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Analyse

Nach 6:0-Erfolg gegen Altglienicke: Wo steht der 1. FC Köln wirklich?

Der 1. FC Köln hat die Pflichtaufgabe gegen Altglienicke erfüllt. Durch die Verletzung von Ismail Jakobs und den wahrscheinlichen Weggang von Jhon Cordoba sind die Fragezeichen aber nicht kleiner geworden.

Foto: Christof Koepsel/Getty Images

Die Generalprobe für den 1. FC Köln ist mit dem am Ende deutlichen 6:0-Erfolg gegen die VSG Altglienicke geglückt: Der FC steht in der zweiten Runde des DFB-Pokals und hat damit seine Pflicht erfüllt. Eine Woche vor dem Saisonauftakt in der Bundesliga gegen die TSG Hoffenheim liegt aber immer noch jede Menge Arbeit vor Markus Gisdol und Horst Heldt. Denn was lange Zeit zu erwarten gewesen war, ist nun eingetreten: Jhon Cordoba wird in der anstehenden Saison kein Spieler des 1. FC Köln mehr sein. Der Kolumbianer ist derzeit im letzten Jahr seines Vertrags, der chronisch klamme FC muss dringend Transfererlöse erzielen und hofft auf mehr als 15 Millionen Euro.

Vor der Partie gegen Altglienicke war Cordoba nun an Markus Gisdol herangetreten und hatte ihm signalisiert, dass er wegen laufender Verhandlungen nicht spielen wolle, um keine Verletzung zu riskieren. Ganz egal, wann sich der Transfer nun vollziehen wird: Der FC geht nun mit einer gehörigen Hypothek in die neue Saison. Obwohl in der kommenden Woche wohl auch Neuverpflichtungen am Geißbockheim aufschlagen werden, ist der Blick auf die Offensive der „Geißböcke“ derzeit mehr als beunruhigend. Anthony Modeste verpasste mehr oder weniger während der ganzen Vorbereitung das Mannschaftstraining und ist daher aktuell keine Option. Nach dem Weggang von Simon Terodde hat Markus Gisdol derzeit also gar keinen Zentrumsstürmer im Kader.

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Eine etwas improvisiert wirkende Aufstellung

Und auch wenn von den kolportierten Namen Robin Hack, Marco Richter, Silvère Ganvoula und Ondrej Duda einer oder gleich mehrere in den kommenden Tagen beim 1. FC Köln unterschreiben, ist man von einer eingespielten Offensive weit entfernt. Denn mit Ismail Jakobs fehlt die nächste Stütze wegen einer Muskelverletzung wahrscheinlich ebenso in den nächsten Wochen, Florian Kainz fällt ohnehin vermutlich die gesamte Hinrunde aus. Der FC hat ein Offensivproblem.

Foto: Christof Koepsel/Getty Images

Darüber sollten auch die sechs Tore gegen den Regionalligisten aus Berlin nicht hinwegtäuschen. Gegen die Berliner schickte Markus Gisdol eine etwas improvisiert wirkende Elf ins Rennen, die mit Elvis Rexhbecaj auf der Zehner-Position und Jan Thielmann als Stürmer agierte. Beide wurden von Gisdol in der Pressekonferenz vor der Partie auffällig gelobt und der Cheftrainer dürfte gewusst haben, dass er ihre Position stärken musste – denn ansonsten sind die Optionen eben rar gesät. Auf der linken Seite kam Salih Özcan zum Einsatz, der eigentlich im Zentrum besser aufgehoben ist, aber gegen Altglienicke trotzdem überzeugen konnte.

Schwierige Anfangsphase für den 1. FC Köln

In der Anfangsphase zeigte sich der Regionalligist sehr präsent und engagiert, im 4-1-4-1 liefen die Offensivspieler der Gäste (die ja eigentlich die Heimmannschaft waren) sehr hoch und intensiv an. Die Kölner Gegenspieler hatten Probleme, ins Spiel zu finden, konnten selten mit Ball am Fuß aufdrehen und brauchten einige Minuten, um sich zu akklimatisieren. Pässe in den Übergangsbereich, ins letzte Drittel und zur Vorbereitung von Abschlussaktionen gab es zu Beginn wenig. Jan Thielmann rochierte viel, ließ sich immer wieder fallen und entzog sich so der Kontrolle der gegnerischen Innenverteidiger – er und Rexhbecaj hatten aber dennoch einen schweren Stand. Nach zwei guten Tiefenläufen von Benno Schmitz auf der rechten Seite meldete sich der FC dann erstmals offensiv an, beim zweiten gab es einen Strafstoß, den Jonas Hector zur Führung verwandelte.

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Dieses Tor gab dem FC Sicherheit, der in der Innenverteidigung mit Jorge Meré spielte. Der Spanier zeigte, von einigen ungenauen Pässen abgesehen, dass seine Beidfüßigkeit im Aufbauspiel eine Stärke sein kann. Durch Marco Höger, der für den verletzten Schmitz eingewechselt wurde, stieg die Passqualität nochmal an, sodass der FC immer mehr an Sicherheit gewinnen konnte. Mit Hectors Kopfball an den Pfosten gab es dann nach 35 Minuten auch die erste Chance aus dem Spiel heraus. Durch einen individuellen Fehler der Altglienicker Defensive erhöhte der FC dann zur beruhigenden 2:0-Führung: Hector nahm den Ball nach einer unkontrollierten Klärungsaktion auf und bediente Rexhbecaj im freien Raum, der mit einem präzisen Linksschuss traf.

Die Partie ist dennoch früh entschieden

Auch das Gegenpressing funktionierte nun merklich besser, kurz vor der Pause erwang Salih Özcan auf diese Weise einen Eckball. Seine Hereingabe nutzte dann Czichos zur Vorentscheidung. Mit Beginn der zweiten Halbzeit war die Partie trotz der engagierten Anfangsphase der Berliner entschieden, ein Comeback schien unwahrscheinlich. Der FC steigerte sich, Rexhbecaj und speziell Hector gelang es besser, die entscheidenden Räume zu besetzen. Was allerdings auch auffiel: in statischen Aufbausituation, wenn beispielsweise Timo Horn eine Anspielstation sucht, befanden sich die drei Kölner Zentrumsspieler für den Aufbau (Skhiri, Hector, Rexhbecaj) zu häufig in einer vertikalen Linie, was die Anspielmöglichkeiten verringerte.

Foto: Christof Koepsel/Getty Images

Im Gegensatz zur vorherigen Saison (und wohl auch zur anstehende) stellen lange Bälle auf den Zentrumsstürmer keine Option dar, weil Thielmann körperlich den meisten Innenverteidigern (in der Bundesliga) unterlegen ist. Der 18-Jährige hat seine Stärken eher im Spiel am Boden, das zeigte er in Rochaden und Dribblings gegen Altglienicke. Mit den nachlassenden Kräften des Gegners eröffneten sich dem FC dann im zweiten Durchgang immer mehr Räume: Rexhbecaj traf zum 4:0. Nach einem weiteren Tor durch eine Standardsituation erzwang der eingewechselte Lemperle noch einen Ballverlust des Keepers, woraufhin Drexler den Endstand herstellte.

Wo steht der 1. FC Köln wirklich?

Der 1. FC Köln erledigte diese Aufgabe also zufriedenstellend und „standesgemäß“, wie es oft so schön heißt. Phasenweise hatte die Gisdol-Elf aber sichtlich Probleme mit der körperlich robusten Spielweise des Gegners, der das Kölner Aufbauspiel zum Teil gut zu unterbinden wusste. Wenige Tage vor dem Saisonstart ist also zu erkennen, dass man mit der Mannschaft Geduld haben muss – schließlich stehen die entscheidenden Transfers noch aus. Gegen die TSG Hoffenheim am kommenden Samstag wartet ein anderes Kaliber, die Offensive wird dann auch noch nicht eingespielt sein.

Dennoch ist es spannend zu sehen, wie Spieler wie Salih Özcan oder Elvis Rexhbecaj diese Situation für sich nutzen können. Mit einem erhöhten Konkurrenzkampf steigt dann auch automatisch die Qualität – und dann wird man sehen, wo der 1. FC Köln wirklich steht.

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