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Meinung

Schumacher und Ritterbach: Danke, aber es ist Zeit für einen Wechsel!

Markus Ritterbach und Toni Schumacher werden ab dem 8. September wahrscheinlich keine Vizepräsidenten des 1. FC Köln mehr sein. Eine Zusammenstellung erklärt, warum das vielleicht ganz gut so ist.

Toni Schumacher und Markus Ritterbach | Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

11.10.2017: Schumacher verkündet in einem Interview mit dem Express, dass das Verhältnis zwischen allen Verantwortlichen im Geißbockheim “in Ordnung” sei und der FC vielleicht im Winter einen Spieler wie Mark Uth kriegen könnte. Über die Transferphase sagte er: “Ich finde, wir haben genug gemacht. Mal abseits der hohen Transfersummen, für die die Spieler ja nichts können: Wir haben viele junge Leute geholt, großartige Talente.” Und Peter Stöger würde schon die richtigen Antworten auf die Krise finden.

26.11.2017: Auf Sky verkündet Schumacher, dass der FC um Horst Heldt als Sportdirektor werbe, weil man beim FC mitbekommen habe, dass zwischen Heldt und Martin Kind nicht alles rund liefe. Einige Tage zuvor strich Ex-Sportchef Schmadtke als Belohnung für seinen Abgang 3,3 Millionen Euro ein. Schumachers Live-Auftritt beendete nicht nur unfreiwillig die Gespräche mit Heldt, sondern fügte dem Klub auch einen Imageschaden zu.

07.12.2017: Nach einer 0:1-Niederlage in Belgrad trifft Schumacher in einer serbischen Kneipe auf Kölner Fans. Er gibt zum Besten, dass er wisse, wo alle wohnen und dass er, wenn er Probleme habe, zu jederzeit zu jedem im Raum gehen könne.

Für alles verantwortlich, aber an nichts schuld?

13.12.2017: Nach der Trennung von Jörg Schmadtke und Peter Stöger ist der FC Tabellenletzter. Inzwischen räumt Schumacher ein: “Es ist wie ein Albtraum oder wie in einem ganz schlechten Film. Dass wir innerhalb eines halben Jahres diese gute Ausgangssituation verspielen, ist unfassbar.” Zur Aufgabe des Präsidiums gehört es, die Arbeit der Geschäftsführung zu kontrollieren.

(INA FASSBENDER/AFP/Getty Images)

27.01.2018: Auf die Trennung von Peter Stöger angesprochen, erzählt Schumacher dem KSTA: “Nach der Trennung bin ich zu vielen Fanklubs gefahren. Und überall habe ich zu Beginn dieselbe Frage gestellt: Wer hätte Peter Stöger länger behalten, wer hätte sich früher von ihm getrennt und wer wäre mit ihm sogar in die Zweite Liga gegangen, falls das möglich gewesen wäre? Meist war ein Drittel der Anwesenden für jeweils eine der drei Möglichkeiten. Fazit: Du kannst es zwei Dritteln nie recht machen.” Zur Aufgabe des Präsidiums gehört es, die Arbeit der Geschäftsführung zu kontrollieren.

12.05.2018: Im General-Anzeiger äußert Schumacher, die Kritik am Präsidium des 1.FC Köln und insbesondere Werner Spinner begründe sich ausschließlich in Stadionverboten: “Hat Werner Spinner aus drei Metern am Tor vorbeigeschossen? Nein! Der Hintergrund ist: Wir waren im vergangenen Sommer gezwungen, Dutzende Stadionverbote auszusprechen, momentan haben wir mit die meisten in Deutschland. Das wollen die Gruppen, die es betrifft, dem Präsidenten heimzahlen.” Kritik, das sollte offenbar klar werden, kommt nur von den bösen Ultras und ist außerdem unberechtigt. Das war schon damals falsch, Schumacher aber egal. Auf den Vorwurf, das Präsidium hätte zwischen Schmadtke und Stöger früher intervenieren müssen, folgt eine Antwort, die so beginnt: “Da sind im Nachhinein viele ganz schön schlau.”

„Wir halten uns den Rest der Liga vom Hals“

29.07.2018: Auf der Saisoneröffnung trompetet Schumacher in Richtung anderen Vereine in der zweiten Liga: “Ich habe im Urlaub einige Hamburger getroffen und mit ihnen beschlossen, dass wir uns den Rest vom Hals halten.” Dieser Ansage folgt eine der holprigsten Spielzeiten der letzten Jahre. Und zwar nicht nur in sportlicher Hinsicht.

10.10.2018: Während der Mitgliederversammlung und der Wahl zum Mitgliederrat erlebt der Vorstand eine krachende Niederlage. Toni Schumacher redet sich dabei um Kopf, Kragen und Anstand. Während Stefan Müller-Römer seinen Bericht vortrug, zeigte Schumacher diesem die Pinocchio-Nase und machte per Hand die “Schwätzer”-Geste. Bei vielen Redebeiträgen hörte er nicht zu, warf aber einem Mitglied, das auf seine Verbindungen zum kicker-Redakteur Frank Lußem und dessen Parteiergreifung für Schumacher hinwies, vor, “eine Unverschämtheit” zu verbreiten. Zudem instrumentalisierte er die Herz-OP Werner Spinners und den Tod Moritz’ Ritterbachs, um brüllend “ein bisschen mehr Respekt” einzufordern. Ach ja: Während seiner Rede formt er seine Lippen plötzlich zu einem schwer verständlichen Wort, das viele als “Wi**er” interpretieren.

21.01.2019: Im Express zeigt sich Schumacher in Plauderlaune. Das Wichtigste: Dem Sportlichen solle alles untergeordnet werden, hinter den “Vorstand raus”-Bannern stünden „vielleicht 400 Leute” und die Meinungsfreiheit werde in der Südkurve nur zweifelhaft gewährleistet, weil ein “Wilde Horde raus”-Banner im Oberrang abgehängt wurde (Anm. d. Red.: Nach einem harmlosen Gespräch zwischen allen Beteiligten).

Wer lacht gern mit dem schwarzen Schaf?

04.03.2019: In einem Interview mit Frank Lußem, das am Rosenmontag erscheint, erzählt Schumacher aus seinem Leben. Lußem vermeidet das Stellen kritischer Fragen, etwa der, was Schumacher zum Frontalangriff Armin Vehs auf Werner Spinner nach dem Sieg gegen Ingolstadt zu sagen hätte. Mit Veh, der sich am Rosenmontag als schwarzes Schaf verkleidet, lässt sich Schumacher lachend fotografieren.

27.03.2019: Nachdem der Name Werner Wolf als künftiger Präsidentschaftskandidat in den Medien durchsickerte, schweigt Schumacher. Die Bild fragt: “Will der Mitgliederrat Toni etwa loswerden?” Und gibt die Antwort gleich selbst: “Es sieht danach aus. Anders ist der respektlose Umgang mit Leuten, die trotz Abstiegs seit fast sieben Jahren im Amt sind und für Rekord-Zahlen bei Umsatz und Mitgliedern gesorgt haben, kaum zu erklären. Wie BILD erfuhr, soll es noch kein konkretes Gespräch mit Schumacher und Ritterbach über die Vorstellungen ihrer FC-Zukunft gegeben haben.” Dass beide Vizepräsidenten dies gar nicht wollten, schien Bild egal zu sein.

„Wir haben die drei amtierenden Vorstandsmitglieder jeweils eingeladen, sich mit uns zusammenzusetzen.“

01.04.2019: Carsten Wettich, Vorsitzender des Mitgliederrats, teilt mit: “Wir haben die drei amtierenden Vorstandsmitglieder jeweils eingeladen, sich mit uns zusammenzusetzen. Diese haben jedoch uns gegenüber und bekannter Maßen auch öffentlich erklärt, die Kräfte für den Aufstieg bündeln und das Gespräch mit uns hintenan stellen zu wollen. Sie haben uns angekündigt, man werde auf uns zukommen.“ Wettich ergänzt: „Diese Entscheidung haben wir akzeptiert, den Vorstandsmitgliedern aber zugleich erklärt, dass wir diesen Zeitpunkt für zu spät halten und auch mit anderen Kandidaten sprechen werden. Die Gesprächseinladung der Findungskommission an die beiden derzeitigen Vizepräsidenten gilt selbstverständlich weiterhin und wir wünschen uns ein baldiges Treffen.” Nun ist auch öffentlich klar, dass Schumacher und Ritterbach nicht einmal versucht hatten, mit dem Mitgliederrat zu reden.

12.05.2019: Freudestrahlend verkündet Schumacher nach der 3:5-Niederlage im letzten Heimspiel gegen Regensburg, dass alle Sky-Zuschauer live dabei sein können, wenn das Handy klingelt. Denn dann würden alle erfahren, wer neuer effzeh-Trainer wird.

(Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

18.05.2019: Regisseur Alexander Wehrle filmt Toni Schumacher, wie dieser mit Sonnenhut zuhause erklärt, warum ein Ball noch im Spiel und nicht im Aus sei. Das solle Reiner Calmund, also der „Calli“, der bei Sky in der Spieltagsanalyse sitzt, dann dem Rest der Welt erklären.

Keine Sachargumente und eine Toni-Demo!

24.05.2019: Die Katze ist aus dem Sack, Ritterbach und Schumacher sind raus. Das erbost manche, darunter Frank Lußem. Im kicker ist zu lesen: “Dass mit Toni Schumacher der letzte Rest an Fußball-Kompetenz aus dem Vorstand verschwindet, muss man bedauern. In einer Zeit, in der fast jeder Verein sich die Erfahrung der ‚Alten‘ sichert, entledigt man sich in Köln dieser. Sehenden Auges, denn seit Tagen wird von den zukünftigen Bossen vermehrt darauf hingewiesen, dass man einen Klub wie den FC auch führen könne, ohne gegen den Ball getreten zu haben.”

27.07.2019: Im General-Anzeiger holt Schumacher zum Rundumschlag aus. “Keiner” sei zu ihm gekommen und hätte sich über seinen bevorstehenden Abgang gefreut, echte Sachargumente seien dazu nie genannt worden, ständig würde er beleidigt und er würde nicht nachtreten. Aber: Die aktuelle Auslegung der Satzung sei kritisch, der Mitgliederrat dürfe schließlich einfach so ein Team vorschlagen, sein Abschied würde emotional. Und erstmals gibt er zu, dass sich kein Dritter für eine Kampfkandidatur fand.

04.08.2019: “Fan-Demo für Toni Schumacher!” titelt die Bild. Aus ein paar “Toni”-Rufen, die längst nicht aus 50000 anwesenden Kehlen kamen, macht Bild Folgendes: “Tosender Applaus und wieder Toni-Rufe auf den Vorwiesen. Ein Schlag ins Gesicht von Müller-Römer, der als Ex-Mitgliederrats-Boss am anstehenden Schumacher-Ritterbach-Aus beteiligt ist. Mit versteinerter Miene verfolgte er das Geschehen. Schumacher dagegen rührte die Fan-Demo zu Tränen. Seine Schlussworte an die Anhänger hallten nach: ‘Ich werde Euch vermissen!’”

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29.08.2019: Auf WDR 2 beschwert sich Schumacher (ca. ab Minute 32) darüber, dass er und Markus Ritterbach ja gerne weitergemacht hätten, aber eigentlich auch nie eine Chance bei den Dreien aus der Findungskommission gehabt hätten. Er und Ritterbach wollten, so Schumacher, noch „ihre“ Projekte wie am Grüngürtel oder im Stadion vorantreiben. Außerdem hingen die ganzen „Vorstand raus“-Banner in der Südkurve nur, weil die Südkurve „ihre eigenen Ziele“ verfolge. Weiterhin erklärt Schumacher, sich ungerecht behandelt zu fühlen. Der Umsatz sei ja zwischendurch von 53 Millionen auf 187 Millionen angestiegen. Das seien „Zahlen, die für sich sprechen“, das man nicht einfach wegwischen könne. Das gilt zwar auch für den Abstieg 2018, aber auf den wird Schumacher von den Journalisten nicht angesprochen.

06.09.2019: In einem „Abschiedsinterview“ mit dem KSTA gibt Schumacher zu Protokoll: “ Da kennen Sie mich aber schlecht. Ich kenne keinen Neid und keine Häme.“ Das letzte halbe Jahr mit Stefan Müller-Römer im Präsidium sei zudem „nicht vergnügungssteuerpflichtig“ gewesen. Dem designierten Präsidenten Werner Wolf warf er außerdem folgendermaßen vor, die Unwahrheit zu sagen: „Wir sind danach so auseinandergegangen, dass er sich nach meinem Australien-Urlaub bei mir meldet. – Herr Wolf sagt genau das Gegenteil. Nämlich, dass Sie sich trotz der Vereinbarung nicht bei ihm gemeldet haben. Das ergibt doch keinen Sinn. Herr Wolf ist der designierte Präsident, er hat das Recht, sich ein Konzept zur Zusammenarbeit zu überlegen und mir anzubieten, sofern er es möchte – ich laufe ihm doch nicht hinterher und nerve. Meine Nummer hat sich auch nicht geändert. – Die Bewertung ist ja recht einfach: Einer sagt die Unwahrheit. – Ich bin vor vielen Jahren beim FC und DFB rausgeflogen, weil ich die Wahrheit geschrieben habe. Er hat sich nicht gemeldet, damit ist das Thema durch. Ist das so spannend, dass wir das alles wiederkäuen müssen, statt über unsere Vorstandsarbeit seit 2012 zu sprechen?“

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