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Kolumnen

Zwischen Tatsachen und Hoffnung beim 1. FC Köln: Ein Blick in die philosophische Glaskugel

Die Philosophie versucht seit ihren Anfängen die großen Fragen der Menschheit zu beantworten, die da lauten: „Was können wir wissen?“, „Was dürfen wir tun?“ und „Worauf können wir hoffen?“. Eine Nummer kleiner geht es auch, wenn es nicht um die ersten und letzten Dinge, sondern um Fußball geht. Die Fragen an den 1. FC Köln sind allerdings sehr ähnlich und existenziell. Spielen wir es durch.

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Foto: imago images/Uwe Kraft

Ein Gastbeitrag von Oliver Z. Weber

Köln, im Spätsommer 2020. Die Zeiten sind schlecht, die Erwartungen niedrig. Wenn der 1. FC Köln nicht absteigt, ist das wie eine Meisterschaft. Schon früh haben die Verantwortlichen und vor allem Horst Heldt davon gesprochen, dass es bis auf Weiteres um nichts anderes gehen kann als die eigene Existenz und den Verbleib in der Bundesliga. Dem japsenden Fisch, der sich sportlich mit Mühe ins seichte Wasser rettete, haut nun eine handfeste Krise mehrere Bretter auf den Kopf. Erneut, so scheint es, hat sich die Diva vom Rhein in der inneren Führung wie äußeren Darstellung im eigenen Limbo-Wettbewerb an Klasse und Niveau wieder einmal selbst unterboten.

Eine giftige Mischung aus Finanznot, herrührend von Misswirtschaft, Fehleinschätzungen und einer Virus-Pandemie, Querschüssen und Vorwürfen alteingesessener FC-Recken und das zuletzt eher schwache Auftreten der FC-Profis im Ligafinale lassen dem Fan wenig Vorfreude. Doch nichtsdestotrotz muss es ja weitergehen. Fische haben ein kurzes Gedächtnis. Nur wie, das kann mehr denn je nur ein Blick in die berühmte Glaskugel sagen.

Was können wir wissen?

Relativ wenig. Wir kennen den Kader, die handelnden Personen und die Historie. Und hier ist vor allem die jüngere relevant. Diese verleitet immer wieder dazu, eher negative Rückschlüsse zu ziehen: Haben wir schon erlebt, die Unruhe wird nicht verschwinden, ist seit Jahren dasselbe und das alles führt direkt wieder zum Abstieg. Und wegen Corona wird der diesmal richtig tödlich.

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Wir wissen: Aus irgendwelchen Gründen hat die Mannschaft in der zurückliegenden Saison großartige Spiele gemacht, bevor sie neun Spiele nach dem Re-Start nahe an der Nichtleistung agierte. Wohlgemerkt mit denselben Akteuren auf allen Kanälen. Wir können nicht wissen, woran das lag. Wir sollten vermuten, dass es nicht allein an den leeren Stadien gelegen haben kann. Wir wissen ebenfalls, dass der 1. FC Köln sportlich keine großen Sprünge machen und dass er deshalb im allerbesten Fall auf der Stelle treten wird.

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Foto: imago images/Jan Huebner

Wir wissen ebenfalls (wenn auch viel mehr im Bereich der Vermutung qua Analogie-Schlüssen), dass es einer Reihe anderer Vereine nicht viel anders geht. Auch sie bewegen sich finanziell gebeutelt zäh im Transfergeschehen, auch sie sind potenzielle Wundertüten, die eher nach unten schauen müssen. Zum Casino hatten sie wie der FC ohnehin nie Zutritt. (Das Casino scheint derweil wiedereröffnet. Allerdings nur für die großen Fische im Teich. Jene Clubs in externem Besitz, die auch ohne Zuschauereinbußen weiterhin hohe Transfers tätigen können und das Spiel unbehelligt von Fans weitertreiben – allen Krokodilstränen zum Trotz.)

Was dürfen wir tun?

Noch weniger. Denn mehr „von außen betrachtet“ geht in Pandemie-Zeiten nicht. Die Fanbelange wurden und werden (ob beim FC oder anderswo) im besten Fall zur Kenntnis genommen. Wir können Stand heute nicht ins Stadion. Wir können unseren Verein weiterhin unterstützen, kritisieren und lieben und dazu die inzwischen zur Normalität verkommenen Geisterspiele live im Fernsehen schauen. Wir können gemäß der geltenden Vereinssatzung den einzigen Kandidaten für den Posten des Vizepräsidenten in einer Wahl bestätigen (wann auch immer). Das ist nicht viel, war aber selten mehr. Wie so oft lebt die Hoffnung.

„Wir können unseren Verein weiterhin unterstützen, kritisieren und lieben und dazu die inzwischen zur Normalität verkommenen Geisterspiele live im Fernsehen schauen. Wie so oft lebt die Hoffnung.“

Was können wir hoffen?

Sehr viel, eigentlich. Wir dürfen berechtigt hoffen, dass der FC sein bescheidenes, aber wichtiges Saisonziel, den Klassenerhalt, erreicht. Wir können ohne weiteres hoffen, dass der Kader, der in der letzten Saison die nötigen Punkte geholt hat, dies auch 20/21 schaffen wird. Wir dürfen auch die berechtigte Hoffnung haben, dass die Youngster, die sich in großer Zahl in den U-Mannschaften im Verein und ihren Junioren-Nationalmannschaften bewährt haben, auch weiterhin und neuerlich ihre positiven Akzente setzen können.

COLOGNE, GERMANY - AUGUST 18: Florian Kainz of Koeln kicks a corner during a friendly match between 1. FC Koeln and VfL Bochum at Franz-Kremer-Stadion on August 18, 2020 in Cologne, Germany. (Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Eine weitere Hoffnung, die bleibt, ist jene auf schnell wieder genesende Spieler – vor allem Anthony Modeste und Florian Kainz, die bei ihrem Comeback faktisch Neuzugänge wären. Nicht weniger muss uns die Hoffnung umtreiben, dass das Team um Markus Gisdol die Mannschaft stabilisieren konnte und dass da wirklich „was zusammengewachsen“ ist, wie der Trainer gespürt haben will. Und Wir sollten hoffen, dass die wabernden Unstimmigkeiten im Verein nicht auf die Lizenzspielabteilung und damit auf das Sichtbare durchschlagen.

Dann schwimm mal los, kleiner Fisch FC!

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