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Meinung

Lage des 1. FC Köln: Es gibt auch Grund zur Hoffnung

Ist die Lage beim 1. FC Köln wirklich so schlecht, wie es unser Kommentar vermuten ließ? Eher nicht, findet Stefan Weigl – er hat uns seine Sicht der Dinge dargelegt.

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Der Kommentar „Zur Lage des 1. FC Köln: Die Enttäuschung hält an“ hat in dieser Woche in den Kommentarspalten von effzeh.com eine intensive Diskussion hervorgerufen. Der zum Teil hitzig kommentierte Text zeigte auf, dass sich unsere Leserschaft grob gesagt in zwei Lager spaltet: Die einen stimmten dem Text in seinem Grundtenor zu, die anderen lehnten ihn zum Teil oder komplett ab. Unser Leser Stefan Weigl (@Theo_Nr05) beteiligte sich an der Diskussion und bot uns an, seine Sicht der Dinge beim 1. FC Köln zu veröffentlichen. Wir sind seiner Bitte nachgekommen und präsentieren euch hier seinen Gastkommentar.

Die Mannschaft hat gegen St. Pauli wie vorher schon gegen Dresden gerade noch die Kurve bekommen und einmal mehr eine wirkliche Krise verhindert. Dennoch ist die Wut bei den Anhängern groß, wie der jüngste Kommentar von Christopher Kohl eindrucksvoll zeigt: und zwar auf beiden Seiten des inzwischen scheinbar gespaltenen Fanlagers, denn die Kommentare unter dem Artikel reichen von „Er hat komplett recht!“ bis „Das ist absoluter Schwachsinn!“.

Wichtig: Ein differenzierter Blick auf die Lage beim 1. FC Köln

Ich gehöre in diesem Fall eindeutig zu keinem der beiden Lager. Einerseits stimme ich dem Autor in einigen Punkten zu, kann aber überhaupt nicht nachvollziehen, warum nun ausnahmslos alles beim effzeh ein Albtraum sein soll. Vermeintlich einfallslosen Transfers, fragwürdige Social-Media-Beiträge, das Thema E-Sport und die widersprüchliche Anspruchshaltung ans eigene Team – man hat aktuell den Eindruck, dass automatisch alles falsch ist, was der Verein gerade tut. In meinen Augen verspielen Kritiker des aktuellen Vorstands bzw. der Entscheidungsträger jedoch jede Glaubwürdigkeit, wenn sie pauschal alle als Dilettanten bezeichnen. Daher sollten wir uns einen differenzierten Blick auf die Lage beim 1. FC Köln bewahren.

Beginnen wir beim Vorstand. So hoffnungsvoll der Neustart nach der Ära Overath auch war, so enttäuschend ist leider der Status Quo. Es drängt sich der Eindruck auf, dass aus dem zwischenzeitlichen Erfolg unter Schmadtke und Stöger mit dem Höhepunkt am 20. Mai 2017 gegen Mainz 05, dem Mitgliederboom und dem wirtschaftlichen Erfolg die falschen Schlüsse gezogen wurden. Denn jede abweichende Meinung oder gar Kritik werden heute als Majestätsbeleidigung aufgefasst. Frei nach dem Motto „Wer nicht für mich ist, ist gegen mich“ teilen der Vorstand und leider auch der Geschäftsführer Sport Akteure in gute Fans und böse Ultras auf, bewerten völlig legitime Mitgliederinitiativen als Aktionen, die Misstrauen in den Verein bringen, beschönigen die eigenen massiven Fehler vor dem Abstieg mit dem unfassbaren Begriff „Betriebsunfall“ und dienen sich potenziellen Investoren in Fernost in mehr als fragwürdiger Manier an.

Wagenburg-Mentalität beim aktuellen Vorstand des 1. FC Köln

Trauriger Höhepunkt war der Zeitraum rund um die Mitgliederversammlung, mit einer unappetitlichen Schlammschlacht in den Medien und durchschaubarer Stimmungsmache gegen den unbequem gewordenen Mitgliederrat. Aus der anfänglichen Dialogbereitschaft ist eine Wagenburg-Mentalität geworden, aus der es scheinbar keinen Weg zurück gibt. Ein Symbol für diese Einstellung ist das retuschierte Foto im Geißbockecho vom Oktober 2018, in dem ein Vorstands-kritisches Banner bearbeitet wurde. Angesichts dieser Entwicklung schwindet das Vertrauen, dass der aktuelle Vorstand in der Lage ist, bei elementaren Zukunftsthemen wie der Stadionfrage die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Thematisiert wurde von Christopher Kohl auch die Rolle der Geschäftsführung. Wer Alexander Wehrle wegen zu viel Investorennähe und dem Modeste-Transfer kritisiert, sollte bei der Bewertung auch dessen wichtigsten Aufgabenbereich berücksichtigen. Und hier hat er ohne Zweifel beeindruckende Ergebnisse vorzuweisen: Der Umsatz hat sich von 80,2 Millionen im Jahr 2012 auf aktuell 171,8 Millionen Euro mehr als verdoppelt, das Eigenkapital wurde in diesem Zeitraum von minus elf Millionen auf 37,5 Millionen gesteigert, die Mitgliederzahl liegt bei über 105.000. Im Gegensatz zum HSV, den mehr als 100 Millionen Euro Verbindlichkeiten plagen, stehen beim effzeh „nur noch“ Kredite (17 Millionen Euro) sowie eine Fan-Anleihe (13,5 Millionen Euro) auf der Schuldenseite. Wer hier pauschale Kritik übt, macht sich unglaubwürdig.

Auf der nächsten Seite: Einschätzungen zu Veh und Anfang.

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