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Analyse

Remis in Leipzig: Der 1. FC Köln geht nicht auf Abstand

Der 1. FC Köln hält gegen Leipzig die Null und kann sich über einen verdienten Punkt freuen. Die neu gewonnene Stabilität scheint sich zu verfestigen.

Foto: Oliver Hardt/Getty Images

Der 1. FC Köln erreicht im letzten Bundesliga-Spiel des Jahres 2020 ein 0:0 bei favorisierten Leipzigern – mit einem engen 4-3-3 und einer insgesamt doch eher destruktiven Herangehensweise gelang das auch. Man fühlte sich fast an Spiele unter Peter Stöger in der Saison 2014/2015 erinnert, als der FC nach dem Wiederaufstieg neunmal 0:0 spielte und dabei nicht wirklich viel offensiven Esprit versprühte. Aber: Im Fußball heiligt der Zweck die Mittel, der Mannschaft von Markus Gisdol ist es binnen weniger Wochen zum zweiten Mal gelungen, einem Champions-League-Teilnehmer Punkte abzunehmen.

Nach dem 1:0-Auswärtssieg in Mainz, bei dem Timo Horn erstmals seit Februar wieder zu Null spielen konnte, wiederholte er dieses Kunststück nun auswärts bei Leipzig. Und auch hier lohnt ein genauerer Blick in die Statistik: Zusammen mit Leverkusen kassiert der FC die wenigsten Gegentore auf des Gegners Platz (4). Und da auch die Offensive des FC auswärts mit eigenen Treffern geizt (bisher traf der FC in sechs Spielen fünfmal), zählen Partien mit dem 1. FC Köln als Auswärtsmannschaft bisher nicht zu den Highlights der Bundesliga-Saison. Mit neun Punkten holt der FC allerdings bisher das Gros der Zähler auf fremden Platz. meistens in dem Wissen, dass die eigene Spielweise hier erfolgsversprechender ist als zuhause. Denn wenn der Gegner den Ball hat, das Spiel kontrolliert, dann fühlt sich der FC in diesem Winter am wohlsten.

Enges 4-3-3 und Leipziger Dominanz

Gegen Leipzig kehrte das Team von Markus Gisdol zu einer Viererkette zurück, letztmals hatte der Kölner Coach seine Mannschaft gegen Union Berlin mit dieser Grundordnung ins Rennen geschickt. Das 0:4 gegen Leverkusen zeigte die Defizite dieser Herangehensweise auf. wenn es dem FC misslingt, die Räume für den Gegner klein zu halten. Die Maßgabe, im 4-3-3 möglichst enge Abstände zu halten und immer wieder mit Tempo herauszurücken, war daher das Mittel der Wahl für den FC in Leipzig. Das Mittelfeldzentrum bildeten, wie zuletzt immer, Ellyes Skhiri als tiefer Sechser, flankiert von Salih Özcan und Elvis Rexhbecaj, die immer wieder auf die Außen verschoben und dort den Gegner attackierten.

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Davor formierten sich in der ersten Verteidigungslinie des FC Jan Thielmann, Ondrej Duda und Dominick Drexler, immer eng angebunden an die Linie dahinter und mit der klar erkennbaren Aufgabe, erst in der eigenen Hälfte zu attackieren. Situative (Gegen-)Pressingsituationen gab es auch, allerdings sehr wenige. Die Leipziger, die in dieser Saison nur gegen Mönchengladbach und Manchester United ohne eigenen Treffer geblieben waren, kamen allerdings dennoch zu Abschlüssen – und hätten, so viel kann man vorwegnehmen, auch durchaus treffen können, wenn nicht gar müssen.

Angelino vergibt die besten Chancen

Was der FC in dieser Partie gut machte, war die Koordination des eigenen Pressings: Gerade die erste Linie rund um Duda und Co. kommunizierte auf dem Feld offensichtlich so gut, dass kein Spieler auf eigene Faust den Ball zurückerobern wollte, sondern immer zusammen mit seinen Mannschaftskollegen attackierte. Auf diese Weise entstanden nur ganz selten Situationen, in denen die Leipziger mit viel Raum aufdrehen konnten. Zudem versuchte der FC immer wieder, das Spieltempo zu drosseln und durch einen ruhigen Spielaufbau für Verschnaufpausen zu sorgen. Und da Leipzig auch nicht hochintensiv presste, sondern erst auf den Außenbahnen attackierte, war das Spiel nicht so temporeich.

Foto: Oliver Hardt/Getty Images)

Wenn die Leipziger zu Chancen kamen, dann meistens über Situationen, in denen das Spiel „über den dritten Mann“ (ergo eine Anspielstation in der Spitze, meistens Poulsen, später Sörloth) funktionierte und eine Ablage Raumgewinn brachte. Auch Spielverlagerungen, meistens von rechts (Mukiele) auf links (Angelino), brachten die Kölner Defensive in Schwierigkeiten, weil hier mit hohem Tempo verschoben werden musste. Der Spanier auf links war auch gleich an mehreren guten Aktionen beteiligt, nach 33 und 36 Minuten hätte er sein Team in Führung schießen müssen.

Die Kölner Stabilität ist zurück

Nach einem Ballverlust des ansonsten soliden Katterbach gewann Haidara den Ball hoch im Feld und flankte, obwohl der Strafraum nicht besetzt war. Eine Abwehraktion von Timo Horn landete bei Angelino, dessen Schuss der starke Jorge Meré allerdings klären konnte. Drei Minuten später: Skhiri spielte einen Fehlpass, danach ging es über Marcel Sabitzer schnell in die Spitze, doch Angelino scheiterte im Eins-gegen-Eins an Timo Horn, der lange stehen blieb und sich anschießen ließ. In der zweiten Halbzeit hatte dann Kevin Kampl die größte Gelegenheit, sein Schuss nach gutem Ballvortrag ging allerdings vorbei. Und weil Timo Horn alle anderen Versuche ebenfalls abwehren konnte, stand für eine im zweiten Durchgang dann doch relativ uninspirierte Leipziger Elf „nur“ ein 0:0 zu Buche. Für den FC hingegen war es ein Erfolg.

Die eigenen Offensivbemühungen waren allerdings spärlich: In den ersten 27 Minuten war das Gisdol-Team gar nicht im gegnerischen Sechzehner, nach 39 Minuten gab es immerhin einen Abschluss von Drexler. Abgesehen davon beschränkten sich die Kölner auf das Einhalten der engen Abstände und die Kernarbeit der Defensive. Nicht umsonst lagen die Gäste bei allen defensivrelevanten Statistiken (Interceptions, Klärungsaktionen, Blocks) teilweise weit vor den Leipzigern. Umgekehrt führten diese natürlich bei den Offensiv-Statistiken, zum Beispiel bei Torschüssen (18 zu 4). Und auch bei den xG-Werten lagen die Gastgeber weit vorne, das Modell wies bei der Plattform fbref.com Werte von 2,2 (Leipzig) und 0,5 (Köln) aus.

Doch alle Statistiken sind Makulatur, denn: Der FC hat seine Stabilität gefunden und das unterscheidet ihn von den anderen Mannschaften im Tabellenkeller, vorrangig Mainz und Schalke. Die besseren Leistungen zuletzt hängen in erster Linie damit zusammen, dass der FC besser, konzentrierter und kompakter verteidigt. Wenn es nun noch, ähnlich wie im Vorjahr, gelingt, Konterstärke zu ergänzen, dürfte der FC bald häufiger punkten. Doch dass dort noch ein langer Weg vor den Kölnern liegt, wird wahrscheinlich schon das DFB-Pokalspiel gegen Osnabrück zeigen – denn dann ist Eigeninitiative gefordert.

 

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