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Nachspiel

„Goldener Punkt“ bei gefühltem Sieg: 1. FC Köln mauert sich in Leipzig zum 0:0

Zum Abschluss des Bundesliga-Jahres holt der 1. FC Köln in Leipzig einen überraschenden Punkt. Die „Geißböcke“ überzeugen beim torlosen Remis vor allem mit großem Einsatzwillen.

RB Leipzig - 1.FC Koeln / 19.12.2020 Leipzig, 19.12.2020, Red Bull Arena, Fussball, Bundesliga, 13.Spieltag , RB Leipzig vs. 1.FC Köln 0:0 , Torchance für RB Leipzig - Köln Torwart Horn pariert. Im Bild v.l.: Ellyes Skhiri 28, Koeln, Nordi Mukiele 22, RB Leipzig, Willi Orban 4, RB Leipzig und Torwart Timo Horn 1, Koeln. , DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video. *** RB Leipzig 1 FC Koeln 19 12 2020 Leipzig, 19 12 2020, Red Bull Arena, Football, Bundesliga, 13 Spieltag , RB Leipzig vs 1 FC Köln 0 0 , Goal chance for RB Leipzig Köln Goalkeeper Horn saves In picture f l Ellyes Skhiri 28, Koeln , Nordi Mukiele 22, RB Leipzig , Willi Orban 4, RB Leipzig and goalkeeper Timo Horn 1, Koeln , DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and or quasi video
Foto: imago images / Picture Point LE

1149 Tage: Solange musste der 1. FC Köln auf ein torloses Remis in der Bundesliga warten. Doch war es vor mehr als drei Jahren im Heimspiel gegen Werder Bremen noch eine gefühlte Niederlage für die „Geißböcke“, die unter Peter Stöger tief in der Krise steckten, war die kölsche Gefühlslage nach dem 0:0 in Leipzig eine gänzlich andere. „Für uns ist das ein goldener Punkt“, frohlockte FC-Coach Markus Gisdol nach der Partie, in der seine Schützlinge dem Champions-League-Achtelfinalisten mit großer Leidenschaft und dem nötigen Quäntchen Glück einen wichtigen Zähler abtrotzen konnten.

„Ich freue mich heute unglaublich über diesen Punkt. Mit einer außerordentlich engagierten Leistung und taktischer Disziplin hat sich die Mannschaft den Punkt verdient“, betonte der gebürtige Schwabe sichtlich erleichtert nach einer Abwehrschlacht über weite Phasen der 90 Minuten. „Vor einem Jahr wurden wir hier schwindelig gespielt, heute haben wir es gut gemacht. Wir haben Leipzig nicht in die Umschaltsituationen kommen lassen, bei denen sie so stark sind“, lobte Gisdol vor allem das defensive Auftreten der „Geißböcke“, die sich drei Tage nach der verdienten 0:4-Niederlage gegen Leverkusen im Abwehrverbund klar verbessert präsentierten.

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Horn vor der Pause im Brennpunkt des Geschehens

Dass an diesem Samstagnachmittag aber auch das Spielglück den Kölnern hold war, wurde bereits direkt nach dem Start der Partie deutlich: Nach einem missglückten Schlag von FC-Keeper Timo Horn kombinierten sich die Leipziger zum ersten Treffer des Spiels – allerdings aus Abseitsposition, so dass Schiedsrichter Brych dem Tor von Amadou Haidara die Anerkennung verweigerte (2.). Wie schon gegen Leverkusen entwickelte sich von Beginn an ein Spiel in eine Richtung, allerdings verteidigte der FC die Angriffsversuche der Gastgeber diesmal deutlich konzentrierter und energischer als noch unter der Woche. Haidaras Abschluss nach fast einer halben Stunde ans Außennetz war die nächste größere Möglichkeit für Leipzig (26.).

„Wir waren von der individuellen Klasse her unterlegen, haben das aber mit einer tollen kämpferischen Leistung wettgemacht.“

„Dass Leipzig mit dieser extrem spielstarken Mannschaft das Spielkommando übernehmen würde, war zu erwarten. Nicht ohne Grund haben die Leipziger in der Champions League auch eine Mannschaft wie Manchester United an die Wand gespielt. Wir waren von der individuellen Klasse her unterlegen, haben das aber mit einer tollen kämpferischen Leistung wettgemacht“, befand FC-Schlussmann Timo Horn, der noch in der ersten Halbzeit gleich doppelt im Fokus stand. Erst patzte er bei einer Flanke, doch den folgenden Abschluss von Leipzigs Linksverteidiger Angelino wehrte Jorge Mere ab (33.). Wenig später parierte der Kölner Kapitän im direkten Duell mit dem offensivfreudigen Außen der Gastgeber glänzend (36.).

Mit vollem Einsatz gegen die Leipziger Angriffswellen

Doch mit zunehmender Spieldauer nahm der FC dem Champions-League-Achtelfinalisten zunehmend die Lust am Kombinieren und traute sich auch offensiv etwas zu. Der für den angeschlagenen Jakobs in die Startelf gerutschte Drexler vergab nach Katterbachs Flanke die einzige Kölner Möglichkeit der ersten Hälfte (39.). Leipzig spielte, Köln verteidigte: An diesem Bild änderte sich auch nach dem Seitenwechsel ebenso wenig wie an der mangelnden Chancenverwertung der Sachsen. Forsberg verzog knapp (56.), Kampl vergab allein vor Horn (66.), der gegen Orban stark hielt (73.). Doch der FC stemmte sich mit vollem Einsatz und der nötigen Cleverness gegen die Angriffswellen der Leipziger, denen gerade in der Schlussphase nicht mehr viel gegen das kölsche Abwehrbollwerk einfiel.

LEIPZIG, GERMANY - DECEMBER 19: Kevin Kampl (C) of RB Leipzig competes for the ball with Salih Oezcan (R) of 1. FC Koeln during the Bundesliga match between RB Leipzig and 1. FC Koeln at Red Bull Arena on December 19, 2020 in Leipzig, Germany. Sporting stadiums around Germany remain under strict restrictions due to the Coronavirus Pandemic as Government social distancing laws prohibit fans inside venues resulting in games being played behind closed doors. (Photo by Oliver Hardt/Getty Images)

Foto: Oliver Hardt/Getty Images

„Wir haben es heute wieder geschafft, eine große Mannschaft zu ärgern“, war auch Horn zufrieden mit dem Auftritt seiner Vorderleute und schielte sogar auf eine große Chance aus der Nachspielzeit. Jan Thielmann war bei einem der seltenen Kölner Konter vor dem Tor der Gastgeber aufgetaucht, sein abgefälschter Schuss von der Strafraumgrenze rauschte nur knapp am rechten Pfosten vorbei (90.+2). „Ganz am Ende hatten wir noch die Möglichkeit auf den Lucky Punch, aber das wäre dann zu viel des Guten gewesen“, lächelte Horn und zog ein positives Fazit nach dem torlosen Remis: „Wir haben eine Reaktion auf das Spiel gegen Leverkusen gezeigt, kämpferisch wie läuferisch alles reingeworfen. In einer englischen Woche ist das körperlich nicht selbstverständlich, dass die Jungs in dieser Form nochmal alles aus sich rausgeholt haben. Deshalb haben wir uns den Punkt verdient.“

Auswärts ist der 1. FC Köln stark

Ein Punkt, der vor allem die Auswärtsstärke des 1. FC Köln in dieser Saison noch einmal unterstrich. Neun der elf Punkte, die die „Geißböcke“ zur kurzen Weihnachtspause auf dem Konto haben, holten sie auf fremdem Geläuf – einzig in Bielefeld konnte die Mannschaft von Trainer Markus Gisdol auf Reisen nichts Zählbares mitnehmen. Lediglich vier Gegentreffer musste der FC dabei in den bisherigen sechs Auswärtsspielen hinnehmen – keine Mannschaft kassierte in dieser Bundesliga-Saison weniger Tore in der Fremde. „Wir stehen stabil, das ist für uns ein Schlüssel. Für uns ist jetzt der nächste Schritt, dass wir auch zu Hause unsere Punkte holen. Das ist unsere Aufgabe für das neue Jahr“, ist sich auch FC-Coach Gisdol der Diskrepanz zwischen Heim- und Auswärtsleistungen bewusst.

„Für uns ist jetzt der nächste Schritt, dass wir auch zu Hause unsere Punkte holen. Das ist unsere Aufgabe für das neue Jahr.“

Vor Weihnachten heißt die Aufgabe für die „Geißböcke“ allerdings, im DFB-Pokal einen weiteren Heimsieg einzufahren. Nach der lockeren Auftakthürde Altglienicke (6:0) wartet nun mit dem VfL Osnabrück am Dienstag eine knackigere Aufgabe auf das Gisdol-Team. Anders als zuletzt in der Bundesliga geht der FC dabei als klarer Favorit in die Partie im Müngersdorfer Stadion – eine Herausforderung für das spielerisch immer noch schwierig daherkommende Gebilde. Im Ligabetrieb geht es für die Kölner derweil bereits am 2. Januar weiter, wenn der FC Augsburg zu Gast in der Domstadt sein wird. Bis dahin überwintert der 1. FC Köln dank Stabilität in der Fremde und einem „goldenen Punkt“ zum versöhnlichen Abschluss auf Platz 15 – und hoffentlich auch im Pokal.

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