Folge uns
.

Meinung

Podolski-Rückkehr geplatzt: Der 1. FC Köln schuldet seinen Fans eine Erklärung

Lukas Podolski wird als Spieler nicht mehr nach Müngersdorf zurückkehren, dabei hätte der 1. FC Köln von einer Verpflichtung profitieren können. Doch ausgerechnet bei der Identifikationsfigur schlechthin scheint die Vereinsführung keine nachvollziehbare Linie zu finden.

Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Es ist die immer währende Geschichte rund um den 1. FC Köln: Seit seinem Abgang im Jahr 2012 wurde Lukas Podolski immer wieder mit einer möglichen Rückkehr zu seinem Herzensverein in Verbindung gebracht. Und auch jetzt, nachdem sein Vertrag bei seinem Ex-Verein Vissel Kobe ausläuft und nicht verlängert wird, hofften (und beteten) nicht wenige FC-Fans, dass es doch dieses Mal endlich so sein und der größte Fan und Botschafter des FC endlich auch wieder das Trikot überstreifen würde. Doch daraus wird wohl auch im Jahr 2020 nichts: Der kölsche Weltmeister wird sich Antalyaspor in der Türkei anschließen und mit seinen dann bald 35 Jahren wohl nicht mehr als Spieler nach Müngersdorf zurückkehren.

Nachdem der aktuelle Vorstand des 1. FC Köln in der Vergangenheit immer wieder betont hatte, das Aushängeschild in die Vereinsarbeit einbinden zu wollen, wird Podolski die nächsten anderthalb Jahre am Mittelmeer auf Torejagd gehen. Aus rein sportlicher Sicht wäre ein Vertrag in Köln auch fraglich gewesen, weil der FC gerade mit Mark Uth einen Spieler für die nächsten sechs Monate verpflichtet hat, der ein ähnliches Profil mitbringt wie Podolski. Doch aus dem Umfeld des weitgereisten ehemaligen Nationalspielers war zu hören, dass „Poldi“ durchaus bereit gewesen wäre, eine untergeordnete sportliche Rolle zu akzeptieren – und nebenbei sein Gehalt deutlich zu reduzieren. Ebenfalls stand im Raum, dass er Teile seines Gehalts an die FC-Stiftung und -Jugendabteilung weitergeben wollte, um seinen Traum von einer Rückkehr nach Müngersdorf zu realisieren.

Bei Podolski scheut man das „Kölsche Jungs“-Gefühl

Wie so oft im Fußball treffen damit das Emotionale und das Rationale unmittelbar aufeinander: Ein ehemaliger Spieler kehrt nach langen Jahren zu seinem Ausbildungsverein zurück, nachdem er im Ausland wertvolle Erfahrungen gesammelt hat. Er spendet einen ordentlichen Teil seines Gehalts, nur um noch einmal vor seinen Fans spielen zu dürfen. Das ist eine Geschichte, die fast Hollywood-reifes Potenzial gehabt hätte. Zeitgleich zu seiner Tätigkeit als Standby-Profi hätte Podolski beim Verein die Chance wahrnehmen können, in verschiedene Bereiche hineinzuschauen und sich auf die Zeit nach der aktiven Karriere vorzubereiten.

Auch interessant
Vierter Sieg in Folge: Cordoba überragt beim 1. FC Köln

Im Dezember schrieben wir zu der Frage, ob Podolski beim FC nochmal eine Zukunft haben würde: „Für die Generation DSF ist er die Identifikationsfigur schlechthin, der Weltmeister-Titel 2014 und seine zahlreichen Länderspiele und -tore verankerten ihn zudem im Gedächtnis aller Fußballfans. Emotional betrachtet gäbe es wenig, was das Müngersdorfer Stadion derartig in Wallung bringen würde wie die Tatsache, bei einer Mannschaftsaufstellung Podolskis Namen rufen zu dürfen. So viel zur emotionalen Seite der Debatte. Aus rationaler Sicht hingegen sind andere Aspekte wichtig: Der 1. FC Köln muss es endlich schaffen, von den Personaldebatten um einzelne Figuren zu lösen. Nur, weil jemand in der Vergangenheit gute Leistungen für den FC gebracht hat, heißt das noch lange nicht, dass eine erneute Verpflichtung sinnvoll wäre.“

Foto: PATRIK STOLLARZ/AFP/Getty Images

Gerade letzteres ist ein Argument, das gerne gegen eine Rückkehr von Lukas Podolski als Spieler ins Feld geführt wird. Bei den Vertragsverlängerungen von Timo Horn, Marco Höger und Marcel Risse scheute man sich beim 1. FC Köln allerdings genauso wenig, das „Kölsche Jungs“-Gefühl zu bedienen, wie nun bei der Rückkehr von Mark Uth. Bei Podolski scheint man derweil ungleich sachlicher unterwegs zu sein – und das obwohl auch Marcel Risse ein Spieler ist, der sportlich keine Riesenrolle im Team mehr einnimmt.

Keine nachvollziehbare Linie der Vereinsführung

Doch auch sportlich hätte eine Rückkehr von Podolski ihre Vorteile haben können: Da der 1. FC Köln im Winter Louis Schaub abgab und Mark Uth dem Vernehmen ohne Kaufoption in Köln landete, steht der FC im Sommer höchstwahrscheinlich vor der Aufgabe, die Position der hängenden Spitze neu zu besetzen. Der Möglichkeit, Podolski diese Rolle einnehmen zu lassen, hat man sich beraubt – wenngleich der Routinier sie vermutlich nicht dauerhaft über die volle Spielzeit jede Woche hätte ausfüllen können. Während der frühere Arsenal-Spieler gegenüber dem Express betonte, dass die Gespräche mit Horst Heldt durchaus angenehm gewesen seien, scheint der Gesprächsfaden mit dem FC-Vorstand über eine mögliche Einbindung des Linksfußes abgerissen.

Auch interessant
Transferticker 2019/2020: Leistner nach Köln - diverse Abgänge zeichnen sich ab

Was bedeutet das nun unter dem Strich? Man hätte bei einer Verpflichtung von Lukas Podolski durchaus ein paar Bauchschmerzen haben können, keine Frage. Da der Publikumsliebling allerdings offenbar zu erheblichen finanziellen Abstrichen bereit gewesen wäre, hätte eine weitere Zusammenarbeit unterm Strich mehr Vor- als Nachteile geboten: Der FC hätte seinen Umsatz durch Trikotverkäufe steigern können, eine Identifikationsfigur mit internationaler Marketing-Strahlkraft hinzugewonnen und für die letzte halbe Stunde auf dem Platz einen Routinier mit einem immer noch brandgefährlichen linken Fuß zur Verfügung gehabt. Selbst wenn bei Podolski also nur für eine Joker-Rolle Platz gewesen wäre, scheinen die Rahmenbedingungen keine überzeugende Erklärung für diese Entscheidung zu bieten. Natürlich ist es kein Weltuntergang, dass Lukas Podolski nun nicht zurückkehrt. Eine nachvollziehbare Linie ist bei der Kölner Vereinsführung aber auch in Causa Podolski mal wieder nicht zu erkennen. Der FC-Vorstand schuldet den Fans eine Erklärung. Und die sollte besser überzeugen.

 

Mehr aus Meinung

.