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Meinung

Neubesetzung der Gremien beim 1. FC Köln: Ein Schritt in die richtige Richtung

Mit der Neubesetzung des Aufsichts- und des Beirats setzt der neue Vorstand ein Zeichen für die Zukunft. Die neuen Namen erwecken einen positiven Eindruck. Eine wichtige Klarstellung traf das Präsidium ebenfalls: Der Mitgliederrat ist das einzige Aufsichtsgremium und beaufsichtigt den Vorstand in allen Angelegenheiten – auch denen der Profiabteilung.

COLOGNE, GERMANY - SEPTEMBER 14: Cologne fans show their support during the Bundesliga match between 1. FC Koeln and Borussia Moenchengladbach at RheinEnergieStadion on September 14, 2019 in Cologne, Germany. (Photo by Jörg Schüler/Bongarts/Getty Images)
Foto: Jörg Schüler/Bongarts/Getty Images

Rund vier Wochen nach seiner Wahl besetzt das Präsidium zwei Gremien neu. Sowohl im Beirat des Vereins als auch im Aufsichtsrat der KGaA tauschten Werner Wolf, Jürgen Sieger und Eckhard Sauren den Großteil der Mitglieder aus. Ihre Änderungen beschränken sich nicht nur auf die Personen, sondern auch auf die Anzahl der Gremienmitglieder.

Der Aufsichtsrat wird so aufgestellt, wie er sein soll

Das beginnt beim Aufsichtsrat der KGaA: Denn im Gremium, das die Geschäftsführer Alexander Wehrle und Armin Veh beaufsichtigen soll, wird runderneuert und von sechs auf vier Plätze verkleinert. Der Vorstand sitzt zukünftig selbst in diesem Gremium, wie dies in der normalen Wirtschaft üblich ist. Damit scheiden die bisherigen Mitglieder aus. Das sind Britta Heidemann, Jörg Jakobs, Jörg Heyer und Peter Norbert Albrecht. Rewe-Vorstandschef Lionel Souque und Philipp Koecke müssen das Gremium ebenfalls verlassen, wechseln aber in den Beirat.

Den Aufsichtsratsvorsitz übernimmt der im Herbst 2018 aus dem Aufsichtsrat abberufene Immobilienfachmann Jörn Stobbe. In dieser Funktion wird er auch demnächst im Gemeinsamen Ausschuss des Vereins aktiv sein. Das Präsidium holte ihn also zurück – und wird die übrigen drei Plätze im Gremium selbst wahrnehmen. Das ergibt Sinn, da der Vorstand schon laut Satzung die Geschäftsführung der KGaA über seine Stellung als alleiniger Gesellschafter bestellt und abberuft. Es ist also nur konsequent, wenn er sie im Aufsichtsrat nun auch unmittelbar und formal kontrolliert.

Anthony Modeste Armin Veh Alex Wehrle

Wehrle, Modeste und Veh |Foto: 1. FC Köln

Dieser Schritt ist nicht nur wegen der Geschehnisse seit dem Sommer 2017 überfällig. Der Vorstand stärkt die Bedeutung des Vereins in den Angelegenheiten der KGaA erheblich. Er signalisiert den Mitgliedern damit, dass er die Fehler seiner Vorgänger vermeiden will. Zugleich schickt er ein klares Signal an die Geschäftsführer Alexander Wehrle und Armin Veh: „Wir schauen genauer hin.“

Während beide vom alten Präsidium wenig kritisch beäugt und mit großzügigen Verträgen ausgestattet wurden, scheinen Wolf, Sieger und Sauren künftig nicht nur ihre Arbeit loben, sondern sie auch prüfen zu wollen. Ungemütlich wird es für Wehrle und Veh nun allerdings auch nicht: Erweisen sie sich als Teamplayer, sollten sie in ihrer Rolle keine Probleme bekommen.

Souque sitzt dem Beirat vor

Beide werden im nächsten Gemeinsamen Ausschuss aber erneut auf Lionel Souque treffen: Der Rewe-Vorstandschef wechselt in den Beirat und wird dort den Vorsitz übernehmen, nachdem Karl-Ludwig Kley ausgeschieden ist. Neben dem bisherigen Aufsichtsratsmitglied Philipp Koecke trifft er dort auf die wieder berufenen Mitglieder Klaus Behrenbeck (McKinsey), Klaus Dohle (Dohle Handelsgruppe), Dieter Morszeck (Unternehmer), Dieter Steinkamp (RheinEnergie), Ulrich Voigt (Sparkasse Köln/Bonn) und Alexander Wüerst (Kreissparkasse Köln). Karl-Ludwig Kley, der verschiedenen Vereinsgremien seit 2005 angehörte, verlässt das Gremium auf eigenen Wunsch. Mit Christian Schmalzl (Ströer) ergänzt nur ein „Neuer“ das Gremium.

Ob der Rest des alten Beirats gerne weitergemacht hätte, ist unbekannt. Aber die Liste der Ausgeschiedenen ist lang – und sie enthält einige prominente Namen: Neben Urgesteinen wie Josef Sanktjohanser verloren fast alle hauptberuflichen Politiker ihr Mandat, darunter Ex-Kanzlerkandidat Martin Schulz und Wolfgang Bosbach. Nur Oberbürgermeisterin Henriette Reker wurde erneut in den Beirat berufen.

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Auch hier entschied sich der Vorstand für einen klaren Schnitt. Der Beirat soll nicht länger ein Sammelbecken für Prominente, Altgediente und Würdenträger sein. Dafür spricht schon die Formulierung, die der effzeh in der Pressemitteilung wählte: „Primäres Ziel ist eine Verschlankung des Gremiums“. Der Vorstand macht deutlich, dass er andere, höhere Maßstäbe an die neue Besetzung anlegt als an die alte. Und die Aussage „Der Vorstand wird in Ruhe entscheiden, ob er noch weitere Personen in den Beirat berufen wird“ heißt im Klartext: Der alte Beirat war am Ende zu aufgebläht und unproduktiv, was offensichtlich nicht als förderlich erachtet wurde.

Die Mitglieder gewinnen an Bedeutung

Stefan Müller-Römer ist wieder Teil des Mitgliederrats | Foto: 1. FC Köln

Zu den Gewinnern dieser Umstrukturierung zählen die Vereinsmitglieder. Ihr neu gewähltes Präsidium setzt den Auftrag und Wunsch nach stärkerem Einfluss der Mitgliedschaft in die Tat um. Das zeigt einerseits die Neubesetzung des Aufsichtsrats, andererseits aber auch die Auffassung zum Aufgabenbereich des Mitgliederrats. Wo sich der alte Vorstand noch ein jahrelanges Kompetenzgerangel mit dem Gremium lieferte, bezog Vizepräsident Jürgen Sieger eindeutig Stellung: „Der Mitgliederrat stellt das Aufsichtsorgan im Verein dar und überwacht den Vorstand in allen seinen Funktionen.“ Also auch – und das ist das Entscheidende – bezüglich der KGaA mit den Geschäftsführern der Profiabteilung.

Trotzdem müssen auch die neuen Gremien sich erst noch beweisen. Schließlich bedeutet eine sinnvolle Gremienbesetzung noch keinen Erfolg. Viel wird von der (sportlichen) Leistung abhängen, die die KGaA abliefert. Aber an dieser Stellschraube dreht der Vorstand nun. Wie weit er den Verein noch entstauben wird, welches Ergebnis dabei herausspringt, all das wird die Zeit zeigen. Und die Mitglieder werden es bewerten. Dazu sind sie nun eher in der Lage als zuvor. Die Maßnahmen des Vorstands sind daher ein Schritt in die richtige Richtung.

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Willibert Esser

    8. Oktober 2019 an 17:46

    Jetzt haben sie das was sie wollten das alleinige Bestimmungsrecht und die Mietglieder schauen wieder in die Röhr e.

    • Avatar

      Mo

      10. Oktober 2019 an 16:06

      @WillibertEsser Ihrer Antwort ist zu entnehmen, dass der Vorstand jetzt machen könnte was er wolle. Das ist falsch. Dafür gibt es den Mitglieder Rat, der jetzt auch die notwendige Funktion hat. Im übrigen ist das Präsidium ja von den Mitgliedern gewählt worden. Die Maßnahmen würde vor der Wahl bereits kommuniziert. In sofern haben sie natürlich “alleiniges Bestimmungsrecht” aber wofür nutzen sie es? Na um die Vorstellungen der Mitglieder umzusetzen. Für weitere Infos können sie auch nach “representative Demokratie” googeln.
      Viele Grüße

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