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Meinung

Mögliche Podolski-Rückkehr beim 1. FC Köln: Nebelkerze oder verzweifelter Wunsch?

Alle Jahre wieder wird über eine Rückholaktion von Lukas Podolski diskutiert – die Frage ist, wie ernst die Verantwortlichen es dieses Mal meinen oder ob die Debatte nur zur Profilierung dient.

Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

An dieser Personalie kommt man als Verantwortlicher beim 1. FC Köln einfach nicht vorbei: Gerüchte über eine mögliche Rückkehr von Lukas Podolski zu seinem Herzensverein beschäftigen die Domstadt eigentlich seit seinem zweiten Abgang im Jahr 2012. Nun, da sich die Karriere des Weltmeisters dem Ende entgegen neigt und sein Vertrag in Japan ausläuft, bekommt das Thema in Köln einen ganz neuen Drive. Der neue Geschäftsführer Horst Heldt befeuerte die Debatte vor kurzem auch bewusst, in dem er bei der Pressekonferenz vor dem Spiel in Leipzig auf eine Journalisten-Frage antwortete und ein drittes mögliches Engagement von „Poldi“ beim FC zumindest theoretisch nicht ausschloss.

„Es ist immer wichtig, verdiente Spieler an den Verein zu binden und einzubauen. Lukas hat herausragendes für den FC geleistet. Aber er muss für sich selbst entscheiden, was er machen will“, befand Heldt wenige Tage nach seinem Amtsantritt. Kurz darauf legte der neue Geschäftsführer nach und bezeichnete Podolski als „exzellenten Spieler“, der aktuell aber in Japan spiele. Dort läuft sein Vertrag Ende Januar 2020 aus und bis dato sieht es nicht so aus, als würde der Linksfuß sein Abenteuer in Fernost verlängern wollen. Zwischendurch waren immer wieder Gerüchte laut geworden, dass Podolski seine Karriere auch in Brasilien oder Polen fortsetzen könnte. Im Ausrichterland der WM 2014 ist der 34-Jährige enorm beliebt, in seinem Geburtsland könnte er für seinen Herzensverein Gornik Zabrze auflaufen.

Podolski darf nicht Hauptthema beim 1. FC Köln sein

Und weil man sich in Köln immer nach einem Heilsbringer sehnt, gerade wenn es mal wieder schlecht läuft, ist Podolski natürlich auch ein Thema in Köln. Bereits im Frühjahr hieß es, dass dem in Köln ausgebildeten Fußballer eine Rolle im neuen Kompetenzteam Sport zuteil werden könnte, um den Vorstand in sportlichen Aspekten zu beraten. „Wir wären ja mit dem Klammerbeutel gepudert, ihn nicht einzubinden. Lukas ist der Weltstar, der uns überall viele Türen öffnen kann“, lautete das Urteil des damaligen Vorstandskandidaten Werner Wolf.

Cologne's striker Lukas Podolski celebrates after scoring during the German first division Bundesliga football match 1.FC Cologne vs FC Schalke 04 in Cologne, western Germany on January 28, 2012. AFP PHOTO / PATRIK STOLLARZ RESTRICTIONS / EMBARGO - DFL LIMITS THE USE OF IMAGES ON THE INTERNET TO 15 PICTURES (NO VIDEO-LIKE SEQUENCES) DURING THE MATCH AND PROHIBITS MOBILE (MMS) USE DURING AND FOR FURTHER TWO HOURS AFTER THE MATCH. FOR MORE INFORMATION CONTACT DFL. (Photo credit should read PATRIK STOLLARZ/AFP/Getty Images)

Lukas Podolski im Müngersdorfer Stadion | Foto: PATRIK STOLLARZ/AFP/Getty Images

In einer für den Verein und seine Fans sehr turbulenten Phase im Herbst setzte Horst Heldt dann das Thema erneut auf die Agenda. Mögliche Gründe könnten dafür sein, von der bedrohlichen sportlichen wie finanziellen Lage abzulenken und den Fans die Möglichkeit zum Träumen zu geben – denn welcher FC-Fan würde es ablehnen, „Prinz Poldi“ nochmal im rot-weißen Trikot zu sehen? Fest steht aber auch: Beim 1. FC Köln sind momentan Problembereiche sichtbar, die dringend bearbeitet werden müssen und nichts mit Lukas Podolski zu tun haben.

Rückholaktionen als Markenkern des 1. FC Köln

Dass Rückholaktionen in dieser emotionalen Stadt immer etwas Besonderes sind, scheint dabei nichts Neues zu sein – bereits einmal kehrte der verlorene Sohn von einem Abenteuer in München zurück. Auch Spieler wie Christian Clemens (kam nach Stationen auf Schalke und in Mainz zurück) und Anthony Modeste (das astronomische Gehalt in China war gegen den Domblick dann doch nicht aufzuwiegen) können ein Lied davon singen, wie es ist, als Fußballer erneut in Köln anzuheuern. Und klar, Lukas Podolskis Wert ist noch ein wenig größer: einerseits, weil er nach 181 Spielen und 86 Toren ganz klar den Status einer Vereinslegende hat – besonders für Fans jüngerer Generation. Andererseits war der in Bergheim aufgewachsene Podolski Profi und Fan des Vereins gleichermaßen – und ist es bis heute geblieben.

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Sein Wert als Markenbotschafter für den 1. FC Köln, der die rot-weißen Farben in die Welt hinausträgt, ist kaum zu bemessen. Allerdings brauchte der 150fache Nationalspieler dafür kein Salär – er tat es einfach. Von daher wäre es in gewisser Hinsicht schon sinnvoll, ihn in eine Tätigkeit beim Verein einzubinden, bei dem er seine Strahlkraft (4,2 Millionen Follower alleine bei Instagram!) für den Verein nutzbar machen könnte. Die Ultra-Gruppe „Wilde Horde“ ging beim Heimspiel gegen Augsburg sogar einen Schritt weiter und forderte mit einem Spruchband, dass Podolski zum FC zurückkehren solle. Im „Schwaadlappe“, einer Kurvenzeitung der Horde, wurde diese Forderung erklärt. Darin hieß es: „Ein FC-Fan, ein Kölner, ein großartiger Fußballer, der mit seinem starken Schuss den Ball samt Torhüter in den Kasten befördert und zum Ende seiner Laufbahn nochmal für seinen Verein auflaufen möchte! (…) Dieser Junge gehört nach Köln!“

Emotional ein Muss, rational ein Wahnsinn?

Natürlich fallen diese Sätze auf fruchtbaren Boden bei FC-Fans. Für die Generation DSF ist er die Identifikationsfigur schlechthin, der Weltmeister-Titel 2014 und seine zahlreichen Länderspiele und -tore verankerten ihn zudem im Gedächtnis aller Fußballfans. Emotional betrachtet gäbe es wenig, was das Müngersdorfer Stadion derartig in Wallung bringen würde wie die Tatsache, bei einer Mannschaftsaufstellung Podolskis Namen rufen zu dürfen. So viel zur emotionalen Seite der Debatte. Aus rationaler Sicht hingegen sind andere Aspekte wichtig: Der 1. FC Köln muss es endlich schaffen, von den Personaldebatten um einzelne Figuren zu lösen. Nur, weil jemand in der Vergangenheit gute Leistungen für den FC gebracht hat, heißt das noch lange nicht, dass eine erneute Verpflichtung sinnvoll wäre.

FREIBURG IM BREISGAU, GERMANY - APRIL 28: Lukas Podolski of Koeln celebrates his team's first goal during the Bundesliga match between SC Freiburg and 1. FC Koeln at Badenova Stadium on April 28, 2012 in Freiburg im Breisgau, Germany. (Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Dass Anthony Modeste mittlerweile wieder das Kölner Trikot trägt, ist ebenso eine Tatsache wie seine meistens schwache Form seit mehreren Monaten. Die einstigen Helden von 2017 befinden in einer neuen Mannschaft erneut im Abstiegskampf – Fußball ist ein Tagesgeschäft und die Meriten von früher zählen nicht viel. Hinzu kommt, dass die finanzielle Situation es derzeit wohl gar nicht ermöglichen würde, Lukas Podolski einen angemessenen Vertrag anzubieten. Damit der FC sich für die Zukunft aufstellen kann, müssen auch alte Zöpfe abgeschnitten werden – dem Aufbau von funktionierenden sportlichen und wirtschaftlichen Strukturen würde dann im Idealfall die Entwicklung von neuen Identifikationsfiguren folgen.

Keine Stimmungsmache auf Podolskis Rücken

Die Frage, ob Lukas Podolski als Spieler zum 1. FC Köln zurückkehren sollte, vereint also die emotionalen und rationalen Gesichtspunkte, unter denen man das Fußballgeschehen verfolgen kann. Daher ist es berechtigt, sich zu wünschen, dass er nochmal für den FC spielt – gleichzeitig ist es aber auch völlig in Ordnung, wenn es nicht der Fall sein sollte und er „nur“ eine Rolle als Funktionär oder Berater einnehmen würde. Was aber auf gar keinen Fall geht: Weder Präsidium noch Geschäftsführung haben das Recht, auf dem Rücken von Lukas Podolski Stimmung für sich zu machen. Das gilt für Werner Wolf genauso wie für Horst Heldt. Beide haben ihre Ämter erst vor kurzem angetreten, sie müssen mit Sacharbeit überzeugen, statt nun lediglich mit Podolski zu kokettieren und sich dann für eine eventuelle Rückkehr abfeiern zu lassen.

7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    Ali Perez

    5. Dezember 2019 an 14:10

    Podolski würde sich nur selbst beschädigen, falls er nochmal für den Effzeh auflaufen sollte. Er ist doch nur noch ein Schatten seiner besten Zeit. Sein letztes Engagement war schon nicht der Burner. Ich erinnere mich an einen genervten Podolski, der nicht bereit war zurück zu arbeiten. Und als Kapitän war er auch ein Totalausfall. Von wegen voran gehen! Da konnte man am Ende froh sein, dass Arsenal damals bereit war, für ihn noch tief in die Tasche zu greifen. Ich weiß wirklich nicht, wie die Causa Podolski Hoffnungen wecken kann; bei mir weckt sie nur Befürchtungen. Und zwar die Schlimmsten.

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    Ingrid

    4. Dezember 2019 an 19:56

    Bitte nicht!

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    GFP

    4. Dezember 2019 an 19:36

    na vertrag läuft aus, keine Ablöse, die oberen Herren sprechen von billigen Neuverpflichtungen mit Bundesliga Erfahrung, Poldi will nach Köln und schlimmer wie jetzt geht nimmer.

    Mein Tipp Vertag für 1. Bundesliga bis Saisonende mit Option zur Verlängerung.
    Niedriges Gehalt aber Gute Prämien für Siege, Tore und Nichtabstieg.

    War das nicht auch so bei Pizzaro ??????

  4. Avatar

    Olli

    3. Dezember 2019 an 13:57

    Tja,
    der Text zeigt das Dilemma auf: Wenn man die Pros und Contras mal gegenüberstellt und eine Seite überwiegen sollte, weiß man trotzdem noch immer nicht, was man machen und wünschen sollte. Poldi könnte als Integrationsfogur nach innen und außen positiv wirken. Er könnte die Mannschaft mitreißen. Man stellt es sich schon vor dem geistigen Auge vor, wie er in der 68. Minute eingewechselt wird und dann irgendwann mit der linken Klebe einen Siegtreffer erzielt. Schöne Vorstellung….aber die andere Frage ist: Kann er wirklich noch auf diesem Liganiveau mithalten? Wird der Kader ihn als Leitwolf akzeptieren? Brächte es nicht eine Unwucht hinein? Geschweige denn das Gehaltsgefüge empfindlich durcheinander?

    Man muss wohl noch abwarten. Wenn der FC zu Beginn der Rückrunde noch mit einstelliger Punktzahl dasteht (was jetzt nicht völlig aus der Luft gegriffen und total unwahrscheinlich ist, leider!), dann wird auch Prinz Poldi nichts mehr ausrichten können und schon gar nicht als finalen Karriereschritt ein weiteres Mal mit Köln absteigen wollen. Sollte die Rettung vor Liga 2 im Januar nicht nur rechnerisch möglich sondern auch im Gesamterscheinungsbild denkbar und machbar erscheinen, sieht es anders aus. Dann könnte er einen entscheidenden Push bringen.

    Als nüchternes Ergebnis steht: Egal, was passiert, der FC muss ohne Podolski das Ruder herumreißen. Bei einem Abstieg muss man ohnehin völlig neu denken und ihn in anderer Funktion beim X-ten Neuanfang einbauen.

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    Frank Buschmann

    3. Dezember 2019 an 13:33

    Das wird doch immer nur durch die Medien und wie letztes Wochenende durch die Ultras befeuert.
    Sein alten Verdienste erkenne ich ebenfalls an.

    Aber durch seine Persönlichkeit taugt er nicht als Funktionär beim FC.
    Als Spieler kann der nicht mehr auf dem Bundeliganiveau mithalten denke ich .
    Die Abstiege die mit im als Spieler erlitten wurde, blenden viele scheinbar aus.

    Leider ist der Name Podolski so ideologisch verklärt, das jeder Funktionär mit starkem Gegenwind rechnen muss, wenn er ein Engagement ablehnen würde.

    Dafür sorgen dann diese Website, die Medien und die Ultras.

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      Wolfgang Walter

      3. Dezember 2019 an 15:48

      Ja so sind beim FC. Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft eine große Lücke.
      Man hatte mal den Anspruch unter Franz Krämer der sport-und wirtschaftlich erfolgreichste Club der 1.Liga zu sein. Ließ die Mannschaft in weißen Trikots auflaufen (unter anderem von Dior)und fortan nannten die Gegner den FC respektvoll „das Real Madrid vom Rhein “
      Die grausame Wirklichkeit heute ist ,nur
      das weisse Trikot(zwar nur noch Uhlsport)
      erinnert noch an glorreiche Zeiten und der Gegner belächelt und verhöhnt den FC.
      Franz Krämer würde sich im Grabe umdrehen
      wenn Er sehen könnte was die Erben aus Seinem FC gemacht haben!

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        Wolfgang Walter

        4. Dezember 2019 an 11:00

        Heute habe ich einen Artikel gelesen, wo sich Horst Heldt so äussert.“Die Mannschaft wäre gegenüber der Konkurrenz auf einen
        Abstiegsplatz zu gut und könnte nicht den Abstiegskampf! He!Wieso stehen Sie dann überhaupt da Unten
        drin wenn man doch so gut ist? Heldt und noch so einige Andere beim FC kranken an grosser Verblendung.Wie soll Das noch Enden?

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