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Meinung

Streit um Modeste-Verpflichtung: Eine Rückkehr mit Fragezeichen

Vor drei Wochen gab der 1. FC Köln die Verpflichtung von Anthony Modeste bekannt. Stand heute ist allerdings unklar, ob und wann der Franzose für den effzeh auflaufen wird.

Modeste Frust
Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Es war schon eine Überraschung, als der 1. FC Köln im Rahmen seiner Geburtstags-Gala verkündete, dass Stürmer-Legende Anthony Modeste wieder einen Vertrag in der Domstadt unterschrieben hatte. Der Zeitpunkt war einigermaßen clever gewählt, weil an jenem Wochenende kein Spiel des effzeh angestanden hatte – es war Länderspielpause. So freuten sich Werner Spinner und Co. sehr offensiv über den gelandeten Coup und ließen verlauten, dass es mit der Spielgenehmigung auch nicht mehr lange dauern würde. Auch mögliche Probleme mit dem abgebenden Verein wurden schnell abgebügelt: „Tianjin? Kein Problem, kein Grunde zur Panik“ wurde rund ums Geißbockheim angesichts eines hastigen Widerspruchs der Chinesen gemurmelt. Damals wurde ein Termin zwei Wochen später, nämlich am 1. Dezember, in den Medien als mögliches Debüt für Modeste genannt.

Die emotionalen Reaktionen nach der Bekanntgabe der Verpflichtung zeigten damals wieder einmal, was für ein besonderes Pflaster die Stadt Köln mit ihrem Fußballverein doch ist. Das Träumen von heimkehrenden Spielern, die den effzeh erst mehr oder weniger konfliktreich verließen, um dann doch wieder tränenüberströmt zu verkünden, dass man Köln immer geliebt habe – es gehört irgendwie zu diesem verrückten Verein dazu. Es macht ihn auch besonders, soviel steht spätestens seit der Podolski-Rückkehr im Jahr 2012 fest.

Eine verzögerte Rückkehr – endgültiger Spruch der FIFA steht noch aus

Gewiss, über die Konzeption der Gala im November, an der neben einigen Prominenten und Ehemaligen immerhin auch ein paar Mitglieder teilnehmen durften, kann man streiten – der eigentliche Grund für die Feier, das siebzigjährige Jubiläum des Vereins, rückte nach der Bekanntgabe der Rückkehr von Anthony Modeste sowieso schnell in den Hintergrund. Die anfängliche Begeisterung hat sich drei Wochen später allerdings ein wenig gelegt, auch weil die Spielgenehmigung für den Franzosen immer noch nicht erteilt worden ist. Am vergangenen Freitag teilte die FIFA immerhin mit, dass Modeste diejenigen Prämien, die ihm bis zum Zeitpunkt der Vertragsauflösung zugestanden hatten, von seinem ehemaligen Arbeitgeber Tianjin Quanjian auch bekommen soll. Schadensersatz sollte ihm aber nicht zugesprochen werden, bekannte die Rechtskammer des Weltfußballverbands. Doch nun droht sogar noch mehr Stress.

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Am Dienstagmorgen verkündete dann der „Express“, dass ihm ein Dokument der FIFA vorliegen würde, in dem es hieße, dass Modeste nicht rechtswirksam gekündigt hätte. Das Fehlen eines triftigen Grundes für die Kündigung war bis dato kein Thema, weil alle davon ausgegangen waren, dass Modeste aufgrund der ausstehenden Zahlungen zurecht sein Arbeitsverhältnis mit dem chinesischen Verein Tianjin Quanjian beendet hätte. In einem Statement der FIFA heißt es: „Dem Beschluss zufolge muss Tianjin Quanjian FC dem Spieler eine ausstehende Vergütung zahlen. Es wurde jedoch festgestellt, dass dieser das Arbeitsverhältnis mit Tianjin Quanjian FC ohne triftigen Grund gekündigt hat.“ Die endgültige Urteilsbegründung war allerdings zu diesem Zeitpunkt noch nicht einsehbar, genauso wenig wie das Vertragskonstrukt zwischen Modeste und Tianjin – und Experten in Schweizer Arbeitsrecht sind wir wohl alle nicht.

Kommunikation des Transfers durch den 1. FC Köln mehr als fragwürdig

Doch das ist aber auch nicht zentral für die Diskussion: Die Art und Weise sowie vor allem der Zeitpunkt der Kommunikation des Transfers hinterlassen bei Öffentlichkeit und Fans jede Menge Fragezeichen. Am Dienstagnachmittag ließ der effzeh dann in Person von Finanz-Geschäftsführer Wehrle verlauten, dass man an diesem Verfahren nicht beteiligt sei und es „keinen neuen Sachstand“ gebe. Mit diesem Verfahren hat der 1. FC Köln tatsächlich wenig zu tun, weil es in erster Linie um die Streitigkeiten über die ausstehenden Zahlungen zwischen Tianjin und Modeste geht.

Seit Dienstag ist also mehr denn je in der Schwebe, ob und wann Modeste offiziell ein Spieler des 1. FC Köln sein wird. Das wirft Bedenken auf, denn: Nach der Ankündigung im November ließ sich der effzeh auch nicht lumpen und bot sofort Trikots mit der Nummer 27 und dem Schriftzug „Modeste“ im Fanshop an. Schließlich läuft das Weihnachtsgeschäft und damit die Möglichkeit, mit den Emotionen der Fans richtig Asche zu verdienen. Und auch zur Imagepflege schien der Transfer nützlich: Werner Spinner durfte auf der Gala unter dem Jubel der Anwesenden Modestes Rückkehr verkünden, im Nachgang wurden die antiken Heldensagen umgeschrieben, weil Wehrle und sogar Martin Schulz diesen einst so unmöglich erscheinenden Wechsel möglich gemacht hatten.

Auf der nächsten Seite: Anschlussvertrag, Marketing und ein Fazit.

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