Folge uns
.

Analyse

Auswärtssieg in Frankfurt: 1. FC Köln siegt im Standard-Duell

Der 1. FC Köln feiert in Frankfurt nach einer Aufholjagd den zweiten Sieg in Folge: Ausschlaggebend waren Standardsituationen. Wir analysieren, was sonst noch wichtig war.

Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images

Zweiter Sieg in Folge für den 1. FC Köln: Während der Englischen Woche siegt die Mannschaft von Trainer Markus Gisdol mit 4:2 in Frankfurt, dreht dabei einen 0:2-Rückstand und schiebt sich in der Tabelle auf Rang 15 vor. Vor der Partie in Hessen waren die Leitmotive des Aufeinandertreffens zwischen dem leicht erschöpften Europa-League-Teilnehmer und dem mittlerweile wieder konkurrenzfähigen Aufsteiger klar festgelegt: Die Eintracht, mittlerweile mit 30 Pflichtspielen stark beansprucht, würde auf ihren Flankenfokus setzen – entweder aus dem Spiel heraus oder nach Standardsituationen. Aus dem Spiel heraus hatte das Team von Adi Hütter seit dem 5:1-Sieg gegen den FC Bayern München kein Tor mehr erzielt. Für den FC bestand also die Hauptaufgabe darin, Frankfurter Abschlussgelegenheiten auf diese Art und Weise zu vermeiden. Personell gab es bei den „Geißböcken“ zwei Wechsel: Benno Schmitz interpretierte seine Rolle als rechter Außenverteidiger deutlich konservativer als der gesperrte Kingsley Ehizibue. Im Sturm ersetzte Jhon Cordoba seinen Kollegen Anthony Modeste, der Kolumbianer galt als Zielspieler für lange Bälle in die Korridore.

Bereits gleich zu Beginn der Partie wurde deutlich, worin die Stärken der SGE liegen: Gleich in der ersten Minute nutzten die „Adler“ einen erzwungenen Ballverlust durch Skhiri, um dann mit Tempo über die Außen Torgefahr heraufzubeschwören. Der folgende Eckball hätte fast das Führungstor gebracht, Hintereggers Kopfball ging allerdings vorbei. Besser machte es der Österreicher nach 6 Minuten, als der FC eine Standardsituation nicht verteidigen konnte und dann doch das frühe 1:0 für die Gastgeber fiel. In dieser Phase gab der FC viele Standards rund um den Sechzehner her, Frankfurt erzeugte viel Druck und ließ dem FC kaum Luft zum Atmen. Die Kölner ließen in einigen Situationen die Ruhe in Ballbesitz vermissen, sodass sich das Szenario entwickelte, das Frankfurt entgegenkam: Stress erzeugen bei Ballbesitz des Gegners, dadurch Ballgewinne und Abschlusssituationen schaffen. Erst nach einer Viertelstunde zeigte sich der 1. FC Köln dann auch offensiv, eine Hereingabe von Drexler konnte Cordoba aber nicht verwerten. Den Offensivspielern aus der Domstadt war anzumerken, dass sie aufgrund der intensiven Spielart der Gastgeber (zumindest zu diesem Zeitpunkt) wenig Zeit am Ball hatten und deswegen häufig die falsche Entscheidung trafen.

Nach einer halben Stunde schien das Spiel gegessen

Zwischen der 20. und 28. Minute gab es dann mehrere Szenen, in denen der FC in 3-vs-2- oder 4-vs-3-Situationen auf das Frankfurter Tor zulief. Die Entscheidungsfindung bei Hector, Jakobs und Kollegen war aber mehr als ausbaufähig. In dieser Phase gelang es aber dem zentralen Mittelfeld rund um Skhiri und Hector, mehr Ordnung in das eigene Spiel zu bekommen. Die Eintracht ihrerseits blieb über Vorstoße und Bälle in die Tiefe auch gefährlich, Paciencia und Kostic kamen aber nicht richtig zum Abschluss. Nach einem erzwungenen Ballverlust von Drexler bekam die SGE dann nach etwa einer halben Stunde einen Eckball, den erneut der Serbe trat – dieses Mal verlängerte ihn Paciencia ins Tor zum 2:0. Zu diesem Zeitpunkt musste man schon sehr viel Fantasie haben, um an einen Punktgewinn des Bundesliga-Aufsteigers zu glauben. Nach 38 Minuten gab es dann schon so etwas wie eine Schlüsselszene, als Kamada im Anschluss an einen Kostic-Fernschuss das 3:0 verpasste – das wäre wohl der endgültige Knock-Out gewesen. Bei den Pässen in der eigenen Offensive passten bei den Kölnern meistens Raumbesetzung und Timing nicht, sodass kein klarer Abschluss zu verzeichnen war. Nach 43 Minuten setzte der starke Katterbach seinen Mitspieler Thielmann ein, der sich aber leider in die falsche Richtung drehte und deswegen eine gute Gelegenheit verpasste.

Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images

Kurz vor dem Seitenwechsel kamen die Kölner aber doch etwas unverhofft ins Spiel zurück: Skhiri gewann den Ball in der eigenen Hälfte, die Anschlussaktion brachte den Ball zu Thielmann auf der rechten Seite. Der Youngster spielte einen guten öffnenden Ball auf Hector, der das Feld und damit mehrere Optionen vor sich hatte. Der Nationalspieler entschied sich aber (wohl auch wegen der Laufwege?) für einen Fernschuss – dieser landete abgefälscht im Tor. Der Schuss hatte einen xG-Wert von 0,01. Nach der Pause ging das Spiel erstmal im vorherigen Tonus weiter, der FC mühte sich in der Offensive, hatte aber nach wie vor mit Raumbesetzung und Passqualität zu kämpfen. Wie gegen Leverkusen sollten dann die Wechsel entscheidend sein: Bei der Eintracht kam Ndicka für Paciencia. Dieser defensive Wechsel hatte zur Folge, dass Hasebe aus der Abwehrzentrale ins defensive Mittelfeld rückte, Ndicka übernahm den Part als halblinker Innenverteidiger. Mit Kamada und Sow besetzten zwei Spieler das offensive Mittelfeld, Hasebe und Kohr blieben etwas tiefer. Markus Gisdol brachte mit Florian Kainz einen neuen Flügelspieler, dessen Auftrag klar erkennbar schien: Möglichst viele Flanken in den Sechzehner schlagen und die Qualität bei Standardsituationen verbessern.

Der 1. FC Köln dreht das Spiel in der Schlussphase

Drexlers Abschluss nach 68 Minuten und eine verpasste Kainz-Flanke markierten dann den Beginn einer wilden Schlussphase. Ob die folgenden 20 Minuten und ihr Verlauf einzig und allein der Tatsache geschuldet waren, dass die Frankfurter körperlich nachließen und eben nicht mehr in der Vehemenz anliefen konnten wie noch zu Beginn der Partie, sei dahingestellt. In jedem Fall entwickelte der 1. FC Köln aber endlich Präsenz in der gegnerischen Hälfte. Im Anschluss an eine dieses Mal von der hessischen Defensive schlecht verteidigten Ecke traf Sebastiaan Bornauw nach Kainz-Vorarbeit zum Ausgleich. Direkt im Gegenzug dann die nächste Schlüsselszene: Daichi Kamada scheiterte aus aussichtsreicher Position an Timo Horn, zuvor hatte er Skhiri verladen – eine sehr gute Chance. Wiederum nur wenig später kam Drexler zum Abschluss. Das Momentum in dieser Phase lag aber deutlich auf Seiten der Gäste, die nach 81 Minuten dann in Führung gingen, erneut nach einer Anschlussaktion an einen Eckball. Dieses Mal brachte Schmitz den abgewehrten Ball zu Kainz, der mit einer flachen Hereingabe Drexler fand. In der Nachspielzeit fiel nach einem Konter über Modeste und Terodde noch das 4:2 durch Ismail Jakobs. Bei beiden Treffern zeigte sich, dass die Frankfurter Hintermannschaft insbesondere in Person von Makoto Hasebe nicht mehr ganz auf der Höhe schien. Beim 3:2 für die Kölner rückte er zu spät raus, beim 4:2 stellte er Modeste aus unerfindlichen Gründen nicht ins Abseits.

Auch interessant
4:2-Sieg des 1. FC Köln in Frankfurt: ... und sie weigerten sich einfach zu verlieren!

Mit dem erneuten Erfolg gegen einen Europapokal-Teilnehmer hat der FC nun einen überraschenden Zwischensprint hingelegt, der die Mannschaft nun auf Rang 15 katapultiert. In der aktuellen Grundordnung 4-1-4-1, mit Skhiri, Hector und Drexler im Mittelfeldzentrum, ist der FC einigermaßen stabil. Gerade Kapitän Hector überragte in den letzten beiden Partien. Gegen Frankfurt zeigte er sich sowohl defensiv (7 Tacklings, die meisten aller Spieler) und offensiv (6 Abschlüsse, die meisten aller Spieler) engagiert. Die jungen Spieler bringen über die Außen Tempo, wenngleich im offensiven Umschaltverhalten häufig falsche Entscheidungen getroffen werden. Dass der 1. FC Köln aber trotzdem zwei Siege feiern konnte, lag auch an den Spielern, die erst nach etwa einer Stunde eingewechselt wurden – gegen Leverkusen waren es Risse und Cordoba, gegen Frankfurt Kainz. Die veränderte Dynamik im Laufe eines Spiels zu Gunsten der eigenen Mannschaft zu beeinflussen ist Markus Gisdol damit zweimal in Folge gelungen. Wenn am Samstag gegen Bremen erneut etwas Zählbares herausspringt, endet diese unruhige Hinrunde doch noch einigermaßen versöhnlich.

Mehr aus Analyse

.