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Analyse

„Steil und Klatsch“: Passqualität als Schlüssel zum Erfolg des 1. FC Köln

In den letzten Wochen zeigt der 1. FC Köln, dass das Passspiel auch in veränderter Form ein wichtiger Erfolgsfaktor geworden ist.

Foto: Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images

Es war mit Sicherheit kein leichtes Spiel für den 1. FC Köln am vergangenen Freitag in Regensburg. Das lag zum einen daran, dass beim effzeh der ein oder andere Stammspieler fehlte und zum anderen daran, dass die Heimmannschaft aus der Oberpfalz durchaus zu den besseren Teams in der zweiten Bundesliga gehört. Die nackten Zahlen offenbaren dann zwangsläufig auch ein enges Spiel: die Ballbesitzzeiten waren ausgeglichen, ähnlich die Bilanz der Torschüsse. Aus eher psychologischer Sicht schaffte es der effzeh, den Spielverlauf auf seine Seite zu holen: Durch das frühe Tor von Terodde war der Weg vorgezeichnet, Drexler erhöhte kurz vor der Pause. Danach kam der Jahn zum Anschluss, der Tabellenzweite antwortete aber prompt durch den erneuten Toschützen Drexler.

Die Unterschiede zwischen beiden Mannschaften waren insgesamt nicht so groß, wie es der Blick auf das Budget oder die Kaderliste glauben lassen könnte. In einem Aspekt war die Diskrepanz jedoch groß – im Passspiel. Denn während der effzeh vorrangig flache Pässe wählte, setzte man beim Jahn insbesondere in der Schlussphase auf lange Bälle. Speziell das Aufbauspiel verdeutlichte die unterschiedliche Herangehensweise. Der 1. FC Köln verfügt in seiner Dreierkette über Spieler, die den Ball sicher über die erste Pressinglinie des Gegners bringen können. Jorge Meré und Rafael Czichos gehören zu den spielstärksten Innenverteidigern in der Bundesliga und wiesen gegen Regensburg folgerichtet überdurchschnittlich gute Passquoten auf (Czichos 95 % und Meré 82 %). Auf der Sechs zeigte am Freitagabend Vincent Koziello seine Stärken in der Ballbehauptung und -weiterverarbeitung. Der Franzose kommt sehr gut in engen Räumen zurecht und findet immer spielerische Lösungen, um sich zu befreien.

Das „Steil-Klatsch“-Prinzip: Abwechslung der Passformen

Auf diese Weise leitete er auch die sehr gute Torchance von Terodde nach 28 Minuten ein: Koziello wurde von mehreren Regensburgern unter Druck gesetzt, dribbelte gar kurzzeitig Richtung eigenes Tor (was bei vielen Trainern schon für Schnappatmung gesorgt haben dürfte) und spielte dann aus der Bedrängnis einen halbhohen Pass auf Terodde. Mehrere Regensburger wurden durch diese Aktion überspielt (Packing!), Özcan und Cordoba brachten dann den Kölner Torjäger in Schussposition. Ein ähnliches Prinzip brachte den effzeh auch in Führung: Timo Horn schlug einen langen Ball, den Cordoba gut verarbeitete. Darauf folgte ein tiefer Pass von Drexler, den Terodde mit dem Tor krönte.

Bereits zu Beginn der Saison war erkennbar gewesen, dass Markus Anfang viel Wert auf gutes Passspiel legt – dies zeigt sich in den Übungsformen der täglichen Trainingsarbeit. Für ein gutes Passspiel braucht man mehrere Komponenten: zuerst natürlich die technischen Fertigkeiten der Spieler, danach Optionen im Raum (Anspielmöglichkeiten) und auch gewisse Automatismen (einstudierte Muster und Prinzipien). In der Trainerausbildung gibt es dazu Übungen, die sich dem „Steil-Klatsch“-Prinzip widmen. Es umfasst Tempowechsel im Pass- und Kombinationsspiel, in dem sich dynamische, vertikale oder diagonale Pässe mit kurzen, eher kontrollierten Pässen abwechseln.

Drei Spieler in der ersten Linie – Erfolgsfaktor für den 1. FC Köln

Die Torchance des effzeh aus der 28. Minute versinnbildlicht dieses Prinzip, da Koziello sich mit einem Vertikalpass befreite, den Terodde auf Özcan klatschen ließ. Damit war die Regensburger Pressinglinie überspielt und es war auf einmal Raum verfügbar für die Angriffsspieler des 1. FC Köln. Özcan schickte dann Cordoba, dessen Hereingabe die Torchance einleitete. Beim 1. FC Köln waren solche Passmuster auch im Heimspiel gegen Fürth sichtbar, als die Halbverteidiger Schmitz und Czichos mit vertikalen Pässen in die Spitze ihre Stürmer ins Spiel brachten. Es scheint, als hätte Markus Anfang mit der Besetzung der ersten Aufbaulinie des effzeh nun die passende Grundlage gefunden, um das ohnehin schon nicht ganz so schlechte Kombinationsspiel zu verbessern.

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Seitdem Czichos und Schmitz den spanischen U21-Nationalspieler Meré in der Innenverteidigung ergänzen, läuft es beim 1. FC Köln in Bezug auf die sportlichen Ergebnisse – dabei wurden aber weniger die Aufbauspieler, als vielmehr die beiden Stürmer Cordoba und Terodde als Gründe für den Formanstieg ermittelt. Fest steht jedoch, dass das Aufbauspiel des 1. FC Köln wesentlich stabiler und variabler geworden ist und damit die Optionen für die Verbindungsspieler (meist Drexler und Schaub) größer geworden sind. Durch drei Spieler in der ersten Aufbaulinie sind die Passwege kürzer, es bestehen für den Gegner weniger Möglichkeiten, um einen Pass von einem auf den anderen Innenverteidiger zu erlaufen und diesen unter Druck zu setzen. Durch mehrere Stationen verringern sich somit die Einflussmöglichkeiten der Gegner, den Ball zu erobern und das Aufbauspiel zu unterbrechen.

Fußballspielen wollen als Identität

Meré, Czichos und Schmitz haben keine Probleme in der Ballverarbeitung und -weiterleitung, sie können mit zwei, maximal drei Kontakten den Ball kontrollieren und zu einem Mitspieler passen. Durch die geringen Ballkontaktzeiten, einem wichtigen Analyseement für Trainer, hat sich ein gutes Trio ergeben, sodass es für Sobiech und Sörensen schwer werden dürfte, einen der drei zu verdrängen. Als zusätzliche wichtige Option gilt dann der Sechser, dessen Freilaufverhalten und Ballverarbeitung entscheidend dafür sind, dass der Ball aus der ersten über die zweite (meist Höger oder zuletzt Koziello) in die dritte Reihe und damit zu Drexler und Schaub kommt.

Und trotz (oder gerade wegen) der zwischenzeitlichen Schwächephase und der Systemumstellung: die Mannschaft des 1. FC Köln hat in den letzten vier Spielen immer mehr unter Beweis gestellt, sich zu einer dominanten und passstarken Einheit zu entwickeln, die unabhängig von der Herangehensweise des Gegners ihre Prinzipien durchsetzen und damit auch zum Erfolg kommen kann. Aus mittelfristiger Sicht ist die Etablierung dieser Prinzipien wichtig für den Wiederaufstieg, die Identität als passstarke und gut mit Ballbesitz umgehende Mannschaft ist gleichermaßen die Grundlage für den Wiedererkennungswert des 1. FC Köln als Fußballmannschaft. Hoffen wir, dass es bei den positiven Eindrücken bleibt.

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