Folge uns
.

Meinung

Rückzug von Armin Veh: Der 1. FC Köln darf keine Zeit verlieren

Armin Vehs Rückzug zum Saisonende setzt den neuen Vorstand unter Zugzwang. Vehs Nachfolger muss viele Probleme beheben, je früher, desto besser. Ein Kommentar.

COLOGNE, GERMANY - MAY 05: Armin Veh of 1.FC Koeln looks on prior the Bundesliga match between 1. FC Koeln and FC Bayern Muenchen at RheinEnergieStadion on May 5, 2018 in Cologne, Germany. (Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)
Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Am Freitag vermeldete der 1. FC Köln, dass Armin Veh den Verein am 30. Juni 2020 verlassen wird. Nach einem monatelangen Eiertanz herrscht nun Klarheit. Ob das Erbe, das Veh hinterlässt, ein bestelltes Feld oder ein Scherbenhaufen sein wird, zeigt sich demnächst. Unglücklicherweise sprechen viele Indizien für letzteres.

Drei Trainer in Vehs Amtszeit – scheitern alle?

Als ehemaliger Meistertrainer gelang es Veh nie, auf der wichtigsten Position im Profibereich für Kontinuität zu sorgen, im Gegenteil: In seiner nicht einmal zweijährigen Amtszeit verschleißt Veh gerade seinen dritten Cheftrainer. Der erste, Stefan Ruthenbeck, arbeitete auf Bewährung und musste sich von Veh regelmäßig Belehrungen in den Medien gefallen lassen. Der zweite, Markus Anfang, war mal Vehs Liebling und mal Vehs Punchingball. Er flog raus, nachdem er den Draht zur Mannschaft verlor, keine Lernbereitschaft nachwies und von Veh allein gelassen wurde.

Der dritte, Achim Beierlorzer, steht jetzt ebenfalls in Frage. Bevor die Vereinsgremien über die Verpflichtung entscheiden konnten, vermeldete die „Bild“ sie bereits. Veh entschied sich für ihn, obwohl Beierlorzer einen anderen Stil spielen lässt als Anfang und zahlreiche Neuzugänge in einen gesättigten Kader integrieren musste. Vehs Personalführung gleicht einem Desaster. Das gilt auch für strukturelle und finanzielle Aspekte.

Im sportlichen Bereich existieren keine Strukturen

Gemeinsam mit seinem Kompagnon Wehrle band Veh finanzielle Mittel für viele Jahre an Spieler mit begrenztem sportlichem und wirtschaftlichem Potential. Alleine Florian Kainz und Niklas Hauptmann kosteten den FC rund sieben Millionen Euro Ablöse. Veh stattete viele Spieler mit einer Vertragslaufzeit bis 2022 oder länger aus. Er erkaufte den Verbleib von Spielern wie Timo Horn teuer, was den Handlungsspielraum gewaltig schrumpfen ließ. Wie klein der mittlerweile ist, zeigte die ungewöhnliche Ratenzahlung der Ablöse bei Sebastiaan Bornauw. Das Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen bei der Profimannschaft befindet sich noch immer in einer extremen Schieflage.

Auch interessant
Die finanzielle Lage des 1. FC Köln: Ein Transfersommer mit Risiko

In seinem Geschäftsbereich schuf Veh innerhalb von knapp zwei Jahren zudem bis heute keine Struktur, die ihren Namen verdient hätte. Er tauschte nur Köpfe aus, entwickelte aber nichts. Von einer zeitgemäßen Struktur, von nicht-personengebundenem Wissen ist der FC weit entfernt. Wie schon Jörg Schmadtke hat Veh alles bei sich zentriert, sodass der Bereich nach seinem Abgang wahrscheinlich neu aufgestellt werden muss. Denn ob der Kaderplaner und Veh-Vertraute Frank Aehlig unter Vehs Nachfolger eine Zukunft beim FC haben wird, ist offen – obwohl er seinen Vertrag im Sommer um zwei Jahre verlängerte.

Anthony Modeste Armin Veh Alex Wehrle

Foto: 1. FC Köln

Abseits des Sportlichen erwies sich Veh als zwischenmenschlicher Unruhestifter. Im Oktober 2018 polterte er Stefan Müller-Römer beinahe aus dem Mitgliederrat, im März 2019 sorgte er dann für den Abgang von Präsident Werner Spinner, wobei er tatkräftig von den damaligen Vizepräsidenten unterstützt wurde. Im Sommer sinnierte er öffentlich darüber, viel lieber öfter im Home-Office arbeiten zu wollen. Erst kürzlich zog er es vor, mit Jörg Wontorra öffentlich über das Ende seiner Arbeitszeit zu plaudern, statt eine Absprache mit seinen Vorgesetzten einzuhalten – obwohl diese ihm Wochen zuvor noch eine Vertragsverlängerung in Aussicht stellten.

Veh sollte nicht zur „Lame Duck“ werden

Spätestens da muss Werner Wolf und Co. eingeleuchtet haben, dass es Armin Veh vordergründig um sich und nur hintergründig um den 1. FC Köln geht. Auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Düsseldorf verstärkte sich dieser Eindruck: Es sei „eine persönliche Entscheidung gewesen“, er habe sich gefragt, wie sein Leben in den nächsten Jahren aussehen solle, er sei immer ein Teamplayer gewesen, aber bei dieser Entscheidung habe er nur an sich gedacht und als Geschäftsführer wolle er erstmal auch nicht mehr arbeiten. Klingt das nach hoher Motivation und Wertschätzung für den 1.FC Köln? Eher nicht.

Auch interessant
Nach dem Ausscheiden im Pokal: Ein Derby zur Wiedergutmachung

Trotzdem wäre all das verzeihlich, wenn Veh in seinem Geschäftsbereich Strukturen errichtet hätte, die den 1. FC Köln fit für die Zukunft gemacht hätten; Strukturen, die ein problemloses Weiterarbeiten auch im Falle eines Führungswechsels ermöglichen. Doch das hat er nicht. Stattdessen zog er es wie Volker Finke vor, als Übertrainer zu agieren und launische Kommentare abzugeben. Auf diese Weise gefährdet Veh auch den Klassenerhalt – auf den der Verein schon aus finanziellen Gründen angewiesen ist.

Vehs Nachfolger wird es leider schwer genug haben. Aber mit jedem Tag, den Veh noch im Amt bleibt, wird die Aufgabe schwerer. Genau wie die des Präsidiums, das nun Führungsstärke zeigen und sich aus der wochenlangen Deckung wagen muss. Wenn es Veh nicht zu einer „Lame Duck“ werden lassen will, sollte es den personellen Wechsel vor dem 30.06.2020 durchführen.

Mehr aus Meinung

.