GERMANY - DECEMBER 13: Sport Director of Koeln Armin Veh looks on prior the Bundesliga match between FC Bayern Muenchen and 1. FC Koeln at Allianz Arena on December 13, 2017 in Munich, Germany. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Hofft, dass so mancher bleibt: Armin Veh | Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images

Das zeigt: Wir haben uns daran gewöhnt, dass Spieler den Mist, den sie Club und Fans eingebrockt haben, nicht unbedingt wieder ausbügeln wollen, sondern sich trotz Abstieg für meist auch noch mehr Gehalt als vorher einem anderen Verein anschließen. Der vorherige Club muss die meisten Einbußen in Kauf nehmen: Ein Leistungsträger geht – und das oft auch noch für eine vertraglich festgelegte, niedrigere Ablösesumme. Der Spieler hingegen macht sportlich meistens keinen großartigen Rückschritt und verdient oft so viel wie oder sogar noch mehr als zuvor. Skurril, oder?

Marktvorteil für die Spieler, Nachteil für den Club

Schließlich sind es genau die Angestellten, die ihre Arbeit auf dem Rasen verrichten, die schlussendlich die Hauptverantwortung für den Abstieg eines Vereins tragen. Sie sind es, die Tore nicht gemacht oder verhindert haben. Sie sind es, denen in entscheidenden Momenten die Nerven versagt haben und sie sind es, die von den enormen Summen, die in diesem Geschäft mittlerweile üblich sind, am meisten finanziell profitieren. Sportliche Rückschläge, die auf ihre Kappe gehen, haben für sie dennoch meist nur minimale persönliche Auswirkungen. Kein Wunder also, dass viele diesen Marktvorteil wahrnehmen.

Auch dem 1. FC Köln dürfte dieses Schicksal im Sommer drohen, sollte das Wunder Klassenerhalt nicht mehr gelingen. Das Verständnis ist schon im Vorfeld groß: Ein Timo Horn in der zweiten Liga? Ein Nationalspieler wie Jonas Hector im Unterhaus des deutschen Fußballs? Das darf doch nicht sein! Aber wieso eigentlich nicht?

>>> FC im Abstiegskampf: Auf der Suche nach der richtigen Mischung

Dass Joachim Löw sich auf penetrante Art in die Karriereplanung seiner Nationalspieler einmischt, ist nichts Neues. Dass die Berater auf einen Wechsel, an dem sie natürlich mitverdienen würden, drängen, ebenfalls nicht. Aber zwingen diese Faktoren einen Spieler, konventionell zu sein?

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