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Analyse

Vorbereitungsbilanz des 1. FC Köln: Düstere Aussichten vor dem Saisonstart

Am Samstag startet der 1. FC Köln mit dem Pokalspiel gegen Altglienicke in die neue Saison. Mannschaft, Trainer und Geschäftsführung stehen jeweils vor schwierigen Herausforderungen.

Wird wohl als Rechtsverteidiger in die Saison starten: Benno Schmitz | Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Unter einem wirklich glücklichen Stern stand diese Sommervorbereitung des 1. FC Köln nicht, wenn man auf die vergangenen Wochen zurückblickt. Erst am 5. August, und damit vergleichsweise spät, hatten die „Geißböcke“ unter der Leitung von Cheftrainer Markus Gisdol das Training wieder aufgenommen. Die Idee dahinter: Der Klassenerhalt war ein Kraftakt, die Spieler waren erschöpft. Durch die längere Pause sollten sie ausgeruht in das neue Spieljahr starten. Wenige Tage vor dem Pflichtspielauftakt im Pokal gegen die VSG Altglienicke hat der FC bis jetzt keinen neuen Feldspieler verpflichtet, mit Florian Kainz muss gar ein Leistungsträger vermutlich bis zur Rückrunde ersetzt werden – und zudem fiel die Generalprobe gegen den KFC Uerdingen wegen Spielermangels ins Wasser.

Kurz gesagt: Es hätte alles durchaus besser laufen können, seit die vergangene Bundesliga-Saison für den FC am 27. Juni mit einem 1:6 in Bremen endete. Damals schienen die Aktiven und das Umfeld einigermaßen froh, eine lange Saison, unterbrochen durch eine Pandemie, war für den Verein mit dem Erreichen des nach Wiederaufstieg ausgerufenen Ziels beendet worden. Daran änderten auch zehn Spiele in Folge ohne eigenen Sieg nichts. Nun musste der Kader für eine neue Spielzeit in der höchsten deutschen Spielklasse generalüberholt werden.

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Gehaltsvolumen verringert, aber kein Ersatz für Uth

Eine der größten Aufgaben bestand für Horst Heldt darin, die Anzahl der Spieler zu verringern, die zwar beim FC auf der Gehaltsliste stehen, allerdings derzeit in den Augen der sportlichen Leitung keinen sportlichen Mehrwert bieten. Gut verdienende Spieler wie Simon Terodde und Marcel Risse wurden transferiert, ohne Erlöse zu erzielen. Sie wurden wie Niklas Hauptmann, Lasse Sobiech oder Vincent Koziello auf Leihbasis abgegeben. Mit Yann Aurel Bisseck und Tomas Ostrak verlieh der FC zwei Talente in ausländische Ligen.

Das Ziel: Gehaltsvolumen freimachen, um neue Spieler unter Vertrag nehmen zu können. In der Woche vor dem ersten Pflichtspiel weist der Kader mit Ron-Robert Zieler bis dato nur eine Neuverpflichtung auf, der gebürtige Kölner kam auf Leihbasis. Mit Dimitrios Limnios könnte bald der erste Feldspieler folgen, der Grieche weilt derzeit wegen eines positiven Corona-Tests noch in der Heimat. Zwischendurch betonte Horst Heldt mehrfach, dass man in diesem Transferfenster Geduld brauche – und ja, bis Oktober kann noch viel passieren. Die Problemstellen des 1. FC Köln sind aber auch schon seit Monaten bekannt.

Wegen der Verletzung von Florian Kainz ist die Kölner Flügelzange gesprengt | Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Schon im Januar, als Mark Uth auf Leihbasis von Schalke kam und schnell zu einem Leistungsträger wurde, war schon klar, dass der gebürtige Kölner nur unter größter finanzieller Anstrengung ein „Geißbock“ würde bleiben können. Dass sein Abgang eine Lücke reißen würde, wusste man also spätestens im Frühjahr – Mitte September hat der FC immer noch keinen Spieler dieser Art verpflichtet.

Wer soll Cordoba in der Offensive unterstützen?

Uth war eine gute Besetzung für die Position der hängenden Spitze hinter Jhon Cordoba, seine Kreativität und Spielstärke verhalfen dem FC zu vielen Abschlusssituationen. In der Sommervorbereitung nach dem Leihende von Uth probierte Markus Gisdol mehrere Spieler auf dieser Position aus, nachhaltig überzeugen konnte keiner. Die Besetzung der Spielmacherrolle bleibt eine der größten Herausforderungen.

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Mit Rückkehrer Salih Özcan, der nach seiner Zeit in Kiel gereift und gestärkt wirkt, hat Gisdol eine weitere Option für das zentrale Mittelfeld – ein Uth-Ersatz ist der U21-Nationalspieler jedoch nicht. Im letzten Testspiel gegen Wolfsburg teilte er sich die Aufgabe mit Elvis Rexhbecaj, der analog zu Özcan seine Stärken eher als Box-to-Box-Spieler hat. Als weitere Möglichkeit, sogar für die Position des Stürmers, testete Gisdol den 18-Jährigen Jan Thielmann, der insbesondere im Testspiel gegen Bochum zeigte, dass er mit Tempo in die Tiefe gehen kann. Gegen Union Berlin gefiel der Rechtsfuß eine Position dahinter, weil er sich auch gut zwischen die Linien fallen lassen und dann den Ball verarbeiten kann. Gegen Wolfsburg spielte Thielmann dann im rechten Mittelfeld.

Horst Heldt sprach viel über Transfers – es passierte: nichts

Es war angesichts der Ausgangslage keine Überraschung, dass der 1. FC Köln seine Transferaktivitäten auf die Offensive fokussierte. Mit Streli Mamba bestand schon eine Einigung, doch der Paderborner fiel durch den Medizincheck. Seit Wochen wird auch über einen Transfer des Nürnbergers Robin Hack in die Domstadt spekuliert. Zuletzt wurde auch über ein Angebot der Kölner für den Augsburger Marco Richter berichtet. Und auch die Personalie Mark Uth scheinen die Verantwortlichen am Geißbockheim noch nicht gänzlich aufgegeben zu haben.

Nicht mehr der Spielmacher des FC: Mark Uth | Oliver Hardt/Getty Images

Die verschiedenen Spekulationen befeuerte Geschäftsführer Horst Heldt auch dadurch, dass er vorrangig gegenüber dem Boulevardblatt Bild sehr häufig Wasserstandsmeldungen abgab. Das gipfelte darin, dass er zu einem Zeitpunkt sage, dass nach dem gescheiterten Mamba-Deal den Kontakt zu anderen Spielern suchen müsse – dies hätte er aber vernachlässigt. Das kann natürlich alles eine geschickte Strategie gewesen sein, jedoch sah sich Heldt der Kritik von seinen Kollegen Jochen Schneider (Schalke), Dieter Hecking (Nürnberg) und Fabian Wohlgemuth (Paderborn) ausgesetzt. Diese bemängelten unabhängig voneinander die Kommunikationsstrategie des Kölner Geschäftsführers.

Spielidee: 4-4-2 mit Mittelfeldpressing

Klar ist, dass die Corona-Krise die finanzielle Situation des 1. FC Köln weiter verschärft und daher Geduld und Geschick auf dem Transfermarkt gefragt sind. Dass der Tabellenvierzehnte der vergangenen Saison aber bis heute auch noch keine Lösung dafür gefunden hat, ob und wie die eigenen Spieler auf Teile ihres Gehalts verzichten, ist ein weiteres Indiz dafür, dass die Geschäftsführung weiterhin vor großen Herausforderungen steht. Die Auswirkungen der Misswirtschaft aus den vergangenen Jahren und die ausbleibenden Einnahmen durch die Spiele ohne Publikum sind zwei große Hypotheken, die ursächlich dafür verantwortlich sind, dass der 1. FC Köln seinen Kader nicht verstärken kann. Und wenn er den Kader nicht verstärkt, wird es eng in der kommenden Saison.

Die Bilanz in den Vorbereitungsspielen war gegen die Profiteams aus Bochum, von Union Berlin und aus Wolfsburg zwar positiv (zwei Siege und eine Niederlage), eine spielerische Weiterentwicklung hingegen war nur ganz schwer auszumachen. Am wahrscheinlichsten ist derzeit eine 4-4-2-Formation mit der Achse um Timo Horn, Sebastiaan Bornauw, Rafael Czichos, Jonas Hector, Ellyes Skhiri und Jhon Cordoba. Auf allen anderen Positionen ist noch nicht endgültig klar, welche Spieler dort uneingeschränktes Vertrauen genießen dürfen.

Kölns bisher einziger Neuzugang: Ron-Robert Zieler | Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Durch den Kainz-Ausfall, der seine Stärken in Umschaltmomenten über die Flügel ausspielen konnte und dies vor allem gegen Bochum unter Beweis stellte, fehlt ein weiteres Element im Offensivspiel. Im Spiel gegen Union traf der FC früh zweifach, erst durch einen Distanzschuss von Katterbach, dann nach einer Pressingaktion und einem individuellen Fehler des Gegners – ansonsten tat sich die Mannschaft aber schwer, aus dem Spiel heraus Chancen herauszuspielen. Bei Ballgewinn lang auf Cordoba zu spielen scheint nach wie vor das bevorzugte taktische Mittel. Der Kolumbianer reibt sich dann in 50/50-Duellen gegen die Innenverteidiger auf.

Es wird schwer für den 1. FC Köln

Im Spiel gegen Wolfsburg war auffallend, dass der FC durchaus versuchte, flach aufzubauen. Meistens blieb aber nichts anderes übrig als der lange Ball, um daraus dann wieder etwas höher im Feld eine Balleroberung zu erzielen. Hier zeigte sich, dass Rexhbecaj Stärken als Ballschlepper hat, sich oft foulen lässt und damit Entlastung schafft. Für die kreativen Momente muss er allerdings noch an Entscheidungsfindung und technischer Ausführung arbeiten. Gegen die „Wölfe“ ließ der FC defensiv wenig zu, durch Schmitz gab es sogar die große Chance auf die Führung – nach 70 Minuten produzierte der FC aber zu viele individuelle und gruppentaktische Fehler (Zieler, Ehizibue, Cestic), sodass die Generalprobe mit 0:3 verloren ging.

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Dass es die Generalprobe werden würde, war zum damaligen Zeitpunkt noch nicht geplant. Das Testspiel gegen Uerdingen, geplant für den 5. September, wurde abgesagt, weil zu wenige fitte Spieler zur Verfügung standen. Das lag auch an den Abstellungen der Nationalspieler, die einige Tage Mannschaftstraining verpassten. Zudem fehlten phasenweise mit Katterbach und Modeste zwei weitere Spieler, die für den Pflichtspielauftakt am kommenden Samstag im DFB-Pokal gegen den Berliner Regionalligisten Altglienicke eher keine Option sein dürften.

Fehlende Neuzugänge und eine durchwachsene Vorbereitung – endloser Optimismus für die neue Saison ist beim 1. FC Köln derzeit nicht angebracht. Es braucht dringend Verstärkungen für die Offensive, die nach ihrer Eingewöhnungsphase auch sofort funktionieren müssen. Die einzige wirkliche Bedrohung für gegnerische Abwehrreihen ist derzeit Jhon Cordoba. Man möchte sich deswegen gar nicht ausmalen, was passiert, wenn der 13-fache Torschütze der vergangenen Saison längerfristig ausfallen sollte. Die Weiterentwicklung der fußballerischen Idee dieser Mannschaft erscheint unter den personellen Umständen derzeit ebenso schwierig. Auf den 1. FC Köln wartet also viel Arbeit – und eine wahrscheinlich harte Saison.

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