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Analyse

Unentschieden gegen Augsburg: Erst Raute, dann Altbewährtes beim 1. FC Köln

Das Heim-Remis gegen den FC Augsburg ist für den 1. FC Köln in erster Linie ein psychologisches Erfolgserlebnis: Fußballerisch liegt nach wie vor einiges im Argen.

COLOGNE, GERMANY - NOVEMBER 30: Marco Hoger of 1. FC Koeln battles for possession with Florian Niederlechner of FC Augsburg during the Bundesliga match between 1. FC Koeln and FC Augsburg at RheinEnergieStadion on November 30, 2019 in Cologne, Germany. (Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)
Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Das erste Heimspiel unter der Leitung des neuen Kölner Trainers Markus Gisdol endet 1:1 – der späte Ausgleich von Jhon Cordoba schenkt dem 1. FC Köln im Abstiegskampf zumindest ein kleines Erfolgserlebnis. Insgesamt war es eine sehr hektische Partie, in der der Bundesliga-Aufsteiger erst gegen Ende seine Bemühungen belohnen konnte. Speziell die erste Halbzeit war dabei allerdings wenig ansehnlich, viele Fouls und Diskussionen prägten die Partie.

Für sein Heimdebüt hatte sich Gisdol eine veränderte Herangehensweise im Vergleich zum Spiel in Leipzig überlegt: Der FC agierte im Mittelfeld mit einer Raute, in der Marco Höger den tiefen Part einnahm. Auf den Halbpositionen agierten Birger Verstraete halbrechts und Jonas Hector halblinks. Die Zehnerposition übernahm Dominick Drexler, während das Sturmduo Anthony Modeste und Simon Terodde bildeten. Der grundlegende Gedanke dahinter schien wohl darin zu bestehen, über eine erhöhte Präsenz im Zentrum Torgefahr zu entwickeln. Gleichzeitig zeigte sich, dass eine Raute gerade in der Besetzung der Räume im Verteidigen gewisse Probleme nach sich zieht.

Gisdol probiert die Raute aus

Im bisherigen Verlauf der Saison bestand das Offensivspiel des FC zu großen Teilen aus Flanken der Flügelspieler. Doch weder Verstraete noch Hector interpretierten ihre Position als klassische Außenbahnspieler, darin bestand ihre Aufgabe auch nicht. Beide zog es immer wieder ins Zentrum, sodass die beiden Außenverteidiger Benno Schmitz (rechts) und Ismail Jakobs (links) das Offensivspiel aus diesen Räumen mehr oder weniger alleine ankurbeln mussten. Dadurch dass Verstraete und Hector im Zentrum agierten, ergaben sich notgedrungen immer wieder Situationen, in denen die Augsburger auf dem Flügel jede Menge Platz hatten.

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Zum Teil reichten einfache Seitenverlagerungen, um das Spiel zu entzerren und die Kölner Bemühungen im Pressing auszuhebeln. Dies führte unter anderem zum Strafstoß nach sieben Minuten, den Timo Horn allerdings parieren konnte. Zuvor hatte Philipp Max, dessen linker Fuß beim FCA häufig Torgefahr erzeugt, geflankt – in der Endverteidigung stellte sich der FC nicht sonderlich clever an, weil Niederlechner den Ball annehmen und dann das Foul von Czichos entgegennehmen durfte. Auch beim Gegentor kurz vor der Pause ließ Bornauw die Hereingabe von Max passieren, sodass Niederlechner treffen konnte. Jonas Hector, der nach dem Platzverweis gegen Czichos bis zum Seitenwechsel als Innenverteidiger agierte, war zuvor außerhalb seiner Position gewesen und kehrte nicht rechtzeitig zurück.

Wenig Ideen im eigenen Ballbesitz

Bereits früh in der Partie hatte der FC damit den nächsten psychologischen Knackpunkt zu verkraften, weil die Spieler zuvor bei einer Szene ihrerseits auch einen Elfmeter forderten – der Pfiff des Schiedsrichters blieb allerdings aus. Durch den gehaltenen Elfmeter entwickelte sich aber zumindest eine kleine Form der Euphorie im Stadion, die Jakobs vor lauter Begeisterung dazu brachte, im Gegenzug den Ball zu verlieren, weil er stolperte. Diese Szene war sinnbildlich für die gesamte Partie, weil der Wille den FC-Spielern nicht abgesprochen werden konnte, die Mittel aber meistens nicht vorhanden waren. Abschlüsse gab es, meistens nach Kopfballverlängerungen durch Modeste oder Terodde – richtig zwingend wurde es beim FC allerdings nicht. Die ersten 20 Minuten waren insgesamt sehr hektisch, wenig Spielfluss war die Folge aus vielen Fouls. Bereits drei Kölner waren zu diesem Zeitpunkt bereits verwarnt.

Foto: Lars Baron/Collection Bongarts

Im eigenen Ballbesitz tat sich der FC wie so oft schwer, nach 27 Minuten fehlten Marco Höger im Spielaufbau Ideen und Optionen, seinen Fehlpass nutzen die Gäste zu einer schnellen Gegenbewegung über Hahn und Niederlechner. Der Abschluss von Vargas ging vorbei. Ein ähnliches Muster war auch fünf Minuten später zu beobachten, als der Schweizer wieder nicht die ideale Entscheidung traf. Das Augsburger Pressing konzentrierte sich dabei auf die Kölner Außenverteidiger, die mit Tempo unter Druck gesetzt werden und zu Fehlern gezwungen werden sollten. Dies führte dann auch zur gelb-roten Karte von Czichos, weil Jakobs ihn mit einem schwierigen Pass unter Druck setzte – die Augsburger verhinderten, dass der Kölner Linksverteidiger den Ball nach vorne spielen konnte. Czichos konnte den schwierigen Pass nicht verarbeiten, Niederlechner spritzte dazwischen und wurde vom bereits verwarnten FC-Verteidiger gefoult: Köln war nur noch zu zehnt.

Zweite Halbzeit: Flanken und Cordoba

Wollte der 1. FC Köln selbst schnell nach vorne umschalten, waren die Wege meist sehr weit –  und das Sturmduo bewegte sich zu häufig in denselben Mustern und Räumen. Modeste, der bereits in Leipzig in der Startelf stand, hatte erneut sehr wenige Ballkontakte in der gegnerischen Hälfte, aus denen wirklich etwas Produktives entstand. Im zweiten Durchgang spielte der FC dann wieder mit demjenigen Flügelfokus, der schon häufiger zu beobachten war: Kingsley Ehizibue kam für die rechte Seite, Florian Kainz spielte als verkappter Achter auf der linken Bahn. Die offensiven Bemühungen der Kölner waren bis auf einen Bornauw-Schuss überschaubar, auch weil Augsburg defensiv wechselte. Die Einwechslung von Jhon Cordoba (er kam für Modeste) fügte dem lahmenden Offensivspiel des FC aber genau die Prise an Körperlichkeit und Dynamik hinzu, die in diesem schwachen Bundesliga-Spiel bereits den Unterschied machen konnte.

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Mit einem Lauf über das halbe Spielfeld läutete der Kolumbianer die Schlussphase ein – seine Flanke nahm Kainz volley, Koubek konnte aber parieren. Wenig später köpfte Terodde nach einer Kainz-Flanke knapp vorbei. Richtig strukturiert waren die Angriffe immer noch nicht, aber immerhin kam der 1. FC Köln nun zu Abschlüssen. Cordobas Kopfball (erneut nach einem Kainz-Freistoß) war zu ungenau, danach hielt erneut Koubek gegen einen Schuss des Kolumbianers. Der Ausgleich fiel dann nach einem Augsburger Ballverlust durch Max: Jonas Hector fing den Ball ab, schickte Cordoba in den freien Raum und der Kolumbianer erzielte den Ausgleich (86.) – zu mehr sollte es aber nicht reichen.

Stabilität durch eine kohärente Idee?

Immerhin ein Punkt – so lautete dann auch das Fazit der Kölner Verantwortlichen und Fans nach der Partie. Einen Schritt nach vorne machte die Gisdol-Elf aber wohl nur in psychologischen Aspekten: Der Aufwand wurde durch den späten Ausgleich belohnt. Ansonsten aber bleibt nach wie vor fraglich, wie der 1. FC Köln gegen bessere Mannschaften in der Bundesliga bestehen will. Die Raute in der ersten Halbzeit funktionierte nicht, im zweiten Durchgang berief sich Gisdol auf Altbewährtes: Flanken und Cordobas Dynamik. Stabilität kann die Mannschaft aber nur erreichen, wenn eine kohärente Idee verfolgt und nicht in jedem Spiel die Ausrichtung geändert wird. Gegen Union Berlin am kommenden Samstag wird dies aber wieder der Fall sein: mit Czichos und Hector fehlen zwei Stammspieler gesperrt.

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Ingrid

    2. Dezember 2019 an 20:13

    Erschreckend war auch, dass keine Spielidee von hinten heraus erkennbar war. Es mussten lediglich zwei Augsburger anlaufen, dann war schön Alarm. Der Spieler am Ball war die ärmste Sau, weil potentielle Anspielstationen Verstecken gespielt haben.

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      Wolfgang Walter

      2. Dezember 2019 an 22:54

      Und der“Blinde Beierlorzer „hat schon wieder gewonnen! Wie kann das denn?
      Lag wohl doch an der Manschaft. Kein
      Teamgeist,Mut und Leidenschaft,aber vorallem keine Klasse!

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        Fred Wißkirchen

        3. Dezember 2019 an 21:18

        Also beim „Blinden“ Beierlorzer war zumindest ein Spielsystem und Offensiver Fußball zu sehen, bis auf das Hertha und das Saarbrücken Spiel. Es waren größtenteils immer enge Spiele die mit Pech verloren wurden. Ich ärgere mich immer noch das Beierlorzer gehen musste und ich mir so einen Mist mit 3 defensiven Mittelfeldspielern gegen Leipzig oder das flügellose Spiel gegen Augsburg ansehen muss. Weshalb werden 2 gleiche Stürmertypen die gefüttert werden müssen in die Startelf berufen und der Wirbelwind Córdoba auf die Bank gesetzt. Ja, wir müssen Gisdol Zeit geben und sollen nicht rumnörgeln, aber Beierlorzer hätte das auch nicht schlechter machen können. Ich hoffe, Gisdol findet gegen Union das richtige Rezept.
        PS. Junge Spieler gut und schön, aber Jakobs oder Schmitz in die Startelf? Auch wenn der Easy nicht der Flankengott ist, der traut sich auch mal was, geht 1 gegen 1 und schnell unterwegs ist er auch als Offensiver Aussenverteidiger. Die Mannschaft hat genug Qualität für den Klassenerhalt, es liegt am Übungsleiter wie er diese Auf und Einstellt.

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