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Analyse

Dreikampf in der Innenverteidigung: Klagen auf hohem Niveau?

Rafael Czichos scheint gesetzt, Sebastiaan Bornauw startet gut und Jorge Meré muss kämpfen – die Zusammensetzung der Innenverteidigung des 1. FC Köln könnte auch in Zukunft interessant werden.

Foto: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images

Spieltag fünf steht für den 1. FC Köln auf dem Programm und es wartet die höchste aller Hürden – die Mannschaft von Trainer Achim Beierlorzer trifft am Samstag auf den Branchenprimus aus München. Nach dem bisherigen Saisonstart, der mit einem Sieg aus vier Spielen erwartbar, aber dennoch nicht zufriedenstellend verlief, stehen die Chancen auf einen Auswärtssieg in Bayern auch recht gering – abgeschenkt werden soll dennoch nicht, wie Beierlorzer betont. Gegen die Münchner möchte er mit seiner Mannschaft seinen Stil durchziehen – hohes Anlaufen, intensives Pressing, schnelles Überbrücken des Mittelfelds in eigenem Ballbesitz lauten hier die Stichworte. Eine etwas defensivere Herangehensweise als noch in Freiburg scheint gegen das Starensemble von der Isar aber dennoch ratsam.

„Es ist für uns als Mannschaft unheimlich wichtig, dass wir auch mal individuell bei Spielen mit einer anderen Elf auflaufen. Und derjenige, der dann mal nicht aufläuft, sagt: Okay, ist vielleicht für dieses Spiel das Beste für die Mannschaft“, unterstrich Beierlorzer auf der Pressekonferenz. Der Kölner Coach muss am Samstag den verletzten Aufbauspieler und Staubsauger Birger Verstraete ersetzen – der belgische Neuzugang fällt nach einem Eingriff am Knie vorerst aus. Zuvor hatte er in den letzten Partien versucht, als tiefer Sechser die Ballzirkulation im Übergang von Innenverteidigung in Richtung Mittelfeld aufrechtzuerhalten – eine Aufgabe, die für die Mannschaft des 1. FC Köln nicht so leicht zu bewerkstelligen war. Es gehört nicht zu Beierlorzers Stil, mit viel Geduld und Verlagerungen das eigene Spiel aufzubauen, vielmehr setzt er auf lange Bälle. Mit ein wenig mehr Variantenreichtum könnte seine Mannschaft aber auch mehr Offensivaktionen kreieren, die über den Kampf um zweite Bälle hinausgehen.

Czichos scheint gesetzt, Meré muss kämpfen

Das Aufbauspiel beginnt derweil schon in der eigenen Viererkette, von der die meisten Aktionen aus initiiert werden. Rafael Czichos präsentierte sich bisher vergleichsweise solide, er erfüllt die an ihn gestellten Aufgaben zufriedenstellend, allerdings ohne dabei zu glänzen. Bis auf das Eigentor in Freiburg und den verlorenen Zweikampf vor Weghorsts 2:0 im ersten Spiel in Wolfsburg gelang ihm der Übergang in die neue Spielklasse recht gut. Czichos ist wohl gesetzt, weil er durch seine Natur als Linksfuß und seine bisherigen Leistungen nicht so leicht ersetzbar scheint.

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Als fester Nebenmann des ehemaligen Kielers war vor der Saison eigentlich der Spanier Jorge Meré eingeplant, der im Juli mit der spanischen U21-Nationalmannschaft noch den Europameistertitel holte. Der Innenverteidiger kam bei diesem UEFA-Wettbewerb in allen drei Vorrundenspielen zum Einsatz, was seinen Marktwert deutlich steigerte. In der Vergangenheit war immer wieder von einem Interesse von Vereinen aus seinem Heimatland berichtet worden, Meré verlängerte jedoch seinen Vertrag beim FC. Der dritte Innenverteidiger, mit dem der Aufsteiger in die Saison ging, ist Lasse Sobiech, der in der vergangenen Saison in 17 Spielen zum Einsatz kam, in dieser Saison aber noch ohne Spielminute ist.

Sebastiaan Bornauw passt zu Beierlorzers Spielanlage

Anfang August bekamen Meré, Czichos und Sobiech mit Sebastiaan Bornauw einen weiteren Konkurrenten an die Seite gestellt, der den Kölner Nachholbedarf in Sachen Körperlichkeit und Athletik in der Innenverteidigung ausbessern sollte. Der Belgier feierte dann sein Debüt gegen Dortmund und stellte dort unter Beweis, was ihn insbesondere von Meré unterscheidet: Während der Spanier viele Szenen antizipiert und als spielmachender Defensivakteur agiert, zeigt sich Bornauw als resoluter Zweikämpfer, der im Spiel mit Ball oftmals auf den langen Schlag ausweicht. Bis dato absolvierte Meré, wahrscheinlich der Spieler mit dem höchsten Marktwert beim 1. FC Köln, das Erstrundenspiel bei Wehen, die Auftaktpartie in Wolfsburg und dann eine Halbzeit in Freiburg – keine Situation, die den 22-jährigen Iberer zufriedenstellen dürfte.

Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

„Wir entscheiden uns nicht gegen einen Spieler, sondern für die anderen. Die anderen beiden Innenverteidiger, Sebastiaan Bornauw und Rafael Czichos, fand ich zuletzt einfach einen Tick besser“, erklärte Achim Beierlorzer im Vorfeld der Partie beim FC Bayern. Der Trainer führte weiterhin aus, dass trotz der guten Leistungen die Tür für Meré nicht zu sei: „Sie machen das sehr gut und schmeißen sich in alle Situationen rein. Ich spreche viel mit Jorge, um ihm aufzuzeigen, wie der Weg rein in die Mannschaft wieder funktionieren kann.“ Ein möglicher Grund für den Vorsprung von Bornauw könnte sein, dass der Belgier mit Beierlorzers aggressiver Art, den Raum zu verteidigen, besser klarkommt – Meré, so scheint es, verteidigt lieber ein wenig tiefer im Feld, weil er im Vergleich mit dem Belgier auch Temponachteile haben könnte. Die spielerische Komponente hingegen müsste eigentlich den Ausschlag in Richtung des Spaniers geben.

Meré auf der Bank: Klagen auf hohem Niveau?

Der Stammspieler der vergangenen Saison wird wohl auch daran zu knabbern haben, dass er momentan nicht über die Rolle des Reservisten hinauskommt. Am Tag vor der Pressekonferenz erklärte Beierlorzer in Bezug auf die Kaderspieler 12 bis 18: „Natürlich wünsche ich mir von dem einen oder anderen noch mehr Engagement, ein deutliches: ‚Ich will unbedingt in diese erste Elf!'“ Einige Spieler könnten „noch ein bisschen drauflegen“, „unzufrieden“ sei er mit diesen Spielern aber nicht. Vielleicht war mit diesen Worten ja auch Jorge Meré gemeint, der in der kommenden Zeit den Konkurrenzkampf annehmen muss. Dem Spanier sei aber auch zugestanden, dass er nach der langen U21-Europameisterschaft erst Ende Juli das Mannschaftstraining beim FC aufnahm und vielleicht erst ein wenig später den Fitnesszustand entwickelt, den es für die Bundesliga braucht.

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Eine Möglichkeit, alle drei Innenverteidiger spielen zu lassen, wäre eine Dreierkette – davon ist aber nicht auszugehen, weil Beierlorzers Fußball-Idee auf einer Grundordnung im 4-4-2 beruht. Und Sebastiaan Bornauw hat das in ihn gesetzte Vertrauen bislang zurückgezahlt. Gegen seine lang gespielten Pässe ist ja im Grunde auch nichts einzuwenden, solange sie vorbereitet sind (das heißt, dass die Abnehmer sich entsprechend positionieren) und in einer Höhe und einem Tempo ankommen, dass sie verarbeitet werden können. Konkurrenzkampf von mehreren Spielern für eine Position heißt auch, dass die Trainingsleistungen ausschlaggebend sind und jeder Spieler immer bereit sein muss, seine Leistung zu bringen. Solche Zeiten gab es beim 1. FC Köln nicht immer, deswegen ist es zumindest in diesem Aspekt Klagen auf einem hohen Niveau, wenn ein Spieler wie Jorge Meré auf der Bank sitzt.

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