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Analyse

Die finanzielle Lage des 1. FC Köln: Ein Transfersommer mit Risiko

Obwohl das Transferbudget im April noch zehn Millionen Euro betrug, investierte der effzeh im Sommer rund 20 Millionen. Wie kann das sein? Und was bedeutet das kurz-, mittel- und langfristig für die finanzielle Situation? Wir haben genauer hingeschaut.

GELSENKIRCHEN, GERMANY - DECEMBER 02: Alexander Wehrle, manager of Koeln, before the Bundesliga match between FC Schalke 04 and 1. FC Koeln at Veltins-Arena on December 2, 2017 in Gelsenkirchen, Germany. (Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)
Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Die Transferperiode ist beendet, der 1. FC Köln hat seine Transferplanungen für diesen Sommer abgeschlossen. Mit Ellyes Skhiri, Birger Verstraete und Kingsley Ehizibue verpflichtete der Aufsteiger drei Verstärkungen, die, so viel kann man nach nur drei Spieltagen behaupten, im Unterfangen Klassenerhalt durchaus einen gewichtigen Beitrag leisten können. Kingsley Schindler kam zudem ablösefrei. Auch Sebastiaan Bornauw, Neuzugang aus Anderlecht, deutete in seinen bisherigen beiden Auftritten bereits an, ein guter Griff gewesen zu sein. Die „Geißböcke“ und insbesondere ihr Geschäftsführer Sport Armin Veh dürfen sich also auf die Fahnen schreiben, seit mehreren Jahren wieder einmal einen sportlich konkurrenzfähigen Kader auf die Beine gestellt zu haben.

Die einhellige Meinung bestätigt sich auch beim Blick von außen: Der 1. FC Köln hat gute Transfers getätigt, aber auch über das geplante Maß hinaus investiert. „Kein normaler Aufsteiger“ sei der FC sowieso, liest man die einschlägigen Gazetten. Die Verpflichtungen in der Gegenwart scheinen gelungen, für die Zukunft könnten sogar Transferwerte geschaffen worden sein. Aber Vorsicht: Der FC ist auch ein Risiko eingegangen.

Wie kann sich der 1. FC Köln das leisten?

Als die Meldung “Der FC verpflichtet Sebastiaan Bornauw” auf den Smartphones blinkte, war die Freude der Fans über einen neuen Innenverteidiger vermutlich genauso groß wie ihr Erstaunen. Sechs Millionen Euro kostet Bornauw den effzeh – hieß es nicht vor wenigen Monaten noch, dass das Transferbudget knapp zehn Millionen Euro betrüge? Hatte der Verein dieses Budget nicht schon mit dem Transfer von Ellyes Skhiri überschritten? Fehlten nicht Spielerverkäufe, die diese finanzielle Lücke füllen konnten? Und grundsätzlich: Wie kann der effzeh sich die kolportierte Ablösesumme für Bornauw zusätzlich leisten?

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In Erwartung dieser Fragen suchte Finanzchef Alexander Wehrle das Gespräch mit mehreren Journalisten. Seine Botschaft lautete: Alles kein Problem, macht euch keine Sorgen. “Wir sind kein Risiko eingegangen, wir können uns das leisten.” Der effzeh sei keine Bank, sondern ein Fußballverein, es bringe nichts, zehn Millionen zu erwirtschaften und wieder abzusteigen. Die hohen Ausgaben rechtfertigte Wehrle so: “Wir haben in den letzten Jahren gut gewirtschaftet und positives Eigenkapital.”

Positives Eigenkapital bedeutet nicht Bankkonto

Positives Eigenkapital also. Das klingt klasse. Aber ist es das auch? Rechtfertigt ein hohes Eigenkapital hohe Transferausgaben?

Anders als umgangssprachlich vermutet, beschreibt Eigenkapital in der Betriebswirtschaft lediglich die Aktiva einer Kapitalgesellschaft. In Fußballvereinen sind das neben Immobilien unter anderem auch die aktivierten Ablösesummen der Spieler: Kauft der effzeh also einen Spieler für fünf Millionen Euro, dann taucht dieser Wert im Anlagevermögen im ersten Jahr mit fünf Millionen Euro auf. Dieser Betrag reduziert sich ratierlich entsprechend der Vertragslaufzeit.

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2018 betrug das Eigenkapital laut Geissblog 37,5 Millionen Euro bei einem Fremdkapital (Kredite, Schulden etc.) von 17,2 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote des effzeh (also der Prozentsatz des Eigenkapitals im Verhältnis zum Fremdkapital) ist demzufolge hoch und beschert der KG eine gut aussehende Bilanz sowie eine entsprechende Kreditwürdigkeit.

Die Liquidität entscheidet – und die ist schlecht

Der Verweis Alexander Wehrles auf das positive Eigenkapital im Zusammenhang mit hohen Transferausgaben führt daher ein wenig in die Irre. Denn “positives Eigenkapital” beschreibt nicht den Betrag, den der effzeh jederzeit wie durch einen Griff in den Geldkoffer investieren kann. Aufschluss darüber gibt eine andere wirtschaftliche Kennzahl – die Liquidität. Sie beschreibt einerseits die Fähigkeit des FC, Zahlungsverpflichtungen fristgerecht zu erfüllen und andererseits die Höhe der flüssigen Mittel wie Bargeld oder Bankguthaben. Hinzu tritt die (unter anderem vom Eigenkapital abhängige) Kreditwürdigkeit. Kurzum: Je besser die Liquidität und die Kreditwürdigkeit, desto besser auch die finanziellen Handlungsoptionen.

Auf der nächsten Seite: Langfristig könnten Probleme auf den 1. FC Köln zukommen

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