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Meinung

Offener Brief des 1. FC Köln an Ultra-Szene: Literweise Öl ins Feuer

Der 1. FC Köln fordert seine Ultra-Gruppen dazu auf, zum Dialog zurückzukehren und befeuert gleichzeitig die Auseinandersetzung. Es ist ein Konflikt, der schon lange brodelt, und nun auch dank des Zutuns der Vereinsführung endgültig zu eskalieren droht. 

Kritik Spinner Spruchband Südkurve Verein vereinen

Der 1. FC Köln fordert seine Ultra-Gruppen dazu auf, zum Dialog zurückzukehren und befeuert gleichzeitig die Auseinandersetzung. Es ist ein Konflikt, der schon lange brodelt, und nun auch dank des Zutuns der Vereinsführung endgültig zu eskalieren droht. 

An Aschermittwoch haben viele Menschen Kopfschmerzen. Das war auch in diesem Jahr so wie in all den Jahren zuvor. Doch während das mittwöchliche Übel traditionell dem sechstägigem Ausnahmezustand beim Karneval in der Stadt geschuldet ist, dürfte diesmal auch der 1. FC Köln bei einigen seiner Anhänger zumindest zusätzlich für Kopfschütteln, ja, vielleicht aber auch leichte Schmerzen, gesorgt haben.

Ungeachtet der sportlichen Situation entschieden sich die Verantwortlichen am Geißbockheim dazu, mit einem Offenen Brief die eigenen Anhänger zu attackieren. Genauer gesagt: Teile der eigenen Ultras. Der Verein fordert die aktiven Fans zwar zu Beginn und am Ende der Ausführungen zur einer Rückkehr zum Dialog auf, macht diesen Schritt aber gleichzeitig mit dem Inhalt dazwischen nahezu unmöglich.

Befremdliche Namensnennung von Ultra-Vertretern

Dass sich Kölner Vorstand samt Geschäftsführung und Aufsichtsrat ernsthaft dazu entschieden haben, einzelne Vertreter des kritischen „Südkurve 1. FC Köln e.V.“ mit Klarnamen zu benennen und ihnen vorzuwerfen, „Meinungsmacher der Ultra-Szene“ zu sein, ist da nur ein befremdliches Beispiel. Natürlich haben die Vorsitzenden eines Vereins, in dem sich unter anderem die Ultra-Gruppen organisiert haben, auch die Meinung der Szene, die sie vertreten. Die Nennung der Namen, die übrigens durchaus Konsequenzen im Privatleben für die als „Ultra-Meinungsmacher“ gebrandmarkten Personen zur Folge haben könnte, erfolgt ohne nachvollziehbaren Grund. Schon daran wird allerdings das eigentliche Problem am Vorgehen des Vereins deutlich.

Der 1. FC Köln beschränkt sich bei der Abrechnung mit den eigenen Anhängern nämlich keineswegs auf die tatsächlichen Verfehlungen und einem Aufruf zum Dialog, sondern nutzt die Gelegenheit prompt zur populistischen Stimmungsmache.

Foto: Lukas Schulze/Bongarts/Getty Images

Dabei ist Kritik an der Täuschung bei der Geburtstags-Choreografie der „Wilden Horde“ im Dezember 2016, dem Pyrotechnik-Exzess in Belgrad und die mangelnde Aufarbeitung danach oder an den wiederholten Beleidigungen gegen Dietmar Hopp berechtigt, wurde zu den damaligen Zeitpunkten ausführlich vorgetragen und hätte auch jetzt wohl zu breiter Zustimmung geführt. Denn klar ist: Natürlich hat die aktive Fanszene Fehler gemacht und ist für den Konflikt mit dem Club mitverantwortlich. Einige Kritikpunkte treffen also absolut zu. Die Verantwortlichen belassen es allerdings nicht dabei, sondern gehen nun einen großen Schritt weiter.

China, Stadion, Investor – für den Verein lediglich Ultra-Themen

„Inhalt der Kampagne von Teilen der Ultras gegen den Vorstand sind wiederholte und massive Vorwürfe zu vereinspolitischen Themen“, heißt es da vom 1. FC Köln. Grundsätzlich sehe man sich durch die von „Südkurve 1. FC Köln e.V.“ geäußerte Kritik und die gleichzeitige Weigerung zum Dialog gezwungen, öffentlich Stellung zu beziehen. Interessant in diesem Kontext: Der „Südkurve 1. FC Köln e.V.“ ist nach wie vor in der AG Fankultur vertreten, es sind andere Gruppen, die dort nicht mehr auftauchen. „Teile der FC-Ultras haben die erste sportliche Krise seit Jahren genutzt, um gegen den Vorstand mobilzumachen“, lautet weiter die offene Anschuldigung des Vereins. „Und zwar nicht wegen der sportlichen Krise, sondern mit rein politischen und Ultra-spezifischen Themen.“

>>> Offener Brief: „Das Verständnis ist aufgebraucht“

Die Orientierung nach China, ein möglicher Stadionneubau an neuem Standort und potenzielle Investoren beim 1. FC Köln, das sind die drei prominenten, nicht Ultra-spezifischen Kritikpunkte – und alle wurden in die Attacke auf die Ultras mit eingewoben. Alle wurden allerdings auch schon weit vor dem sportlichen Abstieg im Sommer vorgetragen – auch von effzeh.com. Und genau hier zeigt sich deutlich sichtbar einer der Gründe, warum die Kritik an der Kölner Vereinsführung seit dem letzten Sommer stetig lauter geworden ist: Ignoranz.

Wie bereits in den letzten Monaten, scheint man am Geißbockheim offensichtlich an der Strategie festzuhalten, nahezu alle akuten Kritikpunkte, denen sich die Club-Führung konfrontiert sieht, als trotzige Klientelpolitik aus unlauteren Motiven mit Ultras in Verbindung bringen zu wollen. So auch am Mittwoch. Dementsprechend viele Mitglieder fühlen sich nun mit dem Offenen Brief in einen Topf mit den Ultras geworfen und nicht ernst genommen. In der Sprachregelung des Clubs ist in Bezug auf Kritiker – ob nun Ultras oder Normalos – passend dazu stets nur von einer „kleinen Gruppe“ die Rede. Das Problem: Das stimmt so nicht.

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