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Analyse

Vierter Sieg in Folge: Cordoba überragt beim 1. FC Köln

Ein wenig Glück zu Spielbeginn, ein beherzter Auftritt danach und ein überragender Kolumbianer im Sturm – mit dem 3:1 gegen Wolfsburg knackt der 1. FC Köln die 20-Punkte-Marke.

Foto: Jörg Schüler/Bongarts/Getty Images

Dem 1. FC Köln ist ein ganz besonderes Kunststück gelungen: Zum ersten Mal seit fast 20 Jahren gelingen vier Bundesliga-Siege in Serie. Seit der ernüchternden Niederlage bei Union Berlin fuhr der FC gegen Leverkusen, Frankfurt, Bremen und Wolfsburg die volle Punkteausbeute ein. Mit nunmehr 20 Punkten hat der Bundesligaaufsteiger erstmals in dieser Saison einen Punkteschnitt von mehr als 1 pro Spiel, nach 18 Spielen weist die Bilanz nun die Hälfte der notwendigen Punktzahl für den Klassenerhalt auf. Vor den Duellen gegen Dortmund, Freiburg, Mönchengladbach und Bayern München hat sich die Mannschaft von Trainer Markus Gisdol gar ein kleines Polster von 5 Punkten auf den ersten direkten Abstiegsplatz aufgebaut.

Was allerdings viel wichtiger ist als alles Mathematische: Der FC ist in allen Spielphasen deutlich stabiler als in weiten Strecken der bisherigen Saison. Ebenfalls hilfreich: Wie schon in den vorherigen Partien profitiert das Team um Kapitän Jonas Hector in den nötigen Momenten vom Spielglück – entweder scheitern gegnerische Angreifer aus aussichtsreicher Position oder der deutlich formverbesserte Timo Horn rettet als letzte Instanz vor einem fast sicheren Gegentor. So war es auch zu Beginn des Jahres 2020 anlässlich des 18. Spieltags in der Bundesliga, an dem der FC den VfL Wolfsburg empfing. Markus Gisdol setzte dabei auf eine Veränderung in der Startelf: Neuzugang Mark Uth ersetzte Dominick Drexler, der in den vergangenen anderthalb Jahren eigentlich uneingeschränkter Stammspieler und bestimmender Spielgestalter in der Offensive war.

Uth für Drexler – und der Neuzugang liefert gleich

Uth hatte in dieser Saison bisher beim FC Schalke wenig auf sich aufmerksam gemacht und zudem noch unter einer Verletzung gelitten – Drexler war beim FC eine der wenigen Konstanten. Von daher war es schon mutig, dass Gisdol auf den einmaligen deutschen Nationalspieler setzte. Uth agierte als hängende Spitze hinter Jhon Cordoba, wich viel auf die Außen und nach hinten aus und war gleich für die Standardsituationen verantwortlich. Ansonsten vertraute Gisdol speziell auf den Außenbahnen den jungen Spielern Jan Thielmann, Noah Katterbach und Ismail Jakobs – alle drei hatten in den Spielen vor der Winterpause mit starken Leistungen von sich reden machen. Mit dem Startelfeinsatz gegen die „Wölfe“ haben sie ihre Position vorerst behauptet.

Foto: Jörg Schüler/Bongarts/Getty Images

Dass das Spiel für den FC am Ende einen solchen positiven Verlauf nehmen würde, war allerdings zu Beginn der Partie nicht abzusehen. Wolfsburg hatte in den ersten zwei Minuten drei (!) Abschlussgelegenheiten, schaffte es aber nicht, die Führung zu erzielen. Gleich zu Spielbeginn verschob der FC extrem nach links, sodass die eigene rechte Abwehrseite verwaist war und Wolfsburgs Linksverteidiger Roussillon flanken konnte – Weghorst setzte den Kopfball jedoch über das Tor. Kurz darauf kam Brekalo ebenfalls im Sechzehner zum Abschluss. In der darauffolgenden Szene zeigte sich, dass die Stärken der Gäste (ähnlich wie beim zweiten Gegentor im Hinspiel) in den Umschaltsituationen liegen – Schlager setzte Weghorst mit einem gut getimten Pass ein, der Niederländer scheiterte aber an Kölns Keeper Timo Horn, der lange stehen blieb und den Ball abwehrte.

Wolfsburg hätte in Führung gehen müssen

Durch das intensive Mittelfeldpressing, das der FC über weite Strecken der Partie stabil anwendete, konnten eben solche Szenen weitestgehend verhindert werden – bis auf das Anschlusstor zum späteren 1:3, als Brekalo durch ein gutes Dribbling auf die Kölner Viererkette zulaufen und den eingewechselten Renato Steffen bediente. Der Schweizer konnte Horn dann im Eins-gegen-Eins überwinden. Zu Beginn der zweiten Halbzeit scheiterte auch Ginczek in einer solchen Szene an Horn. Nach drei Minuten hatte Wolfsburg insgesamt schon einen xG-Wert von 0,93 – der FC konnte von Glück reden, nicht in Rückstand geraten zu sein. Nach acht Minuten setzte sich Mbabu auf der rechten Seite gegen Katterbach und Rafael Czichos durch, sein Querpass konnte gerade noch so verteidigt werden.

Mit zunehmender Spieldauer fanden dann aber auch die Kölner ins Spiel: Gegenpressing-Aktionen verliefen positiv, auch gute eröffnende Pässe aus der Abwehr (speziell von Rafael Czichos) halfen dabei, dass der Bundesliga-Aufsteiger einen Fuß in die Tür dieser Partie bekam. Der linke Innenverteidiger des 1. FC Köln war für den Spielaufbau verantwortlich und sollte am Ende der Partie die meisten Ballkontakte (69) gesammelt haben. In der Kategorie der meisten Pässe lag er zusammen mit Katterbach mit 51 ebenfalls vorne. War der FC in Ballbesitz, zeigte sich, dass die Bewegungen von Skhiri und Hector im defensiven Mittelfeld schon deutlich besser aneinander angepasst waren als noch vor der Winterpause – entscheidend dabei ist, dass nicht beide gleichzeitig in die Tiefe gehen oder sich fallen lassen. Als Verbindungsspieler nach vorne kommt ihnen eine entscheidende Bedeutung zu – auch wenn gegen Wolfsburg noch nicht alles funktionierte.

Jhon Cordoba: Kölns Ein-Mann-Armee

Zu häufig standen vier Kölner auf der letzten Linie, sodass gerade Sebastiaan Bornauw immer wieder auch lange Bälle spielte. Mit Jhon Cordoba besaß der FC in diesem Spiel aber einen entscheidenden Faktor, der sechs Kopfballduelle gewann. Auch drei defensive Klärungsaktionen und 20 erfolgreiche Pässe und Ablagen standen für den Kolumbianer zu Buche. In den direkten Duellen gegen Wolfsburgs Innenverteidiger Brooks und Tisserand war der Kölner Stürmer deutlich überlegen – insgesamt sechs Mal konnten die Wolfsburger ihn nur durch ein Foul stoppen. Und von seinen beiden Toren war hier noch gar nicht die Rede. Insgesamt war es eine absolute Man-of-the-Match-Performance des 17-Millionen-Euro-Zugans aus dem Jahr 2017.

Foto: Jörg Schüler/Bongarts/Getty Images

Das erste fiel in eine Phase hinein, in der es dem FC gelang, das Publikum immer weiter zu emotionalisieren: Kleine Aktionen wie ein gewonnener Zweikampf von Jakobs per Grätsche im Gegenpressing und das direkte Nachsetzen (der berühmte Gisdolsche Chaos-Fußball) erzwangen einen Freistoß auf der halblinken Seite. Neuzugang Uth spielte ihn in die Mitte, wo Cordoba per Kopf das 1:0 erzielte (22.). Wenig später setzte Bornauw nach einem Ballgewinn über die rechte Seite zu einem Sprint an, der in einer Ecke mündete – spätestens jetzt war das Publikum in Müngersdorf komplett da. Bornauw per Kopf und Uth hatten danach ebenfalls aussichtsreiche Gelegenheiten, auch Hector scheiterte zweimal. Auf der Gegenseite profitierte Schlager von einem Katterbach-Fehlpass, konnte daraus aber kein Kapital schlagen.

Steffen vergibt die Chance zum 2:3 – 1. FC Köln übersteht Schlussphase

Nachdem Cordoba nach einem Steilpass noch von der Wolfsburger Abwehr gestoppt werden konnte, schoss er vor der Pause trotzdem noch sein zweites Tor: das hohe Anlaufen stresste Wolfsburgs Verteidiger Tisserand, der Skhiri den Ball nach einem Abstoß in die Füße spielte. Der Tunesier bleib cool – anstatt abzuziehen, bediente er den Kolumbianer, der Casteels mit links zum 2:0 überwand. Wolfsburg versuchte nach der Pause, seine Offensivbemühungen zu intensivieren – und hätte durch Ginczek verkürzen können (51.). Wenig später kam mit Renato Steffen ein anderer Spielertyp für die Offensive, der sich gleich gut einfügte und nach einer Konteraktion das 1:3 erzielte (66.). Zuvor allerdings erhöhte der FC erneut nach einer Standardsituation auf 3:0 – Czichos hatte die Ecke mit einem beherzten Lauf herausgeholt. Uth brachte den Ball herein, Czichos verlängerte und am zweiten Pfosten beckerhechtete Hector den Ball ins Tor.

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Der Knackpunkt der Partie war dann die 69. Minute, in der erneut eine Roussillon-Flanke aus dem Halbfeld für Gefahr sorgte. Steffen jagte den Ball jedoch über das Tor und vergab damit die beste Gelegenheit, um das Spiel doch noch einmal enger werden zu lassen. Den Rest des Spiels überstanden die Kölner unbeschadet – und am Ende stand der vierte Sieg in Serie. Die Mentalitätsprüfung, gegen einen Gegner mit hoher individueller Qualität zu bestehen, gelang der jungen Mannschaft also auch.

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