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Analyse

Taktik-Rückblick: Die Gründe für Markus Anfangs Scheitern beim 1. FC Köln

Woran genau ist Markus Anfang beim 1. FC Köln gescheitert? Im Rahmen unseres Saisonrückblicks wirft Gastautor Denis vom Podcast „Trotzdem Hier“ einen Blick auf die taktischen Gründe für die Entlassung.

AMBURG, GERMANY - NOVEMBER 05: Markus Anfang, head coach of 1. FC Koeln looks concerned prior to the Second Bundesliga match between Hamburger SV and 1. FC Koeln at Volksparkstadion on November 5, 2018 in Hamburg, Germany. (Photo by Cathrin Mueller/Bongarts/Getty Images)
Foto: Cathrin Mueller/Bongarts/Getty Images

Grund zwei: Fehlendes oder fehlerhaftes In-Game-Coaching

Einer der größten Kritikpunkte der Fans war stets das fehlende Reagieren auf Spielverläufe und taktische Umstellungen des gegnerischen Teams. In der Tat war es so, dass Anfang im laufenden Spiel sein System sehr selten änderte – meistens wechselte er positionsgetreu, Änderungen an der Statik des Spiels ergaben sich nur durch andere Interpretationen der jeweiligen Rolle durch andere Spielertypen. Höchst selten beorderte er einmal einen zweiten Spieler auf die tiefe Position des Fünfer-Mittelfeldes in den Sechserraum, eine Umstellung z.B. auf eine Viererkette etwa bei häufigen Durchbrüchen auf den Flügeln geschah nie. So ist auch zu erklären, dass der 1. FC Köln nur zwei mal in einem Ligaspiel nach Rückstand noch als Sieger vom Platz ging (gegen Sandhausen und St. Pauli) – man konnte schlicht nicht adäquat reagieren, wenn sich der Matchplan nicht umsetzen ließ, dem Team konnten durch taktische Änderungen keine Lösungsmöglichkeiten an die Hand gegeben werden.

Foto: Juergen Schwarz/Bongarts/Getty Images

Wenn Anfang dann doch einmal im laufenden Spiel etwas am Gesamtgefüge der taktischen Anordnung änderte, was selten genug geschah, gingen seine Überlegungen nicht auf. Beispielhaft sei hier der Sobiech-Wechsel im Rückspiel gegen den HSV genannt: Da der Kölner Fußballclub sichtlich in Probleme geriet, als der HSV forscher nach vorne spielte und konsequenter die Halbräume überlud, um vor allem den starken Jatta immer wieder freizuspielen, gelang es dem eingewechselten Risse nicht, die rechte Seite dicht zu bekommen. Laut Interviewaussagen des Coaches nach dem Spiel wünschte seine Mannschaft sich eine Reaktion, wohl um Risse zu unterstützen.

Beispiel: Was löste der Sobiech-Wechsel gegen Hamburg aus?

Der Kölner Trainer nahm mit Terodde also den 28-Tore-Mann raus und brachte Lasse Sobiech für die halbrechte Seite – Am System änderte sich trotzdem nichts, da (der sichtlich erschöpfte) Höger ins Mittelfeld ging und die Dreierkette so erhalten blieb. Ironie des Schicksals, dass der Ball ausgerechnet von Sobiech abprallte und vor Wintzheimers Füße fiel, als dieser den späten Ausgleich erzielte. Zwar waren Anfangs Überlegungen hier nachvollziehbar, aber Höger war zu erschöpft, um das Mittelfeld neben Geis (dem auch Fitness fehlt, da er vor seinem Wechsel kaum Spielpraxis hatte) dicht zu bekommen, Sobiech war ein mismatch für die offensiven Spielertypen des HSV. Zudem hang nach dem Wechsel der einzig verblieben Stürmer, Cordobá, völlig in der Luft, es fand keine offensive Entlastung mehr statt. Auf der Bank verblieben mit Koziello ein frischer Sechser und mit Schaub ein spielauslösender Nadelspieler, der Cordobá auf die Reise hätte schicken können.

Im Rückblick muss man wohl mutmaßen, dass Anfang hier das Vertrauen seiner Spieler in sein taktisches Handlungsvermögen verlor: es folgten Niederlagen gegen Dresden und Darmstadt.

Auf der nächsten Seite: Grund drei – Angriffsmuster im Ballbesitz.

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