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Meinung

Personalsuche beim 1. FC Köln: Lieber Geduld statt Schnellschuss

Bislang gab es beim 1. FC Köln weder einen neuen Geschäftsführer noch einen neuen Trainer zu vermelden –naheliegende Lösungen für beide Positionen versprechen auch keine sofortige Besserung. Geduld könnte sich als wichtige Tugend erweisen.

Foto: Jörg Schüler/Bongarts/Getty Images

Eine Woche ist vergangen, seitdem der 1. FC Köln sowohl den Vertrag mit dem ehemaligen Geschäftsführer Sport Armin Veh auflöste als auch den früheren Trainer Achim Beierlorzer freistellte. Seitdem befindet sich der Verein, dem in der Bundesliga ein harter Abstiegskampf ins Haus steht, in einer Situation, in der auf der operativen sportlichen Entscheidungsebene die Nachfolger noch zu finden sind. Handlungsfähig ist der 1. FC Köln allerdings dennoch, weil Frank Aehlig Vehs Aufgaben in der sportlichen Leitung übernommen hat. Nach dem Testspiel gegen Zwolle am Donnerstag und dem freien Wochenende werden aller Voraussicht nach die beiden Interimstrainer André Pawlak und Manfred Schmid die Mannschaft auf das Auswärtsspiel in Leipzig vorbereiten und die Trainingsarbeit verantworten.

Die Trainingswoche beginnt für die Profis am Montag um 15 Uhr und es erscheint zum jetzigen Zeitpunkt unwahrscheinlich, dass bis dahin ein neuer Trainer präsentiert wird. Am Sonntag wurde bekannt, dass wohl auch Pal Dárdai, einer der offensichtlichen Wunschkandidaten für die Beierlorzer-Nachfolge, dem 1. FC Köln abgesagt haben soll. Zuvor hatte bereits Bruno Labbadia bekundet, in dieser Lage nicht für den FC arbeiten zu wollen. Frank Aehlig muss daher weiter nach einem geeigneten Kandidaten suchen. Und auch eine Ebene weiter oben gab es bis dato keinen Vollzug zu vermelden: Weder Horst Heldt noch Erik Stoffelshaus oder Kandidat X konnten die Entscheider offenbar bislang so von sich überzeugen, dass sie am Geißbockheim ein Arbeitspapier unterschreiben durften.

Ruhe bewahren und die richtigen Entscheidungen treffen

Der selbst aufgestellte Zeitplan, bereits vor dem Auswärtsauftritt im Osten der Republik einen neuen Trainer zu haben, scheint daher wahrscheinlich nicht eingehalten werden zu können. Unter der Prämisse, dass der neue Geschäftsführer auch in die Suche des neuen Trainers eingebunden werden sollte, gibt es daher beim FC vielleicht auch folgerichtig noch keinen Vollzug zu vermelden – einen Schnellschuss hat es in der vergangenen Woche also nicht gegeben. Ist das nun beunruhigend oder eher ein gutes Zeichen?

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Übergeordnetes Ziel für den sportlichen Bereich des 1. FC Köln sollte es sein, dass der neue Geschäftsführer und der neue Trainer in dieselbe fußballerische Richtung denken und ihre Ideen für die Arbeit mit der Mannschaft nicht komplett konträr sind. Das Risiko bestünde natürlich, wenn der Vorstand (auf der Suche nach einem neuen Geschäftsführer) und Frank Aehlig (auf der Suche nach einem neuen Trainer) nicht miteinander kommunizieren würden – voneinander unabhängige Lösungen würden wieder das Risiko bergen, dass die beiden wichtigsten Verantwortlichen für die sportlichen Leistungen nicht konstruktiv zusammenarbeiten würden. Diese Gefahr muss der 1. FC Köln in seiner aktuellen Situation in jedem Fall ausschließen.

Pawlak und Schmid bis zum Winter?

Von daher erscheint es als richtiger Schritt, lieber ein wenig abzuwarten und nicht gleich den erstbesten Kandidaten für beide Positionen einzustellen. Doch wie lange soll der 1. FC Köln warten? Besteht nicht irgendwann ein Handlungsdruck, der die Verantwortlichen zum Agieren zwingt und ihnen die Konditionen diktiert? Aus rein sportlicher Sicht betrachtet gilt, dass der FC natürlich zusehen muss, dass er bis Winter noch punktet, um nicht komplett den Anschluss zu verlieren und in eine Lage zu geraten, die der Saison 2017/2018 ähneln würde. Anders betrachtet sind es bis zur Winterpause nur noch sechs Spiele, darunter Mitte Dezember eine Englische Woche. Die Frage verbleibt, ob ein neuer Trainer in dieser Zeit überhaupt die Impulse setzen kann, die nötig wären – und ob nicht Pawlak und Schmid die Arbeit bis dahin übernehmen könnten.

Frank Aehlig

Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Vielleicht wäre es daher eine Überlegung wert, das Duo bis zum Jahreswechsel weiter zu beschäftigen und dann die Lage neu zu bewerten. Vielleicht wäre die kurze Winterpause von zwei Wochen genau der richtige Moment, um einen neuen Trainer zu installieren. Betrachtet man den Markt für Fußballtrainer im Moment, erscheint derzeit aber sowieso kein Kandidat so herausragend, dass man ihn sofort verpflichten müsste – ganz zu schweigen davon, dass Fußballtrainer sich den FC vielleicht auch gar nicht antun möchten. Für einen Prozess der Stabilisierung bis Weihnachten könnten Pawlak und Schmid also möglicherweise sogar die richtigen Kandidaten sein. Beide sind mit dem 1. FC Köln bestens vertraut, kennen die Mannschaft und ihre Abläufe – und können vielleicht andere Impulse setzen. Es ist in jedem Fall eine Abwägungssache für Aehlig, der die Vor- und Nachteile eines neuen Kandidaten mit dem Status quo abgleichen muss.

Naheliegende, einfache Lösungen versprechen keinen Erfolg

Auf der Position des Geschäftsführers besteht natürlich auch ein gewisser Handlungsbedarf, der die mittel- und langfristige sportliche Planung des 1. FC Köln in den Blick nimmt. Vorrangig dürfte es die Aufgabe sein, den Kader zu entschlacken, um finanzielle Mittel freizumachen – der Transfersommer riss bekanntlich ein großes Loch ins Budget, der anvisierte Klassenerhalt scheint momentan auf Pump finanziert zu werden. Für große Sprünge auf dem Transfermarkt im Winter dürfte daher nicht ausreichend Geld zur Verfügung stehen. Eher wird es wohl darum gehen, Reservisten wie Koziello oder Hauptmann, die beide für mehr als sechs Millionen Euro verpflichtet wurden, einigermaßen gewinnbringend Optionen aufzuzeigen. Das beste Szenario wäre natürlich, wenn beide wieder Kandidaten für den Spieltagskader werden würden.

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Insgesamt ist es also keine einfache Lage für den FC, in dem aber auch die naheliegendsten Lösungen nicht sofort Besserung versprechen würden – die Entscheidungsträger des Vereins muss sehr genau aufpassen, sich nicht von der öffentlichen Meinung treiben und Geduld walten zu lassen. Vielleicht ist die jetzige Situation gar eine Chance, in der sich junge und unverbrauchte Kandidaten auf ein Amt bei einem Bundesligisten bewerben können, um ihn in eine bessere Zukunft zu führen und sportlich endlich mal wieder konkurrenzfähig werden zu lassen. Menschen einzustellen, damit man Ruhe hat und endlich keinen Stress mit der Suche mehr haben muss, wäre genau der falsche Weg.

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