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Meinung

Zur Lage des 1.FC Köln: Die Enttäuschung hält an

Unser Autor freute sich auf die Zweitligasaison, weil er auf eine sachlichere Atmosphäre beim 1.FC Köln hoffte. Seine Hoffnungen wurden enttäuscht. Beim effzeh hat sich nichts verbessert – im Gegenteil. Ein emotionaler Kommentar.

HAMBURG, GERMANY - NOVEMBER 05: Players of 1. FC Koeln react after losing in the Second Bundesliga match between Hamburger SV and 1. FC Koeln at Volksparkstadion on November 5, 2018 in Hamburg, Germany. (Photo by Cathrin Mueller/Bongarts/Getty Images)
Foto: Cathrin Mueller/Bongarts/Getty Images

So merkwürdig es klingen mag: Ich habe mich auf die Saison in der zweiten Liga gefreut. Dabei ging es mir nicht um das sportliche Niveau, nicht um neues Personal oder amüsante Auswärtsfahrten, bei denen man nicht von staatlichen Schlägertrupps in grüner und blauer Kleidung empfangen wird. Nein, ich habe geglaubt, der 1. FC Köln würde, ähnlich wie 2013/14, einfach nur in souveräner Weise aufsteigen. Ich hoffte, man würde ein Fundament legen, auf dem eine Mannschaft aufgebaut wird, die sich in der ersten Liga langfristig etablieren kann.

Nach der selbstverschuldeten Katastrophensaison musste es doch möglich sein, wieder sachlich zu werden, Emotionen herunterzufahren und eine konzeptorientierte Arbeit wieder aufzunehmen. Ganz so, wie man es von sich selbst und anderen im Job erwarten würde, nachdem man innerhalb eines Jahres die Arbeit vieler Vorjahre kaputtgeschlagen hat und sich glücklich schätzen sollte, dass man überhaupt noch weitermachen darf. Es war die Vorfreude darauf, dass endlich wieder kleinere Brötchen gebacken werden mussten. Das Spucken großer Töne hätte eigentlich erstmal vorbei sein müssen.

Rund ein halbes Jahr später muss ich voller Bitterkeit feststellen, dass meine Hoffnungen komplett enttäuscht wurden. Ja, wir haben gerade mit St. Pauli eine starke Mannschaft überzeugend besiegt. Und trotzdem sagt mir mein Gefühl, dass der Albtraum der Saison 2017/18 nicht vorbei ist. Im Gegenteil: Wir schlafen immer noch. Nichts ist besser geworden. Einzig die herausragende Qualität einiger Spieler kaschiert, wie dilettantisch beim effzeh scheinbar immer noch gearbeitet wird. Auf nahezu allen Ebenen – im Vorstand, in der ersten Mannschaft und in der Geschäftsführung.

Foto: Sebastian Bahr

Der Vorstand des 1. FC Köln: Im Bunker

Fast sieben Jahre ist es nun her, dass Werner Spinner das Präsidentenamt in der Domstadt übernahm. Seine ersten Amtsjahre waren erfolgreich. Beim effzeh wurde ambitioniert, aber nicht größenwahnsinnig gearbeitet. Spinner gab die Linie vor. Er vertraute seinen Mitarbeitern, ohne sie von der Leine zu lassen, band andere Vereinsgremien in seine Entscheidungen ein und hatte Erfolg damit. Irgendwann in den Jahren 2016 und 2017 änderte sich das. Er brach einen überflüssigen Streit um das Stadion vom Zaun und vergiftete so das Klima zwischen Verein und Kommunalpolitik.

Er relativierte Menschenrechtsverletzungen in China und redete externen Investoren das Wort. Er zettelte einen brutalen Machtkampf mit dem Mitgliederrat an, anstatt sich auf die Verfehlungen der Geschäftsführung zu konzentrieren. Er, seine Vizepräsidenten und die Geschäftsführer ließen sich auf der Jubiläumsfeier des Vereins für die Rückkehr Anthony Modestes feiern, obwohl weder der Vertrag für den Franzosen noch die juristische Lage derartige Feierlichkeiten zuließen. Er meldet sich inzwischen nur noch zu Wort, wenn Lorbeeren greifbar sind. Ansonsten geht er, wahrscheinlich auch gesundheitsbedingt, auf Tauchstation. Er ist zu einem Schatten seiner selbst geworden, der in seiner eigenen gefühlten Wagenburg gefangen ist und rundherum nur noch Feinde sieht.

Die Vizepräsidenten besitzen gegenüber Spinner einen Vorteil: Es gibt im Umfeld keine Erwartungshaltung an ihre Arbeit. Jedenfalls keine, die Kölsch-Trinken und Fotoknipsen bei Fanclubs in der Eifel übersteigt. Während bei Markus Ritterbach auch nach fast sieben Jahren immer noch nicht wirklich klar ist, welche Aufgaben er übernimmt, hat Toni Schumacher inzwischen alle Zurückhaltung abgelegt. Sein Verhalten ist inzwischen nur noch peinlich. Bei der Saisoneröffnung schwafelte er großmäulig über Deals mit dem HSV zur Aufteilung der ersten Plätze.

Toni Schumachers Ausfälle und eine unvergessliche Mitgliederversammlung

Er ist sich nicht einmal zu schade dafür, sich in spanischen Kirchen vom Boulevard beim Beten für den Aufstieg fotografieren zu lassen. Vermutlich ist Beten auch das einzig Produktive, was er zum Gelingen dieses Unterfangens beitragen kann; man erinnere sich nur an seine Äußerungen über Horst Heldt. Ein feiner Club würde einen solchen Vizepräsidenten einfangen und ihm den Zugang zu den Medien verbarrikadieren, um den Verein zu schützen. Die Kommunikationsabteilung des effzeh flankiert das stattdessen – parallel zu Schumachers Buddys von Kicker und „Bild“-Zeitung.

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Erschwerend hinzu kommt, dass ich die Mitgliederversammlung nicht vergessen habe. Ich dachte, Wolfgang Overath hätte in Sachen Anstand schon einen Tiefpunkt erreicht. Der aktuelle Vorstand belehrte mich eines besseren. Eine Spaltung der Mitgliedschaft in Gut und Böse, also in “Ultra, Gewalt und gegen uns” sowie in “Normal, anständig und für uns”? Beleidigungen am Mikrofon? Aufhetzen der Massen? Diffamierungskampagnen? Herabwürdigung von Vereinsmitgliedern? Der Vorstand konnte alles liefern – in einer Weise, die selbst Martin Kind wahrscheinlich bewundern würde. Auch ältere Vereinsmitglieder, die den Spieler Toni Schumacher verehrten, schüttelten nur noch den Kopf.

„Ein bisschen mehr Respekt“ – oder einfach nur Gehorsam?

Einen der vielen Verbalgipfel erklomm Toni Schumacher, als er den Tod Moritz Ritterbachs und die Herzprobleme Werner Spinners zum Anlass nahm “Ein bisschen mehr Respekt” einzufordern. Dabei war das, was er wollte, nicht Respekt, sondern Gehorsam. Wir alle haben die Fresse zu halten und Folge zu leisten. Wer das nicht tut, ist im Zweifel ein respektloser, gewalttätiger, abtrünniger Ultra. Als Schumacher sich beim Beten fotografieren und interviewen ließ, sprach er erneut von einigen hundert Leuten, die sich komisch verhielten.

Da der Vorstand seit rund einem Jahr versucht, dieses Narrativ zu verbreiten, scheint er mittlerweile selbst daran zu glauben. Das ist Realitätsverweigerung wie in der Endphase im Führerbunker. Ich kann deshalb nur hoffen, dass die Mitglieder die Ära von Spinner, Ritterbach und Schumacher im Herbst beenden werden. Der von ihnen angerichtete Schaden wird sehr schwierig zu beheben sein. In menschlicher, aber auch in finanzieller und sportlicher Hinsicht.

Auf der nächsten Seite: Der Zustand von Mannschaft, Trainer und Geschäftsführung.

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