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Meinung

Streit um Modeste-Verpflichtung: Eine Rückkehr mit Fragezeichen

Vor drei Wochen gab der 1. FC Köln die Verpflichtung von Anthony Modeste bekannt. Stand heute ist allerdings unklar, ob und wann der Franzose für den effzeh auflaufen wird.

Modeste Frust
Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Der 1. FC Köln verkündete dann stolz, dass der aktuell 30 Jahre alte Franzose einen Vertrag bis 2023 unterschrieben habe – neben Czichos und Sobiech ist er der nächste aus dem Klub der Ü28er, der einen langfristigen Vertrag bekommt. Im Nachgang wurde dann durch die Boulevardblätter „Bild“ und „Express“ bekannt, zu welchen Konditionen der 25-Tore-Mann aus der Saison 2016/2017 wieder bereit sein soll, für den effzeh aufzulaufen: Bis Sommer 2019 soll Modeste etwa eine Million Euro verdienen, worin bereits die Prämien enthalten sind. Der Plan der effzeh-Verantwortlichen sieht vor, dass zu diesem Zeitpunkt auch die Rückkehr in die Bundesliga zu feiern ist, weswegen Modestes Vertragskonstrukt dann gleich auch eine saftige Gehaltserhöhung umfassen soll. Bis zu 3,5 Millionen Euro soll der Franzose dann pro Jahr verdienen, wenn man den Boulevardblättern Glauben schenken mag. Bei einer Vertragslaufzeit bis 2023 könnte Modeste also zusammengerechnet 16 Millionen Euro verdienen.

Finanziell machbar ist es, aber nachhaltig und nötig?

Zugegeben: dem 1. FC Köln geht es wirtschaftlich so gut, dass er nicht nur aufgrund der Höhe des Eigenkapitals durchaus in der Lage ist, ein solches Gesamtvolumen für einen Spieler zu stemmen. Es muss allerdings auch die Frage erlaubt sein, ob die 37,5 Millionen Euro an Eigenkapital den 1. FC Köln dazu berechtigen, in Bezug auf seine Kaderplanung irrational zu handeln. Dieser Verdacht liegt nämlich auch deswegen nahe, weil zum Zeitpunkt der Bekanntgabe des Transfers (und auch noch Wochen danach) keine wirkliche Notwendigkeit bestand, einen weiteren Strafraumstürmer zu verpflichten. Fraglich ist auch, ob das Geld nicht für Spieler hätte angelegt werden sollen, die Kaderdefizite beheben können – etwa auf den Außenpositionen.

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Der Plan sieht vor, dass der Stürmer dann im Jahr 2023 im Alter von 35 Jahren seine Spielerkarriere beendet. Modeste hat sich allerdings dem Vernehmen nach auch zusichern lassen, dass er beim 1. FC Köln direkt einen Anschlussvertrag bekommen soll, der es ihm ermöglicht, abseits des Feldes eine Position beim effzeh zu bekleiden. Genaueres dazu ist Stand heute noch nicht bekannt. Neben dem finanziellen Volumen des Vertrags allein bis 2023 lässt natürlich auch dieser kolportierte Passus aufhorchen, weil der ehemalige Stürmer von Tianjin Quanjian damit seine Unterschrift unter ein Arbeitspapier setzte, das die finanzielle Zukunft von ihm und seiner Familie für die nächsten zehn Jahre (!) sicherstellen könnte. Doch Modeste ließ sich offenbar auch ein Hintertürchen in seinen Vertrag einbauen: Sollte der effzeh den Aufstieg nicht schaffen, so heißt es, könnte er von einer Ausstiegsklausel Gebrauch machen und den effzeh wieder verlassen.

War die vorzeitige Bekanntgabe notwendig?

Hinzu kommt, dass Alexander Wehrle gegenüber dem „Express“ bestätigte, dass Modeste seine eigenen Fanartikel vertreiben darf und dementsprechend auch in diesem Bereich mit ordentlichen Einnahmen rechnen kann. Bei der Bekanntgabe seiner Rückkehr wurde natürlich passenderweise gleich ein entsprechendes Shirt gezeigt, das sich die vielen begeisterten effzeh-Fans direkt ordern konnten. Für schlappe 29,99 Euro konnte man die Emotion direkt bei einem T-Shirt-Fabrikanten in etwas Materielles umsetzen. Vereinfacht ausgedrückt: Modeste darf mit T-Shirts und ähnlichen Artikeln Geld verdienen, das der 1. FC Köln mit eigenen Modeste-Fanartikeln ebenfalls hätte einstreichen können.

Foto: Lennart Preiss/Bongarts/Getty Images

Große Begeisterung nach der Bekanntgabe, ein pompöses Vertragskonstrukt und rechtliche Streitigkeiten, die bis dato einen Einsatz von Modeste verhindern – drei Wochen nach dem emotionalen Ausnahmezustand ist wieder Nüchternheit in Köln eingekehrt. Es stellt sich die Frage, ob es nicht besser gewesen wäre, mit der Bekanntgabe der Rückkehr solange zu warten, bis alles rechtlich abgesichert ist und Modeste offiziell ein Spieler des 1. FC Köln sein darf. Klar, der Franzose hätte in diesem Szenario bis zum Jahresende bei der U21 trainiert und wäre dann erst offiziell ein Mitglied der Profimannschaft geworden – aktuell darf er zwar seine Fitness mit dem Zweitliga-Kader verbessern, an Spielen teilnehmen jedoch nicht.

Der effzeh hätte sich keinen Zacken aus der Krone gebrochen, wenn man unterdessen bereits mit Modeste einig geworden wäre, aber aufgrund der komplizierten Vertragssituation mit der Verkündung gewartet hätte. „Man beobachte den Sachstand“, wäre dann eine mögliche Antwort auf Anfragen gewesen, mit der die „Geißböcke“ die Diskussion hätte lenken können. Und da der Aufstiegsaspirant in der Zwischenzeit alle seine Spiele gewinnen konnte, gab es zumindest aus sportlicher Sicht keinen Grund für Unruhe.

Modeste-Transfer als „Opium für’s Volk“?

Mit der mittlerweile überstürzt und auch damals schon arg inszeniert wirkenden Bekanntgabe der Modeste-Rückkehr hat die Kölner Führungsebene die Tür für entsprechende Kritik freiwillig weit aufgestoßen. Entsprechendes Gemurmel, der Vorstand habe mit der eiligen Verkündung von der desaströs verlaufenen Mitgliederversammlung im Oktober ablenken wollen, folgte rund ums Geißbockheim dementsprechend schnell. Jedoch gewinnt der effzeh mittlerweile wieder regelmäßig Fußballspiele, dazu wartet mit Modeste ein weiterer Ausnahmespieler auf seinen Einsatz – da kann es doch durchaus mal vorkommen, dass die problematischen Aspekte aus dem Oktober in den Hintergrund rücken.

Zweifel am Ablauf des Transfers und dessen finanzieller Auswirkungen sind jedoch nach wie vor angebracht – auch weil Modestes erstes Tor, so die FIFA will, für den effzeh endgültig dem Faktum „Opium für’s Volk“ gleichkommen dürfte. Je mehr Zeit verstreicht, desto skurriler wurden die Informationen zu dem Deal jedenfalls. Stand jetzt hat der Klub nämlich die Spielgenehmigung für den Franzosen beantragt, die FIFA hat diese allerdings aufgrund der laufenden Verfahren zurückgestellt – im November noch hieß es noch, dass der erste Einsatz nicht lange auf sich warten lassen dürfte.

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